Nachruf

Sabine Schmitz: Nachruf an die Nürburgring-Legende

Sabine Schmitz, Rennfahrerin, Moderatorin und Nürburgring-Legende, ist am 16. März 2021 im Alter von 51 Jahren an einem schweren Krebsleiden gestorben. Ihr zu Ehren wurde am Nürburgring offiziell eine Kurve umbenannt. Ein Nachruf.

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Ein Schwarz-Weiß-Porträt von Sabine Schmitz im Rennanzug.
Sabine Schmitz ist am 16. März 2021 nach schwerer Krankheit im Alter von nur 51 Jahren gestorben. Foto: Imago
Gruppenbild mit Klaus Abbelen, Ursula und Beat Schmitz sowie Ringsprecher Alexander Gerhard vor der Sabine-Schmitz-Kurve.
Seit dem 11. September 2021 gehört die Sabine-Schmitz-Kurve offiziell zur Nürburgring-Nordschleife. Das obligatorische Schild wurde von Klaus Abbelen, Ursula und Beat Schmitz sowie Ringsprecher Alexander Gerhard (von rechts nach links) enthüllt. Foto: Nürburgring
Blick von vorne auf Sabine Schmitz, die auf den Curbs der Nordschleife sitzt und in die Kamera lächelt.
Nur wenige Meter von der Kurve entfernt wuchs die Rennfahrerin im Herzen der Eifel auf. Foto: Nürburgring

Sabine-Schmitz-Kurve: Nordschleifen-Passage wurde umbenannt

Mit Sabine Schmitz ist am 16. März 2021 eine Nürburgring-Legende von uns gegangen. Im Alter von 51 Jahren hat sie den Kampf gegen den Krebs verloren. Der Nürburgring würdigte die ehemalige Rennfahrerin mit einer Ausstellung im Ringwerk-Museum. Unter dem Titel "Königin des Nürburgrings – Kind der Eifel" zeigte die Exposition mit Unterstützung von Familie und Freund:innen private und rennsportliche Momente aus Schmitz' Leben. Seit dem 2. Februar 2026 ist das Ringwerk allerdings geschlossen und wird in dieser Form nicht wiedereröffnen. Ein neues Erlebnismuseum sei aber in Planung – ob dort auch wieder eine Sabine Schmitz-Ausstellung bestaunt werden kann, ist derweil unbekannt.

Am 11. September 2021 haben Verantwortliche des Nürburgrings die Sabine-Schmitz-Kurve eingeweiht. Mit dieser Ehrung geht für viele Fans der verstorbenen Motorsport-Legende ein großer Wunsch in Erfüllung. Eine Petition für eine nach Sabine Schmitz benannten Kurve auf der Nordschleife hatte über 50.000 digitale Unterschriften erhalten. Die Sabine-Schmitz-Kurve ist eine Linkskurve, die erste Kurve auf der Nordschleife direkt nach Verlassen der Grand-Prix-Strecke und liegt am Ortsrand der Gemeinde Nürburg.

Der Nürburgring-Rekord des Taycan Turbo GT im Onboard-Video

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Video: Porsche

Nürburgring-Legende Sabine Schmitz gestorben: Nachruf

Niemand weiß heute noch genau zu sagen, wann Sabine Schmitz erstmals über die Nordschleife fuhr. Der Legende nach war es dort, wo sie das Autofahren lernte, vor allem jedoch alsbald beherrschte. Den herausragenden Charakteren in Sport und Gesellschaft werden auch stets Mythen angetragen. Und bei der Hotelierstochter aus dem nahen Tiergarten im Örtchen Nürburg war das nicht anders.

Mal eben schnell zum Einkaufen? Sabine nutze nonchalant die Nordschleife runter bis zur Ausfahrt Breidscheid, um in Adenau Besorgungen zu erledigen. Der Gedanke, auf dem Ring auch Rennen zu fahren, vielleicht sogar zu gewinnen, erfüllte sie bald mit großem Ideal. Seit 1990 bestritt sie die Läufe zur Langstrecken-Meisterschaft. Und dies keineswegs talentfrei, sondern mit gehörigem fahrerischen Potenzial.

Blick von vorne auf Sabine Schmitz, die auf den Curbs der Nordschleife sitzt und in die Kamera lächelt.
Foto: Nürburgring

Gemeinsam mit Wagenbesitzer Johannes Scheid gewann sie 1996 als erste Frau das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Ein Triumph, den sie nur ein Jahr später mit Scheid, Peter Zakowski und Hans-Jürgen Tiemann wiederholte. Als Fahrzeug diente ein BMW M3 nach Gruppe A-Reglement. Auf weitaus schnelleren Sportgeräten bis hin zum Porsche 911 GT3 R war sie nicht weniger eine sichere, schnelle Bank, die bei jedem Nordschleifen-Wind-und-Wetter mit hoher Souveränität Erfolg hatte.

Sabine Schmitz war bekannt für ihr deftige, ungeschönte Art, die Dinge frei raus und klar anzusprechen. Ihr Eifeler Platt wirkte dabei um so ehrlicher: Es machte sie authentisch. Sabine war eine, die erst redete, und dann dachte, auch wenn es ihr vielleicht zum Nachteil gereichte. Dass sie dabei dennoch mit Charme bestechen konnte, lag an ihrer Frohnatur und kumpelhaften Art. Auch, dass sie sich immer wieder aufs Neue in einer Männerdomäne behauptet hat, spricht Bände über die Kämpferin aus dem Tiergarten.

Rennfahrerin am Nürburgring, Moderatorin bei Top Gear

Obwohl sie ihre Aktivitäten nahezu ausschließlich auf die Nordschleife beschränkte – 1992 gewann sie den Ford Fiesta Mixed Cup, 1995 startete sie als Werksfahrerin von BMW in der südafrikanischen STW-Meisterschaft – war Sabine Schmitz weit über die Grenzen der Vulkaneifel bekannt. Besonders in England und den USA, was mit ihren Auftritten Anfang der 2000er in der britischen BBC-Kultsendung "Top Gear" zusammenhing. So brachte sie Jeremy Clarkson das Fahren auf der Nordschleife bei und kratzte in einem Ford Transit sogar an der Zehn-Minuten-Marke. Und damit genoss die "Nordschleifen-Queen" sogar bis in Formel 1-Kreise hohes Ansehen.

Wer mit dem Nürburgring als Spielplatz aufwächst, sich darauf austobt und immer wieder dahin zurückfindet, steht wie selbstverständlich dafür ein. Rund um den katastrophalen 258-Millionen-Größenwahnsinn "Nürburgring 2009", angezettelt unter dem damaligen Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz, machte auch Schmitz den Mund auf – eine Kritik, die sie schließlich ihren Job als Pilotin des BMW-Ring-Taxis gekostet hat. Dabei war es gerade sie, die eine ohnehin aufregende Nordschleifen-Spritztour mit herrlichen Anekdoten zu bereichern wusste und einzigartig werden ließ. Nicht zuletzt deshalb startete sie 2016 nach dem Weggang von Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May als feste Co-Moderatorin bei Top Gear an der Seite von Chris Evans und Matt LeBlanc durch.

Sabine Schmitz verliert Kampf gegen Krebs

Erst 2015 lernte sie Hubschrauber fliegen: Sabine Schmitz hatte Spaß an neuen Herausforderungen. Dann erkrankte sie 2017, pausierte, feierte 2018 ein beachtetes Comeback im GT3 R von Frikadelli Racing, dem Team ihres Lebensgefährten Klaus Abbelen. Doch 2020 holte sie der Krebs erneut ein. Am 16. März 2021 war sie ihm endgültig erlegen. Die Frau, die über 30.000 Runden auf der Nordschleife gefahren war und längst als Ring-Ikone galt, wurde 51 Jahre alt.