Abgefahrene Reifen: So gefährlich sind sie laut ADAC-Test

Mit abgenutzten Reifen zu fahren ist auch schon vor Erreichen der gesetzlich festgelegten Mindestprofiltiefe gefährlich. Das zeigt unter anderem ein ADAC-Test mit sechs abgefahrenen Profilen. So ändert sich das Fahrverhalten.

(1/5)
Das Bild zeigt einen stark abgefahrenen Reifen. Ein Finger zeigt auf das Profil.
Abgefahrene Reifen Foto: Getty Images

Schon vor Erreichen der gesetzlich geforderten Mindestprofiltiefe können Reifen sehr unsicher sein. Das zeigt auch ein Test des ADAC.

Durchschnittlicher Leistungsunterschied in einem Balkendiagramm.
Durchschnittlicher Leistungsunterschied Foto: ADAC

So stark verschlechtert sich die Leistung der getesteten Reifen im abgefahrenen Zustand bei nasser Fahrbahn.

Das Bild zeigt die Ergebnisse des ADAC-Tests mit abgefahrenen Reifen. Zu Sehen: der durchschnittliche Leistungsunterschied als Balkendiagramm.
Durchschnittlicher Leistungsunterschied Foto: ADAC

So stark verschlechtert sich die Leistung der getesteten Reifen im abgefahrenen Zustand bei nasser Fahrbahn.

Das Bild zeigt die Ergebnisse des ADAC-Tests mit abgefahrenen Reifen. Zu Sehen: der durchschnittliche Leistungsunterschied als Balkendiagramm.
Durchschnittlicher Leistungsunterschied Foto: ADAC

So stark verschlechtert sich die Leistung der getesteten Reifen im abgefahrenen Zustand bei Schnee.

Das Bild zeigt die Ergebnisse des ADAC-Tests mit abgefahrenen Reifen. Zu Sehen: der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch als Balkendiagramm.
Durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch Foto: ADAC

So verändert sich der Spritverbrauch mit den getesteten Reifen im abgefahrenen Zustand.

Reifen müssen regelmäßig erneuert werden. Neben Beschädigungen an Flanken und Lauffläche oder dem Reifenalter – so lässt es sich mit der DOT-Nummer ablesen – ist auch die Profiltiefe ein guter Hinweis, wann es Zeit für neue Pneus wird. Zwar liegt die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe in Deutschland bei 1,6 mm unabhängig der Reifenart, Expert:innen raten jedoch bereits deutlich früher zum Reifenwechsel. Wie gefährlich das Fahren auf Reifen mit noch 2,5 mm – und damit 0,9 mm mehr als gesetzlich mindestens gefordert – tatsächlich ist, hat der ADAC im Mai 2023 getestet.
Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

So die Reifenprofiltiefe checken (Video):

Video Platzhalter

ADAC-Testergebnis: Fahren mit abgefahrenen Reifen

Um zu testen, wie sehr sich ein abgenutztes Profil auch oberhalb der Verschleißgrenze auf das Fahrverhalten auswirkt, hat der ADAC je drei Radsätze von den sechs Winterreifen-Modellen Continental WinterContact TS860, Dunlop Winter Sport 5, Goodyear Ultragrip 9, Michelin Alpin 5, Nokian WR D4 und Yokohama BluEarth der Größe 205/55 R16 H künstlich abgenutzt.

Ein Satz wurde dabei maschinell gleichmäßig nach Vorgaben der Europäische Reifen- und Felgen- und Sachverständigenorganisation (ETRTO) auf 2,0 mm, ein weiterer nach realem Vorbild maschinell bis 2,5 mm Restprofiltiefe heruntergeschliffen. Die dritten Reifensätze wurden je auf einem VW Golf VII montiert und auf 2,5 mm in der schlechtesten Rille heruntergefahren.

Die Testkategorien lauteten Traktion auf Schnee, Bremsen auf Schnee, Bremsen auf Nässe, Aquaplaning längs (Gerade), Aquaplaning quer (Kurve), Handling auf Nässe und Kraftstoffverbrauch. Aus dem Durchschnitt der Testergebnisse der drei unterschiedlich vorbereiteten Reifensätze wurde am Ende das Testresultat je Reifenmodell ermittelt. Das sind die Ergebnisse des Automobilclubs:

Nässe

Obwohl alle Fahrzeuge bei der Realfahrt denselben Weg zurückgelegt haben, zeigen sich je nach Reifenmodell unterschiedliche Verschleißbilder. Das wirkt sich auf das Verhalten bei Nässe aus. Bester Reifen beim Nassbremsen und Aquaplaning längs war der Goodyear Ultragrip 9 mit einem Leistungsverlust von 7,0 respektive 17,3 Prozent gegenüber neuwertiger Reifen. Beim Bremsen auf nasser Fahrbahn und bei Aquaplaning auf der Geraden waren Reifen mit verstärktem Abrieb an der Innenschulter weniger zuverlässig (bis -23 %), als Modelle mit gleichmäßigem Abrieb. Sicherer beim Bremsen auf Nässe und bei Aquaplaning waren die Modelle mit Mittenabrieb und höhere Profiltiefe. Bei Aquaplaning quer ist der Sicherheitsverlust bei Mitten- und Schulterabrieb besonders hoch (-49,4 % bei Goodyear Ultragrip 9 bis -77.8 % bei Yokohama BluEarth) und gefährlich. Beim Nasshandling fiel das Ergebnis mit einem Performance-Verlust von maximal 12,3 Prozent (Yokohama BluEarth) weniger dramatisch aus.

Schnee

Die Traktion auf Schnee nimmt laut ADAC-Test bei abgefahrenen Reifen 14,7 Prozent (Michelin Alpin 5) bis 35,3 Prozent (Continental WinterContact TS860) ab. Beim Bremsen auf Schnee zeigt der Test ein ähnliches Ergebnis: Der Michelin Alpin 5 verliert 14,1 Prozent seiner Leistung und ist damit bester verschlissener Reifen für Schneebremsungen, der Continental WinterContact TS860 mit einem Verlust von 31,7 Prozent am wenigsten sicher. Laut ADAC entspricht der Leistungsverlust des Reifens bei einer Notbremsung aus 30 km/h einer Verlängerung des Bremswegs von 3,5 m. Wo der neuwertige Reifen bereits zum Stehen kommt, sei der verschlissene mit einer Restgeschwindigkeit von 15 km/h unterwegs. Ein weiterer Aspekt beim Bremsen auf Schnee ergibt sich aus dem Zustand der Lamellen. Zum Vergleich nennt der ADAC den Michelin Alpin 5 und den Yokohama BluEarth, die neuwertig ähnlich performen. Der Reifen von Michelin zeigte noch effektive Lamellen, während diese beim Reifen von Yokohama bereits verschlissen waren. Das Ergebnis ist ein schlechteres Bremsverhalten des Yokohama-Reifens auf Schnee im Vergleich zum Michelin-Reifen bei gleicher Restprofiltiefe.

Vorsicht in Kurven: Überschätzung bei verschlissenen Reifen möglich

Wie der ADAC-Test von abgefahrenen Reifen ergab, zeigten alle Reifenmodelle eine ähnliche Ausprägung des Rückgangs von Performance und Sicherheit bei vergleichbarem Verschleißniveau. Der Leistungsverlust ergibt sich aus der Kombination von Restprofiltiefe, Verschleißbild und Reifenalterung. Einbußen zeigten sich bei längs wirkenden Kräften wie Bremsen, Anfahren und Aquaplaning.

Besonders tückisch ist jedoch der Performance-Verlust bei Querkräften, so das ADAC-Testergebnis. Hier sinkt die Sicherheit mit abgefahrenen Reifen besonders drastisch. Das kann zu Kontrollverlust in Kurven führen, da sich Autofahrende verschätzen. Die Reifen, so das Testergebnis, vermitteln bei Längskräften oft einen viel besseren Grip als bei Querkräften tatsächlich gegeben ist. "Die Studie beweist, dass abgefahrene Reifen deutlich an der Fähigkeit verlieren, die Längs- und Querkräfte miteinander zu kombinieren", urteilt der ADAC. Die Empfehlung des Autoclubs lautet deshalb:

Vor dem Neukauf von Reifen bieten fundierte Reifentests eine gute Möglichkeit, sich über die besten Profile auf dem Markt zu informieren, um bestmöglich Sicherheit und Kosten abzuwägen. Folgende Pneus haben in den Reifentests der AUTO ZEITUNG eine Empfehlung erhalten:

Weniger Verbrauch mit abgefahrenen Reifen: Der Grund

Fährt man mit abgefahrenen Reifen, so kann das laut ADAC-Test zu weniger Kraftstoffverbrauch führen. Der Grund: Durch das geringere Reifenprofil muss der Reifen weniger Walkarbeit verrichten. Das kann mit den getesteten Reifen bis zu 2,7 Prozent (Michelin Alpin 5, Yokohama BluEarth) Sprit sparen. Einzig beim Dunlop WinterSport 5 stieg der Verbrauch des verschlissenen Reifens um 0,6 Prozent. Dennoch sollten Autofahrer:innen aus den oben genannten Sicherheitsbedenken die Reifen wechseln, sobald sie Verschleißzeichen zeigen. Mit diesen Tipps lässt sich beim Autofahren auch mit sicheren Reifenprofilen Sprit sparen.