Chevrolet Camaro: Classic Cars

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Chevrolet Camaro: Classic Cars
Chevrolet Camaro: Classic Cars Foto: Jürgen Zerha

Chevrolet Camaro 396 SS: Bis zu 425 PS (313 kW) luden dazu ein, schwarze Striche auf die Straße zu malen.

Chevrolet Camaro 396 SS Ikone Sportwagen Bilder technische Daten Heck
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Mit dem kecken Hüftschwung des Coke Bottle-Designs machte dieser Camaro bei seiner späten Premiere eine gute Figur.

Chevrolet Camaro 396 SS Ikone Sportwagen Bilder technische Daten Cockpit
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Ausgestattet mit vier rechteckigen Zusatzinstrumenten auf der Mittelkonsole zeigt die 396 Super Sport-Option des 68er Camaro Cabriolets auch innen einen Hauch Sportlichkeit.

Chevrolet Camaro 396 SS Ikone Sportwagen Bilder technische Daten Sitze
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Typisch amerikanisches zweifarbiges Kunstleder-Layout im Innenraum. Das tief geschüsselte Holzlenkrad liegt gut in den Händen.

Chevrolet Camaro 396 SS Ikone Sportwagen Bilder technische Daten Motor
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Ohne Klimaanlage und im klassischen Rot kommt der 6,5-Liter-V8-Motor daher. Mit 10,25:1 ist der 170 Kilo schwere Block hoch verdichtet.

Chevrolet Camaro Super Sport Option Ikone Sportwagen Bilder technische Daten
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Schnell baute sich der Chevrolet Camaro mit der Super Sport Option einen guten Ruf als schicker und bezahlbarer Sportwagen in den USA auf. Der quer über die Front verlaufende Rallyestreifen war das Erkennungszeichen der Sportversionen.

Chevrolet Camaro 350 SS 1970 Ikone Sportwagen Bilder technische Daten
Chevrolet Camaro: Classic Cars

1970 vollzog Chevrolet einen kompletten Modellwechsel und stellte die zweite Camaro-Generation vor. Die neue, geschmeidige Karosserie des gewachsenen Wagens erinnerte viele Betrachter:innen an Vorbilder aus den europäischen Häusern Ferrari und Jaguar. Bis heute begeistern Lenkung und Fahrwerk des 70 ½-Jahrgangs, die in vielen zeitgenössischen Testberichten gelobt werden.

Chevrolet Camaro 350 SS 1970 Ikone Sportwagen Bilder technische Daten
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Zwischen den vier runden Rückleuchten, welche die Corvette spendierte, versteckt sich unter dem Nummernschild verschämt die Tankklappe des Camaro.

Chevrolet Camaro 350 SS 1970 Ikone Sportwagen Bilder technische Daten
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Sechs Rundinstrumente zieren das Armaturenbrett der zweiten Generation. Die Ganganzeige der Automatik ist zwischen den beiden zentralen großen Uhren angebracht.

Chevrolet Camaro 350 SS 1970 Ikone Sportwagen Bilder technische Daten
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Standard: Breite Mittelkonsole.

Chevrolet Camaro 350 SS 1970 Ikone Sportwagen Bilder technische Daten
Chevrolet Camaro: Classic Cars

More smiles per miles oder Tuners Liebling: Redline Motors entlockt dem 5,7-Liter-V8 nach Überarbeitung 355 Pferdestärken (261 kW).

Chevrolet Camaro Ikone Sportwagen Bilder technische Daten
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Chevrolet brachte mit dem Camaro einen Sportwagen für Jedermann und Jederfrau. Er sollte die Autoträume von Männern und Frauen erfüllen und gleichzeitig das Lebensgefühl der amerikanischen Jugend treffen.

Chevrolet Camaro 1976 Ikone Sportwagen Bilder technische Daten
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Mitte der 70er-Jahre bestimmten eher die strenger werdenden Gesetze zum Schadstoffausstoß von Fahrzeugen und neue gesetzliche Anforderungen an die passive Sicherheit die Entwicklung des Camaro.

Chevrolet Camaro 1976 Ikone Sportwagen Bilder technische Daten
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Die seitlich herumgezogene Heckscheibe verbesserte ab 1975 die Sicht nach hinten.

Chevrolet Camaro 1979 Ikone Sportwagen Bilder technische Daten
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Front und Heck der dritten Camaro-Generation entsprachen ab 1979 den gesetzlichen Anforderungen, Rempler bis acht Km/h zu verkraften.

Chevrolet Camaro Ikone Sportwagen Bilder technische Daten
Chevrolet Camaro: Classic Cars

Die 3. und 4. Generation.

Der Camaro startete 1967 als Chevrolets Herausforderer für den Ford Mustang. Im Nu wurde er selbst zur amerikanischen Sportwagen-Ikone. Classic Cars-Rückblick.

Der Chevrolet Camaro ist der Gran Turismo amerikanischer Machart schlechthin. Für seine Fans ist er mehr als nur ein Auto, er verkörpert ein Stück Kulturgut. In mehr als 1000 Filmen spielt ein Camaro mit und lässt tief in das Seelenleben junger Amerikaner:innen blicken. Beispiele: Sean Penn fährt 1982 in der Rolle des Jeff Spicoli in der Teenager-Komödie "Ich glaub, ich steh im Wald" einen Camaro; Megan Fox bezaubert in "Transformers" mit einem 76er und 2009er Camaro eine ganze Generation heranwachsender Jungs. Seit mehr als 50 Jahren lässt der Camaro erfolgreich seinen Charme spielen: als verführerischer Zweitürer und als kraftstrotzendes V8-Muscle Car ebenso wie als erfolgreicher Rennwagen. Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

Chevrolet Camaro: Classic Cars

In rekordverdächtigen zwei Jahren Entwicklungszeit stellte General Motors seine Antwort auf den Ford Mustang auf die Räder. Von Beginn an hatten die Camaro-Interessent:innen alle nur denkbaren Wahlmöglichkeiten. Nicht weniger als 80 Werks- und weitere 40 Händler-Ausstattungsversionen sowie drei Options-Pakete standen in den Verkaufslisten zur Auswahl. Dabei gab es mit Coupé und Cabrio nur zwei Karosserievarianten. Am 12. September 1966 stellte General Motors den neuen Camaro erstmals der Presse vor: Enthüllt wurde ein SS 350 Cabriolet, ganz ähnlich unserem weißen Fotomodell, bei dem es sich um eine 68er Ausführung des Super Sport 396 handelt, was an den einteiligen Seitenscheiben und dem von der Frontmaske aus in die Flanke gezogenen "Bumblebee"-Rallye-Streifen für 14,75 Dollar Aufpreis zu erkennen ist.

Doch bis auf kleine Äußerlichkeiten waren die Anfangsjahrgänge optisch identisch. Nur im ersten Modelljahr gab es auch eine Variante mit sieben Liter Hubraum. Zur SS-Standardmotorisierung wurde jedoch der 6,5-Liter-V8 mit wahlweise 325, 350 oder 375 SAE-PS (239, 257 oder 276 kW) und manuellem Dreigang-Getriebe. Zum Ausstattungspaket "Super-Sport" gehörten die Pseudo-Lufteinlässe auf der Fronthaube, ein Fahrwerks-Upgrade und ein Doppelrohrauspuff. All das waren bei den Ampelrennen unabdingbare Accessoires, wenn am Innenspiegel baumelnde Würfel den Jungs oder Mädels in den Mustangs die Bereitschaft zum Kräftemessen signalisierten. Für den Aufpreis von 100 Dollar gab es sogar Scheibenbremsen an den Vorderrädern.

Camaro: ein Sportwagen für die Baby-Boomer

Wie das Schwestermodell Pontiac Firebird steht die erste Generation des Camaro auf der leichten F-Body-Plattform von General Motors, was die Produktionskosten deutlich senkte. Im Lastenheft der Designer:innen stand die Aufgabe, eine Art viersitzige Corvette für die amerikanische Babyboomer-Generation zu entwerfen, mit genauso langer Motorhaube und kurzem Heck, aber größerem Kofferraum. Die muskulöse Form mit dem markanten Hüftschwung der ersten Serie versprüht schon im Stand explizite Sportlichkeit. Die verdeckten Hauptscheinwerfer des 396 Super Sport geben dem 2+2 Sitzer noch einen Touch Aggressivität und Überholprestige. Der Run auf die Verkaufsräume der Chevrolet-Händler bestätigte die Entscheidung für den Camaro: Rund 220.000 Exemplare wurden im ersten Jahr abgesetzt – darunter auch 602 Z-28-Versionen, die zur Legende wurden. "Gewinne am Sonntag – verkaufe am Montag" war der Slogan, den damals alle Autoverkäufer in den Staaten liebten.

Denn in der 1966 ins Leben gerufen Rennserie "Trans Am" waren nahezu alle sportlichen Produkte der großen Hersteller am Start. Die Jahre 1968 und 1969 standen im Zeichen der "Sunoco"-Camaro von Teamchef Roger Penske. Mit Mark Donohue am Lenkrad dominierte dieser Trans Am-Camaro die Serie beinahe nach Belieben. Donohue gewann in beiden Jahren jeweils zehn von 13 Meisterschaftsläufen und bescherte Mustang-Tuner Carroll Shelby schlaflose Nächte. Was ist von dieser Sportlichkeit ein halbes Jahrhundert später geblieben? Der Camaro liegt auch immer noch gut in der Hand – Präzision war nie eine Stärke der Amerikaner:innen, doch Horrorstories vom Geradeauslauf einer Klapperschlange und dem Bremsvermögen eines Pinguins sind maßlos übertrieben. Der Camaro ist als Landstraßen-Cruiser mit permanentem Kraftüberschuss eine Klasse für sich.

Chevrolet Camaro: Ein Wagen für den Alltagsbetrieb

Den Ausflug ins Grüne untermalt der potente Chevy mit einem V8-Bollern, das schon bei Leerlaufdrehzahl das Bauchfell in Vibration versetzt. Ein Gasstoß, die Karnickel flüchten ins Unterholz, und auch der Camaro schlägt Haken, denn die antiquierte Hinterachskonstruktion kommt da nicht mit. Das tief geschüsselte Holzlenkrad vor den großen Rundinstrumenten und die zweifarbigen Sitze orientieren sich an Sportboot-Designs, und lange Bodenwellen versetzen den Camaro samt Passagier:innen in eine Art Wellenreiter-Feeling. Idealer Song für unterwegs ist "Racing In The Street" von Bruce Springsteen: "I’ve got a 69 Chevy with a 396..." Mut zum ersten radikalen Schnitt beweist Chevrolet nach knapp vier Jahren.

Das so genannte Modelljahr "1970 ½“ zeigt einen deutlich gewachsenen Sportwagen mit einer beinahe europäisch anmutenden Karosserie, die mit vier runden Heckleuchten Anleihen bei Ferrari nimmt und schamlos den Kühlergrill des Jaguar XJ imitiert. Designchef Bill Mitchell hatte den neuen XJ auf der Messe gesehen und dem späteren Opel-Chefstilisten George Gallion den Auftrag gegeben, dem neuen Camaro diesen Grill zu verpassen. Dem Coupé wurde aber auch ein neues Fahrwerk mit breiteren Spurweiten (vorne 40, hinten 12 Millimeter) spendiert. Die verbesserte Straßenlage bestätigten zeitgenössische Testberichte. "Road & Track" jubelte 1970: "Der erste ernsthafte Versuch seit der 63er Corvette, einen echten amerikanischen GTE zu bauen. Wir müssen zugeben, dass es das beste amerikanische Auto ist, das wir getestet haben und noch wichtiger, der 70er-Camaro ist der beste Wagen für den Alltagsbetrieb."

Camaro-Slogan: more smiles per miles

Seit einigen Jahren steht das hier abgebildete Sportcoupé in der Garage von Christian Roth im Saarland. Für ihn musste es nicht nur aus persönlichen Gründen ein 70er Camaro sein: "Für amerikanische Autos dieser Zeit hat der Camaro eine fantastische Lenkung und ein hervorragendes Fahrwerk." Eine weitere Besonderheit weist Roths Camaro auf: Es handelt sich um einen so genannten Bieler Chevrolet. Um die Einfuhrzölle für US-Automobile zu umgehen, lieferte GM keine fertigen Fahrzeuge, sondern demontierte Modelle in die Schweiz. In Biel wurden diese zusammengebaut und verkauft. Um den Spaßfaktor zu erhöhen, ließ Christian Roth bei den Spezialist:innen von Redline Motors in Neustadt an der Weinstraße einen neuen Motor einbauen. An edlen Tuningteilen wurde nicht gespart. Zwischen den Zylinderbänken thronen Edelbrock-Ansaugbrücke und Holley-Vierfachvergaser – die versprochenen 355 PS (261 kW) sind mehr als realistisch.

Wie lautete doch passend dazu ein schöner Camaro-Werbeslogan in der nun langsam zu Ende gehenden Muscle Car-Epoche: "More smiles per miles". Und auch dazu gibt‘s einen passenden Song fürs Radio: "Go Little Camaro Go!“ von den Ramones. Doch schon ehe die Spritpreise weltweit zum Höhenflug ansetzten, verlor der Camaro rapide an Beliebtheit. Streiks in den GM-Fabriken brachten die Produktion im Herbst 1970 zum Erliegen. In der Folge sank der Ausstoß rapide, vom Rekordjahr 1969 mit über 243.085 Einheiten auf ein absolutes Tief von 68.651 Stück 1972. Trotz Ölkrise mit steigenden Benzinpreisen, verschärften Umwelt- und Abgasvorschriften, höheren Versicherungsprämien für leistungsstarke Fahrzeuge und nicht zuletzt erhöhten Anforderungen an die passive Sicherheit schleppte GM den Camaro nicht nur mit – die Produktion kletterte gar wieder auf über 150.000 Einheiten 1974 und erreichte 1979 mit 282.571 Stück ein neues Allzeithoch.

Camaro in den 70ern: Leistung runter, Absatz hoch

Bereits 1974 war der Camaro durch eine neue, schräg abfallende Fahrzeugfront und vom Gesetz geforderte Aluminiumstoßstangen um 20 Zentimeter in der Länge gewachsen. Neu waren ab 1974 auch die seitlich herumgezogenen Heckleuchten. 1975 veränderte die bis in die Flanken gezogene, größere Heckscheibe den optischen Auftritt grundlegend. So sportlich das gelbe 1976er Modell optisch auch daher kommt, so schmalbrüstig fällt seine Motorleistung aus. Der V8 produziert aus 5,7 Liter Hubraum maximal 175 PS (129 kW). Zu wenig, um die Sportwagenfans vom Hocker zu reißen, doch den Amerikaner:innen reichte das völlig aus. Wenn sie schon auf Power verzichten mussten, wollten sie wenigstens sportlich daherkommen.

Wie die zahnlose Corvette der späten 70er war die zweite Camaro-Generation die bestverkaufte. Der Camaro nahm einmal mehr den Zeitgeist auf und würzte den Mainstream mit einem Spritzer Individualität. Erst als ab Ende der 90er die Produktionszahlen unter die 50.000er-Marke rutschten, wurde es brenzlig: 2002 stellte GM eiskalt die Camaro-Fertigung ein. Doch schon 2006 hatte sich eine so große Fangemeinde formiert, dass die Wiedergeburt nur eine Frage der Zeit war. Es folgte der Auftritt im Kinofilm "Transformers" und der Start einer neuen Modellgeneration im Jahr 2009. Amerikas Jugend hatte eine ihrer großen Stilikonen zurückgewonnen. Doch auch der neue Erfolg währte nicht ewig: 2024 ist Schluss für den klassischen Camaro als Verbrenner. Wenn er nochmal zurückkehrt, dann wohl nur noch vollelektrisch.