Wohnmobil-Fahrbericht

Ungewöhnlicher Auftritt: Erste Testfahrt im Ahorn Camp T 640

Der schlanke Ahorn Camp T 640 tritt ungewöhnlich auf: ein Renault Master als Antrieb, dazu in schickem Schwarz. Und auch innen macht er vieles anders. Wir haben uns mit der First Edition auf die erste Testfahrt begeben.

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Ahorn Camp T 640 First Edition  steht in herbstlichem Wald, Ansicht von vorne rechts.
Klare Kante: Der Renault Master tritt betont selbstbewusst auf. Er wirkt deutlich markanter als sein Vorgänger. Foto: Christian Herb
Ahorn Camp T 640 First Edition steht auf einer Landstraße, Ansicht von hinten rechts.
Weiße Ware, schlank verpackt. Zudem zeigt Ahorn Camp stolz sein Logo. Die Rückfahrkamera ist ein originales Renault-Teil. Foto: Christian Herb
Sitzgruppe im Ahorn Camp T 640 First Edition, Ansicht vom Wohnraum aus nach vorne.
Ein luftiges sowie helles Ambiente mit viel Raum: Wohnen lässt es sich im Ahorn Camp T 640 recht formidabel. Foto: Christian Herb
Extra Gurtplatz im Ahorn Camp T 640 First Edition.
Mit Falten, Stecken und Extra-Kissen entstehen zwei weitere Gurtplätze. Foto: Christian Herb
Monitor im Ahorn Camp T 640 First Edition.
Am Eingang sitzt ein schwenkbarer 22-Zoll-Monitor als Teil des First-Edition-Pakets. Vom Bett aus ist er nicht nutzbar. Foto: Christian Herb
Zwei Bedieneinheiten im Ahorn Camp T 640 First Edition.
Ahorn rüstet jeden T 640 für eine smarte Bedienung vor. Foto: Christian Herb
Waschbecken und Kochplatte im Ahorn Camp T 640 First Edition.
Die Spüle stattet Ahorn Camp mit einer Abdeckung aus, die auch als Schneidebrett dient. Foto: Christian Herb
Kühlschrank und Stauraum im Ahorn Camp T 640 First Edition.
Rechts vom Kühlschrank schlucken zwei Apothekerauszüge viel Kleinkram. Foto: Christian Herb
Oberschrank im Ahorn Camp T 640 First Edition.
Die Oberschränke sind betont solide gebaut. Hell und doch zugleich angenehm fällt das Lichtkonzept aus. Foto: Christian Herb
Elektrisches Hubbett im Ahorn Camp T 640 First Edition.
Über der Sitzgruppe befindet sich das Hubbett, elektrisch surrt es hinunter. Zum Schlafen geht es via Leiter ins obere Geschoss. Wenn das Bett in Schlafposition ist, gelangt man nur kriechend ins Innere. Foto: Christian Herb
Toilette im geräumigen Bad des Ahorn Camp T 640 First Edition.
Ein Bad, in dem es sich leben lässt: Selbst das Umziehen ist bequem und ohne Platznot möglich. Foto: Christian Herb
Waschbecken im Bad des Ahorn Camp T 640 First Edition.
Mit schwarzen Armaturen und einem aufgesetzten Waschbecken wirkt das Bad schick und modern. Foto: Christian Herb
Cockpit des Ahorn Camp T 640 First Edition.
Mit einem weiten Schwung wendet sich das Cockpit dem Fahrer zu. Auch der Monitor sitzt gut, und die Bedienung klappt exzellent. Foto: Christian Herb
Stauraum in der Mittelkonsole des Ahorn Camp T 640 First Edition.
Typisch Renault: Neben vielen Ablagen gibt es auch diverse Ladebuchsen. Foto: Christian Herb
Markise an der Seite des Ahorn Camp T 640 First Edition.
Im First-Edition-Paket ist eine Markise im Preis enthalten. Foto: Christian Herb
Grundriss des Ahorn Camp T 640 First Edition.
Wie groß das Bad und die Schränke im Heck im Verhältnis zum Rest ausfallen, zeigt der Grundriss eindrucksvoll. Foto: Christian Herb

Erste Testfahrt mit dem neuen Ahorn Camp T 640

Speyer gilt in der Wohnmobilbranche ein wenig als gallisches Dorf. Das liegt an der Familie Reichmann, die dort mit ihrer Firma Ahorn Camp gern vieles anders macht als der Rest des Markts. Seit der Gründung 1991 liegt ihr der Grundsatz der Unbeugsamkeit, bis heute gut ersichtlich in der Wahl des Renault Master als alleinigem Basisfahrzeug. In der Nutzfahrzeugwelt ist der Franzose bereits etabliert, nur auf Campingplätzen sieht man ihn weiterhin eher selten.

Auch Campingfans neigen zum Individualismus, manche zumindest. Und so pflegen sie in Speyer einen Grundriss, der auf sehr spezielle Bedürfnisse eines reisenden Paares eingeht: ein kompaktes Mobil mit überaus geräumigem Bad, in dem niemand beim Umdrehen Klaustrophobie bekommt.

Es steckt kein Trick dahinter, nur ein Gedankenspiel: Wenn kein Bett das Heck blockiert, ergibt sich auch bei einem Sechseinhalb-Meter-Mobil plötzlich viel Raum. Schon der Beginn der Testfahrt löst einen Aha-Effekt aus. Eine zusätzliche Stufe braucht es für den Zutritt nicht, dieser erfolgt über eine bequeme, 60 cm breite Tür direkt ins Fahrzeug.

Die große Weite des Raumes

Innen beeindruckt die Weite des Raums, flankiert von einer betont modernen Innenarchitektur. Viel Weiß- und helle Grautöne sorgen für eine lichte, coole, beinahe loftige Atmosphäre. Dunkle, schieferähnliche Flächen kontrastieren bewusst dazu, und an wenigen Stellen tupft helles Holz warme Akzente. Im Wohnbereich lädt eine geräumige Vis-à-vis-Sitzgruppe ein, im Prinzip zwei Sofas, die sich gegenüberstehen. Mit Klapp- und Stecklösungen lassen sich hier zwei weitere Gurtplätze aufbauen.

Den Mittelpunkt bildet ein Tisch, dessen verschiebbare Platte sich auf üppige 85 mal 80 cm ausklappen lässt – ausreichend für ausgedehnte Festmahle. In der Breite auf die Hälfte zusammengelegt, wird ein breiter Weg zum Cockpit frei, das über eine Stufe – Vorsicht, Stolperfalle – zu erreichen ist. Auch mit Gästen lässt es sich hier gut sitzen, wenn beide Vordersitze nach hinten gedreht sind. Dabei geht es allerdings so eng zu, dass zuvor die Türen ein wenig geöffnet werden müssen. Nicht glücklich platziert ist außerdem die klobige Handbremse rechts vom Fahrersitz.

Sitzgruppe im Ahorn Camp T 640 First Edition, Ansicht vom Wohnraum aus nach vorne.
Foto: Christian Herb

Viele praktische Details, wenig Arbeitsfläche in der Küche

So großzügig der Wohn- und Essraum ausfällt, so kompakt zeigt sich der neue Ahorn Camp T 640 First Edition in der Küche. Sie schließt sich nach hinten an und bietet neben einem Zweiflammenherd zwar eine angenehm große Spüle, jedoch wenig Arbeitsfläche, wie das erste Testwohnen offenbart. Clever: Die Abdeckung des Beckens dient auch als Schneidebrett.

Dass Ahorn Camp auf Details achtet, beweist zudem die Leiste an der Küchenwand, die freilich – sollten hier Handtücher hängen – etwas höher platziert sein dürfte. Im Rücken punktet ein großer Kühlschrank: schlank und hoch steht er, dezent in Mattschwarz gekleidet, neben dem Eingang. Er schluckt mit seinen 122 l Volumen auch ausgiebige Vorräte, dazu kommt ein Eisfach mit 15 l.

Hinter ihm verbergen sich zwei schmale, unabhängig nutzbare Apothekerauszüge. Rüttel- und verrutschfest kann man hier eine Vielzahl an Dosen, Gewürzen, Soßen, Ölen und Flaschen griffbereit verstauen. Zu noch mehr Stauraum im Camper verhelfen hier unsere Tipps.

Sehr geräumiges Bad mit Schrankwand

Den Blick nach hinten blockt im Wohnbetrieb eine Schiebetür. Wer sie öffnet, staunt über das weitläufige Bad des neuen Ahorn Camp T 640. Auf der Beifahrerseite bietet es ein Waschbecken sowie eine schicke Thetford-Toilette, während gegenüber eine Dusche mit zwei festen Türen platziert ist. Sie fällt groß aus, allerdings beschränkt der Radkasten die Standfläche beim Testwohnen deutlich. Die gängigen Wohnmobil-Bauarten erklären wir hier im Detail.

Das Bad bietet sich jedoch perfekt zum Ankleiden und zum Umziehen an, mit viel Bewegungsraum und direktem Zugang zu großen Schränken sowie Stauräumen an der Fahrzeugrückwand. Wer allerdings von außen hinter die beiden sehr ungleich bemessenen Klappen blickt, entdeckt keine vollwertige Garage. Fahrräder kommen im Inneren des T 640 nicht unter, für schlankeres Sportequipment wie Skier, Schuhe oder Rucksäcke reicht der Platz dagegen aus.

Das clevere Hubbett im Check: So schläft es sich

Doch wie schläft es sich ohne festes Bett? Dazu muss zunächst das Hubbett elektrisch nach unten surren. Auf zwei Meter Länge und 140 cm Breite im Schulterbereich – die Füße müssen mit 125 cm zurechtkommen – liegt man bequem, allerdings erfordert der Zugang über eine Steckleiter naturgemäß mehr Akrobatik als jedes fest montierte Bett. Zudem müssen die Reisenden eine Wahl treffen: Ist das Bett in Schlafposition, kann man darunter weder sitzen noch die Tür nach draußen nutzen. Welche unterschiedlichen Bettenlösungen es bei Wohnmobilen gibt, erklären wir hier.

Elektrisches Hubbett im Ahorn Camp T 640 First Edition.
Foto: Christian Herb

Dafür überzeugt auch diese Variante der neuen Ahorn-Generation bei der ersten Testfahrt mit souveräner Verarbeitungs- und Materialqualität. Das ist kein Wunder, denn die Fahrzeuge entstehen inzwischen im modernen Laika-Werk der Erwin-Hymer-Gruppe, das in der Toskana liegt.

Der neue Renault Master ergänzt das Konzept perfekt: Er ist bereits mit seiner 130-PS-Basismotorisierung betont leichtfüßig unterwegs, die 170 PS (plus 1690 Euro) sowie ein Automatik-Getriebe (1999 Euro Aufpreis, nur bei 170 PS) sind interessante und fair eingepreiste Optionen. Zudem erfüllt der Renault Master bereits eine Vielzahl regulatorischer Vorgaben, die ab Sommer 2026 greifen. Interessant bleibt Ahorn Camp dennoch beim Preis: Als First-Edition-Sondermodell rangiert unser Testwagen noch knapp unter der 70.000-Euro-Marke. Von Alexander Knoll

Fazit

Mit Elan und Engagement positioniert Ahorn Camp die Neuauflage des individuellen T 640 als Charaktertyp im Markt. Er ist anders als andere, gut gebaut und technologisch rundum zukunftssicher aus-gestattet – und das alles zu einem fairen Preis.

Technische Daten des Ahorn Camp T 640 First Edition

AUTO ZEITUNG 02/2026

Ahorn Camp T 640 First Edition

Technische Daten

Motor

4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel (Euro 6 e), SCR-Kat; 1997 cm³

Antrieb

6-Gang, manuell; Vorderradantrieb

Leistung

96 kW / 130 PS bei 3500 U/min

Max. Drehmoment

350 Nm bei 1500 U/min

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

6490 / 2320 / 2850 mm

Leergewicht / Zuladung

2957 / 543 kg

Zulässige Gesamtmasse

3500 kg (opt. 4000 kg)

Fahrleistungen

Beschleunigung (0 – 100 km/h)

k. A.

Höchstgeschwindigkeit

161 km/h

Verbrauch auf 100 km

10,3 l D

Kaufinformationen

Grundpreis

59.500 €

Marktstart

im Handel

Alle Daten Werksangaben