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Tamiya Wild One im Test: So gut ist der Nostalgie-Buggy

Adam Binnie Redakteur des britischen Schwestermagazins CAR
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Inhalt
  1. Tamiya Wild One im Test: 80er-Ikone neu aufgelegt
  2. Aufbau: Komplizierter als bei "modernen" RC-Autos
  3. So fährt sich der Tamiya Wild One
  4. Haltbarkeit: Der Wild One ist bombenfest
  5. Preis-Leistungsverhältnis: Neuere Technik zum gleichen Preis
  6. Fazit

 

Tamiya Wild One im Test: 80er-Ikone neu aufgelegt

Nostalgie ist ein großes Geschäft – ob es sich nun um den zehnten Batman-Reboot oder den von Singer neu interpretierten Porsche 911 handelt. Man muss also kein Fachwissen haben, um zu erkennen, dass Retro-Charme mit moderner Technik gepaart sehr profitabel sein kann.  Das andere Thema beim Geschäft mit der Nostalgie ist jedoch, dass alles nicht mehr das ist, was sie einmal war. Im Fall von Oldtimer-Fernlenkautos ist das absolut wahr – und die Dinge haben sich seit Mitte der 1980er Jahre, als der Tamiya Wild One auf den Markt kam, erheblich weiterentwickelt.

Und das ist auch gut so. Denn während die großen Stoßdämpfer, der am Überrollkäfig montierte E-Motor und das Hooligan-Temperament des Originalfahrzeugs immer noch schön anzuschauen sind, haben mechanische Geschwindigkeitsregler und trägen NiCd-Akkus in der Gegenwart nichts mehr zu suchen. Aber wenn man den Geist des alten Fernlenkautos mit einer Ladung moderner Elektronik einfangen könnte, wäre das doch etwas Schönes. Und genau das schauen wir uns im Einzeltest des aktualisierten Tamiya Wild One einmal genauer an.

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Vorteile
  • Spaßig und herausfordernd beim Bauen

  • Sieht absolut fantastisch aus

  • Immer noch viel Fahrspaß

  • Auch für Anfänger:innen geeignet

Nachteile
  • Enges Batteriefach

  • Freiliegende Batteriekabel

  • Der Motor ist ungeschützt eingebaut

  • Der Bürstenmotor ist nicht der schnellste

 

Aufbau: Komplizierter als bei "modernen" RC-Autos

Bevor die erste Testfahrt im Tamiya Wild One starten kann, muss das Modell natürlich in gewohnter Bausatz-Manier aufgebaut werden. Im Gegensatz zu modernen Buggy-Chassis, wie etwa dem TT-02 (hier Karoserien, Zubehör und mehr für das Chassis), ist der Aufbau des Wild One ein bisschen komplizierter und fummeliger. Das liegt zum Teil am Retro-Design, das sich seit den 1980er-Jahren nicht mehr großartig verändert hat. Vermutlich sorgt aber auch die maßstabsgetreue Buggy-Optik dafür, dass der Aufbau deutlich komplizierter ausfällt als bei den fiktionaler, aber dadurch simpler gestalteten neuen Modellen, etwa dem Tamiya Neo Fighter.

Natürlich trägt das alles aber zu seinem visuellen Reiz bei. Der Hinweis ist jedoch angebracht, denn selbst Profi-Modellbauer:innen benötigen mehr Zeit für den Aufbau. Dieses Auto kann man nicht an einem Nachmittag zusammenbauen.
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Die Lego Technic G-Klasse im Test (Video):

 

Retro-Fahrwerkstechnik mit modernen Komponenten

Der Tamiya Wild One hat ein wannenförmiges Chassis, an das man alle Teile schraubt. In dieser Hinsicht ist er also nicht weit von einem TT-02 entfernt, aber der erste große Unterschied ist die Längslenkeraufhängung anstelle von Doppelquerlenkern. Dazu muss zuerst eine massive Metall-Vorderachse gebaut werden, und alle diese Teile sehen erfreulich klobig und robust aus. Schließlich fährt der RC-Buggy ohne Stoßfänger mit diesem Bauteil zuerst gegen Bäume, Bordsteinkanten oder Zaunlatten, daher ist die massive Bauweise durchaus positiv.

Das Bild zeigt den Zusammenbau des Tamiya Wild One.
Foto: Adam Binnie

Die Querlenker sind mit den sehr ansprechenden und ölgefüllten Stoßdämpfern (siehe Bild oben) aus Metall verbunden. Der Federweg ist anständig, aber die Federn klingen ein wenig gellend. Der Aufbauprozess wird am Heck in ähnlicher Art wiederholt, bevor der roten Überrollkäfig, in dem der Motor untergebracht ist, montiert wird. In diesem Fall ist ein Standard-"Mabuchi Silver Can". Tamiya bietet in solch einem Kit oft schnellere Torque- oder Sport-Tuned-Motoren an, daher wirkt der schwache E-Motor zunächst Fehl am Platz. Der Motor wird direkt auf das Getriebe und das Differenzialgehäuse geschraubt, ähnlich wie beim DT-03 (hier alle Infos zu dem 2WD-Chassis). Hier sind wir erstmalig vom Standardaufbau abgewichen. Denn im Standard-Kit sind Kunststoff- und Messingbuchsen enthalten, ein schnelles und einfaches Upgrade sind Metallkugellager.

Zubehör für Aufbau und Tuning:

Der Zusammenbau des Antriebs gestaltet sich im Test etwas fummelig. Montiert sieht das Gesamtpaket aber toll aus. Als Nächstes kommt die Hinterachse an die Reihe und diese wird mit unglaublich nach 80er-Jahre-Optik aussehenden Faltenbälgen geliefert, um die Achse und das Antriebswellengelenk zu schützen. Auch diese sind etwas fummelig zu montieren. Ein Beispiel hierfür ist auch die schiere Menge an Hardware, die für die Befestigung der Aufhängung am Überrollkäfig benötigt wird. Bei einem modernen TT-02 werden die Stoßdämpfer mit einer einzigen Schraube im Stoßdämpferturm befestigt. Hier muss eine Buchse in die obere Stoßdämpferbefestigung eingesetzt werden, dann eine Schraube, ein kurzes Messingrohr, eine Unterlegscheibe und schließlich eine Mutter. Das ist ein ganzes Stück mehr Arbeit.

Karosseriebau mit Hindernissen, aber toller Optik

Wer nun denkt, die Karosserie des Tamiya Wild One wäre ganz einfach zusammenzubauen, irrt. Denn obwohl die Karosserie nur schwarz ist und alle weiteren Elemente in Form von Aufklebern angebracht werden, muss man die Teile zunächst ausschneiden. Hier lohnt es sich, die Karosserie genau zu studieren, um sicherzustellen, dass man an der richtigen Stelle schneidet. Ansonsten läuft man Gefahr, zum Beispiel das Dachteil versehentlich zu durchschneiden. Das Lackieren der Fahrerfigur im weißen Overall ist dann nochmals etwas komplizierter. Tipp: Hier lieber von Hand bemalen, anstatt zu sprühen. Denn selbst abgeklebt ist der helle Rennanzug nicht immer vorm Übersprühen durch die schwarze Cockpitfarbe geschützt – daher trägt unser Pilot nun einen Streifen auf seinem Overall.

Das Anbringen der Aufkleber war dagegen denkbar einfach – und hat uns im Test auch eine Menge Spaß gemacht. Die schönen Decals lassen das Auto am Ende ziemlich gut dastehen. Mit all den kleinen Details wirkt der Wild One wie ein maßstabsgetreues Modell und nicht wie ein Spielzeug.

 

So fährt sich der Tamiya Wild One

Der Tamiya Wild One besticht vor allem durch sein Aussehen. Da liegt es nahe, ihn ins Regal zu stellen und einfach die Optik wirken zu lassen. Doch Fernlenkautos sind zum Fahren da, daher darf sich der Buggy auf einer Gras-Rennstrecke beweisen. Ehrlicherweise waren wir überrascht, wie gut er sich im Test behauptet und – was noch wichtiger ist – wie viel Spaß es macht, dem Wild One die Sporen zu geben. Die größte Überraschung: Tuning ist kaum nötig. Das Fahrverhalten ist eigentlich ziemlich gut für ein Auto, das so sehr auf Retro und Maßstab fokussiert ist – zwei Eigenschaften, die sich nicht oft in Fahrspaß übersetzen lassen.

Das Bild zeigt den Tamiya Wild One durch seichtes Gelände fahrend von schräg vorne rechts fotografiert.
Foto: Adam Binnie

Die Federn scheinen etwas steif zu sein und es gibt nicht viel Druckstufendämpfung. Umgekehrt ist die Zugstufendämpfung recht träge, sodass sich der Wild One im Test auf rauem Untergrund insgesamt etwas schwergängig anfühlt und bei wiederholten Stößen unruhig wird. Am besten funktionieren Antrieb und Aufhängung auf kurzem Gras, Schotter oder verdichtetem Sand (danach dringend die Antriebswellenmanschetten reinigen!), während Asphalt am besten vermieden werden sollte. Hier zerfressen sich die Reifen in kürzester Zeit.

Da der Motor so weit hinten im Chassis sitzt, gerät der Wild One gerne ins Schleudern. Vollgasfahrten sind nicht sein Metier. Wer vorhat, mit dem Tamiya Wild One schnell zu fahren, sollte die Reifen verkleben. Sie haben eine ziemlich große Seitenwand und lösen sich gerne von den Felgen, wie der Test zeigt. Auch der tief liegende Akku löst sich gerne, denn das Fach, in dem er steckt, ist nur mit einem Stift gesichert. Hier lohnt sich ein Upgrade auf einen sichereren Batteriefach-Stift.

 

Haltbarkeit: Der Wild One ist bombenfest

Unfälle kommen auch bei geübten Hobby-Buggyfahrer:innen vor, auch in unserem Test. Bei einer schnellen Geländefahrt geriet der Wild One leicht vom Kurs ab und kollidierte mit einem Zaun. Das Auto schleuderte in die eine Richtung, das linke Vorderrad in die andere. Große Schäden? Fehlanzeige. Tatsächlich fehlte nur die Metallwelle, welche die Radnabe im Aufhängungsarm hält. Das war also mit einer schnellen Reparatur erledigt. Ansonsten ist Tamiyas Retro-Buggy ziemlich bombenfest. Der Fernlenk-Renner wurde über eine Menge Bordsteine und auch eine kleine Rampe im Skatepark gejagt und hat alles anstandslos überstanden. Fairerweise muss man sagen, dass es kein Bashermodell ist. Der Tamiya Wild One sollte aber haltbar genug sein, um leichte Offroad-Strapazen wegzustecken.

Das Bild zeigt den Tamiya Wild One fahrend von schräg vorne links fotografiert. Das RC-Auto springt über einen Bordstein.
Foto: Adam Binnie
 

Preis-Leistungsverhältnis: Neuere Technik zum gleichen Preis

Wer darüber nachdenkt, dass originale Wild One-Modelle aus den 1980ern samt Verpackung für knappe 300 Euro gehandelt werden, hat die Neuauflage definitiv ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis (rund 150 Euro; Stand: Februar 2025). Insbesondere weil der Tamiya Wild One anno 2025 die deutlich verbesserte und moderne Version mit derselben Optik des Klassikers ist. Wenn man dann noch die Inflationsrate mit einberechnet, kostet der neue beinahe gleich viel wie das Original damals in den 1980ern.

 
Adam Binnie Adam Binnie
Unser Fazit

Es braucht nicht das schnellste oder am besten zu fahrende Auto, um eine Menge Spaß zu haben. Das ist besonders beeindruckend, wenn man bedenkt, dass der Tamiya Wild One – abgesehen von der Elektronik – im Wesentlichen noch dasselbe RC-Auto aus den 1980er-Jahren ist.

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