Lorinser GS 03: Kompressor-geladener 160.000-Euro-SL 500

Wer Mercedes SL 500 fahren und dabei maximale Aufmerksamkeit generieren wollte, konnte sich 2003 für happige 160.000 Euro den Lorinser GS 03 in die Garage stellen. Mit an Bord: fette Kunststoff-Anbauten und interessante Kompressor-Technik!

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Der Lorinser GS 03 stehend von schräg hinten
Lorinser GS 03 Foto: AUTO ZEITUNG Archiv

Der Lorinser GS 03 sollte eine Neuinterpretation des ikonischen Flügeltürers 300 SL sein. Protzen konnte jedenfalls kein anderer Mercedes SL 500 (R230) besser.

Der Lorinser GS 03 stehend von schräg vorne
Lorinser GS 03 Foto: Lorinser

Beim mächtigen Bodykit ließ sich Lorinser augenscheinlich eher vom CLK-Boliden aus der DTM inspirieren.

Der Lorinser GS 03 fahrend von vorne
Lorinser GS 03 Foto: Lorinser

Trotz der muskulösen Optik zielte der auf 50 Exemplare limitierte GS 03 mit 418 PS (307 kW) eher auf die Lücke zwischen 500 SL und SL 55 AMG.

Der Lorinser GS 03 stehend seitlich
Lorinser GS 03 Foto: Lorinser

Die 20-Zöller schienen sich optisch an den Felgen des SLR McLaren anzulehnen.

Der Lorinser GS 03 stehend von hinten
Lorinser GS 03 Foto: Lorinser

Ganz und gar Mercedes-untypisch war die mittige Abgasanlage.

Das Cockpit des Lorinser GS 03
Lorinser GS 03 Foto: AUTO ZEITUNG Archiv

Alcantara-Bezüge erhöhten den Qualitäts- und Dynamikeindruck.

Der Motor des Lorinser GS 03
Lorinser GS 03 Foto: AUTO ZEITUNG Archiv

Der Kompressor ist als Strömungsverdichter ausgelegt.

Mächtige Kotflügel mit vergitterten Kühlluftauslässen, verbreiterte Seitenteile, Front- und Heckschürzen im XXL-Format, 20-Zoll-Räder mit 255/30er-Vorderreifen und 305/25er-Bereifung an der Hinterachse – optisch so auffällig präsentierte der Mercedes SL anno 2003 nur von Lorinser, auch bekannt als Lorinser GS 03. Technik-Chef Adolf Koch hatte mit dem Design den seligen Flügeltürer 300 SL neu interpretiert. Oder es zumindest versucht, denn ikonische Linien fielen unter dem geschwollenen Bodykit nur auf den dritten Blick auf. Aber geschenkt: Wohl kaum eines der auf 50 Exemplare limitierten GS 03 war auf deutschen Straßen anzutreffen. Denn die Hauptabsatzmärkte der Lorinser-Werke sind heute wie damals Japan, Russland oder der Nahe Osten – dort jedenfalls, wo Besitzer:innen von Understatement nichts halten.

Doch nicht nur optisch wurde der SL verwandelt, auch unter dem Blech legte der Tuner Hand an: Basis des GS 03 war nicht etwa ein SL 600 mit Zwölfzylinder oder ein AMG-V8, sondern die goldene Mitte namens SL 500 mit serienmäßig 306 PS (225 kW). Den Fünfliter-V8 pustete die schwäbische Firma per Kompressoraufladung auf 418 PS (307 kW). Genauer gesagt handelte es sich bei dem Kompressor um einen Strömungsverdichter: Angeordnet zwischen den Zylinderbänken wurde der Verdichter eines Abgasturboladers hier von der Kurbelwelle mittels Riemen angetrieben. Anders jedoch als bei einer Turboaufladung verläuft die Drehmomententwicklung linear. So präsentierte sich der Motor daher nicht mit einer aufladungstypischen Büffelcharakteristik, die satten Anschub schon bei niedrigen Drehzahlen ermöglicht – er brauchte Drehzahlen.
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Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video):

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Video: AUTO ZEITUNG

Ungewöhnlich: Der Kompressor-V8 des Lorinser GS 03 ging erst ab 4500 Touren richtig ab

Bei einer Testfahrt in der AUTO ZEITUNG 10/2004 vermerkte Redakteur Martin Hube, dass die Leistungssteigerung unterhalb von 4500 Touren kaum zu spüren sei. Doch war diese Grenze erst einmal überschritten, stürmte der Lorinser SL umso vehementer voran und ließ das auf Grund seiner langen Übersetzung etwas schwerfällig wirkende Original hinter sich. Während die Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h bestehen blieb, purzelte die Beschleunigungszeit für den Standardsprint auf 5,6 s (Serie: 6,2 s). Von der Arbeitsweise des riemengetriebenen Verdichters war im Innenraum außer dem Kraftzuwachs kaum etwas zu vernehmen. Akustisch hielt sich der unter einer großflächigen Abdeckung versteckte Lader dezent zurück.

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Dafür war eine Sache umso deutlicher zu spüren: nämlich der Zustand der Fahrbahn. Denn die von Lorinser gewählte Reifengröße im 20-Zoll-Format übertrug Querfugen und Unebenheiten unmittelbar. Doch wurde dieser Nachteil durch ein optimiertes Einlenkverhalten und einen enorm hohen Grip im Kurvengrenzbereich ausgeglichen. Besonderes Lob verdiente die zu dieser gesteigerten Fahrdynamik passende Interieurgestaltung: So boten die hochwertig verarbeiteten Ledersitze dank Alcantara-Mittelbahnen hervorragenden Seitenhalt. Ob das jedoch den üppigen Preis von gut 160.000 Euro wert war? Immerhin kostete ein Serien-SL-500 keine 100 Riesen und selbst die 500 PS (368 kW) starken V12- und AMG-Versionen waren mit weniger als 130.000 Euro eingepreist. Aber: Auffälliger war damals kein anderer R230er SL.
Mit Martin Hube