Ratgeber

Reifenwechsel-Anleitung: In 9 Schritten zum Erfolg

Ohne passendes Reifenwechsel-Werkzeug geht nichts. Für den halbjährlichen Wechsel von Sommer- auf Winterreifen und wieder zurück werden die passenden Tools benötigt. Wir stellen empfehlenswerte Wagenheber, Drehmomentschlüssel & Co. vor.

Eine Radschraube wird mit einem Radschlüssel gelöst.
Den Radwechsel in Eigenregie durchzuführen, ist mit dem passenden Werkzeug kein Problem. Foto: iStock/Cameris
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Der einzige Kontakt vom Auto zur Straße sind die Reifen. Daher müssen die Pneus bei jeder Jahreszeit und jedem Witterungsverhältnis ausreichend Grip bereitstellen. Neben den immer beliebter werdenden Ganzjahresreifen nutzen viele Autofahrer:innen weiterhin Sommer- und Winterreifen (hier der aktuellste Ganzjahresreifen-Test, Sommerreifen-Test und Winterreifen-Test), die im Frühling (nach Ostern) und im Herbst (meist Oktober) gewechselt werden.

Wer die Arbeit nicht in der Werkstatt seines Vertrauens oder beim Reifenhändler machen lässt, kann die Reifen selbst wechseln. Das ist nicht schwierig, verlangt nur ein wenig technisches Verständnis und das passende Werkzeug. Denn nur mit dem richtigen Werkzeug können Hobbyschrauber:innen die Räder am Fahrzeug korrekt montieren und anziehen. Das meiste Werkzeug lässt sich bequem in Online-Shops bestellen, von einfachen und günstigen Produkten bis zum besten Werkzeug.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: So geht Reifenwechseln in neun Schritten

Reifen wechseln mit einem Wagenheber, dem richtigen Schraubwerkzeug und einem Drehmomentschlüssel ist nicht schwierig, wenn man folgende Punkte unserer Anleitung beachtet.

  1. Geeigneten Ort finden:
    Zunächst muss das Fahrzeug auf einem geraden, stabilen Untergrund stehen, auf dem der Wagenheber nicht wegrutschen oder einsinken kann. Ideal sind ebene Garagenböden oder Einfahrten.
  2. Schrauben lockern:
    Da die Radmuttern oder Radschrauben sehr fest sitzen können, empfiehlt es sich, diese schon zu lockern, solange das Rad noch Kontakt mit dem Boden hat. Das gewährleistet die entsprechende Stabilität, wenn man dabei Kraft aufwenden muss. Achtung: Manche Räder sind mit einem Felgenschloss – entweder als Schlossschraube oder Schlossmutter – gesichert, damit sie nur mit dem passenden Schlüssel entfernt werden können (Diebstahlschutz). Hier benötigt man das entsprechende Werkzeug, das vom Hersteller/Zulieferer mitgeliefert wird. Tipp: Sollten die Radschrauben sehr fest sitzen, hilft zur Not ein verlängerter Hebel oder Kriechöl – hier Multifunktionsöle im Test –, das jedoch nicht auf die Bremsen gelangen sollte!
  3. Bremse und Gang:
    Bevor man den Wagen mit dem Wagenheber anhebt, das Fahrzeug gegen das Wegrollen sichern. Dazu die Handbremse ziehen und den ersten Gang einlegen. Automatikgetriebe auf P stellen.
  4. Wagenheber ansetzen:
    Um Schäden an der Karosserie zu vermeiden, müssen Autofahrer:innen den Wagenheber unbedingt korrekt ansetzen. Die richtige Stelle findet man in der Bedienungsanleitung oder auch durch eine Markierung am unteren Seitenschweller. Gegebenenfalls muss man erst den Schmutz entfernen und eine Lampe zu Hilfe nehmen. Eine Wagenheber-Aufnahme aus Kunststoff lässt sich häufig auch ohne Hilfe erkennen. Nun kann das Auto an der entsprechenden Stelle, an der das Rad gewechselt werden soll, mit dem Wagenheber aufgebockt werden. Die richtige Höhe ist bereits erreicht, wenn der Autoreifen wenige Millimeter über dem Boden hängt.
  5. Rad abmontieren:
    Hat das Rad den Bodenkontakt verloren, kann man die Radmuttern oder Radschrauben vorsichtig entfernen. Dazu startet man mit einer beliebigen Schraube oder Mutter und arbeitet dann sternförmig weiter. Das bedeutet, man entfernt immer die gegenüberliegende Befestigung zur gelockerten Schraube oder Mutter, um das Rad nicht auf der Nabe zu verklemmen. Vorsicht beim Entfernen der letzten Befestigung, denn das Rad kann von der Nabe rutschen. Tipp: Die Muttern oder Schrauben mit einer Drahtbürste säubern, in eine Schale legen und die Reifen sofort mit ihrer ursprünglichen Position beschriften (Vorne links: VL, hinten rechts: HR, usw.).
  6. Reifenmontage vorbereiten:
    Bevor man den neuen Reifen am Auto montiert, lohnt es sich, die Nabe und Auflagefläche zu reinigen. Flugrost und Schmutz lösen sich mit einer Drahtbürste. Die richtigen Radschrauben oder Radmuttern für den neuen Reifen und der passende Radmutternschlüssel sollten griffbereit liegen. Achtung: Beim Wechsel von Stahl- auf Leichtmetallräder (oder umgekehrt) werden häufig unterschiedliche Schrauben oder -muttern verwendet.
  7. Neues Rad montieren:
    Die Felge auf die Radnabe positionieren, sodass die Löcher für die Schrauben über dem passenden Gewindeloch stehen. Muttern nacheinander mit der Hand eindrehen, bis das Rad plan auf dem Nabenteller sitzt. Nun mit dem entsprechenden Werkzeug die Schrauben oder Muttern ohne Kraft anziehen.
  8. Räder festziehen:
    Nun kann man das Auto vorsichtig so weit ablassen, bis das Rad Kontakt mit dem Boden hat. Das richtige Drehmoment (siehe Handbuch) im Drehmomentschlüssel einstellen und damit die Radschrauben oder Radmuttern über Kreuz (wie beim Lösen) anziehen. Anschließend das Auto ganz ablassen.
  9. Reifendruck checken:
    Stimmt der Reifendruck? Wer einen Kompressor, Reifendruckprüfer (hier im Test) oder eine Akku-Luftpumpe (hier im Test) zu Hause hat, sollte den Reifendruck der neu montierten Räder prüfen und gegebenenfalls korrigieren. Wer das nicht selbst machen kann und die Reifen nicht auffällig platt sind, sollte vorsichtig zur nächstgelegenen Tankstelle fahren, um dort den richtigen Reifendruck einzustellen.

Tipp: Nach 50 bis 100 km, die man mit den neu montierten Reifen gefahren ist, sollte man den Sitz der Schrauben oder Muttern mit einem Drehmomentschlüssel kontrollieren, beziehungsweise die Schrauben nachziehen.

Reifenwechsel-Werkzeuge: Nützliche Produkte in der Übersicht

Für den Wechsel der Räder benötigen Hobbyschrauber:innen neben ausreichend Platz und einem ebenen Stellplatz eine Reihe von Kfz-Werkzeugen. Eine Grundausstattung an Werkzeug dürfte bei vielen jedoch bereits in der Garage vorhanden sein, daher müssen in der Regel nur wenige Einzelwerkzeuge hinzugekauft werden. Welche für den Reifenwechsel besonders sinnvoll sind, listen wir im Folgenden auf:

Wagenheber

Um die Reifen des Autos zu wechseln, müssen diese angehoben werden. Wer keine Hebebühne zur Verfügung hat, muss das Fahrzeug einzeln mit einem Wagenheber an den vier Positionen anheben. Dabei hilft der Wagenheber. Wichtig ist, vor dem Kauf zu darauf zu achten, dass das Gerät eine ausreichende Hubhöhe bietet, um den Reifen in die Luft zu heben, und das Fahrzeuggewicht überhaupt tragen kann. Besonders beliebt: Rangierwagenheber, die sich dank Rollen leichter manövrieren lassen und meist auch zu günstigen Preisen gehandelt werden. Das Ergebnis unseres Rangierwagenheber-Tests gibt es hier nachzulesen.

Unsere Testsieger:

Testsieger
GOODYEAR 10640 – Rangierwagenheber 3 t
GOODYEAR 10640 – Rangierwagenheber 3 t
Preis-Leistungs-Sieger
STIX Wagenheber Hydraulisch - Rangierwagenheber 2,5 t
STIX Wagenheber Hydraulisch - Rangierwagenheber 2,5 t
Sehr empfehlenswert
LEHMANN Hydraulischer Wagenheber 2,5 t
LEHMANN Hydraulischer Wagenheber 2,5 t

Um Kratzer oder Schäden am Unterboden zu vermeiden, empfiehlt sich der Einsatz eines Gummi-Puffers. Dieser wird einfach zwischen Heber und Aufnahmepunkt der Karosserie gelegt.

Drehmomentschlüssel

Um die Radmuttern oder -schrauben mit der vorgeschriebenen Kraft anzuziehen, ist ein Drehmomentschlüssel unerlässlich. Nur damit lässt sich die vorgeschriebene Newtonmeter-Zahl korrekt treffen. Den passenden Wert finden Autofahrer:innen im Bedienungshandbuch des Autos. Bei den meisten Fahrzeugen liegt das Anzugsdrehmoment der Muttern zwischen 80 und 150 Nm. Die detaillierten Ergebnisse unseres Drehmomentschlüssel-Tests gibt es hier nachzulesen.

Unsere Testsieger:

Testsiegerc
VANPO Drehmomentschlüssel 1/2", 20-220 Nm
VANPO Drehmomentschlüssel 1/2", 20-220 Nm
Sehr empfehlenswert
FAMEX 10886-3-RS Drehmomentschlüssel 1/2" (12,5mm) - 30-210 Nm
FAMEX 10886-3-RS Drehmomentschlüssel 1/2" (12,5mm) - 30-210 Nm
Sehr empfehlenswert
S&R 1/2 Zoll Drehmomentschlüssel 28-210 Nm
S&R 1/2 Zoll Drehmomentschlüssel 28-210 Nm

Hier gehts zum Test:

Radkreuz oder Radmutternschlüssel

Um die Muttern vom Rad zu lösen, benötigen Hobbyschrauber:innen entweder ein spezielles Radkreuz oder einen Radmutternschlüssel mit Verlängerung. Ein stabiles Radkreuz liegt meist im Auto dabei, ist aber eher für den Notfall wie eine Reifenpanne gedacht. Komfortabler geht es Radmuttern-Schlüssel. Unsere Produktempfehlungen:

WIESEMANN 1893 Teleskop Radmuttern-Schlüssel Set 4tlg.
WIESEMANN 1893 Teleskop Radmuttern-Schlüssel Set 4tlg.
Spurtar Teleskop Radmutternschlüssel mit Stecknüssen 17/19 mm und 21/23 mm
Spurtar Teleskop Radmutternschlüssel mit Stecknüssen 17/19 mm und 21/23 mm
Cartec XL Tech 213196 Feststehender Kreuzradschlüssel
Cartec XL Tech 213196 Feststehender Kreuzradschlüssel

Akku- und Druckluft-Schlagschrauber

Praktischer bei einem Reifenwechsel sind Akku-Schlagschrauber – hier stellen wir empfehlenswerte Modelle im Detail vor und beantworten die wichtigsten Fragen. Mit ihnen lassen sich die Radmuttern leicht und ohne Anstrengung lösen. Unsere Produktempfehlungen:

Wer sehr viele Räder wechseln will, sollte sich überlegen, sich einen Druckluftschrauber zuzulegen. Der arbeitet per Druckluft und löst die Schrauben ohne eigenen Kraftaufwand in den meisten Fällen mühelos und schnell. Für die nötige Druckluft sorgt in der Regel ein externer Kompressor. Ein gutes Paket bietet Einhell mit einem Schlagschrauber und passenden Aufsätzen.

Fettkreide

Das Markieren der abmontierten Räder beim Reifenwechsel wird gerne vergessen, ist aber wichtig. Daher sollten diese nach dem Wechsel auf der Reifenflanke beschriftet werden, wie VL= vorne links oder HR= hinten rechts. Dafür eignet sich zum Beispiel die Fettkreide von Sisa. Die Kreide hält lange, lässt sich aber aus eigener Erfahrung schnell wieder entfernen.

Arbeitshandschuhe

Für einen guten, festen Griff beim Reifenwechsel in jeder privaten Werkstatt sorgen passende Arbeitshandschuhe. Dazu schützen sie die Haut vor Kratzern, Verletzungen und Schmutz – ganz gleich, ob bei der Arbeit am Fahrrad, Auto oder Camper. Robuste Handschuhe wie von Wolfsfeller gibt es im 10er-Set bereits ab unter 20 Euro.

Drahtbürste

Um die Schrauben nach dem Radwechsel von Flugrost oder Schmutz zu reinigen, eignen sich Drahtbürsten. Auch die Radnaben lassen sich mit diesem Werkzeug von Flugrost befreien, hier unsere detaillierte Anleitung zur Radnabenreinigung. Dank der metallenen Borsten schrubben sie die Ablagerung leicht weg, auch von der Auflagefläche an der Bremsscheibe oder der Felge.

Worauf beim Werkzeug-Kauf achten?

  • Robuste Materialien: Werkzeug wie Ratschen und Drehmomentschlüssel sollte aus hochwertigem Stahl gefertigt sein, um auch bei häufigem Gebrauch stabil und langlebig zu bleiben.
  • Ergonomische Griffe: Ein guter Griff sorgt für sicheren Halt und erleichtert die Arbeit beim Reifenwechsel, besonders bei festsitzenden Radmuttern.
  • Korrosionsschutz: Werkzeug mit rostfreier Oberfläche oder spezieller Beschichtung bleibt auch bei Feuchtigkeit funktionstüchtig und optisch einwandfrei.
  • Normen und Prüfsiegel: Auf eine gültige EC-Norm oder ein TÜV-Prüfsiegel achten – sie bestätigen Sicherheit, Qualität und Belastbarkeit des Werkzeugs.
  • Kompatibilität: Das Werkzeug sollte zu den Radschrauben und zur Fahrzeuggröße passen, um Schäden an Felgen oder Gewinde zu vermeiden.
  • Einfache Aufbewahrung: Eine robuste Werkzeugbox oder Tasche schützt das Equipment und sorgt für Ordnung in Garage, Keller oder Kofferraum.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Hochwertiges Werkzeug ist eine einmalige Investition, die sich in der Regel durch Sicherheit und Langlebigkeit beim Reifenwechsel auszahlt.