Vorstellung

Setra S8: Kässbohrers revolutionärer Omnibus wird 75

Der Kässbohrer Setra S8 wird 75 Jahre alt. Höchste Zeit, auf das revolutionäre Transportwunder der Wirtschaftswunderzeit und dessen innovative Technik zurückzublicken!

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Kässbohrer Setra S8 statisch von schräg vorne fotografiert.
1951 löste der Setra S8 mit geschickten Kniffen die Existenzfrage Kässbohrers. Foto: Daimler Truck AG
Kässbohrer Setra S8 statisch von schräg hinten fotografiert.
Aufgrund mangelnder Lkw-Fahrgestelle entstand ein selbsttragender Omnibus, der geräumig und komfortabel war. Foto: Daimler Truck AG
Das Cockpit des Kässbohrer Setra S8.
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von circa 86 km/h ging es zu Beginn der 50er für 29 Personen in den Urlaub. Foto: Daimler Truck AG
Der Passagierraum des Kässbohrer Setra S8.
Der Modellname S8 leitet sich von den acht Sitzreihen des ersten Setra ab. Foto: Daimler Truck AG
Kässbohrer Setra S8 statisch von schräg vorne fotografiert.
Die großzügige Verglasung gibt dem Begriff „Schauinsland“ eine neue Bedeutung. Foto: Daimler Truck AG
Kässbohrer Setra S8 statisch von schräg hinten fotografiert.
Im Heck werkelt ein Diesel-Reihensechszylinder vom Typ Henschel 512 DJ, der aus 5430 cm3 Hubraum 100 PS (74 kW) schöpft. Foto: Daimler Truck AG
Gitterrohr-Gestell des Kässbohrer Setra S8.
Das Gitterrohr-Gestell des S8 war so stabil und leicht, dass es problemlos von sechs Menschen getragen werden konnte. Foto: Daimler Buses GmbH
Setra S 8 (1955), Setra S 9 (1959), Setra S 80 (1975), Setra S 215 HD (1976), Setra S 315 HDH/2 (1996), Setra S 515 HD „Edition 70 Jahre Setra“ statisch von schräg vorne fotografiert.
Stolze Familie (v.l.n.r): Setra S 8 (1955), Setra S 9 (1959), Setra S 80 (1975), Setra S 215 HD (1976), Setra S 315 HDH/2 (1996) und Setra S 515 HD „Edition 70 Jahre Setra“. Foto: Daimler Truck AG

Kässbohrer Setra S8: Der selbsttragende Omnibus als Notlösung

Wir schreiben das Jahr 1950: Ein von den tiefen Narben des Zweiten Weltkrieges gezeichnetes Deutschland erholt sich langsam von den Schrecken eines der größten Verbrechen unserer Zeitgeschichte. Zerstörte Städte und zerbombte Industrieanlagen stehen allmählich aus den Ruinen wieder auf. Das Rückgrat des Wiederaufbaus: fleißige Hände, Zuversicht und vor allem Lastkraftwagen. Karosseriewerke wie Kässbohrer standen jedoch vor einem existentiellen Problem. Durch den großen Lkw-Bedarf konnte das Unternehmen nicht mehr in ausreichenden Mengen mit Lkw-Fahrgestellen beliefert werden. Eine Notlösung musste her, der sich Otto Kässbohrer und dessen Chefkonstrukteur Georg Wahl rasch annehmen mussten.

In den ebenfalls vom Krieg gezeichneten Werkshallen erinnerte man sich an ein selbsttragendes Fahrgestell, das bereits in den 30er-Jahren für ein Fahrzeug konzipiert wurde. Die große Frage, die sich beiden stellte: Lässt sich das Konzept auch auf einen großen Omnibus übertragen? Aller Warnungen und Zweifel zum Trotz, legte Kässbohrer, mit der wie ein Damoklesschwert über den Werken schwebenden Existenzfrage, mit dem Bau des revolutionären Busses los.

Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht (Video):

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Ein Gitterohr-Gestell für mehr Platz und Festigkeit

Bereits ein Jahr später überrascht Kässbohrer die Fachwelt mit einem Foto, das den Beweis für die Möglichkeit der selbsttragenden Karosse liefert. Sechs Arbeiter tragen darauf ein Gitterrohr-Gestell, das nicht auf die Verwendung eines Lkw-Fahrgestells angewiesen ist. Dieser Meilensteine sollte 1951 den Beginn von Setra (Selbsttragend) und die Geburt des ersten Modells, dem S8, markieren.

Das Gitterrohr-Gestell des Setra S8.
Foto: Daimler Buses GmbH

Die Gerippestruktur wurde nach einem durchdachten Lastenheft entworfen. Der neue Setra durfte sich nicht nach einer reinen Notlösung anfühlen, er musste Verbesserungen liefern. Das leichte und feste Skelett mit integrierter Bodengruppe sah den Einbau eines Heckmotors vor, während die Raumausnutzung wirtschaftlicher und zugleich mehr Komfort für Fahrgäste und mehr Gepäckraum zulassen sollte.

Acht Sitzreihen und ein Diesel-Reihensechszylinder

Für die Krafterzeugung kam ein Diesel-Reihensechszylinder vom Typ Henschel 512 DJ zum Einsatz, der aus 5430 cm3 Hubraum 100 PS (74 kW) schöpfte. Ein 5-Gang-Schaltgetriebe übertrug die Kraft des Heckmotors auf die Hinterräder. Der mit acht Sitzreihen (S8) ausgestattete Setra wurde anschließend auf Passstraßen und Autobahnen ausgiebig getestet. Das Ergebnis begeisterte: Nicht nur hatte man durch den Heckmotor das Eigengewicht verringert, sondern auch die Fahreigenschaften im Vergleich zu bekannten Omnibussen signifikant verbessert.

Kässbohrer Setra S8 statisch von schräg hinten fotografiert.
Foto: Daimler Truck AG

Hinzu kam ein Karosseriekleid, das vom Styling voll den Zeitgeist der Wirtschaftswunderzeit traf. Rundlich, freundlich, bunt – so lud der 9,30 m lange Setra S8 29 Personen zum Verreisen und Träumen ein und bot genau das, was eine von Krieg und Leid gezeichnete Bevölkerung brauchte: Erholung, die bereits auf der Fahrt in den wohlverdienten Urlaub begann.

Die großzügige Verglasung der Kabine und des Dachaufbaus machte den Innenraum licht und verlieh das Gefühl von zusätzlichem Raum und einer Prise Freiheit – ganz nach dem Prinzip „Schauinsland“. Kein Wunder also, dass so manches Reiseunternehmen heute immer noch für besondere Anlässe einen Setra S8 im Fuhrpark unterhält. Und aus eigener Erfahrung lässt sich sagen: Eine Fahrt in einem historischen Reisebus ist immer ein Erlebnis wert.

Fazit

Der Setra S8 zeigte vor 75 Jahren auf beeindruckende Art und Weise, wie man aus der Not eine Tugend macht. Er war als innovative Notlösung so erfolgreich, dass das Unternehmen den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte und einen Modellnamen legte, der sich bis unsere Gegenwart erfolgreich behauptet und fortsetzt.