Bulli mit Kettenantrieb: So kam es zum VW T1 KK Raupen-Fuchs!

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Der VW T1 KK Raupen-Fuchs fahrend von schräg vorne.
VW T1 KK Raupen-Fuchs Foto: Stephan Lindloff

Der VW T1 KK Raupen-Fuchs ziert heute das rollende Museum von VW Nutzfahrzeuge und wird zum Beispiel auf Messen eingesetzt.

Der VW T1 KK Raupen-Fuchs fahrend von schräg hinten.
VW T1 KK Raupen-Fuchs Foto: Stephan Lindloff

Eine Empfehlung für den kommunalen Fuhrpark? Wohl kaum. Der Signalfarbton stellt die Sichtbarkeit bei trübem Wetter sicher.

Der VW T1 KK Raupen-Fuchs fahrend von vorne.
VW T1 KK Raupen-Fuchs Foto: Stephan Lindloff

Der nur marginale Federungskomfort und der brutale Geräuschpegel limitieren den Straßeneinsatz.

Der VW T1 KK Raupen-Fuchs fahrend seitlich.
VW T1 KK Raupen-Fuchs Foto: Stephan Lindloff

Je derber das Gelände, desto wohler fühlt er sich. Lenken, bremsen, schalten und Gas geben: Die Bedienung unterscheidet sich kaum von jener der zivilen T1.

Der VW T1 KK Raupen-Fuchs fahrend von hinten.
VW T1 KK Raupen-Fuchs Foto: Stephan Lindloff

Schutzgitter von einem Polizei-Bulli komplettieren den hemdsärmeligen Offroad-Auftritt. Sie sind mit Magneten befestigt.

Der Innenraum des VW T1 KK Raupen-Fuchs.
VW T1 KK Raupen-Fuchs Foto: Stephan Lindloff

Zentraler Tacho, eine Handvoll Schalter, Ganghebel und Pedalerie – das rudimentäre T1-Seriencockpit erinnert daran, wie wenig es wirklich zum Pilotieren braucht.

Der Laderaum des VW T1 KK Raupen-Fuchs.
VW T1 KK Raupen-Fuchs Foto: Stephan Lindloff

Hölzerne Auflagen verwandeln die gewaltigen Radkästen in praktische Behelfssitze.

Der Motor des VW T1 KK Raupen-Fuchs.
VW T1 KK Raupen-Fuchs Foto: Stephan Lindloff

42-PS-Boxer (31 kW) und VW-Getriebe: Untersetzungen an den Achsstummeln erlauben den Einsatz der unveränderten Serienkomponenten.

Der Kettenantrieb des VW T1 KK Raupen-Fuchs.
VW T1 KK Raupen-Fuchs Foto: Stephan Lindloff

Vier zwillingsbereifte Räder setzen der Richtungsstabilität des Kettenantriebs Lenkimpulse entgegen. Kretzner verwendete als Achsen Volkswagen-Serienkomponenten – auch der günstigen Kosten wegen.

Kettenantrieb für den hochalpinen Einsatz: Der VW T1 KK Raupen-Fuchs ist die wohl extremste Spielart der Bulli-Familie. Ein Wiener Tüftler plante eine Fertigung in Kleinserie.

Traktionsüberlegenheit durch Allradantrieb – das Feature hat eine lange Tradition bei VW Nutzfahrzeuge und deren ikonischem Markenkern, dem Bulli. ID. Buzz und Multivan haben den 4Motion-Antrieb optional an Bord, der jüngst ausgelaufene T6.1 gilt in seinem Segment klar als Allrad-Pionier. Der California-Kundschaft wurde der 4Motion-Antrieb nahegelegt, um feuchte Campingplatzwiesen ohne großes Aufsehen befahren zu können, der Multivan-Kundschaft, um mit der Familie sicher zum Wintersport-Ort zu gelangen. Und Gewerbetreibenden sowieso – für ein souveränes Transporter-Handling auf der Baustelle. Traktionsvorteile durch Vierradantrieb gibt es beim Großen aus Hannover schon seit einer gefühlten Ewigkeit – er startete 1985 im seligen T3.

Wie so oft stieß die Passion eines Mannes die Entwicklung an: Der damalige VWN-Entwicklungschef Gustav Mayer baute in den 70er-Jahren T2 für seine Sahara-Touren auf Allradantrieb um – und ebnete damit den Weg für die späteren Bulli mit Vierradantrieb. Doch damit ist das Kapitel "Traktionsüberlegenheit" im Bulli-Geschichtsbuch noch nicht komplett. In seiner Frühzeit nämlich gab es einen weiteren Ansatz: radikal, spektakulär und auf maximale Geländetauglichkeit ausgerichtet – den VW T1 KK Raupen-Fuchs.
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Leslie & Cars zeigt den VW ID. Buzz GTX (2024) im Video:

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Video: AUTO ZEITUNG

Der Bulli mit Kettenantrieb: VW T1 KK Raupen-Fuchs

Anfang der 60er-Jahre entdeckte der Wiener Bergsportler Kurt Kretzner eine Marktlücke im Bereich der alpinen Fahrzeuge. Steyr-Puch führte den Haflinger, einen Dreimeter-Kraxler mit kleinem Zweizylinder. Zudem waren auf den Almen vereinzelt aus dem Weltkrieg stammende Willy Jeeps anzutreffen – weitere Offroader gab es nicht. Außerdem erforderte die Allrad-Technik eine kundige Hand. Kretzner aber hatte ein Fahrzeug mit leichter Bedienbarkeit und üppigem Raumangebot im Sinn, ultimativ einsetzbar im hochalpinen Bereich. Dazu sollte es möglichst kostengünstig in der Herstellung sein. Anstelle einer Neukonstruktion setzte der Volkswagen-Mechaniker auf die Umrüstung eines bereits verfügbaren Autos. Das konnte nur der Bulli sein, der damals noch unter dem Namen VW Transporter firmierte.

Passendes Zubehör für den Klassiker:

Neben robuster Technik zu moderaten Preisen bot er eben auch fast fünf Kubikmeter Laderaumvolumen bei nur 4,28 m Länge. Mit einer kühnen Idee im Kopf machte Kretzner sich ans Werk, unterstützt von der TU Wien und einem großen Ersatzteilfundus. Ansätze wurden konkretisiert, umgesetzt und wieder verworfen. Dann, viereinhalb Jahre später, war der VW T1 KK Raupen-Fuchs serienreif. "Ein idealer Helfer für jeden: Hüttenwirt, Jäger, Förster, Arzt, Wartungspersonal von Liftanlagen, Fernseh- und Rundfunkanlagen, Pipelines und dergleichen", formulierte es das Verkaufsprospekt. Und führte die Geländetauglichkeit weiter aus: "Schnee, Sand, Steine, Almwiesen, Moore, kleine Bäche und Wälder können Sie mit diesem Gerät befahren."

Nur zwei Exemplare entstanden

Der VW T1 KK Raupen-Fuchs fahrend seitlich.
Foto: Stephan Lindloff

Der spektakuläre Auftritt des VW T1 KK Raupen-Fuchs ist nicht etwa einem exzessiven Einsatz von Anabolika geschuldet, sondern purem Pragmatismus. Kretzner verwarf den Goldstandard der Offroader, den Allradantrieb, und griff gleich nach Platin: Kettenantrieb. Was Pistenbully (hier nachlesen, wie wir den Käsbohrer-Pistenbully gefahren sind) und Bergbau-Spezialfahrzeugen das Durchkommen sichert, das kann dem Raupen-Fuchs nur dienlich sein.

35 cm messen die Raupenbänder in der Breite und sprengen den T1-Radkasten. Kretzner schnitt daher die unteren beiden Handbreit der Karosserie ein und setzte derbe Blechverbreiterungen an. Die leichte Bedienbarkeit im Sinn beließ er es bei Halbketten. Gleich vier sind es beim Raupen-Fuchs, jeweils zwillingsbereift. Die Achskörper stammen aus dem VW-Regal und machen teure Spezialteile überflüssig. Auch hinten kommen Elemente zweier T1-Hinterachsen zum Einsatz sowie ein Volkswagen-Motor und -Getriebe.

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Das Schicksal meinte es allerdings nicht gut mit Kretzner: Nur zwei Raupen-Füchse entstanden, dann musste er sich von seiner Werkstatt trennen. Der Bulli von diesen Seiten kehrte 2018 in jene Stadt zurück, in der seine Karosserie 1962 gebaut wurde: Hannover. Die Spezialisten von VW Nutzfahrzeuge Oldtimer bauten das lädierte Spezialfahrzeug ohne Kompromisse wieder auf und präsentieren den Raupen-Fuchs nun bei Veranstaltungen – unter anderem beim VW Bus Festival 2023 – dem staunenden Publikum.

Technische Daten des VW T1 KK Raupen-Fuchs

AUTO ZEITUNG 17/2024VW T1 KK Raupen-Fuchs
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/2
Hubraum1482 cm³
Leistung31 kW/42 PS 3800/min
Max. Gesamtdrehmoment bei95 Nm 2200/min
Getriebe/Antrieb4-Gang-Getriebe/Hinterrad
L/B/H4280/1980/1980 mm
Leergewicht1300 kg
Bauzeit1967-1968
Stückzahl2
Beschleunigung
null auf 100 km/h
k.A.
Höchstgeschwindigkeit35 km/h
Verbrauch auf 100 kmk.A.
Grundpreis (Jahr)k.A.