Hyundai Kona Elektro/Volvo EX40: Vergleichstest

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Hyundai Kona Elektro/Volvo EX40; fahrend von vorne links
Hyundai Kona Elektro/Volvo EX40 Foto: Zbigniew Mazar

Leistungstechnisch ist der Volvo mit 185 kW (252 PS) gegenüber dem Hyundai (160 kW/218 PS) im Vorteil, dafür ist er in Testkonfiguration über 8000 Euro teurer.

Hyundai Kona Elektro; fahrend von der linken Seite
Hyundai Kona Elektro Foto: Zbigniew Mazar

Das Komfortniveau des Volvo kann der Hyundai nicht erreichen.

Volvo EX40; fahrend von der linken Seite
Volvo EX40 Foto: Zbigniew Mazar

Das nicht abschaltbare ESP vereitelt beim Hecktriebler jeden Anflug von Dynamik.

Hyundai Kona Elektro; Cockpit
Hyundai Kona Elektro Foto: Zbigniew Mazar

Alle Kona Elektro rollen mit einem recht um­fangreichen Infotain­ment-Paket vor. Das System wird über einen 12,25-Zoll-Touchscreen bedient, der griffgüns­tig neben den eben­falls 12,25 Zoll großen, digitalen Instrumenten sitzt. Der Kona kann selbst navigieren oder per serienmäßiger Smartphone-Integra­tion auf Apple Car­Play/Android Auto zurückgreifen. Vorteil der Onboard-Navigation ist die integrierte La­deplanung. Weil der Kona immer online ist, gibt es sowohl Over-the-Air-Updates als auch Live-Services, etwa zu Verkehr und Wetter. Auch Remote-Funktionen via App sind – wie das kabel­lose Laden – inkludiert. Extra kostet hingegen das Bose-Soundsys­tem (750 Euro).

Volvo EX40; Cockpit
Volvo EX40 Foto: Zbigniew Mazar

Das Android-Infotain­mentsystem mit neun Zoll großem Touch­screen im Hochformat besitzen alle EX40 se­rienmäßig. Der Bild­schirm ist eher griff- als blickgünstig positioniert. Obwohl auch die Klima­automatik den Griff zum Touchscreen verlangt, geht die Bedienung recht einfach von der Hand – dem simplen Aufbau der Menüs sei Dank. Trotz Google-Technik versteht sich der Volvo zudem prima mit iPhones von Apple. Kabelloses Laden ist ebenso möglich wie eine Ladeplanung via Google Maps oder die Sprachsteuerung über den Google Assistant. Dass der EX40 perma­nent online ist, versteht sich also von selbst – was Over-the-Air-Up­dates und eine App-An­bindung mit sich bringt.

Hyundai Kona Elektro/Volvo EX40; fahrend von hinten
Hyundai Kona Elektro/Volvo EX40 Foto: Zbigniew Mazar

Neben dem exaltiert auftretenden Hyundai wirkt der durchaus pfiffig gestaltete Volvo kreuzbrav.

Mit frischem Namen und neuem Antrieb trifft der Volvo EX40 auf die zweite Generation des elektrischen Hyundai Kona. Welches E-SUV bietet mehr Auto fürs Geld? Der Vergleichstest liefert die Antwort!

Hyundai Kona Elektro & Volvo EX40 im Vergleichstest

Elektromobilität soll keine Verzichtserklärung bedeuten. Eine Art Gardemaß mit Erstwagentauglichkeit stellen derzeit kompakte Elektro-SUV wie Hyundai Kona Elektro und Volvo EX40 in diesem Vergleichstest dar, die viel Nutzwert bei noch halbwegs erträglichen Preisen bieten. Ob letztere aber wirklich erträglich sind, ist eine individuelle Frage. Selbst nach Abzug der jeweiligen Herstellerprämie muss man mehr als 45.000 Euro berappen, um sich einen der beiden Kontrahenten in Vergleichstest-Konfiguration vor die Haustür stellen zu können.

Dass die kürzlich auf Volvo EX40 umgetaufte E-Variante des XC40 noch ein paar Scheine mehr als der Hyundai Kona Eletro kostet, zahlt er immerhin mit einem stärkeren Antrieb und einer größeren Batterie zurück. Zum Testzeitpunkt lagen die Temperaturen leicht unter dem Gefrierpunkt – und setzten das Duo und deren maximalen Reichweiten entsprechend stark unter Druck. Doch dazu später mehr.
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Kaufberatung zum Hyundai Kona (2024) im Video:

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Video: AUTO ZEITUNG

Karosserie: Modern trifft auf konservativ

Denkt man sich die extravagante Hülle des neuen Hyundai Kona Elektro weg, kommt ein ausgesprochen rational konstruiertes Auto zum Vorschein, das besonders im alltäglichen Umgang überzeugt. Das Platzangebot fällt in beiden Sitzreihen eine Ecke großzügiger als im Volvo EX40 aus, der seinen Mitfahrenden im Vergleichstest mit einem ausladenderen Armaturenbrett, einer massiveren Mittelkonsole und dem optionalen Panorama-Glasdach näher auf die Pelle rückt. Weil der Volvo aber mit feineren Materialien aufwartet, geht es hier deutlich heimeliger und hochwertiger zu als im eher pragmatisch eingerichteten Hyundai, wo tristes Grau und viel freudloses Plastik das Ambiente bestimmen.

Ein Vorteil des simpleren Hyundai-Ansatzes ist aber die einfache Bedienung. Zahlreiche gut beschriftete, physische Tasten, etwa bei der klassischen Klimabedienung, erfordern kaum Eingewöhnungszeit. Allerdings nervt der Hyundai Kona Elektro mit seinen oft und dann eifrig piepsenden Assistenzsystemen – die jedes Mal aufs Neue in mehreren Schritten deaktiviert werden wollen.

Volvo EX40; vordere Sitze
Der Innenraum fällt beim Volvo gemütlicher aus. Foto: Zbigniew Mazar

Beim Volvo EX40 ist der Hochkant-Touchscreen das zentrale Bedienelement. Weil der Schwede aber den Trend zu immer größeren Bildschirmen – nicht zuletzt wegen seines Alters – verweigert und das System mit einer schlüssig aufgebauten Android-Software bestückt ist, geht auch hier die Bedienung größtenteils einfach von der Hand. Große, leicht zugängliche und gut nutzbare Kofferräume sind ein echtes Pfund im Alltag – mit leichten Vorteilen für den Hyundai Kona Elektro, der zudem mehr Zuladung verträgt. Soll ein Anhänger mit, ist der Volvo erste Wahl, der mit 1500 kg doppelt so viel ziehen darf. E-Bike-Fans freuen sich über 100 kg Stützlast, die im Vergleichstest beide bieten.

Komfort: Der Hyundai Kona gewinnt nur auf dem Papier

Dass objektive Messungen und subjektive Eindrücke nicht immer korrelieren müssen, zeigt die Auswertung der Akustikmessungen des Vergleichstests. Die Messwerte auf der topfebenen Startbahn des Testareals in Mendig liegen im Hyundai Kona Elektro zwar niedriger, doch sobald das Fahrwerk ins Arbeiten kommt, missfällt der Koreaner mit verstärkter Geräuschentwicklung aus den weniger gut gedämmten Radhäusern.

Der Volvo EX40 zeigt sich hier subjektiv deutlich besser gekapselt, was ihn zum angenehmeren Reiseauto macht. Gleiches gilt für die erwachsenere Federung, die merklich feiner und satter Anregungen aller Art pariert. Im straffen Hyundai wird mehr von der Fahrbahn in die Karosserie übertragen – nicht unkomfortabel, aber im Gegensatz zum Vergleichstest-Gegner weniger souverän und von den bereits angesprochenen Fahrwerksgeräuschen akustisch untermalt. Gut fällt jeweils der Sitzkomfort aus. Vorn glänzt der Volvo mit einer besseren Abstützung, im Fond kontert der Hyundai mit einer angenehmeren Sitzposition sowie einer besseren Beinauflage.

Motor/Getriebe: Kona mit Front-, EX40 mit Heckantrieb

Es ist nicht nur der Vergleichstest Hyundai gegen Volvo, sondern auch das Duell Front- gegen Heckantrieb. Dass sich die beiden beim Antriebskomfort nicht viel schenken, versteht sich angesichts ihrer flüsterleisen, permanenterregten Synchronmaschinen von selbst. Doch nicht nur auf dem Papier, sondern auch gegen die Stoppuhr kann der Volvo EX40 sein Mehr an Leistung und das Plus an Drehmoment trotz des üppigen Mehrgewichts von rund 350 kg in bessere Fahrleistungen ummünzen. Dabei helfen ihm natürlich auch die Traktionsvorteile seines Heckantriebs. Der Hyundai Kona Elektro robbt sich bei höherem Tempo zwar immer näher an seinen Kontrahenten heran und erreicht sogar schneller 150 km/h, muss ihn aber final bei der Spitzengeschwindigkeit ziehen lassen.

Hyundai Kona Elektro; Ladekabel wird eingesteckt
Während der Volvo mit bis zu 200 kW Gleichstrom laden kann, ist beim Hyundai bei maximal 102 kW Ende. Foto: Zbigniew Mazar

One-Pedal-Driving mit starker Energierückgewinnung beherrschen beide, die Paddel hinter dem Lenkrad des Hyundai Kona Elektro erlauben aber eine schnellere und vielfältigere Anpassung der Rekuperation. Bei den frostigen Temperaturen zum Zeitpunkt des Vergleichstests hilft ihm das allerdings nur bedingt: Auf unserer Testrunde genehmigt sich der Koreaner 25,3 kWh auf 100 km. Weil sich der Volvo EX40 unter diesen Bedingungen mit 23,9 kWh nicht nur sparsamer präsentiert, sondern auch das größere Akkupaket hat, stromert er rund 70 km weiter. Mit zurückhaltender Betätigung des Strompedals schaffen beide E-SUV immerhin Verbräuche von unter 20 kWh – Werte, die abseits von Minustemperaturen die Regel darstellen dürften. Dann sind Reichweiten von 350 km und mehr realistisch.

An Wallboxen laden beide mit maximal 11 kW gleich schnell, am Schnelllader hingegen zieht der Volvo dem Kona mit maximal 200 kW Ladeleistung davon. Der Hyundai muss sich hier in der Spitze mit 102 kW begnügen. Eine detaillierte Ladeplanung samt Vorkonditionierung des Akkus ist hüben wie drüben möglich. Am Schnelllader kämpften beide Kandidaten des Vergleichstests aber erneut mit den nicht idealen Wetterbedingungen – die maximale Ladeleistung konnte nicht abgerufen werden. Immerhin bemühten sich Hyundai Kona Elektro und Volvo EX40 um eine ausdauernde Ladekurve.

Fahrdynamik: ESP als limitierender Faktor

Nicht nur auf dem Handlingparcours im Contidrom überrascht das Duo mit ganz unterschiedlichen Charakteren beim Fahren. Der Volvo EX40 verwöhnt zunächst mit seiner festeren, mehr Feedback gebenden Lenkung. Trotz starker Aufbaubewegungen fühlt sich der Volvo – nicht zuletzt dank des kräftig anschiebenden Antriebs – zunächst dynamischer an.

Der Hyundai scharrt schneller mit den Hufen, kämpft ähnlich stark mit Bewegung im Aufbau und wird überdies von einer weniger exakten Lenkung gehemmt. Doch sobald man sich Richtung Grenzbereich vortastet, ändert sich der erste Eindruck rasch: Volvo, stets um maximale Sicherheit bedacht, liefert seinen Elektro-Hecktriebler mit einem nicht abschaltbaren ESP aus, das das SUV im Zweifel stark und leistungsfressend maßregelt.

Der Hyundai Kona Elektro erlaubt hier deutlich mehr Spieltrieb und, etwa in Wechselkurven, mehr Geschwindigkeit. Auf dem Handlingkurs summiert sich die lange ESP-Leine zu einem unerwartet großen Vorsprung. Dass der Kapitelsieg des Vergleichstests dennoch knapp an den Volvo EX40 geht, liegt zum einen an der besseren Traktion und zum anderen an den kalt wie warm kürzeren Bremswegen.

Umwelt/Kosten: Der Volvo EX40 ist teurer

Ein echtes Pfund ist der attraktive Preis des Hyundai Kona Elektro, der nicht nur auf dem Papier überzeugt: Käufer:innen profitieren darüber hinaus von einer großzügigen Prämie von 7000 Euro, die Hyundai noch bis Ende Juni 2024 gewährt. Volvo zieht derzeit nur 1000 Euro vom Listenpreis ab – zu wenig, um den hohen Einstiegspreis des EX40 unter 50.000 Euro zu drücken. Eine bessere Restwertprognose und das umfangreichere Garantiepaket zementieren den koreanischen Sieg im Vergleichstest-Kapitel. Der Volvo EX40 kann hingegen bei der Versicherungseinstufung punkten und kommt bei den Wartungskosten günstiger.

Technische Daten & Messwerte von Hyundai Kona Elektro 65,4 kWh & Volvo EX40 Single Motor Extended Range

AUTO ZEITUNG 10/2024Hyundai Kona Elektro 65,4 kWhVolvo EX40 Single Motor Extended Range
Technik
MotorPermanenterregte Synchronmaschine (vorne)Permanenterregte Synchronmaschine (hinten)
AntriebKonstantübersetzung; VorderradKonstantübersetzung; Hinterrad
Systemleistung160 kW/218 PS185 kW/252 PS
Systemdrehmoment255 Nm420 Nm
Spannung; Kapazität brutto/netto356 V; 68,5/65,4 kWh400 V; 82,0/79,0 kWh
Max. Ladeleistung AC/DC11/102 kW11/200 kW
Karosserie
Außenmaße (L/B/H)4355/1825 (2098)*/1580 mm4440/1863 (2041)*/1647mm
Leergewicht (Werk/Test)1698/1773 kg2000/2107 kg
Kofferraumvolumen466-1300 l452-1328 l
Fahrleistungen
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)7,7 s7,1 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)172 km/h180 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
36,5/35,8 m35,4/35,1 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP/minimal)25,3/14,7/18,9 kWh23,9/16,8/17,8 kWh
Reichweite (Test/maximal)259/346 km331/444 km
Preise
Grundpreis47.190 €55.490 €
Testwagenpreis45.390 €55.270 €
*Breite mit Außenspiegel 

Ergebnis in Punkten

Gesamtbewertung (max. Punkte)Hyundai Kona Elektro 65,4 kWhVolvo EX40 Single Motor Extended Range
Karosserie (1000)618633
Fahrkomfort (1000)696707
Motor/Getriebe (1000)705734
Fahrdynamik (1000)620629
Eigenschaftswertung (4000)26392703
Kosten/Umwelt (1000)369337
Gesamtwertung (5000)30083040
Platzierung21

Fazit

Beide SUV präsentieren sich erstaunlich umgänglich im Alltag, hatten allerdings Probleme mit den Witterungsbedingungen zum Zeitpunkt des Vergleichstests. Der Sieg geht nach Schweden: Der Volvo EX40 Single Motor Extended Range ist ein fein gemachtes Elektro-SUV, das komfortabel, wenngleich auch wenig dynamisch fährt. Der Hyundai Kona Elektro 65,4 kWh kämpfte stärker mit der Kälte und der Effizienz und bietet nicht ganz den Fahrkomfort des Volvo – Rang zwei. Sein größter Vorteil ist der Preis. Kann man mit der eingeschränkten Reichweite leben, eignet sich auch der Kona durchaus als elektrisches Erstauto.