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Assistenzsysteme: Unser Pro & Contra im Kommentar

Tim Neumann Redakteur
Jürgen Voigt Geschäftsführender Redakteur Test & Technik

Assistenzsysteme haben das Autofahren stärker als alle anderen technischen Neuerungen verändert. Doch was der eine als brillanten Fortschritt erkennt, empfindet der andere als Bevormundung durch übergriffige Technik. Ein Streitgespräch zwischen unseren Redakteuren Jürgen Voigt und Tim Neumann!

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Assistenzsysteme: Das Pro & Contra von Jürgen Voigt (links) und Tim Neumann.
Ein Streitgespräch zwischen unseren Redakteuren Jürgen Voigt und Tim Neumann über Sinn und Unsinn von Assistenzsystemen. Foto: AUTO ZEITUNG
 

Jürgen Voigt: "Der Mensch hinterm Lenkrad macht Fehler, Assistenzsysteme bügeln sie aus"

"Seit über 30 Jahren fahre ich meist einmal im Jahr quer durch Frankreich (hier alles zur Maut nachlesen) – gut 1000 km quasi von rechts oben bis nach links unten. Das erste Mal war das Vehikel ein Toyota Starlet 1.3 S aus dem Jahr 1986 und zuletzt ein Mercedes GLC 300 d 4Matic aus der aktuellen Daimler-Kollektion. Mit diesen mehr oder weniger regelmäßigen Reisen im Rückspiegel ergibt sich ein kontinuierlicher Überblick über den Automobil-Entwicklungsprozess über die Jahre – und nein, ich wünsche mir den seligen Toyota nicht zurück. Ohne Frage war er damals ein treuer und zuverlässiger Begleiter, aus heutiger Sicht aber ist er schlicht ein Sicherheitsrisiko. Dazu kommen massive Mängel im Komfort, denn die gewohnte Frankreichtour, die immer noch gut zehn Stunden in Anspruch nimmt, verläuft heute viel entspannter.

Nicht nur ich, sondern auch das Auto kennt den Weg, findet aber im Gegensatz zu mir von selbst eine Route am nächsten Stau (hier gehts zum aktuellen Staumelder) vorbei. Abgesehen davon wird es mit seiner stets wachsamen Sensorik nicht müde, merkt aber, wenn ich es werde. Die Person am Steuer an sich neigt dazu, sich für unfehlbar zu halten, doch das sind wir nicht. Nun will ich nicht behaupten, dass das Auto mit seiner antrainierten Intelligenz den Status der Unfehlbarkeit erreicht hat – was sich auch im Testalltag betätigt –, doch es kann mit seinen autonom reagierenden Assistenzsystem unsere Fehler ausbügeln und uns in die Spur bringen, wenn wir mal wieder abgelenkt waren.

Und die Systeme lernen schnell hinzu: Sie vollziehen die automatische Längs- und Querführung sanft und ohne Hektik und erkennen Zeichen sowie Markierungen immer zuverlässiger – anders als noch vor einigen Jahren der BMW 5er, der im automatisierten Fahrmodus auf der Frankreich-Autobahn zielstrebig fast jede Rastplatz-Ausfahrt ansteuerte. Auch mich nerven solche Fehlfunktionen, ebenso das penetrante Piepsen sich immer wieder selbstständig aktivierender Tempolimitwarner. Das ist zum Teil allerdings das Werk regulierungswütiger Gesetzgeber (diese Assistenzsysteme sind aktuelle Pflicht) und ändert nichts daran, dass uns Assistenzsysteme immer sicherer und komfortabler ans Ziel geleiten."
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Von der AUTO ZEITUNG getestet und empfohlen:

 

Tim Neumann: "Assistenzsysteme machen Autos viel zu teuer"

"Assistenzsysteme sollen das Fahren doch eigentlich erleichtern. Aber tun sie das auch wirklich? Vor 30 Jahren ließ sich die Frage ganz klar mit "Ja" beantworten. Erfindungen wie ABS, ESP oder der Tempomat (so nachrüsten) machten das Leben mit dem Auto erheblich sicherer sowie komfortabler – und das tun sie bis heute enorm erfolgreich. Sprich: Man kann sich diese Systeme längst nicht mehr aus dem Auto wegdenken.

Aber was ist mit den aktiven Spurhalteassistenten oder Aufmerksamkeitswarnern dieser Welt? In ihrer aktuell weit von der Fehlerfreiheit entfernten Form – mit nervtötendem Gepiepe, übermotiviertem Eingreifen und endlos hagelnden Warnungen auf den Bildschirmen – haben sie meiner Meinung nach nichts im Auto verloren. Sie fühlen sich an wie ein permanent gespannter Fallschirm, gegen den man dauerhaft anrennen muss. Klar, ausschalten kann man die Nervtöter in der Regel. Aber nicht selten sind sie tief in verschachtelten Menüs versteckt, und allzu häufig
setzen sich alle persönlichen Einstellungen beim Neustart des Motors wieder zurück. Benutzerfreundlichkeit geht anders. 

Überhaupt frage ich mich: Nimmt mich das Auto als Fahrer noch ernst? Oder wartet es nur noch darauf, dass der Gesetzgeber eine Allzwecklösung für die rechtlichen Fragen bezüglich des autonomen Fahrens durchboxt und endlich selbst ans Steuer darf? Zwischen den Nullen und Einsen der hochkomplexen Technik lese ich, dass ich als Mensch ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstelle und optimalerweise zum ewigen Fahrgast verdammt werden sollte.

Der Trend zum Gefahren-Werden spiegelt sich auch darin, dass gerade die Autos in preissensiblen Segmenten aussterben respektive immer teurer werden. So zwingt man weniger betuchte Menschen fast schon, auf öffentliche Verkehrsmittel umzuschwenken. Für diese Verteuerung des Automobils sind übrigens nicht nur verschärfte Abgasnormen, sondern vor allem auch die stetig wachsenden Mengen an vorgeschriebenen Assistenzsystemen verantwortlich. Autos, die so sicher sind, dass man sie sich nicht mehr leisten kann? Brauchen wir nicht!"

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