Horch & Audi: Die Historie der Automarke

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Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte
Historie: Horch

Das erfolgreichstes Modell des Herstellers: Horch 8 Typ 350

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Motor
Historie: Horch

Optisch ein Kunstwerk, akustisch zurückhaltend: Der leise Reihen-Achter des Horch 853

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Horch 853 Coupe Sitze
Historie: Horch

Gipfel der Eleganz: Ledersitze waren selbstverständlich, doch der Rennfahrer Bernd Rosemeyer ließ auch Türtafeln und Armaturenbrett mit Leder beziehen

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Horch 853 Coupe
Historie: Horch

Bernd Rosemeyers Horch 853 Coupé von 1937 verfügte über eine als Einzelanfertigung gebaute zweisitzige Karosserie, die in Fischsilber lackiert wurde. Dies ist eine originalgetreue Kopie

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Horch V12 Motor
Historie: Horch

Der sechs Liter große V12-Motor leistet 120 PS bei 3200/min. Er macht das 2300 Kilo schwere Cabrio bis zu 140 km/h schnell

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Horch V12
Historie: Horch

Merkmal des Horch V12 war die dreigeteilte Frontscheibe. Das Cabrio kostete zehnmal so viel wie ein kleiner Opel

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Bernd Rosemeyer
Historie: Horch

Ausnahmeerscheinungen: Bernd Rosemeyer und sein Horch

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte
AUGUST HORCH

(12.10.1868 bis 3.2.1951) arbeitete für Carl Benz, ehe er ab 1899 in Eigenregie tätig wurde. 1909 verließ er die Firma im Streit und rief 1910 eine neue Automarke ins Leben: Audi

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Frontmotor
1901: PIONIER-LEISTUNG

Horch fertigte etwa zehn Exemplare dieses Zweizylinder-Wagens mit Frontmotor und Kardan-Antrieb

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Rennen
1906: ERFOLG IM MOTORSPORT

Horch gewinnt sein erstes großes Rennen, die Herkomer-Fahrt. Am Steuer des Horch 18-22 PS sitzt Dr. Rudolf Stöss, A. Horch steht am Wagen

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Achtzylinder
1926: ERSTER ACHTZYLINDER

Horch bot ab 1926 als erste Firma in Deutschland einen Achtzylinder an. Gleichzeitig wurden alle Vierzylinder-Typen eingestellt

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Thomas Mann Horch 8 Typ 350 „Berline transformable“
1929: NOBLE KUNDSCHAFT

Der Schriftsteller Thomas Mann erhält den Literatur-Nobelpreis und er-wirbt einen Horch 8 Typ 350 als „Berline transformable“

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Nürburgring
1930: HERR DES „RINGS“

Landrat Dr. Creutz, Initiator des Nürburgrings, bevorzugt das gleiche Auto wie Thomas Mann, jedoch mit einem Aufbau als Limousine für Selbstfahrer

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Fließband-Fertigung
1926: PRODUKTION AUF SCHIENEN

Als einer der ersten Hersteller in Deutschland führt Horch eine Art Fließband-Fertigung ein

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Horch Typ 930S
STROMLINIE

1939 stellte Horch den Typ 930S vor. Mit 3,8-Liter-V8 und 92 PS sollte die 5,53 Meter lange Limousine 160 km/h erreichen. Zu einer Serienfertigung kam es nicht mehr

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Reihen-Achtzylinder
Historie: Horch

Der Reihen-Achtzylinder erforderte Präzision und viel Erfahrung in der Fertigung

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte V8
Historie: Horch

Der kompakte V8 war weniger anfällig für Spannungsrisse und trieb ab 1933 die Horch-Einstiegsmodelle an

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Paul Daimler
MOTOREN-PÄPSTE - Paul Daimler

Der Ruhm der Marke Horch gründete auf ihren Motoren: Der erste deutsche Reihen-Achtzylinder war eine Konstruktion von Paul Daimler (1869 bis 1945) , der von 1923 bis 1929 bei Horch tätig war.

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Fritz Fiedler
MOTOREN-PÄPSTE - Fritz Fiedler

Daimlers Nachfolger Fritz Fiedler (1899 bis 1972) kam von Stoewer zu Horch und schuf dort 1931 den monumentalen Sechsliter-V12 mit einer ausgeklügelten Ventilbetätigung. Nach dem Krieg konstruierte Fiedler dann den ersten BMW V8-Zylinder

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte O.F.W. Hadank
STILBERATER - O.F.W. HADANK

O.F.W. Hadank (1889 bis 1965) war Professor an der Akademie der Künste in Berlin und für sein Graphikdesign berühmt, als die Firma Horch ihn 1928 unter Vertrag nahm. Offiziell zeichnete Hadank für das Design des stark am LaSalle von 1927 orientierten Horch-Typs 350 verantwortlich. Doch es scheint erwiesen, dass die maßgeblichen Skizzen im Zeichenbüro unter Leitung von Hermann Ahrens entstanden. Hadank selbst entwarf die Kühlerfigur des geflügelten Pfeils, doch auch diese wurde schon 1930 durch eine geflügelte Weltkugel ersetzt

Horch Historie Geschichte Bilder Audi Autogeschichte Horch 350
Historie: Horch

Staatskarosse der Weimarer Republik: Horch 350. Im Hintergrund Präsident Hindenburg (2. v. l.)

Sachsens edelste Automarke war in den 20er- und 30er-Jahren Zentrum und Wiege der Achtzylinder-Kultur

Gottlieb Daimler und Carl Benz waren die Väter der Benzinkutsche. Doch erste Schritte auf dem Weg zum modernen Automobil unternahmen unabhängig voneinander Wilhelm Maybach und August Horch. Horch lernte Schmied, studierte an der Technikschule im sächsischen Mittweida und kam 1896 zu Carl Benz, dessen Firma mit dem Motorwägelchen „Velo“ schon dreistellige Produktionszahlen erreichte und als führende Automobilmanufaktur galt. „Papa“ Benz beförderte den 24 Jahre jüngeren Horch zum Betriebsleiter, lehnte jedoch dessen Ideen zur Verbesserung der Konstruktion ab.

So wagte Horch 1899 den Schritt in die Selbstständigkeit. Seine ersten Autos baute er 1901 in einer Werkstatt in Köln-Ehrenfeld, doch Finanzmangel trieb ihn 1902 wieder nach Sachsen, wo er Geldgeber für den Aufbau seiner Fabrik fand. 1904 zog er ein weiteres Mal um, von Reichenbach nach Zwickau. Horchs Fabrik wuchs zu einer Aktiengesellschaft heran. Horch war ein Tüftler und Erfinder. Er trennte konsequent Karosserie und Fahrgestell, setzte erstmals in Deutschland eine Kardanwelle zur Kraftübertragung ein und konstruierte eine primitive Form des Doppelkupplungsgetriebes, um die Gangschaltung zu erleichtern.

DER NAMENSGEBER VERLÄSST SEINE FIRMA UND GRÜNDET AUDI

Horch wollte das beste Automobil von allen bauen und dies in Rennen unter Beweis stellen. Bei der über 1600 Kilometer langen Herkomer-Wettfahrt 1906 gelang ein grandioser Sieg mit gewaltigem Reklameeffekt. Doch anstatt diesen auszunutzen und die Produktion auf höhere Stückzahlen und bessere Rentabilität auszulegen, konstruierte Horch einen völlig neuen Rennwagen, erstmals mit sechs Zylindern. Als der Aufsichtsrat ihn zur Rede stellte, blieb er stur. Horch verließ 1909 lieber die Firma, als seine Ideale aufzugeben. In direkter Nachbarschaft startete er 1910 ein neues Unternehmen: Es war die Geburtsstunde der Marke Audi.

Als August Horch 23 Jahre später erstmals wieder seine alte Firma besuchte, soll er geweint haben vor Rührung. Horch war inzwischen zur Luxusmarke Nummer Eins in Deutschland aufgestiegen, marktführend in der Klasse über vier Liter Hubraum. 1925, als der Einfuhrzoll auf ausländische Pkw gesenkt und die Rückständigkeit der deutschen Fabrikate offenkundig wurde, beschäftigte Horch 1500 Mitarbeiter, die maximal zehn Fahrzeuge pro Tag fertigstellten, wobei die meisten Horch-Fahrzeuge ihre Aufbauten bei externen Karosseriespezialisten wie Gläser, Lindner und Dietzsch erhielten.

Horch setzte nun alles auf eine Karte und hatte Glück: Die Produktion wurde rationalisiert, das Typenprogramm radikal vereinfacht und als neuer Standard in der deutschen Luxusklasse erstmals ein Achtzylinder angeboten: Der pikanterweise von Gottlieb Daimlers Sohn Paul entwickelte Horch 8 setzte fortan Maßstäbe und sorgte für Unruhe beim größten Rivalen Mercedes-Benz. Paul Daimler legte den Ventiltrieb des Reihen-Achtzylinders auf perfekte Laufruhe und höchsten Geräuschkomfort aus: Zwei obenliegende Nockenwellen wurden von einer Königswelle mit Spiralverzahnung angetrieben.

Ohne Stoßstangen und Schwinghebel wirkten sie direkt auf die parallel hängenden Ventile. Zu den weiteren technischen Besonderheiten gehörten die Unterdruck-Vierradbremsen vom Prinzip Bosch-Dewandre und ein per Thermostat gesteuertes Kühlsystem. Der glattflächig gestaltete Motor war eine Skulptur für sich, und ab 1929 kam dieser ästhetische Anspruch auch in den „Gesichtszügen“ des Horch 8 zum Ausdruck. Horch hatte den Graphikspezialisten Professor O.F.W. Hadank von der Akademie der Künste verpflichtet. Unter dessen Mitwirkung entstanden die markante Kühlerfigur des geflügelten Pfeils sowie eine Serie neuer ab Werk lieferbarer Karosserien, die mit ihrer distinguierten Eleganz genau den Geschmack der oberen Zehntausend trafen.

Der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann ließ sich ebenso im Horch chauffieren wie Reichspräsident Paul von Hindenburg. Die wenigsten Zeitgenossen dürften dabei bemerkt haben, dass der Horch 8 dem amerikanischen LaSalle von 1927 wie aus dem Gesicht geschnitten war. LaSalle war eine neue, direkt unter Cadillac angesiedelte Marke des GM-Konzerns, und ihr Design stammte von einem jungen Mann namens Harley Earl, der später zum wichtigsten amerikanischen Autodesigner des 20. Jahrhunderts werden sollte.

Horchs Star-Designer hieß Hermann Ahrens; er wechselte 1932 zu Mercedes-Benz, wo ihm weitere Traumautos wie der 540K Roadster gelangen. Ehe Horch die verdienten Früchte seiner Arbeit ernten konnte, brach die Wirtschaftskrise mit voller Wucht über die Weimarer Republik herein, zwang die komplette deutsche Industrie in die Knie und rund zwei Drittel aller Autohersteller zur Aufgabe. Horch vereinfachte den Achtzylinder durch den Entfall einer Nockenwelle und trat parallel dazu noch einmal die Flucht nach oben an: Unter dem neuen Chefkonstrukteur Fritz Fiedler kam 1931 ein V12-Zylinder auf den Markt.

Auch dieser Motor war eine beachtliche Konstruktion: Die zwischen den Zylinderbänken rotierende Nockenwelle steuerte über vertikale Kipphebel die liegenden Ventile. Doch der Horch 12 war kein Erfolg. Nur 81 Exemplare wurden gebaut. Im Vergleich dazu entstanden zwischen 1926 und 1935 etwa 12.000 Horch 8. Es sollten insgesamt 30.000 Autos werden, nachdem Horch wie auch Audi unter Bankenregie in der Auto Union Zuflucht gefunden hatten.

Fiedler stutzte den V12 zu einem kompakten V8. Dieser Motor wurde in diversen Hubraumgrößen produziert und trieb 1939 auch eine neue Limousine an, deren Stromlinienform in die Zukunft wies. Doch der Krieg verhinderte einen Erfolg des 930S. Die Zivilproduktion endete 1940, danach baute Horch nur noch Fahrzeuge für die Wehrmacht. Beiderseits der innerdeutschen Grenze scheiterten Versuche, Horch nach dem Krieg wiederzubeleben. Nur August Horch selbst kam noch einmal zu Ehren: 1949 wurde er in den Aufsichtsrat der neuen Auto Union berufen. 

Karsten Rehmann