Toyota auf der Überholspur: Das Erfolgsrezept erklärt
Es gibt einen Ort in Europa, den Akio Toyoda besonders liebt: den Nürburgring. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Toyota ist ein begeisterter Hobby-Rennfahrer, der dreimal am 24h-Rennen teilgenommen hat und 2014 sogar Erster seiner Klasse wurde. Der Enkel des Firmengründers stand von 2009 bis 2023 als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des weltweit größten Autobauers und führt heute den Aufsichtsrat. Doch Akio Toyoda – der Familienname schreibt sich mit weichem "d" – kann sich nun auch abseits der Rennstrecke über Europa freuen: 2024 verbuchte Toyota auf unserem Kontinent einen neuen Absatzrekord.
928.767 verkaufte Neuwagen bedeuten einen Zuwachs von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Marktanteil stieg von 6,5 auf 7,2 Prozent. Damit hat Toyota in Europa längst heimische Marken wie Peugeot, Renault und Skoda überholt. Nur noch VW verkaufte 2024 mehr Autos. Zudem konnte Toyota mit dem Yaris Cross und dem Yaris gleich zwei Modelle in den Top-10 der meistverkauften Neuwagen in Europa platzieren. Mit 194.006 Auslieferungen ließ der Yaris Cross selbst den Skoda Octavia hinter sich. Das in der Nähe von Valenciennes produzierte City-SUV war außerdem bereits das dritte Jahr in Folge das meistgebaute Auto in Frankreich.
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Der Toyota Yaris Cross (2024) im Fahrbericht (Video):
Toyota-Absatz in Deutschland stieg um 27 Prozent
Setzt Toyota seinen Wachstumskurs weiter fort, könnte die Marke 2025 mehr als eine Million Neuwagen in Europa verkaufen. Schon jetzt ist Toyota der mit Abstand erfolgreichste japanische Hersteller auf dem Kontinent: Nissan als Nummer zwei erreichte mit 307.276 Neuwagen gerade einmal ein Drittel der Toyota-Verkäufe. In Deutschland steigerte die Marke von Akio Toyoda ihren Absatz im Vorjahr sogar um satte 27 Prozent und gehört damit zu den größten Gewinnern des Jahres. Mit 95.474 Neuzulassungen und einem Marktanteil von 3,4 Prozent hat die Marke zur in der Bundesrepublik bisher größten asiatischen Marke Hyundai aufgeschlossen: Der Vorsprung der südkoreanischen Marke, deren Verkäufe um 9,4 Prozent zurückgingen, betrug 2024 in Deutschland nur noch 891 Neuwagen.
Das starke Abschneiden in Europa trägt dazu bei, dass Toyota seine Position als weltweit größter Autokonzern verteidigen kann: Mit 10,82 Mio. verkauften Fahrzeugen lag die Marke 2024 deutlich vor dem VW-Konzern, der 9,03 Mio. Einheiten absetzte. Während die globalen Verfolger wie die Wolfsburger, General Motors oder Stellantis straucheln und von der Transformation der Branche durchgeschüttelt werden, scheint Toyota unbeirrt seinen Weg zu gehen. So stellt der Autobauer im Gegensatz zu seinen Wettbewerbern die Modellpalette deutlich langsamer auf reine Elektroautos um, bietet allerdings eine Vielzahl unterschiedlich stark elektrifizierter Fahrzeuge an. Dieses Vorgehen wird von Toyota "Multi-Path (Mehrpfad)-Strategie" genannt.
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Toyota setzt voll auf Hybride – und verstärkt auf E-Autos
Und während VW & Co. Probleme haben, genug vollelektrische Neuwagen abzusetzen, verkaufte Toyota in Europa bis Ende 2024 mehr als sechs Millionen Fahrzeuge mit elektrifizierten Antrieben. Über 95 Prozent entfielen dabei auf Hybride ohne Stecker. Kein Wunder, war Toyota 1997 mit dem Prius doch einer der Pioniere dieser Antriebstechnik und verfolgt sie seitdem konsequent weiter. Eine Strategie, die bei der europäischen Kundschaft ankommt und auch der Umwelt hilft: Seit 1995 konnte Toyota die Abgas-Emissionen seiner Neuwagen um mehr als die Hälfte verringern. Vor allem in den europäischen Märkten, in denen die Infrastruktur für reine Elektroautos noch Großteils fehlt, senkte Toyota durch die Hybride den CO2-Ausstoß seiner Flotte nachhaltig.
Obwohl Toyota reinen Elektroautos lange Zeit skeptisch gegenüberstand, sieht die Marke in den Stromern nun auch die langfristige Zukunft. So startet die Marke eine riesige Modelloffensive und will bis 2030 weltweit 30 neue Stromer in allen Segmenten anbieten. Den Anfang macht in Europa 2025 das City-SUV Urban Cruiser.
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Konsequent sportlich, konsequent in allen Klassen
Ein weiterer Grund für den Erfolg Toyotas ist das in Europa mit Geduld und Ausdauer nachhaltig geänderte Image. Jahrzehntelang galten Toyota als grundsolide und zuverlässig, aber auch als langweilig und austauschbar. Das wollte Akio Toyoda ändern: Mit Sportmodellen wie dem GR86 und einer Wiederauflage der Supra gelang es ihm, Emotionen auf die Straße zu bringen. Als nächsten Schritt trug er mit den GR-Varianten das sportlichere Image in die breite Modellpalette. Während Fahrzeuge wie der Ford Fiesta ST verschwanden, überraschte der bisher kreuzbrave Toyota Yaris als 280 PS starker GR. Flankiert wurde das Ganze durch Siege bei den 24h von Le Mans und in der Rallye-Weltmeisterschaft, die vor allem im Süden und im Norden Europas sehr populär ist.
Auch beim Design traute sich Toyota unter Akio Toyoda aus der Deckung und wurde belohnt: So hob sich etwa der mutig gestylte C-HR vom Wettbewerb ab und entwickelte sich in Europa zum Bestseller. 2024 wurde er 121.290 Mal verkauft – mehr als der VW T-Cross. Nach dem Scheitern des Auris kehrte Toyota 2019 in der Kompaktklasse wieder zum traditionellen Namen Corolla zurück. Und das Modell, optisch modernisiert und mit einer in Europa beliebten Kombivariante, wurde wieder zum Erfolg. Im Gegensatz zu vielen Rivalen vergisst Toyota auch das Einstiegs-Segment nicht: Während VW, Ford oder Peugeot keine Kleinstwagen mehr anbieten, macht die Marke mit dem Aygo weiter. Mit Erfolg: Der Toyota fand 2024 in Europa fast 100.000 Käufer:innen.
Unter Akio Toyoda ist es der Marke gelungen, traditionelle Tugenden wie die Zuverlässigkeit mit einem moderneren Design und sportlichen Emotionen zu verbinden. Bei den Antrieben wählte Toyota einen mehrstufigen Ansatz, um seine Modelle immer weiter zu elektrifizieren: von Hybriden über Plug-in-Hybride bis zu reinen Elektroautos. Das überfordert die Kundschaft nicht, vor allem in Süd- und Osteuropa. Und im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern bietet Toyota weiterhin eine extrem breite Modellpalette an: vom City-Car Aygo über den Pick-up Hilux bis zum Sportwagen Supra. Und das soll auch nach der Umstellung auf reine E-Autos so bleiben.