Mercedes G 63 vs. G 580 EQ: Verbrenner & E-Auto im Duell

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Mercedes-AMG G63/Mercedes G 580 EQ; Collage; fahrend; Geländewagen; Profilansicht
Mercedes-AMG G 63/Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes/ Collage: AUTO ZEITUNG

Zwei Geländewagen, die sich auf den ersten Blick sehr ähneln und doch so verschieden sind. Wir vergleichen den V8-befeuerten Mercedes-AMG G 63 mit dem vollelektrischen Mercedes G 580 EQ.

Mercedes-AMG G 63; Außenansicht; fahrend; Geländewagen; Frontansicht
Mercedes-AMG G 63 Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Brutal über Schotterstrecken zimmern, beinhartes Paris-Dakar-Feeling inklusive. Die G-Klasse von AMG ist eine Wucht!

Mercedes-AMG G 63; Außenansicht; fahrend; Geländewagen; Profilansicht
Mercedes-AMG G 63 Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Das AMG Ride Control-Fahrwerk nimmt Pisten ganz sämig, asphaltierte Straßen aber erstaunlich leichtfüßig.

Mercedes-AMG G 63; Innenraum; Innenansicht; Interieur; Cockpit; Armaturen; Lenkrad
Mercedes-AMG G 63 Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Trotz Geländeaffinität zeigt sich der G 63 in gewohnt luxuriöser Ausstattung.

Mercedes-AMG G 63; Außenansicht; stehend; Geländewagen; Motorraum; Motor
Mercedes-AMG G 63 Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Blick in die Innereien: Beim AMG walten hier 585 PS (430 kW) und 850 Nm Drehmoment.

Mercedes-AMG G 63; Außenansicht; stehend; Geländewagen; Detail; Rad; Felge
Mercedes-AMG G 63 Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Ein Hingucker sind auch die AMG-Felgen im fünfspeichigen Offroaddesign.

Mercedes-AMG G 63; Außenansicht; stehend; Geländewagen; Frontansicht
Mercedes-AMG G 63 Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Das Offroad-Package Pro macht aus dem AMG G 63 einen beinharten Felsenbeißer.

Mercedes-AMG G 63; Außenansicht; stehend; Geländewagen; Heckansicht
Mercedes-AMG G 63 Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Dachgarten und Heckleiter dürften beim AMG-G selten gewählte Ausstattungselemente sein.

Mercedes G 580 EQ; Außenansicht; fahrend; Geländewagen; Frontansicht
Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Andere Welt: Die elektrische G-Klasse saust ohne Ton durchs Hinterland. 

Mercedes G 580 EQ; Außenansicht; fahrend; Geländewagen; Heckansicht
Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Unterwegs neutralisiert der EQ Stufen, Rinnen, Fels, als gäbe es sie nicht, und schrammt dabei immer wieder auch rabiat ...

Mercedes G 580 EQ; Außenansicht; fahrend; Geländewagen; Profilansicht
Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

... auf der fetten Carbonplatte, die das 116-kWh-Akku-Paket zwischen den Trägern des Leiterrahmens schützt.

Mercedes G 580 EQ; Außenansicht; fahrend; Geländewagen; Frontansicht; unwegsames Gelände
Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Im automatischen Kriechmodus klettern: der G 580 EQ kann es. Unfassbar gut.

Mercedes G 580 EQ; Außenansicht; fahrend; Geländewagen; Heckansicht; Schräglage
Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Fahren, wo selbst zu Fuß gehen zum Problem wird: Kernkompetenz des G 580 EQ.

Mercedes G 580 EQ; Außenansicht; fahrend; Geländewagen; Draufsicht; sandiges Gelände
Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Der vermutlich beste Trick des Mercedes G 580 EQ aus der Vogelperspektive: Die Räder der einen Seite drehen nach vorn, die der anderen Seite nach hinten, der G deshalb auf der Stelle. Reifenhersteller lieben diesen "G-Turn" heiß und innig.

Mercedes G 580 EQ; Innenraum; Innenansicht; Interieur; Cockpit; Armaturen; Lenkrad; Person am Steuer
Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Die Offroad-Anzeigen im Cockpit gibt es serienmäßig.

Mercedes G 580 EQ; Innenraum; Innenansicht; Interieur; Cockpit; Armaturen; Lenkrad
Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Schweres Terrain leicht gemacht: vorwählbare Fahrmodi für jeden Untergrund.

Mercedes G 580 EQ; Außenansicht; stehend; Geländewagen; Frontansicht
Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Mit seinen vier E-Motoren erreicht der G 580 eine Systemleistung von 432 kW (588 PS) bei einem Drehmoment von gewaltigen 1164 Nm.

Mercedes G 580 EQ; Außenansicht; stehend; Geländewagen; Heckansicht
Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Weit über 140.000 Euro – in der Hinsicht hat sich die G-Klasse hoffnungslos festgefahren (Stand: September 2024).

Mercedes G 580 EQ; Außenansicht; stehend; Geländewagen; Motorraum; Motor
Mercedes G 580 EQ Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Wo beim AMG der Motor prangt, gibt es bei der elektrischen G-Klasse nur eine Abdeckung zu bewundern.

Auch wenn sie oft nur noch als Metropolen-Flaneur genutzt wird, ist die G-Klasse ein harter Geländewagen. Rabiate Momentaufnahmen mit donnerndem AMG-V8 im Mercedes-AMG G 63 und mit flüsterleisen Elektromotoren im Mercedes G 580 EQ. Ein Vergleich!

Im Mercedes-AMG G 63 durchs Gelände – und ins Unterholz

Schön, wenn man das volle Vertrauen seines Beifahrers genießt. Der ist heute Entwickler im G-Klasse-Team bei AMG und kommandiert ganz entspannt meine Fahrt über die kleine Schotter-Rallye-Etappe, die als staubiges Geröll-Geschlängel im struppigen Hinterland des Chateau de Lastours liegt. Nach Westen geht es in die Pyrenäen-Ausläufer der Corbières hinein, im Osten sieht man gelegentlich das Mittelmeer zwischen Narbonne und Perpignan aufblitzen. "Jetzt das Lenkrad gerade halten und die Sprungkuppe bei ungefähr 80 Sachen einloggen, dann: guten Flug!"

Im Vergleich zum vollelektrischen Mercedes G 580 EQ donnert der Mercedes-AMG G 63 mit kernig grollendem V8 eine von Geröll gesäumte Steilstrecke hinauf, links und rechts fliegt dichte Dorn-Macchia vorbei, voraus endet die Piste blind, darüber leuchtet der blaue Himmel Südfrankreichs. Und wenn jemand von AMG sagt, man soll da blind reinzimmern, tut man es natürlich. Wartet gespannt, was passiert. Da hebt die dicke AMG-G-Klasse auch schon flockig ab – über 2,6 t im eleganten Parabelflug. Und dann erwischen wir die abfallende Rampe auf der anderen Seite mit aller Souveränität, setzen satt und weich auf. Kein Schlingern, kein Durchschlagen, um die Mundwinkel meines Beifahrers spielt ein kleines Lächeln.

Das friert jedoch schnell ein: "Die nach außen hängende Ecke da unten bitte hart anbremsen, jetzt!" – Ich überlege. "Jetzt", wie: "irgendwie zeitnah" oder "Jetzt" wie: "JETZT"? Und: "hart anbremsen" wie: "mit gefühlvoller Strenge" oder wie: "brutal bis zum Schienbeinbruch aufs Pedal treten"? Als die G-Klasse wenige Sekunden später eine gewaltige Schneise der Verwüstung ins Unterholz geschlagen hat, ist mir klar, dass "hart jetzt" wortwörtlich gemeint war.
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Wir bauen die neue Lego Technic G-Klasse im Video:

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Video: AUTO ZEITUNG

Das Talent darf gern zum Fahrzeug passen

Ich bin im Einklang mit dem angerichteten Flurschaden kapital zerknirscht, mein Beifahrer zeigt allerdings keine Regung: "Das Rausfahren übernehme gern ich ..." – Rausfahren? Der Mercedes-AMG G 63 steht in der Mutter aller Dornhecken zwischen fußballgroßen Steinbrocken, da fährt man nicht einfach so raus, da fährt man eigentlich nicht mal rein … Herr AMG weiß aber wie, schließlich ist so ein G 63 entgegen jeder Kundennutzung tatsächlich ein GELÄNDEwagen – und was für einer: Sperren rein, das AMG Ride Control-Fahrwerk samt Fahrprogrammen auf maximale Zerstörung gestellt und dann ganz gefühlvoll ... Quatsch: Vollgas! Der AMG fräst sich splitternd, krachend und in einem Geschosshagel von Steinen aus der misslichen Lage. Ich denke in meiner Deckung liegend die ganze Zeit: "Mist, Manufakturlack in Magno-Matt Hyazinthrot, 8687 Euro", aber Stehenlassen ist natürlich auch keine Lösung. 

Mercedes-AMG G 63; Außenansicht; stehend; Geländewagen; Motorraum; Motor
Foto: Mercedes (Deniz Calagan)

Für den Rückweg ins Basislager bin ich der Beifahrer, der AMG-Mann bietet mir unterwegs eine gesichtswahrende Ausrede an: "Als wir die Strecke angelegt haben, war alles knochentrocken, der Regen der letzten Stunde scheint den Kurs doch etwas rutschig gemacht zu haben." Ja, ja, denke ich – und dass dieser AMG irgendwie eine Wucht ist. Fährt auf der Straße überraschend sportlich und dreht auf Schotterstrecken brutal auf, beinhartes Paris-Dakar-Feeling inklusive. Das Talent darf da gern zum Fahrzeug passen. Aber der Zweite im Vergleich, der Mercedes G 580 EQ, hat noch ganz andere Tricks auf Lager …

Jetzt tritt der Mercedes G 580 EQ zum Vergleich an

Trotz meines Ausflugs ins Gelände kann ich im Anschluss noch einen weiteren unternehmen, dieses Mal im Mercedes G 580 EQ. Vollelektrisch. Ohne AMG. Ohne Person auf dem Beifahrersitz. Dafür mit einem automatischen Kriech-Modus, der jede untertalentierte Einflussnahme am Steuer quasi ausschließt: Modus in einer von drei vorwählbaren Geschwindigkeiten aktivieren, ab dann nur noch lenken und vom Steuer aus verfolgen, wie sich der G 580 EQ flüsterleise haarsträubende Steigungen hinaufbrechstängelt, unterwegs Stufen, Rinnen, Fels neutralisiert, als gäbe es sie nicht, und dabei immer wieder auch rabiat auf der fetten Carbonplatte dahinschrammt, die das 116-kWh-Akku-Paket zwischen den Trägern des Leiterrahmens schützt.

Klingt langweilig, weil man nicht mehr schalten, strategisch sperren, Gas millimeterfein dosieren muss? – Ist es aber nicht, sondern einfach nur spektakulär und beeindruckend. Die Wahl der Linie bleibt einem nervenkitzelnd überlassen. Vermutlich traut man sich als unerfahrene Offroad-Person so auch an Passagen, die man sonst eher nervös als unerreichbare "schwarze Piste" beäugen würde.

Der Mercedes G 580 EQ (2024) im Fahrbericht (Video):

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Video: AUTO ZEITUNG

Der G-Turn als pures Gimmick

Dass sich die vier E-Maschinen des Mercedes G 580 EQ – pro Rad eine – vorzüglich für wüste Tricks wie das kettenfahrzeugähnliche "Auf der Stelle drehen" eignen, hat Mercedes natürlich auch gemerkt und als "G-Turn" in Szene gesetzt. Die Sache ist im Vergleich zum automatischen Klettern aber reichlich albern – als kleiner Geniestreich dürfen jedoch die Zeitlupe-Drifts mit gehemmtem kurveninneren Hinterrad gelten. Dieses "G-Steering" macht den G 580 EQ in verblocktem, engem Terrain gefühlt einen Meter kürzer. Irre, was man so mit einem viermotorigen Elektro-Offroader erreichen kann – beim Mercedes-AMG G 63 wäre so etwas nicht möglich.

 "Man müsste beide haben können", denke ich traurig irgendwo in einem Wasserloch, das der Elektro-G wegen seiner spektakulären Wattiefe – Elektromotoren können keine Luft ansaugen – ungerührt nimmt, während die braune Suppe beinahe über die Haube flutet. Das urwüchsige Trial-Kletter-Talent des Mercedes G 580 EQ und die im Vergleich breitbeinige Wildheit des Mercedes-AMG G 63 – dabei reicht einer von beiden schon aus, um das Budget der Allermeisten zu sprengen. Zumindest in der Hinsicht hat sich die G-Klasse hoffnungslos festgefahren.

Technische Daten von Mercedes G 580 EQ & Mercedes-AMG G 63

AUTO ZEITUNG 19/2024Mercedes G 580 EQMercedes-AMG G 63
Technik
MotorVier perm. erregte SynchronmaschinenV8-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo, 3982 cm3
Antrieb2-Gang, Reduktionsgetriebe/Allrad9-Stufen-Automatik; Allrad
Systemleistung432 kW/588 PS430 kW/585 PS
Max. Systemdrehmoment1164 Nm850 Nm
Kapazität/Spannung116,0 kWh/400 V-
Karosserie
Außenmaße (L/B/H)4624/1931 (2187*)/1983 mm4873/1984 (2187*)/1976 mm
Leergewicht3085 kg2640 kg
Kofferraumvolumen620-1990 l640-2010 l
Fahrleistungen
Beschleunigung (0-100 km/h)4,7 s4,4 s
Höchstgeschwindigkeit180 km/h220 km/h
Verbrauch auf 100 km28,0 kWh14,7 l SP
Reichweite468 km-
Kaufinformaiton
Grundpreis142.622 €189.329 €
Marktstart20242024
Alle Daten Werksangaben; *Breite mit Außenspiegel