Mercedes C36 AMG kaufen: Sechszylinder-Underdog mit Herz
Dem Baby-Benz als Evo II war Understatement völlig fremd: Mit seinen Verbreiterungen und dem mächtigen Heckflügel outete er sich ungeniert als Krawallbruder. Sein Nachfolger machte es deutlich dezenter: Leistungsmäßig legte der im September 1993 vorgestellte C36 AMG noch eine Schippe nach, optisch beließ er es bei deutlich dezenteren Schürzen und Schwellerleisten.
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Der Mercedes-AMG C 63 S E-Performance (2022) im Fahrbericht (Video):
Im Mercedes C36 AMG steckt ausgefeilte Technik
Mercedes und AMG hatten die neue Sportlimousine auf Basis des C280 entwickelt: Mit bearbeiteten Auslasskanälen, schärferen Nockenwellen (So einen Defekt erkennen), geänderter Kurbelwelle sowie neue Kolben und Pleueln hatte AMG ein 3,6-l-Triebwerk gezaubert, das 280 PS (206 kW) respektive 385 Nm zur Verfügung stellte – zu viel für das verfügbare Schaltgetriebe. Deswegen kam der C36 AMG ausschließlich mit der Vierstufen-Automatik des E420 (ab 8/1996: Fünfstufen-Automatik mit elektronischer Steuerung).
Leistungsgerechte Bremsen fand man in 600 SL (Vorderachse) und E420 (Hinterachse). Die Automatik funktionierte besser, als man es ihr zunächst nachsagte: Nach 6,5 war die 100-km/h-Marke erreicht, bei 250 km/h setzte die Elektronik dem Vortrieb ein Ende.
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Streikt die Technik, wird es immer teuer
Die Fahrleistungen können noch heute begeistern, auch wenn der flotte Mercedes stets im Schatten des scheinbar übermächtigen BMW M3 blieb. Wer sich für den ersten offiziell über Mercedes bestellbaren AMG interessiert, sollte auf jeden Fall einen Blick ins Wartungsheft werfen: Eine ehrliche Historie lässt den Kilometerstand in den Hintergrund treten. Häufig wurde im Lauf der Zeit die Zylinderkopfdichtung bereits fällig, auch der Motorkabelbaum altert.
Ein etwas rauer Klang des Sechszylinders ist nicht ungewöhnlich, trotzdem ist Vorsicht angesagt: Die Ursache könnten auch ein lockerer Kettenspanner oder eingelaufene Kettenschienen sein. Wichtig ist die Probefahrt: Der Motor sollte rund laufen, das Getriebe sauber schalten. Auch das Blechkleid sollte genau inspiziert werden: Rostbefall ist wie bei jedem W202 ein großes Thema.
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Schwachstellen des Mercedes C36 AMG
Rost ist ein Problem des W202: Oft sind Türen, Einstiegsleisten, Radläufe hinten sowie der Kofferraumdeckel (inklusive Griffleiste) und die Wagenheberaufnahmen betroffen. Typisch sind auch abfallende Blinkergläser vorn. Wegen der sportlichen Auslegung des AMG sollte man zudem auf Steinschläge oder Unfallschäden achten. Der Saugmotor klassischer Bauart ist robust, wenn er vernünftig gewartet wurde. Eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung kann vorkommen. Ruckelt der Motor, könnte der Kabelbaum porös sein. Schwachpunkte am Fahrwerk: Stabi-Gummis, Traggelenke und Querlenker. Defekte Blinker-/Wischer-Hebel kommen vor, auch Fehler im LCD-Display treten auf. Funktioniert die Klimaanlage nicht, könnte der Kondensator einen Steinschlag abbekommen haben. In Sachen Ersatzteile ist fast alles zu finden, doch vor allem AMG-spezifische Teile sind in der Regel teuer.

Technische Daten des Mercedes C36 AMG (W202)
Classic Cars 02/2025 | Mercedes C36 AMG (W202) |
Zylinder/Ventile pro Zylin. | 6/4 |
Hubraum | 3606 cm³ |
Leistung | 206 kW/280 PS |
Max. Gesamtdrehmoment bei | 385 Nm 4000/min |
Getriebe/Antrieb | 4-Stufen-Automatik/Allrad |
L/B/H | 4487/1720/1387 mm |
Leergewicht | 1495 kg |
Bauzeit | 1993-1997 |
Stückzahl | 5221 |
Beschleunigung null auf 100 km/h | 6,5 s |
Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 11,8 l S |
Grundpreis (Jahr) | 95.450 Mark (1994) |