Jeep Gladiator & Tischer Box 230 S: Testfahrt

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Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler

Wer will, ­bekommt die Kabine im selben Farbton ("Sting Gray") wie den Jeep.

Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler

Mit 3,20 Metern überragt der Jeep mit Kabine im Nacken die meisten herkömmlichen Wohnmobile.

Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler

Bett im Alkoven, davor die Sitzgruppe. Auch sie lässt sich zur Liegefläche umbauen.

Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler

Die Möbel zeigen klare 
Kante, der uneitle Stil ist typisch Tischer. Die Küche fällt klein und fein aus – ­sogar mit Dreiflammenherd.

Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler

Die Lamellentür lässt sich vor das WC schieben, damit wird die Dusche zur 
Ankleide – praktisch und gut fürs Raumgefühl im Haus auf der Pritsche.

Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler

Die Truma-Heizung sitzt unter dem Kühlschrank – die Bauart der Kabine lässt da nicht viel Spielraum.

Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler

Bordtechnik und Zentraldisplay wie 
im herkömmlichen Wohnmobil.

Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler

Fahrwerks-
Upgrade: 20-Zoll-
Geländereifen, stärkere Stoßdämpfer und Federn.

Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler

Für Gaskocher oder -grill gibt es ein stabiles Edelstahlbrett, das sich in 
komfortabler Arbeitshöhe an der Halteleiste neben dem Eingang festschrauben lässt.

Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler

Auch der Rubicon Trail wäre kein Hindernis, die Plakette zeigt es.

Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S Foto: Hardy Mutschler

Hier sitzen die Armaturen noch im Brett, so wie es sich für einen Jeep gehört. 
Und natürlich lassen sich die GFK-Dachschalen ohne großes Gewese abnehmen.

Ein Jeep muss alles können, das ist seit Jahrzehnten so. Am längsten hat es gedauert, bis er bewohnbar wurde: Die Tischer Box 230 S​-Wohnkabine aus Kreuzwertheim in Germany macht den Jeep Gladiator aus Ohio zum häuslichen Typ. Testfahrt!

Testfahrt: Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S

Den aufblasbaren Alkoven kennen wir schon, auch die Dachterrasse und den Doppel-Slideout haben wir bereits irgendwo gesehen. Die Caravaning-Branche wird sich in Zukunft einiges einfallen lassen müssen, wenn es um große Neuheiten geht. Und jetzt gilt es auch noch, ein Allrad-Wohnmobil mit Außenküche, 76 Zentimeter Wattiefe, 600 Newtonmeter Drehmoment und 2,7 Tonnen Anhängelast zu übertreffen. Außerdem lassen sich die GFK-Dachschalen der Doppelkabine sowie die Türen abnehmen. Und wenn die Sommerbrise dann immer noch zu milde weht, reicht ein Handgriff, um die Windschutzscheibe flachzulegen. Dabei reden wir noch nicht einmal von einem Highend-Liner der 300.000-Euro-Klasse, sondern sitzen im Jeep Gladiator, auf dessen Ladefläche die Kabinenbauer von Tischer eines ihrer Wohngehäuse (Tischer Box 230 S) verzurrt haben.

Ein großer Akt ist das bekanntlich nicht, nur vier Spannschlösser halten die Kabine im breiten Kreuz des Jeeps fest. Das meiste Feingefühl brauchts bei der Testfahrt beim Rangieren vor dem Aufsetzen, weil nicht viel Platz ist zwischen den ausgestellten Radkästen des Gladiator und den Stützen des Häuschens. Doch das ist eine Übungssache, die Kabinen-Neulinge schnell raushaben. Auch das Absetzen wird nach ein paar Tagen zur Urlaubsroutine, Profis nehmen dafür einen Akku-Schrauber statt der serienmäßigen Kurbel und stellen den Tischer Box 230 S in einer Viertelstunde auf Stelzen. Da hält sie sogar einem mittleren Orkan stand, ohne ins Wanken zu geraten. Und der offene Jeep Gladiator punktet nicht nur auf der Strandpromenade, sondern auch auf dem steilen Schotterweg zur kleinen Bucht, zu der sonst keiner fährt. Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

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Die Kabine, das Beste aus allen Welten

Ganz günstig ist so viel Freiheit nicht. Der Jeep Gladiator kostet mindestens 74.500 Euro, die Tischer 230 S-Kabine beginnt bei 39.000 Euro (Stand: April 2023), aber auch die komfortablen Teilintegrierten der Premiummarken sind unterm Strich nicht viel günstiger. Vor allem bringen sie zu Hause nicht mal eben den Bauschutt zur Deponie wie der Pritschen-Jeep. Und überhaupt, man kann ja doch alles haben: Wer mit der Wohnkabine reist, spult Langstrecken so schnell und komfortabel ab wie mit einem gut motorisierten Reisemobil, ist am Ziel aber so flexibel wie mit einem Caravan.

Natürlich fühlt sich das Wohnen auf der Ladefläche anders an als vom herkömmlichen Camper gewohnt. Das beginnt schon beim Einsteigen, denn die Trittstufe liegt selbst dann sportlich hoch, wenn der Jeep Gladiator kein höher-gelegtes Fahrwerk mit 20-Zoll-Geländereifen trägt. Der Gasflaschenkasten öffnet sich in Brusthöhe, zum Glück muss man hier nur mit Fünf-Liter-Flaschen hantieren. Auch das Fehlen der klassischen Heckgarage gehört zu den bauartbedingten Nachteilen der Wohnkabine. Doch sonst fordert sie keinen Verzicht, wie sich beim ersten Testwohnen zeigt. An der Stehhöhe fehlt es schon mal nicht, die fällt mit 1,90 Metern großzügig aus. Und auch sonst ist das Haus auf der Pritsche geräumiger, als es von außen wirkt. Der Alkoven wölbt sich über die ganze Länge der Jeep-Doppelkabine, das ermöglicht neben einem Doppelbett von 1,98 Meter Länge und 1,50 Meter Breite auch drei geräumige Stauboxen an der Stirnseite. Vor dem Bett steht die komfortable Sitzgruppe, die sich mit ein paar Handgriffen zur zweiten Liegefläche umstecken lässt. Und ins neu gestaltete Bad der Tischer 230 S-Kabine führt jetzt eine clevere Schiebetür: Diese lässt sich so elegant nach innen fädeln, dass die Dusche auch als offene Ankleide mit großem Spiegel funktioniert.

Jeep Gladiator mit Tischer Box 230 S
Foto: Hardy Mutschler

Wir stehen übrigens in der Tischer 230 S-Kabine namens Box, deren klassische Kantigkeit ganz prima zum geradlinigen Design des Jeep Gladiator passt. Es gibt das Häuschen auch als aerodynamisches Trail-Modell mit abgesofteten Ecken, aber das wirkt sich weder aufs Raumgefühl noch auf die Ausstattung des Wohnbereichs aus. Bei der Inneneinrichtung halten sie in Kreuzwertheim wenig von modischen Effekten und setzen stattdessen auf klare Kante, unaufgeregte Farben und durable Materialien. Der braunbeige gesprenkelte Kunststoffboden etwa sieht aus, als könnte er auch in einem Grundschulflur liegen, fasst sich aber beim Testwohnen auch genauso widerstandsfähig an. Und die Detailverarbeitung der Kabine fällt so akkurat aus, wie es die handwerkliche Produktion von nur 240 Wohnkabinen im Jahr verspricht.

Erstaunlicherweise wiegt die leere Kabine Tischer 230 S ohne Extras und Wasser im Tank nur 635 Kilogramm, was den Jeep Gladiator beim Fahren nicht weiter beeindruckt. Im leeren Originalzustand walzt der 2,4-Tonner in 8,6 Sekunden auf 100 km/h, aber das probiert keiner, der weiter hinten alle Tassen im Schrank hat. Außerdem sediert der Pritschen-Jeep die Fahrdynamiker schon mit seiner diffusen Lenkung. Auch die kabinentypische Hecklastigkeit ist beim Fahren zu spüren, allerdings ist das Nicken und Wippen im Gladiator weniger ausgeprägt als etwa im Dodge Ram, auf den viele in der Tischer-Kundschaft schwören.

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Bulliger V6-Diesel mit moderatem Verbrauch

Auch beim Verbrauch schneidet der Jeep Gladiator bei der ersten Testfahrt besser ab, aber das ist keine große Kunst, weil hinter den sieben Streben seines Traditionsgrills ein durch und durch unamerikanischer V6-Dieselmotor nagelt. Er hört damit auch in warmem Zustand nicht ganz auf, aber das ist der einzige Nachteil des kraftvollen Dreiliter-Triebwerks aus dem großen Stellantis-Regal. Hinter dem Zentralmassiv des Armaturenbretts mit seinem weißwurstdicken Lenkrad klingt das Gegrummel ebenso stimmig wie das Wummern der Mickey-Thompson-Geländereifen. Alles hier drinnen wirkt fast überzogen derb: der Automatik-Wählhebel von der Größe eines Kingsize-Muffins und die Drehknöpfe, die auch Waldarbeitende mit Fäustlingen greifen können, weshalb es vor allem der konziliante Federungskomfort und das weiche Schalten der Achtstufen-Automatik sind, worüber der Grobmotoriker auf der Langstrecke staunt.

Der Jeep Gladiator kann auch anders – das zeigen die Trail-Rated-Plakette, der stämmige Schalthebel der Geländeuntersetzung und der breite Haltegriff auf der Beifahrerseite. Und am Ende des Tages, unweit vom Gipfelkreuz, schrauben die Bewohnenden des Multifunktions-Wohnmobils den Gasgrill ans Alu-Profil ihrer Kabine und packen die Porterhouse-Steaks aus – vielleicht haben wir ja doch noch nicht alles gesehen.

Preis & technische Daten Gladiator mit Tischer Box

AUTO ZEITUNG 09/2023Jeep Gladiator + Tischer Box 230 S
Technische Daten
MotorV6-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel, 2987 cm³
Getriebe/AntriebAchtstufen-Automatikmit Geländeuntersetzung; semipermanenter Allradantrieb über elektr. geregelte Lamellen-Kupplung
Leistung194 kW/264 PS
bei 3600/min
Max. Drehmoment600 Nm
bei 1400-2800/min
Karosserie
Außenmaße (L/B/H)5591/1894/1843 mm (ohne Kabine) 6350/2100/3200 (mit Kabine)
Leergewicht/Zuladung2385 bzw. 3300/540 bzw. 500 kg
Sitz-/Schlafplätze5/4
Ausstattung
Herd/HeizungDreiflammen-Gaskocher/Truma Combi 4
Gas2 x 5 kg
Frisch-/Abwasser96/45 l
Kaufinformationen
Basispreis74.500 € (Jeep Gladiator 3.0 V6 Overland) + 39.201 € (Tischer Box 230 S)

Fazit

Als Allradler, der Lastwagen, Zugfahrzeug und Familien-Cabriolet sein kann, ist der Jeep Gladiator allein auf dem Markt. Mit der Tischer-Kabine wird die lange Pritschenversion des Jeep Wrangler auch noch zum maximal flexiblen Wohnmobil. Das ist zwar nicht billig, aber es kann sich rechnen, wenn der Alleskönner das Geld im gewerblichen Alltag wieder reinholt.