Audi Sport quattro vs. Lancia Delta S4: Duell der Allradmonster

In den 1980er-Jahren haben sich die Hersteller in der Gruppe B der Rallye-Weltmeisterschaft eine wahre PS- und Technologieschlacht geliefert. Heraus kamen wunderbare Homologationsmodelle wie der Audi Sport quattro und der Lancia Delta S4 Stradale.

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Lancia Delta S4 Stradale und Audi Sport quattro stehend seitlich
Lancia Delta S4 Stradale/Audi Sport quattro Foto: RM Sotheby's

In der Gruppe B der Rallye-Weltmeisterschaft haben sich die Hersteller eine wahre PS- und Technologieschlacht geliefert. Heraus kamen wunderbare Homologationsmodelle wie der Audi Sport quattro und der Lancia Delta S4 Stradale.

Audi Sport quattro
Audi Sport quattro Foto: RM Sotheby's

Ausgerechnet Peugeot war das Zünglein an der Waage, das uns 1983 erst den Audi Sport quattro und schließlich 1985 den Lancia Delta S4 Stradale bescherte.

Audi Sport quattro
Audi Sport quattro Foto: RM Sotheby's

Mit dem Debüt des kurzen, wendigen und allradgetriebenen Peugeot 205 Turbo 16 wurde dem quattro in langer Version deutlich vor Augen geführt, wie überholt das Ingolstädter Rennkonzept war.

Audi Sport quattro
Audi Sport quattro Foto: RM Sotheby's

Auch im Innern ist der Audi von einer Nüchternheit besehlt, die so typisch ist für die Automodelle der 1980er-Jahre.

Audi Sport quattro
Audi Sport quattro Foto: RM Sotheby's

Die Passagier:innen werden von einer belederten Recaro-Sitzausstattung in die Zange genommen, vielmehr ist da nicht.

Audi Sport quattro
Audi Sport quattro Foto: RM Sotheby's

Im Bug bollert Audis legendärer Fünfzylinder mit 2,1 l Hubraum, von einem Turbo von KKK mühelos auf bis zu 500 PS (368 kW) zwangsbeatmet – für den harten Rallyeeinsatz.

Lancia Delta S4 Stradale
Lancia Delta S4 Stradale Foto: RM Sotheby's

Lancia kam durch den fehlenden Allradantrieb im Vorgänger des Lancia Delta S4 in Bredouille.

Lancia Delta S4 Stradale
Lancia Delta S4 Stradale Foto: RM Sotheby's

Die Straßenausführung kostete mit 160.000 D-Mark nur geringfügig weniger als der Audi. 

Lancia Delta S4 Stradale
Lancia Delta S4 Stradale Foto: RM Sotheby's

Auch die Mittelkonsole und der untere Bereich des Cockpits wurden mit Wildleder bezogen. Sogar das Sportlenkrad ziert schwarzes Wildleder!

Lancia Delta S4 Stradale
Lancia Delta S4 Stradale Foto: RM Sotheby's

Das Interieur hofiert seine Gäste geradezu, verwöhnt mit braunem Alcantara an Schalensitzen und am Dachhimmel.

Lancia Delta S4 Stradale
Lancia Delta S4 Stradale Foto: RM Sotheby's

Ebenfalls mit einem Turbolader von KKK und zusätzlich einem Kompressor aufgerüstet, pumpt das 1,8-l-Aggregat bis zu 500 PS (368 kW) auf den Allradantrieb. Als Stradale hat er 250 PS (184 kW).

Immer leistungsfähigere Motoren, immer stärker verspoilerte Karosserien (Diese Spoiler-Typen gibt es) und am Ende nur noch Wahnsinn. In den 1980er-Jahren erlebte die Rallye-WM wohl ihre verrückteste Zeit – und mit ihr kamen auch die wildesten Homologationsmodelle auf den Markt. Ausgerechnet Peugeot war das Zünglein an der Waage, das uns 1983 erst den Audi Sport quattro und schließlich 1985 den Lancia Delta S4 Stradale bescherte. Noch heute machen die beiden Rennmaschinen für die Straße den Mythos der Rallye greifbar, das notwendige Kleingeld für eines der begehrten Kleinserienstücke vorausgesetzt.

Oder das Glück, solch einem Boliden auf einer Oldtimerveranstaltung zu begegnen. Sie sind rar. Nicht nur wegen der gerade einmal rund 200 Exemplare – seinerzeit Voraussetzung für den Einsatz in der Meisterschaft –, sondern auch wegen des horrenden Preises. Der Audi Sport quattro kostete zu seiner Erstauslieferung 1984 gute 195.000 D-Mark, der Lancia Delta S4 Stradale mit 160.000 D-Mark nur geringfügig weniger. Zum Vergleich: Der Neupreis eines nagelneuen und deutlich kompromissbereiteren 911er Turbo betrug damals fast 50.000 Mark weniger!
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Audi Sport quattro trifft im Vergleich auf den Lancia Delta S4 Stradale

Anfang der 80er-Jahre als langes Modell unterwegs, wurde dem Audi quattro spätestens mit dem Debüt des kurzen, wendigen und allradgetriebenen Peugeot 205 Turbo 16 deutlich vor Augen geführt, wie überholt das Ingolstädter Rennkonzept war. Zu frontlastig und zu lang im Radstand, als dass der quattro für die wachsende Konkurrenz noch eine ernsthafte Gefahr werden konnte. So kam es schließlich zum "Kurzen", wie der deutlich eingedampfte Sport quattro genannt wird: Die Ingenieursabteilung kürzte den Radstand um 32 cm auf eine Gesamtlänge von 2,2 m.

Tatsächlich aber ist der Audi Sport quattro nur 27 cm kürzer als sein langer Bruder, da die aufwändige Ladeluftkühler-Konstruktion in der Front fünf Zentimeter Länge kostete. Im Bug bollert Audis legendärer Fünfzylinder (Darum stirbt der Fünfzylinder aus) mit 2,1 l Hubraum, von einem KKK-Turbo (So funktioniert ein Turbolader) mühelos auf bis zu 500 PS (368 kW) zwangsbeatmet – für den harten Rallyeeinsatz. In der Straßenversion kommt der Sport quattro immerhin noch auf eine Leistung von 306 PS (225 kW) und 350 Nm Drehmoment (Unterschied zwischen Leistung und Drehmoment), die auf ein Gesamtgewicht von nur rund 1,3 t trifft.

Passendes Zubehör für den Klassiker:

Gruppe B: Audi mit Fünf-, Lancia mit Vierzylinder

Als der kurze Sport quattro 1983 auf der IAA vorgestellt und kurze Zeit später in den Handel gebracht wurde, schwante auch den Lancia-Kolleg:innen: "Wir müssen was tun!". Der damals noch aktuelle und in der Rallye eingesetzte 037 baute nach wie vor auf Hinterradantrieb, und fuhr nach dem letzten Titelgewinn 1983 gerade auf losem Untergrund der Allradkonkurrenz hinterher. Die Idee des Lancia Delta S4 war geboren, der gemeinsam mit Abarth entstand und natürlich auf die Traktion der vier Räder setzte (Diese Allradvarianten gibt es).

Der Lancia Delta S4 Stradale stehend von schräg vorne
Foto: RM Sotheby's

Es ist der italienische Konterpart zum Sport quattro, vertraut aber auf einen Gitterrohrrahmen und einen Vierzylinder. Kurz vor der Hinterachse montiert, ergab sich eine nahezu perfekte Gewichtsbalance. Ebenfalls mit einem Turbolader von KKK, aber zusätzlich auch noch mit einem Kompressor (Die Kompressor-Aufladung erklärt) aufgerüstet, pumpt das 1,8-l-Aggregat ebenfalls bis zu 500 PS (368 kW) auf den Allradantrieb. In der Straßenausführung Stradale ist alles etwas kleiner dimensioniert, daher stehen nur 250 PS (184 kW) parat. Bei einem Gesamtgewicht von 1200 kg langt das aber noch immer für Sprintzeiten von gut sechs Sekunden auf Tempo 100, mit dem er sich aber den 4,5 s des Audi beugen muss!

Audi und Lancia mit großen Unterschieden

Wie sehr sich der Audi und der Lancia unterscheiden, offenbaren Karosserie und Interieur gleichermaßen. Entpuppt sich der Sport quattro als geschrumpftes Original, das sich mit konventionell öffnenden Türen und Hauben geradezu unspektakulär und alltagstauglich gibt, ist der Lancia der Transformer unter den Homologationsmodellen. Wer an den Motor ranmöchte, klappt das komplette hintere Teil bis hin zur B-Säule nach oben. Dass die Lancia-Ingenieur:innen das Äußere der Straßenvariante dem Serien-Delta angepasst haben, kann diese Besonderheit kaum kaschieren.

Der audi sport quattro stehend von schräg vorne
Foto: RM Sotheby's

Das gleiche in den Innenräumen: Der Audi Sport quattro ist von einer Nüchternheit besehlt, die so typisch ist für die Automodelle der 1980er-Jahre. Ein Hartplastik-Armaturenbrett mit Zusatzanzeigen und eine belederte Recaro-Sitzausstattung, vielmehr ist da nicht. Dagegen hofiert der Lancia Delta S4 Stradale seine Gäste geradezu, verwöhnt mit braunem Alcantara (So Alcantara reinigen) an Schalensitzen, am Dachhimmel, an der Mittelkonsole und am unteren Bereich des Cockpits. Selbst das Sportlenkrad ziert schwarzes Wildleder!

Es war der Versuch, das Homologationsmodell auch für den Straßengebrauch schmackhaft zu machen. Was seinerzeit kaum Fans fand, ist heute eine umso mehr gesuchte Rarität. Angeblich sollen nur gut 80 Exemplare überdauert haben. Das hier gezeigte Exemplar erzielte bei einer RM Sotheby's-Auktion 2017 einen Erlös von knapp 500.000 Euro, während der Audi bei der gleichen Auktion bei einem Schätzpreis von 300.000 bis 350.000 Euro stehen blieb.

Kurze Karrieren in der Gruppe B

Bei aller Faszination und bei allen Unterschieden, eint den Audi Sport quattro und den Lancia Delta S4 Stradale die wohl als unlgücklich zu bezeichnende Karriere in der Rallye-Meisterschaft: War die Gruppe B bereits durch viele schwere Unfälle mit Todesfolge belastet, kam es 1986 auf Korsika zum nächsten Crash, bei dem Henri Toivonen mit dem Lancia Delta S4 von der Strecke abkam und gegen einen Baum prallte. Bei der anschließenden Explosion brannte das Auto komplett aus, der Fahrer und auch der Co-Pilot starben.

Dieser Unfall brachte das Fass zum Überlaufen. Zwar wurde die laufende Meisterschaft mit Einschränkungen zwar noch zu Ende gefahren, aber dann verboten. Audi und Ford zogen sich als Folge der schweren Unfälle sogar direkt zurück. Obwohl die nochmals deutlich verspoilertere E2-Variante des Audi Sport quattro bis dahin nur einen Rallye-Sieg herausholen konnte, raste er doch noch in den Legendenstatus: durch den Streckenrekord auf dem Pikes Peak!

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Technische Daten von Audi Sport quattro und Lancia Delta S4

Classic CarsAudi Sport quattroLancia Delta S4 Stradale
Zylinder/Ventile pro Zylin.5/4; Turbo4/4; Turbo, Kompressor
Hubraum2133 cm³1759 cm³
Leistung225 kW/306 PS 6700/min184 kW/250 PS 6750/min
Max. Gesamtdrehmoment bei350 Nm 3700/min291 Nm 4500/min
Getriebe/Antrieb5-Gang-Getriebe/Allrad5-Gang-Getriebe/Allrad
L/B/H4160/1803/1345 mm4005/1801/1501 mm
Leergewicht1298 kg1200 kg
Bauzeit1984-19851985-1986
Stückzahl220200
Beschleunigung
null auf 100 km/h
4,5 s6,0 s
Höchstgeschwindigkeit247 km/h225 km/h
Verbrauch auf 100 kmca. 25 l Sk.A.
Grundpreis (Jahr)195.000 Mark (1984)160.000 Mark (1985)