Vorstellung

Audi 5000 CS Quattro: 350 km/h schneller Audi A6-Urahn von 1986

Prototypen sind auf dem Klassikermarkt ein rares Gut. Denn wenn sie nicht in den werkseigenen Sammlungen der Hersteller gelandet sind, endete ihr Weg häufig auf dem Schrottplatz. Zum Glück gibt es allerdings Ausnahmen. Eines dieser besonderen Einzelstücke: der rasende Audi 5000 CS Quattro.

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Der Audi 5000 CS Quattro statisch von schräg vorne fotografiert.
Eigentlich dürfte dieser Audi 5000 nicht mehr existieren. Das Rekordfahrzeug sollte nach erfolgreichem Einsatz verschrottet werden. Foto: Bonhams
Der Audi 5000 CS Quattro statisch von der Seite fotografiert.
Um das Interesse der nordamerikanischen Kundschaft an der Marke zu steigern, wollte Audi mit dem 5000 CS Quattro zeigen, wozu die Technik imstande war. Foto: Bonhams
Der Audi 5000 CS Quattro statisch von schräg hinten fotografiert.
Dafür modifizierte Audis Motorsportabteilung die in Deutschland als Audi 100 C3 bekannte Limousine umfangreich. Foto: Bonhams
Das Cockpit des Audi 5000 CS Quattro.
Am 24. März 1986 setzte sich Nascar-Pilot Bobby Unser auf dem Talladega Superspeedway hinter das Steuer des Boliden. Das Cockpit verrät nur in gewissen Details, welche Geschichte sich hier versteckt. Foto: Bonhams
Der Innenraum des Audi 5000 CS Quattro.
Ein nachträglich eingebauter Sportsitz samt Schroth-Gurten sollte auf dem Oval für Seitenhalt sorgen. Foto: Bonhams
Der Motor des Audi 5000 CS Quattro.
Der Fünfzylinder wurde umfangreich überarbeitet. So griff Audi erstmals auf einen Zylinderkopf mit Fünfventil-Technik zurück. 650 PS (478 kW) bei 2 bar Ladedruck sind das Ergebnis. Foto: Bonhams
Die Zusatzinstrumente des Audi 5000 CS Quattro.
Das 350 km/h schnelle Rekordmodell verlangte nach stetiger Überwachung aller Drücke und Temperaturen. Foto: Bonhams
Der Kofferraum des Audi 5000 CS Quattro mit Batterie, Benzin- sowie der Öltank.
Durch die Fahrt im Oval war es wichtig, dass die Lasten möglichst auf der inneren Seite des Fahrzeugs verteilt waren. So wanderten auch die Batterie, der Benzin- sowie der Öltank auf die linke Fahrzeugseite. Foto: Bonhams

Mitte der 80er-Jahre standen die Sterne für Audi günstig. Nicht nur hatten die Ingolstädter:innen in der Mittelklasse mit dem Audi 100 C3 einen Wagen auf die Räder gestellt, der in seiner Klasse einen Rekord-cW-Wert von 0,33 mitbrachte. Nein, auch im Motorsport lief es dank Audi Quattro und Quattro-Allradantrieb mehr als rund.

Doch nicht überall kam der Erfolg gleichermaßen an. In Nordamerika fremdelte man trotz "Vorsprung durch Technik" mit den vier Ringen und deren Innovationen. Es musste also ein Event her, was für ausreichend Aufsehen sorgte, dass ein Umdenken in den Köpfen stattfinden lassen sollte.

Eine Rekordfahrt samt Allrad-Audi sollte dem nicht vorhandenen Image als Sprungbrett dienen. Für dieses Vorhaben schnappten sich die Techniker:innen eben jenen Audi 100, der in den Staaten unter dem Modellnamen Audi 5000 firmierte. Allerdings konnte selbst die Topvariante, die dank des 2,2-l-Fünfzylinder-Turbos mit 165 PS (121 kW) durchaus potent war, nicht den gewünschten Aha-Effekt liefern. Audis Motorsportabteilung hatte allerdings nie vor, den Audi 5000 CS Quattro in seinem Serienzustand zu belassen. 

Trotz des bereits geringen cW-Werts von 0,33 setzte Audi hier ein weiteres Mal an. Ein Bodykit, das unter anderem eine Frontlippe und einen Bürzelspoiler beinhaltete, sorgte mit einer Tieferlegung von 40 mm für die Umsetzung der Maßnahme. Zur Gewichtsoptimierung wurden die Front- und Heckschürze aus Kevlar gefertigt und die Windschutzscheibe samt Fenster aus Kunststoff. Macht laut Waage: ein Leergewicht von 1072 kg. 

Der Audi Q6 Sportback e-tron im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Der Audi 5000 CS Quattro sollte das Markenimage stärken

Die wahre Magie hatte allerdings unter der Haube stattgefunden. Denn der 2226 cm3 große Fünfender wurde mit einem Fünfventil-Zylinderkopf ausgestattet, was den 5000 CS Quattro zu Audis erstem 25-Ventiler machte. Weiteres Feintuning lieferten unter anderem Kolben und Pleuel aus Titan und zwei Einspritzdüsen pro Zylinder. Das Ergebnis: 650 PS (478 kW) bei 2 bar Ladedruck.

Nun fehlte Audi nur noch der passende Fahrer samt passender Strecke für den viertürigen Quattro-Rekordwagen. Die Wahl fiel auf den Nascar-Piloten und dreifachen Indy-500-Gewinner Bobby Unser, der sich am 24. März 1986 hinter das Steuer schwang. Auf dem nachträglich eingebauten Sportsitz in den blauen Schroth-Gurten angeschnallt sitzend, bretterte der Amerikaner über den Talladega Speedway. Innerhalb von 46 s hatte er das 2,66 mls (4,28 km) lange Asphaltoval umrundet. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug dabei 332,88 km/h.

350 km/h dank Fünfventiltechnik

Auf der Geraden erreichte Unser eine Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h und setzte damit den Weltrekord für Allradfahrzeuge auf der Rundstrecke. Audis Plan war aufgegangen. Nicht nur hatten man einen Rekord setzen können, sondern auch einen gestandenen amerikanischen Rennfahrer ins Schwärmen gebracht. So fühlte sich der Wagen laut Bobby Unser dank des Allradantriebs an, "als sei er mit Superkleber auf der Straße festgeklebt."

Doch was geschah mit dem Audi 5000 CS Quattro, nachdem der Trubel abgeebbt war? Der Vater des Vorbesitzers kaufte sich Ende der 80er-Jahre einen Audi V8, standesgemäß mit Abholung im Ingolstädter Werk. Dort kam er mit Werner Laurenz, dem damaligen Verantwortlichen der Motorenentwicklung im Rennsport, ins Gespräch. Diese Konversation sollten den Grundstein einer engen Männerfreundschaft legen, die sich als entscheidender Wink des Schicksals herausstellen sollte.

Der Audi 5000 CS Quattro statisch von schräg hinten fotografiert.
Foto: Bonhams

Das Rekordfahrzeug sollte verschrottet werden

Eines Tages besuchte Laurenz die Familie des V8-Besitzers in Dortmund. Im Huckepack auf einem Anhänger: der Audi 5000 CS Quattro. Es folgte eine Probefahrt, die dem Sohn des Vorbesitzers bis heute in Erinnerung blieb. Selbst im dritten Gang drehten die Räder des 5000 bei hochgeschraubtem Ladedruck noch durch. Laut Bonhams wurde der Wagen zunächst noch für Reifentests eingesetzt, danach sollte er verschrottet werden.

Wie man erahnen kann, kam es allerdings anders. Dem Vorbesitzer aus Dortmund gelang es, das Einzelstück für seine private Sammlung zu kaufen. Im Februar 2025 wurde der Audi 5000 schließlich durch Bonhams auf der Rétromobile Paris versteigert. Angesichts der geschichtsträchtigen Historie dürfte die Verkaufssumme von 120.750 Euro noch als moderat betrachtet werden dürfen.