Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S: Der allerletzte Rallye-Quattro

Mit seiner großen Antenne und dem Inkognito-Design könnte er auch ein RC-Auto aus China sein: Tatsächlich verbirgt sich unter der zäpfchenförmigen Hülle des Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S aber die finale Ausbaustufe der Ur-Quattro-Erfolgsgeschichte.

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Der Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S stehend von schräg vorne.
Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S Foto: Audi

Mit dem Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S wollte die Marke ab 1988 die Rallye-Welt aufmischen: An Bord war wieder der Fünfzylinder-Turbo, aber als Mittelmotor.

Der Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S stehend von schräg hinten.
Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S Foto: Audi

Statt der kantigen Quattro-Optik trägt der 002 ein zweckmäßiges GfK-Kostüm über seinem Gitterrohrrahmen.

Der Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S stehend von vorne.
Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S Foto: Audi

Der Grund: Als die Entwicklung abgebrochen wurde, hatte die Designabteilung noch gar nicht Hand angelegt.

Der Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S stehend seitlich.
Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S Foto: Audi

Von der Seite erinnert der Mittelmotor-Quattro an einen zu heiß gewaschenen Gruppe-C-Renner.

Der Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S stehend von hinten.
Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S Foto: Audi

Die Mittelmotor-Idee war auch für Audi nicht ganz neu: 1985 stellte man erstmals versuchsmäßig den RS 001 auf die Räder. Letzterer verlor sich in internen Querelen.

Das Cockpit des Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S.
Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S Foto: Audi

Die Kommandozentrale von Armaturenbrett ist ganz klar auf den Rallye-Sieg getrimmt.

Der Motor des Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S.
Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S Foto: Audi

Für die Mittelmotoranordnung wurde der Fünfzylinder um 180° gedreht, sodass das neu entwickelte Getriebe nach vorne ragt.

Und am Ende bauten sie doch einen Mittelmotor in den Audi Quattro. Jahrelang schwor Audi-Entwicklungschef Ferdinand Piëch auf die Rallye-Wettbewerbsfähigkeit des Audi Quattro mit seinem weit vorne positionierten Fünfzylinder (Darum ist der Fünfzylinder vom Aussterben bedroht) – auch wenn Walter Röhrl so seine Probleme hatte mit dem Allradpionier, der zwar mit viel Traktion aus Kehren schießen konnte, aber sich bis dahin stoisch wie ein Rammbock kaum in die Querdynamik dirigieren ließ. Und dann war da noch die viel zitierte Brücke zum Serienbau, die der Porsche-Enkel bloß nicht sprengen wollte. Immerhin ließen sich die Vorzüge des Allradantriebs (So funktioniert ein Allradantrieb) nirgendwo besser der Kundschaft präsentieren als auf Wertungsprüfungen in den verschneiten Seealpen rund um Monte Carlo.

Passendes Zubehör für den Klassiker:

Doch gerade dort entzauberte Peugeot die vier Ringe 1985 mit dem neuen Mittelmotor-Kugelblitz 205 T16. Während sowohl LanciaFord und MG an ähnlichen Entwürfen feilten, schwante auch Piëch, dass die Löwenmarke das Rallye-Konzept der Zukunft gefunden hatte. Ohne Vorstandsgenehmigung ließ er den Audi Sport Quattro RS 001 aufbauen: einen Rallye-Boliden mit der bekannten Quattro-Kantigkeit, aber mit dem Fünfzylinder hinter den Sitzen. Röhrl fand schnell Gefallen am neuen Antriebskonzept, doch noch schneller war die Presse, die das Auto ablichtete. Die Bilder gingen um die Welt und sorgten für interne Querelen, die das 001er-Projekt ins Stocken brachten. Schlussendlich verschrottete Audi den Prototyp.
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Fünfzylinder mittig und verdreht eingebaut: So entstand der Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S

Begraben war das Kapitel Mittelmotor-Quattro damit aber noch nicht ganz: 1986 begann die Planung für die sogennante Gruppe S, welche die immer gefährlicher ausartenden Gruppe-B-Boliden ab 1988 ersetzen sollten. Zwar war das Reglement zu keiner Zeit fest abgesteckt, aber zu den grundsätzlichen Ansprüchen gehörten stabilere und etwas leistungsschwächere Fahrzeuge, ein Mindestgewicht und vor allem deutlich geringere Homologationsstückzahlen, um den Wettbewerb für die Hersteller im finanziellen Rahmen zu halten. Auch Audi nahm die Herausforderung an und ersann unter Nutzung des Allradantriebs und Fünfzylinders des Sport Quattro ein völlig neues Rallye-Geschoss. Der Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S war geboren.

Der Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S stehend von schräg hinten.
Foto: Audi

Bekanntermaßen wurde die Gruppe S nach kürzester Zeit aber wieder verworfen, weil sich 1986 die tödlichen Unfälle auf den Rallyepisten häuften. Die FIA griff hart durch und verbot sowohl die bestehende als auch die geplante Königsklasse des Rallyesports, sodass ab 1987 nunmehr Gruppe-A-Autos um die WM kämpften. Doppeltes Pech für Audi, weil man schon ordentlich Hirnschmalz und Entwicklungsgelder in die Gruppe S investiert und zugleich keinen Gruppe-A-Konkurrenten für die Lancia Deltas und Toyota Celicas im Angebot hatte.

Bis zum R8 war das Mittelmotorkapitel bei Audi ein trauriges

Das erklärt auch den wenig eingängigen Namen des Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S und seine ungewöhnlich anonyme GfK-Karosserie: Da der Bolide nie öffentlich präsentiert wurde, sparte sich Audi einen offiziellen Namen. Und wegen des frühen Entwicklungsstopps hatte er auch nie die Designabteilung von innen gesehen. Die vier Ringe deuten als einziges Merkmal darauf hin, dass hier nicht etwa ein Gruppe-C-Rennwagen zu heiß gewaschen wurde. Unter der zweckmäßigen Außenhaut verbirgt sich ein Gitterrohrrahmen sowie der nach hinten gewanderte Fünfzylinder-Turbo (So funktioniert ein Turbolader), der um 180° gedreht wurde. Das neu entwickelte Getriebe liegt deshalb vor dem Triebwerk, während die Riemenscheibe in Richtung Heck blickt. Etwa 460 PS (338 kW) soll der selbstverständlich ohrenbetäubend laute 2,1er leisten können.

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Heute hat Audi den Ladedruck sicherheitshalber so weit zurückgedreht, dass 100 PS (74 kW) weniger anliegen. Das reicht immer noch, um bei Oldtimer-Veranstaltungen ordentlich Radau zu machen. Glücklicherweise hat die Marke den Kronzeugen dieser denkwürdigen Ära in die Neuzeit gerettet. Nach 30 Jahren als Stehzeug erfolgte 2016 die Wiederbelebung des Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S.

Der größte Aufwand lag in der defekten Motorsteuerung, die Bosch eigens nachfertigen musste. Motor und Getriebe wiederum mussten bis heute nicht zerlegt werden, was für einen standfesten Antriebsstrang spricht. Das Mittelmotorkapitel hatte in der Zwischenzeit übrigens auch ein versöhnliches Ende gefunden: Nach einem weiteren misslungen Versuch mit dem Audi Quattro Spyder 1991, durfte der R8 ab 2006 beweisen, wie beeindruckend sich Quattro und Mittelmotoranordnung miteinander verschmelzen lassen.