Porsche Macan Electric: So schlägt er sich im ersten Vergleichstest

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Blick von schräg vorne auf die fahrenden Porsche Macan Electric und Mercedes EQE SUV.
Porsche Macan Electric/Mercedes EQE SUV Foto: Zibi Mazar

Kaum hat das Mercedes EQE SUV seinen ersten Testsieg eingefahren, könnte es schon ungemütlich werden: Der neue Porsche Macan tritt zum Duell an!

Blick von der Seite auf den fahrenden Mercedes EQE SUV.
Mercedes EQE SUV Foto: Zibi Mazar

Der Mercedes bietet einen gediegenen Fahrkomfort und dank Allradlenkung eine gute Wendigkeit.

Blick von der Seite auf den fahrenden Porsche Macan Electric.
Porsche Macan Electric Foto: Zibi Mazar

Der Macan beherrscht kein One-Pedal-Drive und fährt sich fast wie ein Verbrenner.

Blick auf die Armaturen im Innenraum des Mercedes EQE SUV.
Mercedes EQE SUV Foto: Zibi Mazar

Das Cockpit samt Hyperscreen baut sehr massiv, was das Raumgefühl beeinträchtigt.

Blick auf die Armaturen im Innenraum des Porsche Macan Electric.
Porsche Macan Electric Foto: Zibi Mazar

Klassisches Cockpit-Layout im Macan. Lenkrad und Klima lassen sich einfach bedienen.

Blick auf die Vordersitze des Mercedes EQE SUV.
Mercedes EQE SUV Foto: Zibi Mazar

Angenehmer Sitzkomfort. Die breite Mittelkonsole kostet allerdings Beinraum.

Blick auf die Vordersitze des Porsche Macan Electric.
Porsche Macan Electric Foto: Zibi Mazar

Vorzügliche, adaptive Sportsitze. Nur die fixen Kopfstützen stören bisweilen.

Blick in den Kofferraum des Mercedes EQE SUV.
Mercedes EQE SUV Foto: Zibi Mazar

Der Kofferraum ist gut nutzbar. Die Ladekabel kommen unter dem Boden unter.

Blick in den Kofferraum des Porsche Macan Electric
Porsche Macan Electric Foto: Zibi Mazar

Hier kommt allein das Gepäck unter – die Ladekabel verschwinden im Frunk.

Detailansicht des seitlichen Wischwasser-Einfüllstutzens vom Mercedes EQE SUV.
Mercedes EQE SUV Foto: Zibi Mazar

Seitlicher Wischwasser-Einfüllstutzen, weil die "Motorhaube" verschlossen ist.

Detailansicht vom Ladeanschluss des Porsche Macan Electric.
Porsche Macan Electric Foto: Zibi Mazar

Der Macan besitzt beidseitig einen Ladeanschluss – praktisch am Straßenrand.

Blick von hinten auf die fahrenden Porsche Macan Electric und Mercedes EQE SUV.
Porsche Macan Electric/Mercedes EQE SUV Foto: Zibi Mazar

Die Kofferraum-Nachteile des Fließhecks kann der Porsche-Frunk zumindest teilweise auffangen.

Kaum hat das Mercedes EQE SUV seinen ersten Testsieg eingefahren, könnte es schon ungemütlich werden: Der neue Porsche Macan Eletric tritt ab sofort ebenfalls bei den rund 300 kW (400 PS) starken Elektro-SUV an. Erster Schlagabtausch beim spannenden Vergleichstest!

Mercedes EQE SUV & Porsche Macan Electric im Vergleichstest

Was lange währt, sollte eigentlich gut werden. Das sind prima Voraussetzungen für den neuen Porsche Macan Electric, dessen Marktstart sich deutlich verschoben hat. Zeit, die man in Zuffenhausen nutzen konnte, um am Endprodukt zu feilen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das neue Elektro-SUV wirkt frisch, modern und sucht die optische Nähe zum Taycan. Gewöhnungsbedürftig ist nur der schnelle Abgang ohne Dachkantenspoiler – einen aerodynamischen Auftriebssenker fährt der Macan nur bei höheren Geschwindigkeiten oder auf Anforderung aus.

Eine rundliche, aerodynamisch optimierte Karosserie trägt auch das Mercedes EQE SUV. Sein massigeres Heck deutet aber einen höheren Nutzwert an – und gibt bereits einen Hinweis auf ein paar Extra-Kilos, die der EQE mit sich herumtragen muss. Hüben wie drüben dürften bis zu 300 kW (408 PS) aber reichen, um die schweren Elektro-SUV im Vergleichstest standesgemäß in Schwung zu bringen. Besonderheit beim Porsche: Nur mit aktivierter Launch Control gibt der Antrieb die volle Leistung frei, im normalen Betrieb muss er mit 285 kW (387 PS) auskommen.
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Der Porsche Macan Electric (2024) im Fahrbericht (Video):

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Karosserie: Mangelnde Verarbeitungsqualität beim Mercedes EQE SUV

Der Herausforderer aus Zuffenhausen, der eigentlich ein Leipziger ist, duckt sich deutlich flacher über den Asphalt. Umso erstaunlicher ist der großzügige Kopfraum in Reihe eins. Diesen erkauft sich der Porsche Macan Electric mit einer niedrigeren Sitzposition. So stellt sich schnell bestes Porsche-Feeling ein – schön ins Fahrzeug integriert und mit einem Innenraum, das die Freunde der Marke vor keine Rätsel stellen dürfte. In Reihe zwei wird es schon deutlich enger – speziell für Beine und Knie. Den Transporteur wiederum freut der gut bemessene und mit Filz ausgekleidete Stauraum unter der Fronthaube (Frunk) ebenso wie die Anhängelast von bis zu zwei Tonnen.

Das Mercedes EQE SUV kontert mit mehr Platz im Fond und einem größeren Maximalvolumen im Kofferraum. Der ausladende Hyperscreen lässt sich beim Vergleichstest zwar besser bedienen als gedacht, das weniger effekthaschende Pendant des Porsche macht seine Sache aber noch einmal etwas besser, weil es einfacher zu durchschauen und mit mehr echten Tasten versehen ist. Platz verschenkt der Mercedes mit seinem massiven Armaturenbrett samt breiter Mittelkonsole. Auch das Glasdach des Testwagens kostet ein paar Zentimeter Kopffreiheit.

Bei der Sicherheitsausstattung geben sich beide keine Blöße, teilautonomes Fahren muss aber extra bezahlt werden. Dass die Kontrahenten im Premiumsegment zu verorten sind, zeigt die größtenteils feine Materialauswahl. Ein erhöhter Hartplastikanteil ist aber bei beiden auszumachen, im Mercedes stört zudem das Knarzen im Bereich von Mittelkonsole und Türöffner.

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Fahrkomfort: Zwei völlig verschiedene Gemüter

Die zwei SUV werden dem jeweiligen Anspruch der Marke in puncto Fahrkomfort gerecht. Trotz der bei beiden optionalen Luftfederung gibt es aber beim Vergleichstest große Unterschiede bezüglich der Abstimmung. Während das Mercedes EQE SUV dem Prinzip eines fliegenden Teppichs nacheifert, gibt sich der Porsche Macan Electric wesentlich sportlicher, ohne aber – je nach Einstellung der adaptiven Dämpfer – unangenehme Härte einfließen zu lassen.

Was aber deutlich zutage tritt, ist das vernehmbare Abrollen der 22 Zoll großen Mischbereifung: Sowohl objektiv als auch subjektiv geht es im Porsche lauter zu als im besser gedämmten Mercedes. Dessen Sitze präsentieren sich ausgesprochen langstreckentauglich, lassen im Vergleich aber mehr seitliche Abstützung vermissen, speziell im Schulterbereich. Die Pendants im Porsche passen fast jeder Statur wie ein Maßanzug, einzig die fixen Kopfstützen mindern den Sitzkomfort. Bei beiden positiv hervorzuheben sind die zahlreichen Ablagen im Bereich der Mittelkonsole – hier wurden die Vorteile des fehlenden Getriebetunnels gut ausgenutzt.

Motor/Getriebe: Mercedes EQE 500 4Matic SUV zeigt längsdynamisch, wo es langgeht

Trotz recht ähnlicher Leistungsdaten geht das Mercedes EQE 500 4Matic SUV deutlich forscher zu Werke, was auch die Fahrleistungen bestätigen. Längsdynamisch beeinträchtigt ihn sein Mehrgewicht erstaunlich wenig. Das kräftige und direkt anliegende Drehmoment von 858 Nm reißt die 2653 kg schwere Fuhre mit Vehemenz nach vorn. Im direkten Vergleich wirkt der Porsche Macan 4 sogar ein klein wenig lethargisch. Der Schub ist geringer und setzt verzögerter ein – was fast schon der Kraftentfaltung eines Verbrenners ähnelt. Der Porsche braucht also einigen Anlauf, um zum schwäbischen Konkurrenten mit Stern längsdynamisch aufzuschließen. Bei beiden über alle Zweifel erhaben ist der gediegene Antriebskomfort der jeweils zwei E-Motoren.

Deutliche Unterschiede gibt es hingegen beim Verbrauch. Auf der Normrunde im Vergleichstest, die dieses Mal einen langen Volllastanteil zuließ, wird das Mercedes EQE 500 4Matic SUV von seinem Widersacher recht deutlich distanziert. Lässt man es ruhiger angehen, sind mit beiden Schwergewichten aber auch Verbräuche von unter 20 kWh möglich. Ein sensibler Gasfuß erhöht die Reichweite jeweils um über 100 km. An der Schnellladesäule gibt ebenfalls der Porsche Macan 4 den Ton an. Setzt man auf die bordeigene Routenführung, wird der Akku vor dem Ladestopp vorkonditioniert – und an der Ladesäule entsprechend der Turbo gezündet. Eine ausdauernde Ladeleistung von rund 250 kW ist dann möglich. Der Mercedes ist zwar ähnlich ausdauernd, schafft im Peak aber nur 170 kW. Immerhin gibt es für ihn die Wechselstrom-Option von 22 kW, die beim Porsche auch für Geld und gute Worte nicht zu haben ist.

Fahrdynamik: Der Porsche Macan 4 ist querdynamisch eine Macht

Alles andere als ein Kapitelsieg des Porsche Macan 4 wäre eine faustdicke Überraschung – und die bleibt aus. Das Zuffenhausener SUV legt sowohl auf dem Rundkurs als auch im Slalom Werte vor, bei denen das Mercedes EQE 500 4Matic SUV in diesem Vergleichstest schlicht passen muss. Da hilft ihm auch nicht seine effektvoll programmierte Allradlenkung, die ihn fast schon aberwitzig wendig wirken lässt. Die Hinterräder lenken auch im Porsche mit, aber wesentlich weniger intensiv. Im Verbund mit der sehr feinfühlig ansprechenden Lenkung ist das Kurbeln am dünnen Volant daher ein wahres Gedicht.

Doch der Porsche Macan 4 ist kein Turbo und muss auf dessen "Performance-Hinterwagen" (hier geht es zum Einzeltest des Porsche Macan Turbo) verzichten, was ihm offensichtlich einiges an Leichtigkeit raubt. Das Ergebnis ist ein stärkeres Untersteuern, das sich nur mit erzwungenem Übersteuern via Gaspedal überlisten lässt, was eine eher eckige denn flüssige Linie ergibt. Das Mercedes EQE 500 4Matic SUV kann sein höheres Gewicht auf dem Handling-Parcours nicht verheimlichen. Noch viel störender ist aber das synthetische Bremsgefühl samt langem Pedalweg. Das erschwert die Dosierung der an und für sich gut ankernden Anlage enorm. Die schiere Traktion, die der Porsche mit seiner Mischbereifung aufbaut, summiert sich in Verbindung mit der organischen Lenkung und den fein dosierbaren Bremsen zu einem ausgesprochen sicheren Fahrvergnügen.

Umwelt/Kosten: Ein Schnäppchen ist keiner von beiden

Wie bereits beim ersten Vergleichstest erschwert es das Agenturmodell von Mercedes, den derzeit gültigen Preis für das EQE SUV auszuweisen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Mercedes EQE 500 4Matic SUV sowohl in der Basis als auch im testrelevanten Trimm deutlich über dem Preis des Porsche Macan 4 liegt. Besonders die Paket-Politik wird dem SUV mit Stern zum Verhängnis. Die Konfiguration des Macan braucht dafür umso mehr Zeit, denn hier wird Individualisierung noch maximal großgeschrieben. Die Werkstattpreise des Macan konnten noch nicht ermittelt werden, aber bei Wertverlust und Stromkosten liegt er vorn, was das Endergebnis zementiert. Schade allerdings, dass Porsche bei der Neuwagengarantie derart knausert – aber auch bei Mercedes wäre hier noch Luft nach oben.

Technische Daten vom Mercedes EQE 500 4Matic SUV & Porsche Macan 4 Electric

AUTO ZEITUNG 25/2024Mercedes EQE 500 4Matic SUVPorsche Macan 4
Technik
MotorZwei permanenterregte SynchronmaschinenZwei permanenterregte Synchronmaschinen
AntriebKonstantübersetzung; AllradKonstantübersetzung; Allrad
Systemleistung300 kW/408 PS285 kW/387 PS (Boost: 300 kW/408 PS)
Systemdrehmoment858 Nm650 Nm
Spannung; Kapazität netto328 V; 96,0 kWh800 V; 95,0 kWh
Max. Ladeleistung AC/DC11 (opt. 22)/170 kW11/270 kW
Karosserie
Außenmaße (L/B/H)4863/1940 (2103)*/1686 mm4784/1926 (2155)*/1624 mm
Leergewicht (Werk/Test)2535/2653 kg2250/2440 kg
Kofferraumvolumen520-1675 l540-1400 l
Fahrleistungen
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)4,8 s5,1 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)200 km/h220 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
34,4/34,2 m35,3/33,6 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)25,3/18,8 kWh22,0/17,9 kWh
Reichweite (Test/WLTP)379/516 km432/572 km
Preise
Grundpreis90.855 €84.100 €
Testwagenpreis116.113 €94.453 €
*Breite mit Außenspiegel

Bewertung in Punkten

Gesamtbewertung (max. Punkte)Mercedes EQE 500 4Matic SUVPorsche Macan 4
Karosserie (1000)722727
Fahrkomfort (1000)828777
Motor/Getriebe (1000)773797
Fahrdynamik (1000)724786
Eigenschaftswertung (4000)30473087
Kosten/Umwelt (1000)228243
Gesamtwertung (5000)32753330
Platzierung21

Fazit

Das Duell der schwäbischen Elektro-SUV ist eines auf sehr hohem Niveau. Der neue Porsche Macan 4 Electric setzt sich auf Anhieb durch und wird Testsieger. Abgesehen vom engen Fond und dem weniger spritzigen Antrieb muss man auf nichts verzichten. Die Fahrdynamik ist auf öffentlichen Straßen gut, für die Rennstrecke taugen wohl eher andere Modelle. Das Mercedes EQE 500 4Matic ist ein komfortables, geräumiges, aber auch teures Vergnügen – was so gar nicht schwäbisch ist und Platz zwei bedeutet. Tatsächlich kann man mit dem Porsche sparen – und zwar viel Geld und auch einiges an Strom.