Automarkt Indien: Darum fällt es VW & Co. dort so schwer

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Automarkt Indien
Automarkt Indien Foto: iStock/Suzuki/Collage: AUTO ZEITUNG

Der Automarkt in Indien wird gern als Alternative zu China genannt, allerdings fällt es deutschen Herstellern äußerst schwer, dort Fuß zu fassen.

Automarkt Indien und Deutschland im Vergleich: Neuwagen-Verkäufe in Millionen von 2005 bis 2023
Automarkt Indien und Deutschland im Vergleich: Neuwagen-Verkäufe in Millionen von 2005 bis 2023 Foto: AUTO ZEITUNG

2021 hat Indien Deutschland bei den jährlichen Neuwagen-Verkäufen überholt.

Automarkt Indien: Neuwagen-Verkäufe 2023 nach Herstellern
Automarkt Indien: Neuwagen-Verkäufe 2023 nach Herstellern Foto: AUTO ZEITUNG

Maruti Suzuki dominierte 2023 den indischen Automarkt mit 1,7 Mio. Neuwagen-Verkäufen.

Hyundai Creta; stehend, schräg vorne
Hyundai Creta Foto: Hyundai

Das Erfolgs-Modell aus Südkorea gibt es bereits in der zweiten Generation.

Mahindra Scorpio; stehend, schräg vorne
Mahindra Scorpio Foto: Mahindra

Der dritte indische Hersteller ist für rustikale SUV und seine Geländewagen bekannt.

Maruti Suzuki Wagon R; stehend, schräg vorne
Maruti Suzuki Wagon R Foto: Maruti

Nach dem Swift war der Minivan im Vorjahr das zweitmeistverkaufte Auto in Indien.

Skoda Kushaq; stehend, schräg vorne
Skoda Kushaq Foto: Skoda

Das kleine SUV basiert auf dem VW T-Cross und wurde speziell für den indischen Markt entwickelt – hier gibt es mehr Informationen zum Skoda Kushaq.

Tata Punch; stehend, schräg vorne
Tata Punch Foto: Tata

Im ersten Halbjahr 2024 sprang das Mini-SUV an die Spitze der Verkaufstabelle.

Der boomende Automarkt Indien weckt die Hoffnungen vieler Chefetagen. Doch ausländische Hersteller treffen auf eine starke Konkurrenz und hohe Hürden!

Riesiges Potenzial: Der Automarkt Indien boomt

Für westliche Autohersteller scheint Indien das gelobte Land zu sein: Ein demokratisch verfasster Subkontinent mit wachsender Wirtschaft, der in der Weltpolitik zumeist eine neutrale Rolle einnimmt. Und auch der indische Automarkt verbucht neue Allzeit-Rekorde: 2023 wurden 4,1 Mio. Neuwagen verkauft – 8,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit setzt sich ein Trend fort, der seit 2014 anhält. Lediglich Corona konnte den Aufstieg Indiens für zwei Jahre unterbrechen. 2021 überholte der Subkontinent Deutschland und ist heute nach China (alles zu den EU-Strafzöllen auf chinesische E-Autos) sowie den USA der drittgrößte Automarkt der Welt.

Auch das Wachstumspotenzial ist weiterhin gewaltig: Während in China 231 Autos auf 1000 Menschen kommen, sind es in Indien lediglich 59. Außerdem ist allein die Mittelschicht Indiens größer als die gesamte Bevölkerung der USA. Doch der indische Markt wird von starken heimischen Autoherstellern beherrscht. Seit Jahren ist Maruti Suzuki die unangefochtene Nummer eins: 1,7 Mio. verkaufte Neuwagen 2023 bedeuten einen unglaublichen Marktanteil von 41,7 Prozent. Zum Vergleich: VW kommt in Deutschland auf 18,2 Prozent.
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Leslie & Cars zeigt den Suzuki Swift (2024) im Video:

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Video: AUTO ZEITUNG

Die meistverkauften Autos kommen von Maruti Suzuki & Tata

Die vier meistverkauften Modelle, angeführt vom Kleinwagen Swift, stammen vom indisch-japanischen Gemeinschaftsunternehmen Maruti Suzuki, an dem Suzuki zu 54 Prozent beteiligt ist. Der zweite große lokale Hersteller ist Tata. Die Automarke des gleichnamigen Mischkonzerns, der von Stahl über Tee bis zu Handyverträgen beinahe alles verkauft, konnte 2023 über eine halbe Million Neuwagen in Indien absetzen. Seit 2008 gehören auch Jaguar und Land Rover zum Imperium (So will JLR die Talfahrt stoppen). Doch mit dem Tata Nano, dem billigsten Auto der Welt für rund 2000 Euro, legte der Konzern einen Flop hin. Die Einheimischen verschmähten das Sparmobil, das in der Mittelschicht schnell als Armutsbeweis galt. Dritter im Bunde ist Mahindra: Neben Geländewagen und SUV zählen seit 2010 auch elektrische Leichtfahrzeuge zum Angebot. 

VW und Skoda zusammen nur 2,3 Prozent Marktanteil

Internationale Autokonzerne wie VW spielen in Indien dagegen nur eine Nebenrolle: Obwohl Wolfsburg zwei Werke vor Ort unterhält, kommen VW und Skoda zusammen nur auf magere 2,3 Prozent Marktanteil. Nun rächt es sich, dass 2011 die Übernahme von Suzuki durch VW scheiterte. Auf einen Schlag wäre man zum Marktführer in Indien aufgestiegen. Doch Patriarch Osamu Suzuki wollte nicht, dass seine Marke im VW-Konzern aufgeht. 

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Darum ist der indische Automarkt so schwierig

Für alle ausländischen Hersteller ist es schwierig und mit hohen Investitionen verbunden, in dem riesigen Land ein Händler- und Werkstattnetz aufzubauen. Zudem haben es die Marken in den 28 Bundesstaaten mit jeweils anderen Verordnungen und Zulassungen zu tun. Ein Großteil der Kundschaft kauft zum ersten Mal ein Auto und fuhr zuvor meist Moped – kein Wunder, dass Maruti Suzuki als Zweiradmarke einen Vorteil bei der Kundenbindung hat. Lediglich Hyundai und Kia scheinen Indien verstanden zu haben: Sie überzeugen mit einem riesigen Angebot an Modellen im A- und B-Segment. Die Bedeutung, die Indien für die koreanischen Marken hat, zeigt sich auch darin, dass der Hyundai i10 zuerst auf dem Subkontinent vorgestellt wurde.

Fazit

Der Automarkt in Indien wird gern als Alternative zu China genannt. Doch in der Volksrepublik waren die deutschen Marken von Beginn an am Start, VW hat die Chines:innen mobil gemacht. In Indien dominieren dagegen die heimischen Hersteller. Wie schwer es ist, dort Fuß zu fassen, zeigt etwa der Rückzug von Ford. Nur Hyundai und Kia haben das Erfolgsrezept entdeckt: Wie in Europa und Südamerika hören die Schwestermarken genau auf ihre lokale Kundschaft und entwickeln sowie produzieren vor Ort. Und das mit langem Atem.