Austauschmotor: Die lohnenswerte Alternative zur Motorreparatur
Mit einem Austauschmotor erhält ein gebrauchtes Auto einen neuen Antrieb. Doch ganz neu muss der Motor nicht sein. Das ist bei Ersatzmotoren zu beachten.
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- Was ist ein Austauschmotor?
- Welche Unterschiede gibt es bei Ersatzmotoren?
- Was ist bei einem Austauschmotor zu beachten?
- Welche Vor- und Nachteile gibt es bei einem ATM?
- Gibt es Austauschmotoren mit Garantie?
- Was kostet ein Austauschmotor?
- Ist ein Auto mit Austauschmotor weniger wert?
- Kann man den Austauschmotor selbst wechseln?
- Gibt es Wechselmotoren für E-Autos?
Keine Leistung, extrem hoher Ölverbrauch oder einfach nur seltsame Geräusche: Bei einem Verbrennungsmotor können mit den Jahren und Kilometern Bauteile kaputtgehen. Oft lässt sich ein Motor reparieren und instand setzen (hier alle Infos zur Motorinstandsetzung).
Doch es gibt Fälle, wie nach einem kapitalen Motorschaden, bei dem sich eine Reparatur nicht mehr lohnt und ein Austauschmotor die bessere Alternative ist. Doch was sind Austauschmotoren (AT oder ATM) genau und worauf kommt es an?
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Hauptuntersuchung – die Checkliste im Video:
Was ist ein Austauschmotor?
Ein Austauschmotor ist ein Motor, der den baugleichen Antrieb eines Autos ersetzt. Dabei kann der Ersatzmotor neu sein, muss es aber nicht. Im Kfz-Bereich werden bei älteren Fahrzeugen auch überholte und instand gesetzte Motoren als Austauschmotoren bezeichnet.
Nach dem RAL-Gütezeichen Motoreninstandsetzung und der VDI-Richtlinie 4084 werden bei instand gesetzten Motoren mit der Bezeichnung "Generalüberholter Motor nach RAL-GZ 797" alle Verschleißteile ausgetauscht – unter anderem Ventile, Federn, Pumpen, Kolbenringe und Kolben.
Welche Unterschiede gibt es bei Ersatzmotoren?
Es gibt im Kfz-Bereich verschiedene Arten von Austauschmotoren:
Neuer Austauschmotor: Ein neuer Austauschmotor kommt direkt vom Hersteller und wird nach einem Totalschaden am Motor eingesetzt. Das trifft vor allem bei jungen Fahrzeugen eines Modells zu, das noch produziert wird.
Generalüberholter Austauschmotor: Bei einem generalüberholten Austauschmotor nach RAL-GZ 797 handelt es sich um einen Motor, bei dem alle Verschleißteile neu sind. Meist werden dabei auch Zylinderwände und Kurbelwellen überarbeitet. Nach dem Zusammenbau ist der Motor zwar nicht neu, dafür aber in einem neuwertigen Zustand.
Teilüberholter Austauschmotor: Es gibt auch Motoren, bei denen nur einige Bauteile – wie der Ventil- und Steuertrieb oder die Einheit aus Zylinder und Kolben – überholt wurden. Diese teilüberholten Motoren haben meist eine geringe Laufleistung und sind günstiger als komplett überholte Motoren. Zum Beispiel bleibt das Kurbelwellengehäuse im Originalzustand, während viele Anbauteile erneuert werden. Sorgfältig arbeitende Motorenbau-Profis wägen ab, welche Teile des Motors in einem so guten Zustand sind, dass sie nicht überholt werden müssen.
Gebrauchter Austauschmotor: Wurde der Motor nicht aufbereitet, ist es ein Gebrauchtmotor, der gegen den alten Motor im Fahrzeug getauscht wird.
Zudem gibt es Teil-Tauschmotoren, bei denen entscheidende Bauteile wie etwa der gesamte Kurbeltrieb mit Kurbelgehäuse als Rumpfmotor getauscht werden.
Von der AUTO ZEITUNG getestet und empfohlen:
Was ist bei einem Austauschmotor zu beachten?
Vor der Wahl eines Austauschmotors ist darauf zu achten, dass er passt und mit dem bisherigen Motor nahezu identisch ist. Bei einem Motor mit deutlich mehr Leistung oder zusätzlichem Turbo müssen oft auch Steuergeräte, der gesamte Antriebsstrang sowie empfehlenswerterweise auch Fahrwerk und Bremsen geändert und anschließend von TÜV-, GTÜ-, KÜS- oder Dekra-Sachverständigen abgenommen werden.
In den meisten Fällen ist der Tausch aber eine Preisfrage. Bei einem noch jungen Fahrzeug bieten Hersteller oft einen neuen Austauschmotor an; bei einem älteren Auto stehen eher überholte Antriebe zur Verfügung.
Bei sehr alten Autos rentiert sich häufig nur ein Gebrauchtmotor für den Wechsel. Für Oldtimersammler:innen und Autofans wichtig: Mit einem Austauschmotor verliert das Auto seine sogenannte "Matching Number“. Das heißt, dass der neue Motor nicht mehr zur Fahrgestellnummer bei Erstauslieferung passt. Für Oldtimerfans, die auf eine Wertsteigerung achten, ist eine Reparatur des Originalmotors dann sinnvoller – so aufwendig und teuer sie auch sein mag.
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Welche Vor- und Nachteile gibt es bei einem ATM?
Der große Vorteil eines Austauschmotors liegt auf der Hand: Ein gebrauchtes Auto bekommt einen neuen oder eben einen generalüberholten Motor. Damit fährt der Wagen dann in der Regel wieder viele tausend Kilometer.
Der Nachteil kommt vor allem bei Sammlerfahrzeugen zum Tragen. Sie verlieren die "Matching Number“, also die originale Kombination von Motor und Fahrgestellnummer. Für Autobesitzende, die ihr Fahrzeug als Alltagsgerät benutzen, fällt dieser Punkt aber nicht weiter ins Gewicht.
Gibt es Austauschmotoren mit Garantie?
Bei einem professionell überholten Austauschmotor erhalten Kund:innen die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung von zwölf Monaten auf das Aggregat (hier wird der Unterschied zwischen Gewährleistung und Garantie erklärt). Seriöse Werkstätten geben bis zu zwei Jahre – vorausgesetzt, der Motor wird von der Werkstatt selbst eingebaut. Je nach Betrieb, Produkt und Vertrag bekommen Kund:innen nach Vereinbarung auch eine Garantie, die über die Gewährleistung hinausgeht.
Was kostet ein Austauschmotor?
Je nach Marke und Modell kostet ein Austauschmotor zwischen 2000 und 20.000 Euro. Bei einem VW Golf VII 1.4 FSI kostet ein gebrauchter Motor je nach Laufleistung ab etwa 1500 Euro, dazu kommt der Einbau in der Werkstatt. Ein komplett überholter Motor liegt bei mindestens 4500 Euro. Aber das hängt auch innerhalb einer Baureihe sehr stark von der Motorisierung ab.
Ist ein Auto mit Austauschmotor weniger wert?
Bei den meisten Alltagsautos mindert ein Austauschmotor nicht den Wert des Fahrzeugs. Im Gegenteil. Er kann den Wert steigern, wenn dem alten Auto mit insgesamt hoher Laufleistung mit einem gut erhaltenen oder überholten Austauschmotor ein "frisches Herz“ implementiert wird, mit dem das Auto wieder sehr lange fahren kann. Bei Originalitäts-Verfechter:innen passt jedoch ein Austauschmotor nicht mehr zur "Matching Number“ und verliert dadurch in ihren Augen an Wert.
Kann man den Austauschmotor selbst wechseln?
Einen Motor aus und wieder in ein Fahrzeug zu bauen, verlangt hohe Expertise und handwerkliches Geschick. Denn neben der mechanischen Verknüpfung des Motors mit der Karosserie und weiteren Anbauteilen – wie Getriebe und Nebenaggregate – muss ein moderner Motor auch elektronisch mit dem Fahrzeug verbunden werden. Die dafür notwendigen Spezialgeräte besitzen die wenigsten Hobbyschrauber:innen. Außerdem verfällt bei einem Do-it-yourself-Einbau die Garantie. Deshalb die Empfehlung: Profis in einer Kfz-Werkstatt erledigen die Arbeit besser.
Gibt es Wechselmotoren für E-Autos?
Auch die E-Motoren in Elektroautos lassen sich tauschen. Das funktioniert sogar einfacher als bei Verbrennermotoren. Günstiger ist es deshalb aber nicht.