Triumph 2.5 PI Estate Car: Fahrbericht

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Triumph 2.5 PI Estate Car Fahrbericht Bilder technische Daten
Fahrbericht: Triumph 2.5 PI Estate Car

Ein einzigartiges Exemplar des Triumph 2.5 PI

Triumph 2.5 PI Estate Car Fahrbericht Bilder technische Daten Heck
Fahrbericht: Triumph 2.5 PI Estate Car

Von hinten sind Mk 1 und Mk 2 zum Verwechseln ähnlich, obwohl der Mk 2 eine breitere Spur hat

Triumph 2.5 PI Estate Car Fahrbericht Bilder technische Daten Design
Fahrbericht: Triumph 2.5 PI Estate Car

Das von Giovanni Michelotti entworfene Design ist elegant und lässt selbst die Kombiversion sportlich wirken

Triumph 2.5 PI Estate Car Fahrbericht Bilder technische Daten Cockpit
Drei Liter Kombi

Ungewöhnlich für die Zeit: Das lederummantelte Dreispeichen-Lenkrad ist höheneinstellbar

Triumph 2.5 PI Estate Car Fahrbericht Bilder technische Daten Motor
Fahrbericht: Triumph 2.5 PI Estate Car

Kraftvoller Sound und 145 V8-PS. Die Bremskraft des Motors beim Gaswegnehmen ist enorm

Triumph 2.5 PI Estate Car Fahrbericht Bilder technische Daten Scheinwerfer
Fahrbericht: Triumph 2.5 PI Estate Car

Doppelscheinwerfer im Kühlergrill

Triumph 2.5 PI Estate Car Fahrbericht Bilder technische Daten Typenbezeichnung
Fahrbericht: Triumph 2.5 PI Estate Car

Diese Typbezeichnung führt in die Irre: Der 2.5 PI von Mike Weaver hat einen Dreiliter-Motor

Triumph 2.5 PI Estate Car Fahrbericht Bilder technische Daten
Fahrbericht: Triumph 2.5 PI Estate Car

Bevor die Dreigang-Automatik eingebaut wurde, besaß der Triumph ein Viergang-Schaltgetriebe

Harry Ferguson Triumph 2.5 PI Estate Car Fahrbericht Bilder technische Daten
Harry Ferguson - ALLRAD MADE IN GREAT BRITAIN

Die zwei Männer hinter der Idee des Allradantriebs für Großserien-Pkw waren Rennfahrer Freddie Dixon und Major Tony Rolt. 1945 bauten die beiden in der Grafschaft Surrey im Süden Englands einen Prototypen namens Crab (dt. Krabbe). Dabei handelte es sich um ein Chassis mit Riley-Motor, Allradantrieb und Allradlenkung. Die Arbeiten von Dixon und Rolt kamen dem Traktorfabrikanten Harry Ferguson zu Ohr. Dieser hatte zwar gerade eine juristische Auseinandersetzung mit Henry Ford gewonnen, aber dennoch die Lust am Traktorengeschäft verloren. 1950 gründete er die Firma Harry Ferguson Research, die Allradantriebe als Sicherheitsausstattung für Serienautos entwickeln sollte. Rolt wurde technischer Direktor. Das Projekt erwies sich zunächst als kostspieliges Abenteuer ohne Ergebnis. 1960 starb Ferguson, doch die Arbeit ging weiter mit einem 4WD Formel-1-Renner, den man verschiedenen Herstellern präsentierte, darunter auch Ford in den USA. Es kam zu einem Vertrag über die Lieferung von Allrad- und ABS-Komponenten an den Autobauer Jensen für den bestehenden Jensen FF – 15 Jahre bevor Audi den Quattro entwickelte. In der Folge gründete Rolt die Firma Ferguson Formula Developments in der Straße Siskin Drive in Coventry. Er ließ eine neue Viscokupplung entwickeln, die das alte Monolock-System ersetzte. Die neue Technik verwendete eine Silikonflüssigkeit, erkannte Schlupf an den Rädern und konnte wieder Grip herstellen – ein Durchbruch auf dem Allradsektor. Auch das mechanische ABS wurde weiterentwickelt, indem man elektronische Sensoren einsetzte, die das Blockieren der Räder erkennen konnten und dann den Pedaldruck lösten. 1968 kaufte die Firma GKN, heute ein führender Zulieferer für Antriebssysteme, die Patente an Rolts Viscokupplung. Die Technik wurde in den USA unter Lizenz gebaut, die Rennabteilungen von Ford, Peugeot und Lancia verbauten sie in ihren Rallyeautos. FFD selbst stellte sein Knowhow für den Bau des Jaguar Prototypen XJ220 zur Verfügung. 1986 kaufte Chrysler 49 Prozent der Firma und half, ein Automatik-Getriebe für den Ferrari 456 zu entwickeln. 1994 ging FFD in den Besitz der Firma Ricardo über. Tony Rolt blieb bis 1996 Geschäftsführer, er starb 2008

Vom Triumph 2.5 PI sind noch erfreulich viele Exemplare auf Englands Straßen unterwegs. Dieser hier dürfte allerdings ziemlich einzigartig sein. Fahrbericht

Jedes Ende ist der Anfang von etwas Neuem. Für die britische Mittelklasse-Limousine Standard Vanguard gilt dies gleich in doppelter Hinsicht. Denn das Ende des letzten Vanguard, ein etwas pummeliges Sechszylinderschiff der Nachkriegsjahre mit reich verziertem Flügelwappen im Kühlergrill, markierte im Jahre 1963 zugleich auch das Verschwinden der Standard Motor Company. Alle Personenwagen dieser alten englischen Marke aus der Leyland-Gruppe trugen fortan den Namen der Standard-Tochter Triumph. Und so präsentierte man auf dem Londoner Automobilsalon im Oktober 1963 eine große Neuheit namens Triumph 2000 als Nachfolger des Vanguard Six. Standard war nach 60 Jahren Geschichte.

Weiterleben durfte nur der 1961 eingeführte Reihensechser mit zwei Liter Hubraum. Im Triumph kam er in den Genuss eines überarbeiteten Zylinderkopfes und leistete mit zwei Horizontaldoppelvergasern 91 statt 86 DIN-PS. Das sauber gezeichnete Blechkleid stammte vom italienischen Designer Giovanni Michelotti. Fünf Jahre später, 1968, zündete Triumph die nächste Stufe seiner oberen Mittelklasse. Auf der großen Autoschau von Paris stellte man der Öffentlichkeit den 2.5 PI vor – eine Limousine auf Basis des Triumph 2000, allerdings mit raffi nierterem Kühlergrill. Und vor allem mit einem deutlich dynamischeren Antrieb: dem 2,5-Liter-Sechszylinder aus dem Sportwagen TR 5.

Triumph 2.5 PI: DAS SATTE GRUMMELN PASST NICHT RECHT

Bei dem Aggregat handelte es sich um eine tiefgreifend weiterentwickelte Form des Sechsers aus dem betagten Standard Vanguard. Bei gleichbleibender Bohrung von 74,7 mm hatte man den Hub von 76 auf 95 mm erhöht. Die Vergaser waren rausgeflogen, dafür gelangte der Sprit nun über eine moderne Lucas-Einspritzanlage in die Ansaugrohre in der Nähe der Einlassventile. Trotz einer Leistungsdrosselung von 152 PS im TR 5 auf 134 PS war der 2.5 PI – die Abkürzung steht für Petrol Injection – dem Triumph 2000 weit überlegen. Der Wagen lief 175 km/h und ließ seinen schwächeren Bruder mit 160 km/h klar hinter sich.

So einen 2.5 PI besitzt der Brite Mike Weaver. Das heißt, ein Fahrzeug, das auf den ersten Blick genauso aussieht wie ein 2.5 PI. In Wirklichkeit handelt es sich um ein ganz spezielles Exemplar. Eines, das es mit ziemlicher Sicherheit so kein zweites Mal geben dürfte. Denn Mike Weaver ist Triumph-Enthusiast mit Hang zum Besonderen. Das erkennt man zunächst daran, dass sein 2.5er keine Limousine ist, sondern ein Estate Car, also ein Kombi. Dreht man dann den Zündschlüssel um, nimmt man verwundert ein überaus sattes Grummeln zur Kenntnis, das nicht recht zu einem Sechszylinder passen will. Ein Blick unter die Motorhaube offenbart dann des Rätsels Lösung: In Weavers Fahrzeug steckt mitnichten der eingangs beschriebene Sechszylinder Einspritzer, sondern ein Dreiliter-V8 mit zwei Stromberg-Zenith-Schrägstromvergasern. Wie dieser dort hineingekommen ist, weiß der heutige Besitzer selbst nicht. Aber Fakt ist: Der Motor passt wie angegossen.

Da auf den Ventildeckeln der Schriftzug Triumph prangt, ist die Frage, um welchen Motor genau es sich handelt, schnell beantwortet. Einer der Vorbesitzer hat, vermutlich in dem Bestreben, noch mehr Leistung abrufen zu können, den 145-PS-Achtzylinder aus dem 1970 lancierten Oberklassesportler Stag eingepflanzt. Dieser Dreiliter-V8 war entstanden aus der Kombination zweier 1,7-Liter-Vierzylindermotoren, wie sie bei British Leyland für den Saab 99 gebaut wurden. Man  kann sich vorstellen, mit welch heimlicher Freude der Besitzer fortan durch die Lande fuhr: Mit der Modellbezeichnung 2500 MK 2 weiterhin  am Heck, lockte  er vermutlich ahnungslose Herrenfahrer an, um sie dann mit einem  kräftigen Tritt aufs Gaspedal gewaltig zu verblüffen und ihnen bis 184 km/h auf den Fersen zu bleiben. Doch mit der extrovertierten Motorisierung ist die Liste der Besonderheiten an Mike Weavers Kombi noch längst nicht am Ende.

Denn sein Auto ist nicht nur geradeaus schneller als man denkt. Es verblüfft vor allem in Kurven mit einer sensationellen Traktion. Die Einzelradaufhängung rundum mit senkrechten Führungsrohren, Querlenkern plus Schrägstreben vorn und Dreiecklängslenkern hinten kann dafür nichtder Grund sein. Die Erklärung: Mike Weavers Oldtimer verfügt über Allradantrieb. Dazu muss man wissen, dass in den 70ern eine Firma namens Ferguson Formula Development (FFD) recht erfolgreich mit Allradantrieben experimentierte (siehe Galerie Bild 9). Als sich der Vorbesitzer nun also entschieden hatte, den V8 aus dem Stag einbauen zu lassen, müssen ihm Zweifel an der Fahrbarkeit seines Autos gekommen sein. Deshalb orderte er bei Ferguson eine Four-Wheel-Drive-Einheit mit mechanischem Antiblockiersystem. 

Letzteres stellte ebenfalls eine Entwicklung der FFD-Experten dar. Über eine Dreigang-Automatik von Borg-Warner gelangt die Motorkraft im Verhältnis 33 zu 66 an Vorder- und Hinterachse. Selbst in nassen Kurven muss man folglich wie ein Hooligan fahren, um diesen Triumph ansatzweise aus der Ruhe zu bringen. Und wenn das Tempo doch zu hoch ist, genügt es meist völlig, einfach den Fuß vom Gas zu nehmen. Dann verzögert der Antriebsstrang mit seinem enormen Bremsmoment, untermalt von jaulenden Antriebswellen, Differenzialen und Getriebegeräuschen. Insgesamt ein ebenso unerwartetes wie spezielles Fahrvergnügen.

Triumph 2.5 PI Estate Car: Technische Daten und Fakten

Antrieb
V8-Zyl.; Hubraum: 2996 cm3; Leistung: 107 kW/145 PS bei 5500/min; max. Drehm.: 230 Nm bei 3500/min; Dreigang-Automatik; Allradantrieb1
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit fünf Türen; Radauf-hängung: rundum Querlenker, Schraubenfedern, Teleskopdämpfer; Bremsen: v./h. Scheiben/Trommeln; Reifen: v./h. 175 SR 13
Eckdaten
L/B/H: 4500/1650/1420 mm; Radstand: 2690 mm; Leergewicht: 1220 kg; Bauzeit: 1969 bis 1977; Stückz.: 49.742 (Limousine und Kombi); Preis (1972): 19.850 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 9,3 s; Höchstgeschwindigkeit: 184 km/h; Verbrauch: ca. 12,5 l/100km
1Angaben für Fahrzeug mit Motor des Triumph Stag in Verb. mit FFD-Allradantrieb, abweichend vom Serienmodell Triumph 2.5 PI mit R6-Zyl. und Hinterradantrieb

MARKTLAGE

Zustand 21:   7500 Euro
Zustand 3:    4500 Euro
Zustand 4:    1500 Euro
Wertentwicklung: leicht steigend
1Angaben beziehen sich auf Serienmodell 2.5 PI mit 2,5-Liter-Sechszylinder und 132 PS
Definition der Zustandsnoten




Gerrit Reichel