Weltmeisterlich: Die Mannschaftsbusse bei der FIFA-WM 2026
Der Weg ins Finale der Fußball-WM 2026 am 19. Juli ist weit. Meilenweit. Zurücklegen wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft diesen Weg wie die anderen WM-Teilnehmer auch in einem Bus von Hauptsponsor Hyundai. Wir haben ihn uns einmal genauer angesehen.
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Die Wahl des Mannschafsbusses: Eine Frage des Sponsoren-Geldes
Jetzt gehts los! Ab diesem Donnerstag, 11. Juni, rollt der Ball bei der Fifa-WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA. Noch bevor die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag, 14. Juni, gegen Curacao zu ihrem ersten WM-Spiel des Turniers antritt, hat es den ersten Wechsel bei der deutschen Elf schon gegeben. Nämlich bei der Wahl des Mannschaftsbusses.
Mit ihrer Landung in den USA, wo die DFB-Elf im sogenannten „Base Camp“ in Winston-Salem, North Carolina, Quartier bezogen hat, sind die Kicker der DFB-Auswahl, vom Mannschaftsbus von MAN auf einen „Truppentransporter“ von Hyundai umgestiegen. Vorerst vorbei also mit dem Claim „Deutschland fährt MAN“, der stolz auf dem Lack des im Trainingslagers eingesetzten Busses prangt. Die Wahl der Marke des Mannschaftsbusses ist dabei, wie fast alles im modernen Fußball, kein Zufall, sondern in erster Linie eine Frage des (Sponsoren)-Geldes.
Der deutsche Mannschaftsbus von der WM 1974 (Nachbau) im Video
Im Trainingslager: Heimspiel für den DFB-Mannschaftsbus von MAN
Während ihres Kurztrainingslagers Ende Mai in Herzogenaurach waren die Jungs von Bundestrainer Julian Nagelsmann noch mit einem 13 m langen und rund 500 PS (368 kW) starken Dreiachser mit schwarz-rot-goldener Sonderlackierung von MAN unterwegs. Dem Nutzfahrzeughersteller also, der als Tochter von Volkswagen als offiziellem DFB-Mobilitätspartner unter dem Claim „We drive football“ für den Inlandstransport des DFB-Trosses zuständig ist. Auf dem auffälligen Gefährt sind die Namen von rund 5000 deutschen-Fans aufgedruckt. Mehr als 41.000 Anhänger:innen hatten sich für die PR-Aktion „Mit dir im Rücken“ beworben.

Mit der Landung in den USA sind Manuel Neuer, Anton Rüdiger, Joshua Kimmich & Co. – wie die anderen 47 WM-Teilnehmer – nun auf einen Mannschaftsbus von Fifa-Hauptsponsor Hyundai umgestiegen. Dieser soll die deutsche Nationalmannschaft zum Training, zu den Spielorten und wieder zurück ins Mannschaftsquartier bringen. Was die koreanische Marke, nach eigenem Bekunden bereits seit dem Jahr 1999 „stolzer Sponsor aller FIFA-Wettbewerb“, sich ihr WM-Engagement als offizieller Fifa-Mobilitätspartner kosten lässt, ist genauso wenig bekannt wie technische Details zu den während des Turniers eingesetzten Bussen.

Antrieb vor Ort: 400 PS für elf Freunde in Hyundai-Mannschaftsbus
Diese sind – je nach gewählter Ausstattungslinie und Motorisierung – generell in einem Leistungsspektrum von 380 PS (206 kW) beim Modell D6CB-38 bis 410 PS (302 kW) beim Modell D6CB-41 erhältlich. Sie bieten und je nach gewählter Konfiguration 28 bis 49 Sitzplätze. Genug also, um Mannschaft, Trainer- und Betreuerstab von A nach B zu chauffieren.
Eine Bordküche, in der es – anders als auf den meisten Busreisen mit Kegelclub & Co. – viel mehr als Bockwurst gibt, ist dabei für die besten Fußballer der Welt genauso selbstverständlich wie gute Klimatisierung und viel Beinfreiheit. Nur eine Bierzapfanlage, wie es sie im leider verschollenen Original-WM-Bus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft von 1974 gab (für Nutzfahrzeug-Fans: ein Mercedes-Benz O304), dürfte diesmal wohl nicht mit an Bord sein.
Die Zeiten haben sich eben geändert. Das gilt auch für die Wahl des Antriebs. Auf längeren Überlandfahrten fungierten moderne Reihensechszylinder-Dieselmotoren mit Direkteinspritzung an Bord der 11,73 m langen und rund zwölf Tonnen schweren Hyundai-Reisebusse als „Spielmacher“. Für kürzere Fahrten am Spieltag selbst, etwa vom Spieltaghotel zum WM-Stadion und wieder zurück zum Flughafen, sollen auch elektrische Busse aus dem Elec-City-Programm von Hyundai zum Einsatz kommen, die per Brennstoffzelle betrieben werden.
Interieur: Viel Komfort und extralange Fußstützen für gestresste Kicker-Beine
Über weite Ausstattungsdetails der WM-Busse schweigt sich die koreanische Marke auf Anfrage unserer Redaktion aus. Allerdings ist die Rede davon, dass beim gewählten Innenausbau viel Wert auf den „ultimativen Passagier-Komfort“ gelegt worden sei. Wozu neben luxuriöser Luftfederung auch der, selbst für Nutzfahrzeug-Verhältnisse, lange Radstand von 5,85 m beitragen dürfte. Ein Komfort, den die Autos, die die deutschen WM-Stars privat fahren, größtenteils selbstverständlich bieten, wenn auch nicht alle.
Zum ultimativen Wohlfühlprogramm auf dem Weg ins WM-Stadion gehören laut der von Hyundai International im Vorfelds des Turnier verbreiteten Pressemitteilung zudem „sehr weit verstellbare Kopfstützen, Rückenlehnen mit extrem großen Neigungswinkel und extralangen Fußrasten“. Der Innenraum besticht durch bequeme, „sehr individuell verstellbare Premium-Ledersitze“, heißt es dazu weiter aus dem Hyundai-Hauptquartier in Seoul. Hinzu kommen „speziell angepasste Gepäckabteile für Sporttaschen und Ausrüstung“ für Warm-up sowie die Spiel-Vor- und Nachbereitung.
Eine eigens für den WM-Einsatz verstärkte Geräusch- und Vibrationsdämmung des in Monocoque-Bauweise ausgeführten Bus-Karosserie soll zusätzlich dazu beitragen, dass den Spielern die Fahrt zum und vom Stadion so angenehm wie möglich gemacht wird. LED-Ambiente-Beleuchtung, wie man sie sonst fast nur aus Wohnmobilen der Luxusklasse kennt, und eine zentral gesteuerte Hochleistungsklimaanlage, soll zusätzlich dafür sorgen, dass die Kicker kühlen Kopf bewahren.
Kühler Kopf nach heißen WM-Duellen: Rudi Völler wird's freuen
Das dürfte auch Stürmer-Legende, der Weltmeister von 1990 und heute DFB-Sportdirektor Rudi Völler gerne hören. Denn der erinnert sich bis heute noch ausgesprochen lebhaft an die nach seinen Worten fast schon mörderische Hitze von Dallas bei der WM in den USA im Jahre 1994: „Es wird niemals wieder mehr ein WM-Spiel geben, wo es so heiß war wie damals in Dallas. Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen!“, gab Völler augenzwinkernd mit Blick auf die „Hitzeschlacht“ von Dallas (3:2-Sieg gegen Südkorea, in Erinnerung blieb vor allem der „Stinkefinger“ von Stefan Effenberg an die Adresse der deutschen Fans) vorm Abflug des DFB-Trosses zu Protokoll.

Apropos Nostalgie (und ein bisschen Aberglaube, der ja zum Fußball angeblich immer dazu gehört): Gestellt wurden die eingangs erwähnten MAN-Busse für die Inlandsfahrten der DFB-Auswahl in Deutschland übrigens vom Reisebüro Müller aus Biblis an der Bergstraße. Wer da nicht sofort an Gerd und Thomas gleichen Nachnamens denkt, die zu ihrer Zeit jeweils als WM-Rekordtorschütze bzw. Vize-Torschützenkönig beim Titelgewinn 2014 in die WM-Geschichte eingingen?
Fazit
Eine WM-Vorbereitung im Mannschaftsbus von Müller-Reisen. Wenn das mal kein gutes Omen ist? Bleibt zu hoffen, dass allein der Name des Busunternehmers Garant für Tore am laufenden Band sein wird, damit es auch bei der WM 2026 ordentlich „müllert“. Falls nicht – und die Deutschen wider Erwarten doch schon sehr früh nach Hause fahren müssen: Am Mannschaftsbus hat es in diesem Falle ganz sicher nicht gelegen. Denn der ist jetzt schon ziemlich weltmeisterlich, auch wenn er vor Ort aus Südkorea und nicht von Titelverteidiger Argentinien kommt.

















