Gebrauchter Skoda Octavia (5E): Erfahrungen nach 500.000 km
Positiv | Guter Fahrkomfort, Platz für ein vollwertiges Reserverad, Intuitive Bedienung |
Negativ | Ziemlich lautes Fahrwerk, anfällig für Seitenwind, zu hohe Motordrehzahlen bei zügiger Fahrt |
Gebrauchter Skoda Octavia: Kaum Gebrauchsspuren nach 500.000 km
Eine halbe Million Kilometer in acht Jahren haben an diesem stark gebrauchten Skoda Octavia (5E) um sichtbare Spuren hinterlassen. Der Innenraum des 2016 gebauten Tschechen (dritte Octavia-Generation) unterscheidet sich in seinem Zustand nicht von Fahrzeugen mit halb so großer Laufleistung. Der Fahrersitz ist kaum durchgesessen, allenfalls der Stoff leicht aufgeraut.
Äußerlich sind die Spuren von Hunderttausenden Autobahnkilometern jedoch an Motorhaube, Kotflügeln, Scheinwerfern und an der Dachkante über der Frontscheibe recht deutlich zu sehen. Letzteres ist ein bekanntes Problem bei Fahrzeugen des VW-Konzerns – und leider teuer zu beheben, da der Ausbau der Scheibe nötig ist. Die vorderen Scheinwerfer wurden bereits ersetzt, allerdings nicht in erster Linie wegen Ermattung (so matte Scheinwerfer polieren), sondern wegen Rissen – und das ohne äußere Einwirkungen. Dieses Problem beklagen auch andere Skoda Octavia-Besitzer:innen.
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Der Skoda Octavia (2024) im Fahrbericht (Video):
So stabil ist der 1,6-l-Dieselmotor
Der 1.6 TDI genießt im gebrauchten Skoda Octavia nicht den besten Ruf – im Gegensatz zum größeren 2.0 TDI mit Common-Rail-Einspritzung. Bei älteren Motoren der Baureihe EA189 wurde von Metallabrieb in der Kraftstoffpumpe, Druckproblemen im Kraftstoffsystem sowie sehr teuren und wenig haltbaren Injektoren berichtet (so Injektoren reinigen). Diese Probleme betrafen jedoch frühere Motorversionen – im dritten Octavia kam von Anfang an die modernere EA288-Generation zum Einsatz.
Der Motor unseres gebrauchten Skoda Octavia 5E lief zwar nicht völlig problemlos, doch bemerkenswert ist, dass er bis heute nicht geöffnet werden musste – umso beachtlicher, wenn man bedenkt, der 1.6 TDI zu Problemen im Kühlsystem neigt. Schwachpunkt ist meist die Wasserpumpe (So viel kostet der Wechsel), die über eine aktive Rotorabdeckung verfügt. Damit soll sich der Motor schneller erwärmen. Das Problem: Diese Mechanik kann ausfallen, was zu einer Überhitzung des Motors führt. Zudem neigt die Pumpe gelegentlich zu Undichtigkeiten. Beim beschriebenen Fahrzeug wurde sie mehrfach ersetzt.
Auch der Zahnriemen (Intervalle und Kosten) zeigt sich nicht besonders langlebig, auch wenn ein Riss des Riemens äußerst selten ist. Das Servicezentrum des Herstellers empfahl zunächst einen Wechsel bei 180.000 km, später wurde das Intervall auf 150.000 km reduziert. Hier machte sich jedoch bereits bei 140.000 km ein deutliches Geräusch am Riemenspanner bemerkbar – ein Problem, das sich später wiederholte.
Von der AUTO ZEITUNG getestet und empfohlen:
Vorsicht beim Ölpumpenriemen
Früher stand bei den Dieselmotoren im VW-Konzern die Ölpumpensteuerung in der Kritik. Der Hersteller verzichtete auf eine Ölpumpen-Steuerkette und setzte stattdessen einen Zahnriemen ein, der im Ölbad läuft – die Unterschiede zwischen Zahnriemen und Steuerkette erklären wir hier. Ein offizielles Wechselintervall gibt es nicht und die Meinungen zur Haltbarkeit dieses Riemens gehen auseinander. Es ist zwar nur selten von aufgelösten Riemenfragmenten im Ölkreislauf zu hören, beim hier getesteten Skoda Octavia 5E wurde der Riemen jedoch vorsorglich bei jedem zweiten Zahnriemenwechsel mitgetauscht. Beim ersten Wechsel zeigte er keine Auflösungserscheinungen, war aber deutlich verhärtet.
Erwähnenswert: Der Ölwechsel wurde bei diesem Skoda Octavia seit Auslieferung doppelt so häufig wie vorgeschrieben durchgeführt – also alle 15.000 km, was als sinnvoller Richtwert gilt.
Turbolader, Injektoren & Getriebe erneuert
Im getesteten Fahrzeug wurden Turbolader und Injektoren (so reinigen) ersetzt – allerdings erst nach hohen Laufleistungen, was eher für deren Robustheit spricht.
Weniger gut schnitt das Getriebe ab. Bereits bei rund 150.000 km fielen unter bestimmten Bedingungen Geräusche auf. Bei 230.000 km verschärfte sich das Problem. Zunächst wollte der Flottenbetreuer ein gebrauchtes Getriebe kaufen, stellte dann aber fest, dass es sich um einen bekannten Schwachpunkt handelt. Die Entscheidung fiel daher auf eine Getriebeüberholung – leider kostspielig. Obwohl das Getriebe keinerlei Undichtigkeiten aufwies, wurde beim ersten Ölwechsel deutlich zu wenig Altöl abgelassen. Auch bei anderen baugleichen Octavia-Modellen im Fuhrpark wurde dies festgestellt. Es wird davon ausgegangen, dass der Hersteller schlichtweg gespart und von Werk aus zu wenig Öl eingefüllt hat.
Unsere Gebrauchtwagen-Ratgeber zu Konkurrenten:
Allgemeiner Zustand nach 500.000 km
Trotz der genannten Probleme fällt das Gesamturteil zur getesteten Skoda Octavia 5E sehr positiv aus. Beeindruckend ist insbesondere der Zustand des Innenraums und die Blechsubstanz – abgesehen von den erwähnten Lackabplatzungen oberhalb der Frontscheibe. Besonders überrascht das Fahrverhalten nach 500.000 km: Das Auto fährt straff, dynamisch und alles funktioniert wie vorgesehen. Angesichts dessen ist Vorsicht bei Gebrauchtwagen mit ähnlich hohem Kilometerstand ohne lückenlose Wartungshistorie geboten. Muss man sich vor solchen Fahrzeugen fürchten? Das hängt stark davon ab, welche Bauteile bereits ersetzt wurden und wie groß der Preisvorteil gegenüber Modellen mit geringerer Laufleistung ist. Der Kauf eines solchen Autos will gut überlegt sein – bei einem Weiterverkauf könnte es schwierig werden.
Wesentliche Wartungen in der Übersicht
14.900 km (03/2017): Erster Ölwechsel, Ersatz eines Parksensors im Rahmen der Garantie
88.000 km (05/2018): Kühlmittelverlust gemeldet, Probleme mit der Motortemperatur: Defekte Wasserpumpe im Rahmen der Garantie ausgetauscht
141.000 km (02/2019): Vorzeitiger Austausch des Zahnriemenantriebs (Spanner machte Geräusche), Öl- und Kraftstofffilterwechsel
201.000 km (11/2019): Klopfen und lauteres Motorgeräusch bei schneller Kurvenfahrt: Eines der inneren Gelenke war der Übeltäter
231.000 km (04/2020): Seit längerer Zeit war ein Heulen aus dem Getriebe zu hören. Es gab zwar keine Undichtigkeiten, dennoch fehlte im Getriebe über ein Drittel der vorgeschriebenen Ölmenge: Getriebeüberholung sowie Kupplung und Zweimassenschwungrad ersetzt
272.000 km (12/2020): Zweiter Wechsel des Zahnriemenantriebs, auch der im Ölbad laufende Riemen für die Ölpumpe wurde ersetzt (nicht stark rissig, aber deutlich verhärtet)
290.000 km (03/2021): Austausch eines Scheinwerfers (durch mechanischen Schaden gerissen und undicht)
311.000 km (06/2021): Probleme beim Starten, unruhiger Motorlauf: verschlissene Injektoren ersetzt
324.000 km (09/2021): Probleme mit dem Dieselpartikelfilter (trotz überwiegendem Fahren auf Langstrecken): Ursache waren durchgescheuerte Unterdruckleitungen, Filter ausgebaut und chemisch gereinigt
389.000 km (09/2022): Turbolader festgefressen (vorher durch Pfeifen angekündigt), durch generalüberholtes Exemplar ersetzt
411.000 km (02/2023): Während der Autobahnfahrt stieg die Motortemperatur an: Ursache war die Rotorabdeckung der Wasserpumpe (Pumpe ersetzt)
461.000 km (01/2024): Vierter Wechsel des Zahnriemenantriebs (erneut lauter Spanner) sowie zweiter Tausch des Ölpumpenriemens (leicht ausgefranst), außerdem wurden der Nebenriemen sowie die Dichtungen des Ventildeckels und der Hochdruckpumpe gewechselt
Gebrauchter Skoda Octavia: Allgemeiner Kaufratgeber
Innenraum & Verarbeitungsqualität
Geräumigkeit ist seit jeher ein Markenzeichen des Skoda Octavia. Auch in der dritten Generation (5E) gibt es im Fond nichts zu bemängeln – weder beim Platzangebot noch bei der Länge der Sitzfläche der Rückbank. Kritikpunkte sind die durchschnittlich gute Geräuschdämmung und das deutlich hörbare Arbeiten des Fahrwerks auf unebener Strecke. Enttäuschend ist zudem die Rückbanklehne: Nach dem Umklappen entsteht eine deutliche Stufe. Beeindruckend haltbar zeigen sich hingegen die Materialien im Innenraum – sowohl das Lenkrad, die Kunststoffe an beanspruchten Stellen als auch die Sitzpolster. Das bietet leider Spielraum für unseriöse Händler, daher aufpassen beim Gebrauchtwagen-Kauf!
Motor, Fahrleistungen & Verbrauch
Die älteren 1.6-TDI-Motoren aus der EA189-Reihe galten als problematisch, doch die in der dritten Octavia-Generation eingesetzten EA288 sind deutlich verbessert. Das gebrauchte Exemplar aus unserem Ratgeber bestätigt diesen Eindruck: Die mechanische Haltbarkeit war außerordentlich gut, das Laufverhalten hingegen nur durchschnittlich. Die ab Anfang 2017 angebotenen Varianten mit 115 PS (85 kW) haben eine angenehmere Leistungscharakteristik mit einem flacher verlaufenden Drehmomentplateau, das zudem früher anliegt. Wahrscheinlich würde das hier getestete Fahrzeug weniger verbrauchen, wenn es ein Sechsgang-Getriebe hätte. Der Ölverbrauch ist mittlerweile spürbar, aber noch völlig im Rahmen.
Einschätzung einer Fachwerkstatt
Der gebrauchte Skoda Octavia schnitt bei der Korrosionsvorsorge sehr gut ab. Rost (so vorbeugen) findet sich zwar an Fahrwerkskomponenten und am vorderen Hilfsrahmen, doch nichts, was Anlass zur Sorge gäbe. Die komplett originale Abgasanlage sieht weiterhin sehr gut aus. Trotzdem sind einige Auffälligkeiten vorhanden: Obwohl das Fahrzeug seit dem letzten Zahnriemenwechsel keine 50.000 km gefahren ist, ist ein leises Pfeifen des Riemenspanners zu hören. Auch das Getriebe meldet sich erneut – vor allem im vierten und fünften Gang.

Haltbarkeit der Komponenten & typische Mängel
Ein Auto mit einer derart hohen Laufleistung muss mit anderen Maßstäben bewertet werden. Der Verschleiß von Turbolader oder Injektoren ist bei über 300.000 km vollkommen normal. Problematisch hingegen zeigten sich die Wasserpumpen – ihre Konstruktion mit beweglicher Rotorabdeckung kann im Ernstfall größere Schäden verursachen. Auch die Spanner des Zahnriemens hielten nicht so lange wie vom Hersteller vorgesehen. Die Instandsetzung des Getriebes war teuer. Dröhnende Getriebelager gelten bei diesem Modell als häufiges Problem.
Von Rafał Andrzejewski für unser polnisches Schwestermagazin "Magazyn Auto"
Technische Daten des Skoda Octavia Combi 1.6 TDI
Skoda Octavia Combi 1.6 TDI | |
Technische Daten | |
Motor | 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel; 1598 cm³ |
Antrieb | 5-Gang; manuell; Vorderrad |
Leistung | 81 kW/110 PS bei 3250 U/min |
Max. Drehmoment | 250 Nm bei 1500 U/min |
Karosserie | |
Außenmaße (L/B/H) | 4659/1814 (2017)*/1465 mm |
Leergewicht (EU)/Zuladung | 1327/570 kg |
Kofferraumvolumen | 610-1740 l |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0-100 km/h) | 10,8 s |
Höchstgeschwindigkeit | 194 km/h |
Verbrauch auf 100 km (NEFZ) | 3,8 l D |
Kaufinformationen | |
Grundpreis (Marktstart) | 22.090 € |
Marktstart | 2013 |
Alle Daten Werksangaben; *Breite mit Außenspiegel |
Der Extremfall zeigt: Auch der 1.6 TDI kann sich als äußerst solide erweisen. Dennoch gilt: Das Bessere ist des Guten Feind. Die 2.0-TDI-CR-Motoren gelten ebenfalls als sehr haltbar, sind teilweise günstiger zu reparieren, verbrauchen kaum mehr und bieten deutlich bessere Fahrleistungen. Außerdem verfügen sie in der Regel über ein Sechsganggetriebe.