Vorstellung

Mitsubishi Galant VR-4: Japans vergessener M3-Rivale

Mitsubishis Sportabzeichen VR-4 hat es im Galant nie nach Deutschland geschafft. Schade, denn dank Allradantrieb und V6-Biturbo mutierte die brave Mittelklasse-Limo zum Sportwagenfresser. Wir blicken zurück und stellen den raren Mitsubishi Galant VR-4 vor!

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Mitsubishi Galant VR-4; stehend, Ansicht von schräg vorne.
Ein herrliches Relikt der 90er: der vergessene Mitsubishi Galant VR-4 mit Verspoilerung und unterkühltem Flieder-Lack. Foto: Mitsubishi
Mitsubishi Galant VR-4; stehend, Ansicht von schräg hinten.
Nur die wenigsten wissen, dass im VR-4 der finalen Generation ein bäriger V6-Biturbo mit 290 PS (210 kW) lauert. Foto: Mitsubishi
Mitsubishi Galant VR-4; stehend, Ansicht von schräg vorne.
Dank Allradantrieb mit Rallye-Genen sprintet die Limousine innerhalb von 5,3 s auf 100 km/h. Foto: Mitsubishi
Mitsubishi Galant VR-4; Ansicht Cockpit mit Rechtslenkung.
Der Innenraum präsentiert sich nüchtern und mit Momo-Lenkrad sowie Recaros nur so sportlich wie nötig. Foto: Mitsubishi
Mitsubishi Galant VR-4; stehend, Ansicht von schräg vorne.
In Europa kam nur Großbritannien in den Genuss des Galant VR-4. Foto: Mitsubishi

Ein kurzer Rückblick ins Auto-Europa der 80er-Jahre: Die britische Automobilindustrie lag nach dem Zusammenbruch vom verstaatlichten Markenkonglomerat British Leyland in Trümmern. Selbige mussten italienische Marken nach ihrem Rost-Debakel erst einmal wieder zusammenkehren. In Frankreich übertraf man sich nach wie vor mit eigenwilligen Konstruktionen, während VW & Co. aufgrund der überschaubaren Konkurrenz gefühlt einen Gang zurückschalteten.

Der Siegeszug der japanischen Marken war damit quasi programmiert. Autos wie der Toyota Corolla, Honda Accord oder Mitsubishi Galant bestachen mit ihrem technischen Niveau, der umfangreichen Ausstattung, der Haltbarkeit und natürlich mit ihrem Kampfpreis. Nur an der Sportlichkeit der Massenmobile und den damit eng verknüpften Emotionen mangelte es noch. Und genau hier kamen Modelle wie der Mitsubishi Galant VR-4 ins Spiel.

Mitsubishi hatte den Einstieg in die berüchtigte Gruppe B fest eingeplant und extra für die lebensgefährlichen Rallyes einen Allrad-Starion entwickelt. Als die hochgezüchteten Boliden nach mehreren Todesfällen verboten wurden, musste die Motorsport-Abteilung umsatteln.

Stattdessen verpasste Mitsubishi 5000 Galant-Homologationsfahrzeugen einen Großteil der Technik und trat damit in der Gruppe A an. Die frei verkäuflichen Limousinen mit Allradantrieb und auf bis zu 241 PS (177 kW) aufgeladenem Vierzylinder hörten nun auf den Namen Mitsubishi Galant VR-4. Zwischen 1989 und 1992 gelangen der Marke damit sechs WRC-Erfolge.

Der Mitsubishi Grandis im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Underdog aus Tokio: Mitsubishi Galant VR-4

Richtig spannend wurde es für die Kundschaft aber erst, als Mitsubishi den handlicheren Lancer Evolution für die Rallye-WM entwickelte und dem Straßen-Galant in den beiden darauf folgenden Generationen seine Reglements-Fesseln abnahm. Prompt hielt ein satter V6 Einzug unter die Motorhaube.

Den absoluten Leistungsgipfel erklomm die dritte und letzte Ausbaustufe des Mitsubishi Galant VR-4: Der Sechszylinder war auf einen Hubraum von 2,5 l angewachsen und kam mit doppelter Turboaufladung auf 290 PS (210 kW). Inklusive der 369 Nm Drehmoment besaß die Limousine genug Dampf, um von null auf 100 km/h in 5,3 s zu beschleunigen. Das war anno 1996 Porsche 911-Niveau! Und mit 260 km/h Topspeed ließ sich der VR-4 auch auf der Autobahn nicht vom Elfer abhängen.

Der Mitsubishi Galant VR-4 stehend von vorne
Foto: Mitsubishi

Mitsubishi wäre natürlich nicht Mitsubishi, wenn man nicht auch noch unzählige Stunden Gehirnschmalz in die Antriebs- und Fahrwerkstechnik des Galant VR-4 gebuttert hätte. So sitzt an der Hinterachse ein Differential mit Torque Vectoring aus dem Lancer Evo, das mit Sensoren durchdrehende Räder erkennt und den Kraftfluss dementsprechend umleitet.

Um das optionale, von Porsche zugekaufte Automatikgetriebe auf das Performance-Niveau des Handschalters zu hieven, erhielt der VR-4 eine Traktionskontrolle und ein aktives Stabilitätsprogramm. Zudem passte sich die Schaltung des Wandlers mit der Zeit von selbst der Fahrweise an.

Galant in Deutschland nur etwa halb so stark

Der Innenraum des Mitsubishi Galant VR-4 hielt sich japanisch-zweckmäßig. Zu den wenigen Highlights zählten das Momo-Lenkrad und die Recaro-Sitze. Interessanterweise bot Mitsubishi die Kombi-Variante Legnum ebenfalls als VR-4 an. Doch weder die Quattro-Abteilung von Audi, noch die BMW M GmbH musste sich zeitlebens Sorgen um Marktanteile von RS 4 beziehungsweise M3 machen.

Mitsubishi hielt eisern an den Rechtslenker-Märkten Japan und Großbritannien fest und schickte den Galant maximal mit recht bodenständigen 163 PS (120 kW) nach Deutschland. Bevor die Deutschen überhaupt so richtig merkten, was ihnen da entging, endete 2002 bereits die Karriere des VR-4. Zwei Jahre später verabschiedete sich die Mittelklasse in Europa komplett aus den Showrooms. Die letzte und nur noch in den USA angebotene Generation war ein Schatten ihrer selbst und flog 2012 völlig zurecht aus dem Modellportfolio.

Fazit

Wer auf Exoten und Underdogs steht, findet im Mitsubishi Galant VR-4 wahres Faszinationspotenzial. Dabei pflegt der Japaner einen solch dezenten Auftritt, dass er selbst auf geneigten Young- und Oldtimertreffen unter dem Radar fliegt.