Hitzköpfe im Duell: Opel Ascona A vs. Ford Escort RS 2000
Wer Mitte der 60er-Jahre in Deutschland ein – nach bürgerlichen Maßstäben – leistungsstarkes und schnelles Auto haben wollte, war in der Regel gezwungen, viel Blech durch die Gegend zu fahren. Die gängige Formel lautete: Je größer die Karosserie, desto mehr Hubraum und Leistung steckt unter der Haube. BMW und Alfa waren die ersten, die damals zeigten, dass es auch anders ging, indem sie in kompakte Limousinen starke Motoren einbauten. Doch bis Opel und Ford nachzogen, dauerte es noch ein paar Jahre.
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Der Ford Escort RS 2000 Mk I heizte der Konkurrenz ein
Dann allerdings legte vor allem Ford ein äußerst attraktives Sportprogramm auf. Angeheizt durch die Erfolge wilder Escort, die in England mit dem Motor des größeren Lotus Cortina als Twin Cam für Furore gesorgt hatten, wuchs auch in Deutschland die Begehrlichkeit nach einem dynamischen Kompakten mit stabilem Fahrwerk. Über ausgesuchte Rallye-Sport-Händler brachte Ford deshalb 1973 den Escort RS 2000 auf den Markt: Ein 100 PS (74 kW) starkes Serienauto, das im Vergleichstest der AUTO ZEITUNG von 1974 auf Anhieb die versammelte Konkurrenz abhängte. Alfa Romeo Giulia, BMW 1802, Opel Ascona 1.9 SR und auch der Audi 80 GT konnten ihm beim Sprint von null auf hundert km/h in 10,5 s nicht folgen.
Vor allem aber bot der Ford Escort RS 2000 reichlich Potenzial für technische Upgrades. Besagte RS-Händler hielten alles bereit, was das Herz begehrte: Fahrwerksteile für sportliche Einsätze, größere Vergaser, Zusatzkühler, stärkere Bremsen, Sportfelgen und -abgasanlagen und Kotflügelverbreiterungen. Mit den Tuningkits ausgestattete Exemplare brachten es auf mehr als 130 PS (96 kW) und waren geeignet, in der damaligen Gruppe 1 als seriennahe Tourenwagen erfolgreich mitzumischen.
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Der Opel Ascona A bewies mit Walter Röhrl sein Können
Auch Opel sprang auf den Rallye-Zug auf. Da der General Motors-Mutterkonzern allerdings seinerzeit keine Motorsportaktivitäten für die Marke duldete (ähnliches galt für Ford und Chrysler), wich man auf Tuner wie Irmscher und Steinmetz aus. Mit diskreter finanzieller Unterstützung des Werks bekam so der erfolgreiche Opel Ascona A von Irmscher eine Kraftkur verpasst und trat 1974 in der Gruppe 2 an – mit Walter Röhrl am Steuer.
Das Projekt endete mit dem Sieg in der Rallye-Europameisterschaft. Auch heute gibt es noch viele Fans, die sich perfekt an die alten Zeiten erinnern, als Motorsport noch weniger kommerziell, dafür aber für die Zuschauer:innen unmittelbar erlebbar und für die Aktiven erschwinglich war. Wie weit die Begeisterung dann im Einzelfall führt, wenn ein Opel Ascona A oder ein Ford Escort RS 2000 wieder in Schuss gebracht werden sollen, ist natürlich sehr unterschiedlich.
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Der Foto-Ascona stieg wie der Phönix aus der Asche
Bei Clive Biester geht die Geschichte so: "Es war an Heiligabend, glaube ich, da war mir zwischendurch etwas langweilig und ich habe im Netz nach Autos geschaut. Da bin ich auf den Ascona gestoßen. Den kannte ich bereits, denn er stand schon länger drin. Offenbar wollte ihn niemand haben." Kurzentschlossen griff Biester zu und dachte sich: "Den mache ich mir schön." Dabei ist es für ihn natürlich von Vorteil, dass er selbst mehrere Autohäuser besitzt, darunter auch eines der Marke Opel. "Der Wagen war optisch in keinem besonders guten Zustand", erinnert sich Biester, "der Vorbesitzer ist damit wohl Rallye Cross gefahren."
Auch der Motor des Opel Ascona A lief nicht richtig. Wie sich herausstellt, wurde irgendwann einmal ein Zweiliter-Vierzylinder vom Typ 20E mit Einspritzung eingebaut, wie es erst später im Ascona B zum Einsatz kam. Weil der CIH-Motor von der Gemischbildung abgesehen aber gesund schien, tauschte der neue Besitzer die Einspritzanlage gegen eine Doppelvergaseranlage von Weber mit 45er Querschnitt. Die anschließend nötige Abstimmung ist ihm gut gelungen: Auf dem Prüfstand leistet der Opel Ascona A schließlich 135 PS (99 kW). Wichtiger als rennsporttaugliche Fahrleistungen oder gar Originalität ist Clive Biester aber die Optik.

Den Heckspoiler (Alle Spoilerarten erklärt) entfernte er, dafür setzte er den vorhandenen Frontspoiler liebevoll instand. Auch im Cockpit legte der Opel-Mann Hand an. Die Zusatzinstrumente für Kühlwasser und Batterie beispielsweise, ab Werk tief unten in der Mittelkonsole eingebaut, wanderten in die Lüftungsaustritte weiter oben. Das Lenkrad und die bequemen Sportsitze der italienischen Traditionsmarke BF Torino hingegen ließ er unangetastet. Von unnötigem Ballast befreit, macht der Opel Ascona A erwartungsgemäß großen Spaß, wenn er, vom Röcheln der Weber-Vergaser begleitet, über die Landstraßen um seinen Heimatstandort Hameln räubert. Wenn die Fahrt lang genug ist und auch mal über ein kurzes Stück Schotter führt, könnte man sich für kurze Zeit ein bisschen wie Walter Röhrl fühlen.
Umfangreiches Tuning macht dem Escort RS 200 Beine
Das geht so lange, bis im Rückspiegel der Ford Escort RS 2000 von und mit Stefan Schlesack auftaucht. Im Gegensatz zu Biesters Breitbau-Ascona meint es der Escort nämlich komplett ernst mit seinem sportlichen Auftritt. Das beginnt mit dem Motor: Dessen Leistung beträgt nach einer vollumfänglichen Überarbeitung mehr als doppelt so viel wie im Serientrimm, nämlich gut 200 PS (147 kW). Das geht weiter beim rallyetauglichen Bilstein-Fahrwerk mit Wattgestänge und Sperrdifferenzial hinten und setzt sich fort über die Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum.

An der Hinterachse sitzen vier Bremssättel, zwei für die Fußbremse und noch einmal zwei für die separat zu betätigende Handbremse. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass nach Aussage von Besitzer Schlesack alles dem Reglement des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) für die Gruppe 2 entspricht. Der Mann weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er als Internationaler Technischer Kommissar tätig und hat in den vergangenen 30 Jahren unzählige Rallyes bestritten. Zwischen 1987 und 1994 war Schlesack für Ford in der deutschen Rallyemeisterschaft mit großem Erfolg unterwegs. Da überrascht es nicht, dass er sich beim Fototermin mit einem sämigen Drift verabschiedet. Bei genauer Betrachtung liegen die zwei Siebzigerjahre-Sportler also weit auseinander. Aber für einen großen Auftritt taugen sie beide – jeder auf seine Art.
Technische Daten von Opel Ascona A 2.0 und Ford Escort RS 2000 Mk I
Classic Cars 12/2016 | Opel Ascona A 2.0 | Ford Escort RS 2000 Mk I |
Zylinder | 4 | 4 |
Hubraum | 1956 cm³ | 1993 cm³ |
Leistung | 99 kW/135 PS (laut Prüfstand) | 147 kW/200 PS |
Max. Gesamtdrehmoment bei | k.A. | k.A. |
Getriebe/Antrieb | 4-Gang-Getriebe/Hinterrad | 5-Gang-Getriebe/Hinterrad |
L/B/H | 4124/1626/1385 mm | 3984/1685/1391 mm |
Leergewicht | 995 kg (Ascona A 19 SR) | ca. 940 kg |
Bauzeit | 1970-1975 | 1974 |
Stückzahl | ca. 700.000 (Ascona A ges.) | ca. 5200 |
Beschleunigung null auf 100 km/h | ca. 9 s | ca. 6,9 s |
Höchstgeschwindigkeit | k.A. | ca. 190 km/h |
Verbrauch auf 100 km | k.A. | k.A. |
Grundpreis (Jahr) | 8617 Mark (1971) | 11.240 Mark (1974) |