Vorstellung

+ 45 PS, 45 Jahre zu spät: Tolman baut Power-Ford Escort XR3i

Der Ford Escort XR3i war einst ein enger Verfolger des GTI, wurde in Sachen Legendenbildung aber längst vom Golf abgehängt. Vielleicht hätte ein deftiger Leistungszuwachs den Lauf der Geschichte verändert. Genau diesen bietet nun Tolman Motorsport an, allerdings 45 Jahre später.

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Der Tolman Ford Escort XR3i stehend von vorne
Alles beim Alten? Nicht ganz: Der Ford Escort XR3i von Tolman sieht nach Serie aus, fährt aber dank feinster Frisierarbeit Kreise um damalige Golf GTI. Foto: Tolman Motorsport
Der Tolman Ford Escort XR3i stehend von hinten
Eigens angefertigte 15-Zöller erlauben größere Bremsen, ein Edelstahl-Auspuff mehr akustische Präsenz. Foto: Tolman Motorsport
Das Cockpit des Tolman Ford Escort XR3i
Der XR3i soll sich noch immer anfühlen wie eine Zeitreise in die 80er, nur mit mehr Biss und Smartphone-Anbindung. Foto: Tolman Motorsport
Der Motor des Tolman Ford Escort XR3i
Hauptsache Ford: Auf den XR3i-Block hat Tolman einen Zetec-Zylinderkopf gesetzt, der wiederum den Deckel des RS1600i erhielt. Foto: Tolman Motorsport

Dank Tolman kann der Ford Escort XR3i endlich den GTI überholen

Vier Jahre hatte Ford Zeit, um eine Antwort auf den Erdrutsch-Erfolg des VW Golf GTI zu finden. Dann kam 1980 endlich der Ford Escort XR3 – und nunja – sorgte höchstens bei Asthmatiker:innen für Schnappatmung. Ford wollte dem Wolfsburger Platzhirschen mit dem Umstieg auf Frontantrieb auf die Pelle rücken, vergaß aber auf dem Weg dorthin offenbar, dass es für sportliche Fahrleistungen auch die entsprechenden PS braucht. Davon hatte der XR3 aber nur 96 (71 kW).

Zwei Jahre später besserte Ford mit der Bosch K-Jetronic des GTI nach. Der hieß nun Escort XR3i und kam immerhin auf 105 PS (77 kW). Doch selbst das reichte weder für den Ampelsprint, noch für den Stammtisch aus, um sich von der immer weiter wachsenden Kompaktsportler-Riege abzuheben. Zu allem Übel legte das umfangreiche Facelift 1986 noch ein paar Kilos zu, ohne diese durch zusätzliche Motorleistung auszugleichen.

Vier Jahrzehnte später nimmt sich Tolman Motorsport aus Warwickshire (Großbritannien) diesem Umstand an und gönnt dem alten Sportlerherz des Ford Escort XR3i eine Verjüngungskur. Die Firma hat sich bereits einen Namen mit dem Flottmachen von alten Peugeot 205 GTI gemacht und weitet ihr Angebot nun auf den britisch-deutschen Kompakten aus.

Der altbekannte 1,6-l-Vierzylinder bleibt in erleichterter und verstärkter Form bestehen, bekommt aber von Tolman einen neuen Kopf aufgesetzt. Der stammt zwar auch aus dem Ford-Regal, ist aber ein rund zehn Jahre jüngeres Vierventil-Gerät aus der Zetec-Motorenfamilie. Kleiner Gag am Rande: Versteckt ist der 16V unter dem modifizierten Deckel eines RS1600i.

Mitfahrt im Ford Focus RS Turnier (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Riesiger Aufwand für winzige Details

Eine moderne Benzineinspritzung, ein Fächerkrümmer sowie eine Abgasanlage aus Edelstahl geben ihr Übriges dazu, sodass der Toleman-Escort mehr als 150 BHP, also mindestens 152 PS (112 kW) an die Räder abgibt. Bei denen handelt es übrigens um eigens angefertigte 15-Zöller im klassischen Ford-Design, um vorne AP-Vierkolbenbremsen und auch hinten Scheiben unterbringen zu können.

Für ein verbessertes Handling sorgen dabei zudem die neuen Michelin Pilot Sports in Kombination mit einem Fahrwerks-Setup, das ebenfalls an den RS1600i angelehnt ist. Um den urtümlichen Charakter des XR3i zu wahren, entschied sich die britische Firma bewusst gegen den Einbau einer Servolenkung.

In Sachen Exterieur und Interieur bleibt sich der frisierte Escort ebenfalls treu. Zu den unverzichtbaren Annehmlichkeiten der Moderne gehören LED-Scheinwerfer und eine beheizte Frontscheibe sowie innen eine Bluetooth-Schnittstelle und ein DAB-Empfang, versteckt im zeitgenössisch wirkenden Radio.

Damit hat Tolman den XR3i schneller, spaßiger und gleichzeitig alltagstauglicher gemacht. Der enorme Aufwand des Projekts dürfte allerdings auch seinen Preis haben, den die Brit:innen aber nicht kommunizieren. Offener zeigen sie sich bei den Kostenvorstellungen zum 205 GTI, dessen Umbau exklusive Spenderauto mindestens 76.000 Euro verschlingt.