Porsche 911 GT1: Classic Cars

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Porsche 911 GT1 (1997)
Porsche 911 GT 1 (1997) Foto: Angelika Emmerling

911 GT1: Was man so alles rund um die 911-Idee anstellen kann. Der Supersport-Held der 90er bezieht sich immer irgendwie auf den Elfer. 

Porsche 911 GT1 (1997)
Porsche 911 GT 1 (1997) Foto: Angelika Emmerling

Schatten im Rückspiegel: Mit dem 911 GT1 definiert in den 90ern ein reinrassiger GT1-Rennwagen das bei Porsche Machbare. Es ist und bleibt eine absolute Seltenheit.

Porsche 911 GT 1 (1997)
Porsche 911 GT 1 (1997) Foto: Daniela Loof

Und wieder: schmuckloses Porsche-Cockpit ohne Design-Schlacke. Stattdessen Rennsport-Ambiente – und ein Radio als Luxus-Feigenblatt.

Porsche 911 GT 1 (1997)
Porsche 911 GT 1 (1997) Foto: Daniela Loof

Ob der GT1 als so ein Phantom überhaupt den Titel "schnellster Serien-Porsche der Neunziger" führen darf oder dieses Prädikat dem anfänglich 430 PS (316 kW) starken und 295 km/h schnellen 993 GT2 von 1996 überlassen muss, darüber kann gestritten werden.

Porsche 911 GT 1 (1997)
Porsche 911 GT 1 (1997) Foto: Daniela Loof

Katzbuckliger Einstieg über armdicke Käfigrohre, tiefe Sitzschalen mit Lederbezug. Seine Rennwagen-Gene versteckt der GT1 nur mühsam.

Porsche 911 GT 1 (1997)
Porsche 911 GT 1 (1997) Foto: AUTO ZEITUNG

Ab dem Cockpit ist der GT1 purer Rennsport. Mittelmotor, Federbeine mit Pushrod-Anlenkung.

Porsche 911 GT 1 (1997)
Porsche 911 GT 1 (1997) Foto: Daniela Loof

Nur die feisten Versteifungsrohre, die vom Hinterwagen bis in die Fußräume führen, lassen anklingen, dass hier etwas nicht ganz normal ist.

Die Straßenversion des Porsche 911 GT1 gehört sicher zu den seltensten und begehrtesten Classic Cars der Welt. Der Übersportler mit Rennwagen-Vergangenheit wird für Preise von deutlich über fünf Millionen Euro gehandelt. 

Willkommen in der Welt des kreativen Wildwuchses, des An-die-Grenze-Gehens, des herrlichen Experimentierens. Willkommen in der Grauzone zwischen Rennsport und Supercar-Glamour. Die Geschichte des 911 GT1 ist nicht leicht zu erzählen. Sie hat keine klaren Grenzen, keine sauber abgesteckten Regeln – dabei beginnt sie mit genau dem: Regelwerk der FIA GT1-Klasse. Um etwa in Le Mans rennen zu können oder bei den Läufen der FIA GT-WM, muss Porsche Mitte der 1990er einen Rennwagen zu Homologationszwecken in einer straßenzugelassenen 25-Exemplare-Kleinserie bauen. Soweit die Theorie rund um ein Phänomen namens 911 GT1. In der Realität gibt es zwischen 1996 und 1998 drei Varianten des GT1, die sich teilweise drastisch unterscheiden.

Kein einziger wird 25 Mal gebaut, die FIA drückt für Porsche ein Auge zu und akzeptiert zwei Exemplare des 96er GT1, 21 Modelle des Evo-Modells von 1997 und nur ein straßenzugelassenes Modell des GT1 von 1998 als Homologationsgrundlage – quasi als freundliche Absichtsbekundung. Ob der GT1 als so ein Phantom überhaupt den Titel "schnellster Serien-Porsche der Neunziger" führen darf oder dieses Prädikat dem anfänglich 430 PS (316 kW) starken und 295 km/h schnellen 993 GT2 von 1996 überlassen muss, darüber kann gestritten werden. Wir machen es wie die FIA: drücken ein Auge zu und lassen den GT1 an die Startlinie rollen. Dass es sich bei unserem silbernen 97er gar um ein Vorserienmodell handelt, einen frühen Arbeitsstand, macht die Sache umso spannender. Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

Mark Webber & der 911 GT1 im Video:

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Classic Cars: Porsche 911 GT1 Straßenversion

Hier wird die ganze Verwegenheit des Entwurfs deutlich: Porsche 993-Vorderwagen mit hinterem Gitterrohrrahmen, in dem ein rennerprobter Gruppe C-Biturbo-Sechszylinder unterkommt – vor Getriebe und Pushrod-gefederte Querlenker-Hinterachse geschoben den GT1 aber zum Mittelmotor-Konzept umdefiniert. Dazu vorweggenommene Scheinwerfer und Heckleuchten des ab 1997 kommenden 996. Eine Chimäre also, die einen ungläubig staunend nur auf den einen Moment hinfiebern lässt: fahren! Nur die feisten Versteifungsrohre, die vom Hinterwagen bis in die Fußräume führen, lassen anklingen, dass hier etwas nicht ganz normal ist. Und vielleicht die Waden-schindenden Gegenkräfte im Kupplungspedal.

Ansonsten könnte das ein 911 mit knochentrockenem Motorsound sein, der ziemlich streng marschiert. Und mit seinem infernalischen Getriebeheulen alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die er auch benötigt. Denn das Handling ist Rennwagen pur: Verwegen agil in niedrigen Geschwindigkeitsbereichen, dazu ein hart zubeißender Turbomotor – hier müssen blitzschnelle Reflexe am Steuer sitzen. Dann blendet sich zunehmend der aerodynamische Abtrieb ein: Jetzt beginnt das Antizipieren, das Fahren mit großem Herz an einer entsetzlich schnellen Ideallinie entlang. Wie ein Teufel kreischt der GT1 dahin, mutiert zum erbarmungslosen Werkzeug, überlebensgroß und die Messlatte auf ein Niveau schiebend, das gewöhnliche Sportwagen zu verwöhntem Spielzeug degradiert. Rendezvous mit einer Höllenmaschine. Herrlich! 

Technische Daten des Porsche 911 GT1

 Porsche 911 GT1 (1997)
Zylinder/Ventile pro Zylin.6-Zylinder-Boxer, 4-Ventiler, Biturbo
Hubraum3164 ccm
Leistung544 PS
Max. Gesamtdrehmoment600 Newtonmeter
Getriebe/Antrieb6-Gang manuell/Hinterradantrieb
Beschleunigung 
0 - 100 km/h3,7 s
Höchstgeschwindigkeit310 km/h
Leergewicht (Werk)rund 1000 Kilogramm
Preis (1996)1.550.000 Euro