Ungewöhnlicher Auftritt: Erste Testfahrt im Ahorn Camp T 640
Der schlanke Ahorn Camp T 640 tritt ungewöhnlich auf: ein Renault Master als Antrieb, dazu in schickem Schwarz. Und auch innen macht er vieles anders. Wir haben uns mit der First Edition auf die erste Testfahrt begeben.
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Erste Testfahrt mit dem neuen Ahorn Camp T 640
Speyer gilt in der Wohnmobilbranche ein wenig als gallisches Dorf. Das liegt an der Familie Reichmann, die dort mit ihrer Firma Ahorn Camp gern vieles anders macht als der Rest des Markts. Seit der Gründung 1991 liegt ihr der Grundsatz der Unbeugsamkeit, bis heute gut ersichtlich in der Wahl des Renault Master als alleinigem Basisfahrzeug. In der Nutzfahrzeugwelt ist der Franzose bereits etabliert, nur auf Campingplätzen sieht man ihn weiterhin eher selten.
Auch Campingfans neigen zum Individualismus, manche zumindest. Und so pflegen sie in Speyer einen Grundriss, der auf sehr spezielle Bedürfnisse eines reisenden Paares eingeht: ein kompaktes Mobil mit überaus geräumigem Bad, in dem niemand beim Umdrehen Klaustrophobie bekommt.
Es steckt kein Trick dahinter, nur ein Gedankenspiel: Wenn kein Bett das Heck blockiert, ergibt sich auch bei einem Sechseinhalb-Meter-Mobil plötzlich viel Raum. Schon der Beginn der Testfahrt löst einen Aha-Effekt aus. Eine zusätzliche Stufe braucht es für den Zutritt nicht, dieser erfolgt über eine bequeme, 60 cm breite Tür direkt ins Fahrzeug.
Die große Weite des Raumes
Innen beeindruckt die Weite des Raums, flankiert von einer betont modernen Innenarchitektur. Viel Weiß- und helle Grautöne sorgen für eine lichte, coole, beinahe loftige Atmosphäre. Dunkle, schieferähnliche Flächen kontrastieren bewusst dazu, und an wenigen Stellen tupft helles Holz warme Akzente. Im Wohnbereich lädt eine geräumige Vis-à-vis-Sitzgruppe ein, im Prinzip zwei Sofas, die sich gegenüberstehen. Mit Klapp- und Stecklösungen lassen sich hier zwei weitere Gurtplätze aufbauen.
Den Mittelpunkt bildet ein Tisch, dessen verschiebbare Platte sich auf üppige 85 mal 80 cm ausklappen lässt – ausreichend für ausgedehnte Festmahle. In der Breite auf die Hälfte zusammengelegt, wird ein breiter Weg zum Cockpit frei, das über eine Stufe – Vorsicht, Stolperfalle – zu erreichen ist. Auch mit Gästen lässt es sich hier gut sitzen, wenn beide Vordersitze nach hinten gedreht sind. Dabei geht es allerdings so eng zu, dass zuvor die Türen ein wenig geöffnet werden müssen. Nicht glücklich platziert ist außerdem die klobige Handbremse rechts vom Fahrersitz.

Viele praktische Details, wenig Arbeitsfläche in der Küche
So großzügig der Wohn- und Essraum ausfällt, so kompakt zeigt sich der neue Ahorn Camp T 640 First Edition in der Küche. Sie schließt sich nach hinten an und bietet neben einem Zweiflammenherd zwar eine angenehm große Spüle, jedoch wenig Arbeitsfläche, wie das erste Testwohnen offenbart. Clever: Die Abdeckung des Beckens dient auch als Schneidebrett.
Dass Ahorn Camp auf Details achtet, beweist zudem die Leiste an der Küchenwand, die freilich – sollten hier Handtücher hängen – etwas höher platziert sein dürfte. Im Rücken punktet ein großer Kühlschrank: schlank und hoch steht er, dezent in Mattschwarz gekleidet, neben dem Eingang. Er schluckt mit seinen 122 l Volumen auch ausgiebige Vorräte, dazu kommt ein Eisfach mit 15 l.
Hinter ihm verbergen sich zwei schmale, unabhängig nutzbare Apothekerauszüge. Rüttel- und verrutschfest kann man hier eine Vielzahl an Dosen, Gewürzen, Soßen, Ölen und Flaschen griffbereit verstauen. Zu noch mehr Stauraum im Camper verhelfen hier unsere Tipps.
Sehr geräumiges Bad mit Schrankwand
Den Blick nach hinten blockt im Wohnbetrieb eine Schiebetür. Wer sie öffnet, staunt über das weitläufige Bad des neuen Ahorn Camp T 640. Auf der Beifahrerseite bietet es ein Waschbecken sowie eine schicke Thetford-Toilette, während gegenüber eine Dusche mit zwei festen Türen platziert ist. Sie fällt groß aus, allerdings beschränkt der Radkasten die Standfläche beim Testwohnen deutlich. Die gängigen Wohnmobil-Bauarten erklären wir hier im Detail.
Das Bad bietet sich jedoch perfekt zum Ankleiden und zum Umziehen an, mit viel Bewegungsraum und direktem Zugang zu großen Schränken sowie Stauräumen an der Fahrzeugrückwand. Wer allerdings von außen hinter die beiden sehr ungleich bemessenen Klappen blickt, entdeckt keine vollwertige Garage. Fahrräder kommen im Inneren des T 640 nicht unter, für schlankeres Sportequipment wie Skier, Schuhe oder Rucksäcke reicht der Platz dagegen aus.
Das clevere Hubbett im Check: So schläft es sich
Doch wie schläft es sich ohne festes Bett? Dazu muss zunächst das Hubbett elektrisch nach unten surren. Auf zwei Meter Länge und 140 cm Breite im Schulterbereich – die Füße müssen mit 125 cm zurechtkommen – liegt man bequem, allerdings erfordert der Zugang über eine Steckleiter naturgemäß mehr Akrobatik als jedes fest montierte Bett. Zudem müssen die Reisenden eine Wahl treffen: Ist das Bett in Schlafposition, kann man darunter weder sitzen noch die Tür nach draußen nutzen. Welche unterschiedlichen Bettenlösungen es bei Wohnmobilen gibt, erklären wir hier.

Dafür überzeugt auch diese Variante der neuen Ahorn-Generation bei der ersten Testfahrt mit souveräner Verarbeitungs- und Materialqualität. Das ist kein Wunder, denn die Fahrzeuge entstehen inzwischen im modernen Laika-Werk der Erwin-Hymer-Gruppe, das in der Toskana liegt.
Der neue Renault Master ergänzt das Konzept perfekt: Er ist bereits mit seiner 130-PS-Basismotorisierung betont leichtfüßig unterwegs, die 170 PS (plus 1690 Euro) sowie ein Automatik-Getriebe (1999 Euro Aufpreis, nur bei 170 PS) sind interessante und fair eingepreiste Optionen. Zudem erfüllt der Renault Master bereits eine Vielzahl regulatorischer Vorgaben, die ab Sommer 2026 greifen. Interessant bleibt Ahorn Camp dennoch beim Preis: Als First-Edition-Sondermodell rangiert unser Testwagen noch knapp unter der 70.000-Euro-Marke. Von Alexander Knoll
Fazit
Mit Elan und Engagement positioniert Ahorn Camp die Neuauflage des individuellen T 640 als Charaktertyp im Markt. Er ist anders als andere, gut gebaut und technologisch rundum zukunftssicher aus-gestattet – und das alles zu einem fairen Preis.
Technische Daten des Ahorn Camp T 640 First Edition
AUTO ZEITUNG 02/2026 | Ahorn Camp T 640 First Edition |
|---|---|
Technische Daten | |
Motor | 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel (Euro 6 e), SCR-Kat; 1997 cm³ |
Antrieb | 6-Gang, manuell; Vorderradantrieb |
Leistung | 96 kW / 130 PS bei 3500 U/min |
Max. Drehmoment | 350 Nm bei 1500 U/min |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 6490 / 2320 / 2850 mm |
Leergewicht / Zuladung | 2957 / 543 kg |
Zulässige Gesamtmasse | 3500 kg (opt. 4000 kg) |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | k. A. |
Höchstgeschwindigkeit | 161 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 10,3 l D |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 59.500 € |
Marktstart | im Handel |
Alle Daten Werksangaben | |




























