Schweißen lernen: Grundwissen, Geräte & Zubehör für Anfänger

Schweißen lernen muss nicht immer schwierig sein. Neue Schweißgeräte machen das Dünnblechschweißen dank MIG/MAG-Verfahren einfacher. Ein Selbstversuch!

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Der Autor beim Schweißen in der Werkstatt.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Probeschweißen in der Garagen-Werkstatt der AUTO ZEITUNG.

Schweißdraht wird im Gerät nachgelegt.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Rüsten: Hier können 1,0- oder 5,0-kg-Rollen an Schweißdraht eingelegt werden.

Die Bedienoberfläche eines Schweißgeräts.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Alle Voreinstellungen gelingen komfortabel über zwei Dreh-Drück-Steller am Display.

Schweißdraht liegend auf dem Schweißgerät fotografiert.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Richtig auf Draht: Neben Universaldraht gibt es einen speziellen Kfz-Draht mit 0,6 mm Dicke.

Die Manometer eines Schweißgerätes.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Schutzgas: Der Durchfluss lässt sich hier am Druckminderer genau vorwählen.

Eine Absetz-Lochzange.
Absetz-Lochzange Foto: Thomas Starck

Mit einer Absetz-Lochzange wie dieser von Gedore kann man sehr komfortabel und punktgenau Aufsatzbleche für die Lochpunktschweißung vorbereiten.

Bleche liegend neben einer Absetz-Lochzange fotografiert.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Bleche mit Flex von Farbe, Rost, Zink und Fett befreien (links oben). Dann eine Blechseite mit Zange absetzen, die  andere mit der Zange lochen (oben mittig). Lochpunktschweißen und eben schleifen, dann spachteln und lackieren (rechts oben).

Der Auto beim Schweißen fotografiert.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Fummelig: Beim WIG-Schweißen muss der Zusatzwerkstoff als Stabdraht per Hand in das Schmelzbad geführt werden.

Eine Flasche mit Schutzgas.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Für das WIG-Schweißen kommt reines Argon 4.6 als Schutzgas zum  Einsatz – hier das von Tyczka Industrie-Gase (TIG).

Schweißen mit Hartlötverfahren.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Zinkbleche verbinden, hier im Hartlötverfahren mit korrosionsbeständigem CuSi3-Löt-Draht.

Zuschneiden von Blech mit einem Knabber.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Mit dem Knabber gelingt es, das Blech sauber zuzuschneiden.

Ein Blech wird mithilfe eines Winkelschleifers geschliffen.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Planschliff mit "durchsichtiger" Segment- Fächerscheibe und Stahlwerk-Akku-Winkelschleifer.

Stoß-an-Stoß-Schweißen im Detail fotografiert.
Schweißen lernen Foto: Thomas Starck

Punktgenau: Beim Stoß-an-Stoß-Schweißen werden die Schweißpunkte aneinandergesetzt.

Für anspruchsvolle Arbeiten am eigenen Auto empfiehlt es sich, Schweißen zu lernen. Dank neuer Schweißgeräte und MIG/MAG-Verfahren ist Schweißen für Anfänger:innen keine allzu schwierige Aufgabe mehr. Eine neue Geräte-Generation macht jetzt das Dünnblechschweißen möglich – sogar ohne Lehrausbildung. Also können alle schweißen?

Ja, vorausgesetzt, man verfügt über eines der aktuellen digital gesteuerten Schweißgeräte, sogenannte synergische MIG/MAG-Schweißinverter. Was kompliziert klingt und über einen komplexen Aufbau verfügt, macht es einem ganz einfach: aufstellen, anschließen, loslegen. Das kompakte Schweißgerät wird über die normale 230-V-Haushaltssteckdose betrieben und ermöglicht per Lichtbogen-Technik das Gleichstromschweißen und das Hartlöten – genau das, was man für Arbeiten an Autokarosserien braucht. Kombiniert mit einem guten technischen Verständnis und etwas handwerklichem Geschick kann man sogar recht schnell respektable Schweiß-Erfolge feiern.

Drei Tipps zum Schweißen im Video:

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Schweißen lernen mit MIG/MAG-Schweißgerät

Wir haben für unsere ersten "Geh-Versuche" beim Schweißen lernen eine Weldinger MEW 185 SYN dig professional ausgewählt. Dieses Schweißgerät in den kompakten Abmessungen eines Werkzeugkoffers kostet 450 Euro (Stand Mai 2025 nicht verfügbar) und kann viel. Im MIG/MAG-Modus (also mit Schutzgas) lassen sich alle gängigen Metalle – darunter Eisen, Stahl, Edelstahl und Aluminium – schweißen. Will oder muss man ohne Schutzgas aus der Druckflasche auskommen, dann unterstützt die Weldinger auch das Elektroden-Handschweißen sowie das Fülldraht-Schweißen ohne Gas.

Doch der eigentliche Clou dieses Multitalents steckt in der Synergie-Technik: Die digitale Programmsteuerung koordiniert alle wichtigen Schweiß-Parameter wie die Höhe des Schweißstroms, die Korrekturspannung zur optimalen Lichtbogen-Bündelung und den Drahtvorschub. Denn der eigentliche Schweiß-Zusatzwerkstoff kommt hier – wie bei großen Industrie-Schweißmaschinen – von einer Ein-Kilogramm-Rolle und wird motorisch durch das Schlauchpaket zur Brenner-Spitze geführt. So ist auch das Einhandschweißen bequem möglich. Alle komplizierten Einstellungen, die üblicherweise in Tabellen nachgeschlagen werden müssen und viel Erfahrung voraussetzen, übernimmt die Weldinger-Maschine teils selbstständig, teils im Dialog mit dem Anwendenden via Display-Steuerung.

Doch der Reihe nach. Wer Schweißarbeiten am Auto vornehmen will, sollte natürlich auch über die richtige Sicherheitsausstattung verfügen. Dazu gehören eine feuerfeste Schutzkleidung, also Lederschürze (eine ausgediente Lederjacke tut es auch), Schweißerhandschuhe und ein Automatik-Schweißhelm. Dieser dunkelt sich in Bruchteilen einer Sekunde komplett ab, schützt so die Augen vor dem Verblitzen, lässt aber noch eine Beurteilung der Schweißflamme zu.

Diese Produkte werden beim Schweißen benötigt

Auf diese Vorbereitungsschritte kommt es an

Beim Schweißen ist eine gute Vorbereitung das A und O. Profis sprechen vom Rüsten und meinen damit den richtigen Schweißdraht einsetzen und den Gasanschluss für das Schutzgas herstellen. Für dünne Karosseriebleche wählen wir 0,6 mm dünnen Kfz-Draht (SG-2 TI Kfz) und das übliche Argon-Gasgemisch mit 18 Prozent CO2-Anteil. Den Druckminderer stellen wir auf einen Durchfluss von rund acht Litern pro Minute ein. Am Display wählen wir den Werkstoff, hier also Fe (lat. ferrum) für Eisen und die Dicke unserer Bleche (0,7 mm) sowie die Wunschform unserer Schweißraupe (viel/mittel/wenig Schweißauftrag) vor.

Auch das zu schweißende Werkstück sollte gut vorbereitet sein, also farb-, fett-, zink- und rostfrei und am besten mit einer Flex blank geschliffen sein. Für den Zuschnitt der Reparaturbleche empfiehlt sich, statt einer Blechschere einen Winkelschleifer oder den "Knabber" zu nutzen – dann bleiben die Bleche schön plan und verwerfen sich nicht, sie passen also beim Schweißen ohne zusätzlichen Biege- und Richtaufwand an die zu reparierende Karosseriestelle.

Verschiedene Verfahren und Gase beim Schweißen (CuSi-Löten mit WIG-Schweißgerät)

Unsere ersten Versuche beim Schweißen auf drei, vier Millimeter dicken Eisenprofilen (Werkstatt-Schrott) gelingen schon nach wenigen Minuten, und wir wagen uns ans dünne Karosserieblech. Stumpf aneinanderstoßende Bleche mit einer durchgehenden Naht sind schon recht schwierig und verwerfen sich durch den hohen Wärmeeintrag enorm. An vielen Stellen am Auto, zum Beispiel im Schweller-Bereich, sind sie wegen möglicher Festigkeitseinbußen nicht einmal erlaubt. Hier fordern Prüfungsorganisationen eine überlappte Loch-Punktschweißung. Wenn diese später nach dem Lackieren unsichtbar sein soll, wählt man die Absetztechnik. Mit einer Absetz-Lochzange wird ein Blech um einen Millimeter "abgesenkt", das Aufsetzblech gelocht und durch Lochpunktschweißen sicher sowie hochfest damit verbunden.

Schon unsere ersten Probebleche können sich sehen lassen. Bereits nach einigen Versuchen trauen wir uns dann ans Autoblech. Aber Vorsicht, bei verzinkten Blechen neuerer Autos sollte man mit dem gleichen Gerät besser das CuSi-Löten einsetzen: Dieses Hartlötverfahren erreicht bei Dünnblechen eine ausreichend große Festigkeit und zudem einen guten Korrosionsschutz, ohne sich in das Material einzubrennen.

Für das Ausbessern von Karosseriebereichen in Dach, Hauben und Türen gerade bei Oldtimern und Youngtimern eignet sich am besten eine Stoß-Schweißnaht. Diese lässt sich besonders gut und sauber mit einem WIG-Schweißgerät (Wolfram Inert Gas) erreichen. Für unseren Praxis-Test wählen wir das DC WIG 200 Puls ST von Stahlwerk. Dieses Profi-Schweißgerät kostet 280 Euro (Stand: Mai 2025) ist durch seine (automatische) Hochfrequenzzündung und die Pulsfunktion für Dünnbleche besonders gut geeignet.

So verzieht sich das Werkstück beim Schweißen nicht

Das WIG-Schweißen setzt etwas mehr Können und sehr viel Übung voraus. Wenn man es dann jedoch beherrscht, sind die Ergebnisse überzeugend, denn hier wird der Lichtbogen mit einer nicht abschmelzenden Wolfram-Elektrode in einer Gasglocke aus reinem Argon erzeugt. Durch eine Spot- oder die Pulsfunktion wird das Karosserieblech zudem immer nur für kurze Zeit mit der hohen Schweißtemperatur konfrontiert. Der pulsende Lichtbogen reicht genau aus, um die Kanten des Blechs und den Zusatzwerkstoff aufzuschmelzen und dann zusammenlaufen zu lassen.

Die anschließende Stromabsenkung bewirkt das materialschonende Warmhalten, ohne den Schmelzpunkt zu erreichen, bis dann wieder der Schweißstrom hochpulst und der nächste Schweißtropfen zur typischen Schuppenbildung beiträgt. Die Kunst des Schweißens ist es, immer zur richtigen Zeit mit dem Zusatzwerkstoff (Stabdraht) in die Schmelze zu stippen. Je nach gewählter Einstellung sorgt die Pulsfrequenz für schnelleren oder langsameren Schweißfortschritt. In jedem Fall bleibt ein Blechverzug durch zu viel Wärmeeintrag aus.

So Bleche fürs Schweißen vorbereiten

Bevor es überhaupt ans Schweißen geht, muss das Ersatzblech für die zu erneuernde Karosseriestelle angefertigt und anschließend exakt eingepasst werden. Starke Schweißer-Magnete halten die Teile in der korrekten Position zusammen. Zuerst wird mit Heftpunkten an den gegenüberliegenden Seiten das neue Blech fixiert. Vor dem anschließenden Einschweißen sollte an der Unterseite ein Kupferblech platziert werden – es sorgt für eine zusätzliche Wärmeabfuhr. Dieses punktgenaue Schweißverfahren mit wenig Streu-Wärme läuft insgesamt relativ langsam ab, und das eigentliche Schmelzbad lässt sich dadurch gut kontrollieren. Kleine Spalten ausfüllen und feine Nähte wie ein Profi aufs Blech zaubern gelingt hier jedoch nur nach reichlich Übung. Das Ergebnis ist dann allerdings perfekt.

Das fordert der Gesetzgeber

GTÜ, TÜV & Co. schauen bei instandgesetzten Karosserien genau hin: Grundsätzlich sollte die Reparatur sauber und haltbar ausgeführt sein. Es ist die Verbindungstechnik des Herstellers zu wählen, also Punkt- oder Lochpunktschweißen.