Import von US-Cars: Transport, Zoll und formale Hürden
Nicht jeder Traumwagen steht beim Händler (oder in der Scheune) um die Ecke. Wer sich traut, importiert den auserkorenen Oldtimer auf eigene Faust aus den USA. Worauf ist dabei zu achten?
Die Suche nach dem Traumwagen kann dauern: Zehn Jahre hat Daniela Loof nach „ihrem“ US-Car gefahndet. Gespräche wurden geführt, Angebote durchstöbert, Ideen verworfen. Vor wenigen Monaten war es dann soweit: „Jetzt oder nie!“ Der Traum vom US-Oldtimer sollte wahr werden, ein 1970er Dodge Coronet 2-door Hardtop Coupé hatte ihr Herz erobert.
Der Wagen stand jenseits des großen Teichs. Eine persönliche Besichtigung vor Ort macht natürlich nur Sinn, wenn man ohnehin einen USA-Urlaub plant – und weiß, wie man mit amerikanischen Auto-Verkäufer:innen umzugehen hat. In Piot Wojcik von 23Classics fand sie einen kompetenten Ansprechpartner: Der Wahl-Kalifornier weiß, was deutsche Autokäufer:innen erwarten und worauf zu achten ist. Die VIN (Fahrgestellnummer) des Fahrzeugs muss mit dem Title (vergleichbar dem Fahrzeugbrief) abgeglichen, die Karosserie auf mögliche Schäden respektive Reparaturen untersucht werden. Agenten wie Piot übernehmen diesen Part: Ist das gewünschte Auto beispielsweise bei Craigslist, Autotrader oder eBay gefunden, wird er aktiv.
Import von Klassikern, Oldtimern und Muscle Cars
Er kontaktiert den Anbieter und versucht, vorab möglichst viel über das Fahrzeug in Erfahrung zu bringen. Erscheint eine Besichtigung danach sinnvoll, schaut er sich das Auto an. Er liefert Auftraggeber:innen um die 300 Fotos, welche die Stärken und Schwächen schonungslos aufzeigen. Hinzu kommen Videos, etwa vom Motorlauf. Telefonisch gibt er seine persönliche Einschätzung ab und zahlt das Auto auf Wunsch an. Zwei Tage später war es in diesem Fall soweit: Der Dodge Coronet war bezahlt und bereit für die Reise nach Europa. Piot konnte den Preis etwas drücken, die Hälfte der Ersparnis wurde seinem Honorar zugeschlagen.
Vor der Überführung waren noch Formalitäten zu erledigen: Die Shipping Company benötigte eine notariell beglaubigte Vollmacht, eine Kopie des Reisepasses musste vorliegen. Dann stellte sich die Frage: Wie wird der Dodge transportiert? Manche Logistikunternehmen bieten für fahrbereite Fahrzeuge die „RoRo“-Variante (roll on, roll off) an: Das Auto wird auf eigener Achse bewegt und steht offen auf dem Schiff. Sicherer ist der Transport im Container, der je nach Fahrzeuggröße gebucht wird. In der Regel werden noch ein paar Ersatzteile in den Kofferraum gepackt – das spart Frachtkosten, erklärt Michael Nebert von California Import, sollte aber dokumentiert sein, um Probleme beim Zoll zu vermeiden.
Historie per Carfax prüfen und „Bill of Sale“
Ein entscheidender Vorteil beim US-Import ist die Transparenz der Fahrzeughistorie. Über die sogenannte VIN (Vehicle Identification Number) lässt sich bei Dienstleistern wie Carfax ein detaillierter Lebenslauf des Autos abrufen. Dieser Report listet frühere Besitzende, Wartungsintervalle und vor allem Unfallschäden auf. Vorsicht ist geboten beim Vermerk „Salvage Title“: Dies kennzeichnet Fahrzeuge mit einem Totalschaden in der Vergangenheit. Solche Autos sind zwar oft günstig repariert, bereiten aber bei der Zulassung in Deutschland massive Probleme. Ein „Clean Title“ ist daher Pflicht für einen reibungslosen Import.
Ohne Original-Dokumente gibt es in Deutschland keine Zulassung. Importierende benötigen zwingend den US-Fahrzeugbrief („Title“) im Original. Kopien akzeptieren die hiesigen Zulassungsstellen nicht. Zusätzlich ist ein lückenloser Kaufvertrag („Bill of Sale“) notwendig, um die Eigentumsverhältnisse nachzuweisen. Fehlt eines dieser Papiere, steht das Traumauto nur als Dekoration in der Garage. Daher gilt: Keine Zahlung ohne garantierte Übergabe der Original-Papiere.
Tipps für den Transport und die Logistik
Da es auf der Überfahrt kalt werden kann, sollte man gerade bei Autos aus den sonnigen Staaten auf ausreichend Frostschutz im Kühler achten. Tanja Garcia von Trans Global Logistics empfiehlt zudem: Läuft die Klimaanlage noch mit dem mittlerweile verbotenen R12, ist eine Umrüstung auf R134a in den USA meist günstiger als in Deutschland. Alternativ sollte das System zumindest entleert werden, was bei der Einfuhr nachzuweisen ist. Manche US-Händler bieten eine „weltweite Verschiffung“ an – damit ist aber in der Tat nur der Transport bis zum Zielhafen gemeint.
Für die weitere Abwicklung, also Entladung und Verzollung, sind die Kund:innen zuständig. Einfacher ist es, gleich eine Logistikfirma zu beauftragen, die das Auto beim Händler übernimmt und abholbereit durch den Zoll bringt. Eine Allrisk-Versicherung für den Transport wird von vielen Logistikunternehmen angeboten und erscheint sinnvoll. Idealerweise wird sie aufgrund besserer Konditionen und einfacherer Abwicklung mit dem deutschen Partner abgeschlossen.
Kostenfalle Zoll und Steuer
Die Wahl des Hafens beeinflusst die Kosten erheblich. Für reguläre Pkw fallen in der EU zehn Prozent Zoll und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer an. Bei Oldtimern greift oft eine Ausnahmeregelung: Werden die Fahrzeuge als „sammlungswürdige Kulturgüter“ (Zolltarifnummer 9705) anerkannt, entfällt der Zoll komplett. Die Einfuhrumsatzsteuer sinkt in Deutschland dann oft auf sieben Prozent. Um unter den Zolltarif zu fallen, muss das Fahrzeug sich in unverbasteltem Originalzustand befinden, mindestens 30 Jahre alt sein und darf als Baureihe nicht mehr in Produktion sein.
Viele Importierende wählen den Weg über die Niederlande (Rotterdam): Dort werden für Oldtimer, die älter als 30 Jahre sind und sich im Originalzustand befinden, aktuell neun Prozent Einfuhrumsatzsteuer fällig (Stand: Februar 2026). Die Abwicklung gilt dort als weniger bürokratisch als in deutschen Häfen.
Wie lange dauert der Transport per Schiff?
Von der Ostküste dauert die Seeverschiffung rund 14 Tage, von Texas aus etwa drei Wochen und von der Westküste etwa einen Monat. Umrüstung, TÜV-Abnahme und Anmeldung nehmen auch Zeit in Anspruch. In vielen Straßenverkehrsämtern ist bei der Erstzulassung der Kaufvertrag vorzulegen. Ein Oldtimer-Kauf in den USA ist weder Hexenwerk noch Kinderspiel. Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Eigenimport sind gute Sprachkenntnisse, professionelle Partner und umfangreiche Informationen.
Sind alle Formalitäten erledigt, kann der US-Oldtimer die Fahrt in die heimische Garage antreten – idealerweise auf einem Anhänger. Denn neben einem gründlichen Technik-Check stehen für die deutsche Zulassung je nach Baujahr und Typ noch diverse Umrüstungen (Reifen, Scheinwerfer, Rückleuchten etc.) an.

















