Auto-Geschichten: Bristol Cars

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Bristol Cars 403 Stand
Bristol Cars


Viele Modelle der Bristol Cars Ltd. konservieren das typische englische Auto
Foto: Corbis

Bristol Cars Blenheim
Bristol Cars


Angefangen hatte es im Flugzeugbau. Hier der Blenheim: Ein leichter Bomber mit zwei je 920 PS starken Bristol-Mercury-Sternmotoren
Foto: Corbis

Bristol Cars Tony Crook George Abel
Bristol Cars


Flieger, Rennfahrer, Eigenbrötler: Tony Crook (l.) prägte die Marke

Bristol Cars 400
Bristol Cars


Bedingt durch das Kriegsende schwanden die Aufträge - wie viele Flugzeughersteller wechselte auch Bristol in die Automobilproduktion. Das erste Serienmodell, der Type 400, war allerdings ein Nachbau des BMW 327

Bristol Cars 401
Bristol Cars


Schon zwei Jahre später folgte der überarbeitete Typ 401

Bristol Cars 407 403
Bristol Cars


Type 407 (links) und Type 403

Bristol Cars 405
Bristol Cars


1953 - Type 405: erstes und bis heute einziges viertüriges Modell der Marke
Foto: Bristol Owners Club

Bristol Cars Series 603 S2 Front
Bristol Cars


1978 - Series 603 S2: sportliches Luxuscoupé mit 200 PS starkem 5,9-Liter-V8 von Chrysler
Foto: Bristol Owners Club

Bristol Cars Series 603 S2
Bristol Cars


Die Höchstgeschwindigkeit des Series 603 S2 lag bei 225 km/h
Foto: Bristol Owners Club

Bristol Cars Blenheim
Bristol Cars


Fahrzeuge wie der Blenheim ...
Foto: Corbis

Bristol Cars Fighter
Bristol Cars


... oder das aktuelle Topmodell Fighter kosten zwischen 205.000 und 423.000 Euro
Foto: Corbis

Bristol CarsFighter V10 Super Car
Bristol Cars


Der Flügeltürer wird von einem V10-Zylinder der Dodge Viper angetrieben. Leistung: 525 PS
Foto: Corbis

Bristol Cars Showroom
Bristol Cars


1952 - Showroom in London: feine Automobile für betuchte Kunden

Bristol Cars Silverton
Bristol Cars


Gruppenbild mit Chef (Toby Silverton, rechts): Mechaniker feiern in der Werkshalle im Stadtteil Filton die Fertigstellung eines Fighter

History Bristol Cars 400 Seite
Bristol Cars - Firmengeschichte


1946 - 1950: Type 400 Sports Saloon - 85 PS starker Zweiliter-Sechszylinder
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 400 Produktion
Bristol Cars - Firmengeschichte


1946 - 1950: Type 400
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 401
Bristol Cars - Firmengeschichte


1948 - 1953: Type 401 - Eine überarbeitete Version des Type 400 - gleiche Motorleistung, aerodynamischer Entwurf aus Mailand
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 402 Front
Bristol Cars - Firmengeschichte


1949 - 1950: Type 402
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 403
Bristol Cars - Firmengeschichte


1953-1955: Type 403
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 404 Front
Bristol Cars - Firmengeschichte


1953-1955: Type 404
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 450 Seite
Bristol Cars - Firmengeschichte


1953-1955: Type 450 - Einstieg in den Motorsport
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 450 Front
Bristol Cars - Firmengeschichte


Mit dem 450 konnte Bristol 1954 und 1955 zwei Klassensiege in Le Mans einfahren
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars Arnolt
Bristol Cars - Firmengeschichte


1954-1958: Arnolt Bristol Sportscar - Erfolgreiche Ableitung vom 404
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 405
Bristol Cars - Firmengeschichte


1954-1958: Type 405 - Die meisten Bristol-Modelle stammen aus den 50er und 60er Jahren
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 406 Front
Bristol Cars - Firmengeschichte


1958-1961: Type 406
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 407
Bristol Cars - Firmengeschichte


1961-1963: Type 407Viele - Modelle sind selbst für Experten schwer zu unterscheiden
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 408 Front
Bristol Cars - Firmengeschichte


1963-1965: Type 408
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 409 Front
Bristol Cars - Firmengeschichte


1965-1967: Type 409
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 410 Front
Bristol Cars - Firmengeschichte


1967-1969: Type 410
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 411
Bristol Cars - Firmengeschichte


1969-1976: Type 411
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars Type 412 S2
Bristol Cars - Firmengeschichte


1975-1993: Type 412
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars Beaufighter
Bristol Cars - Firmengeschichte


1975-1993: Beaufighter
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars 603
Bristol Cars - Firmengeschichte


1976-1982: Type 603
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars Brigand Front
Bristol Cars - Firmengeschichte


1982-1993: Britannia and Brigand
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars Blenheim
Bristol Cars - Firmengeschichte


Bereits seit 1993 baut Bristol Cars den Blenheim
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars Series 6 Front
Bristol Cars - Firmengeschichte


Seit 2000 rüstet Bristol Cars seine älteren Modelle mit moderner Technik auf. Dabei behalten die Fahrzeuge das Chassis, erhalten jedoch den Namen Series 6
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars Speedster
Bristol Cars - Firmengeschichte


Der Bristol Speedster...
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars Roadster
Bristol Cars - Firmengeschichte


... und der Bristol Roadster gehören seit 2003 zur Modellpalette
Foto: Bristol Owners Club

History Bristol Cars Fighter Front
Bristol Cars - Firmengeschichte


Derzeitiges Topmodell ist der Fighter, der seit 2004 produziert wird
Foto: Bristol Owners Club

Seit fast 65 Jahren werden in England still und heimlich Bristol-Automobile gebaut. Porträt einer so gut wie unbekannten Marke

Es gibt große Autohersteller, wie etwa Ford, und kleine, wie beispielsweise Saab. Es gibt exklusive – man denke an Bentley –, und es gibt Bristol. Die Bristol Car Limited und ihre Erzeugnisse sind speziell. Sehr speziell sogar. Ohne Zweifel hätte eher die große Margaret Rutherford alias „Miss Marple“ ein passables Bond-Girl abgegeben, als dass ein Bristol je das Prädikat massenkompatibel verdient hätte. Seit dem Jahr 1946 werden die Handarbeitsmobile im Verborgenen gefertigt – in Bristol, der alten Schiffsbaumetropole, drüben im Westen Englands. In einer schummrigen Halle, deren beste Zeit Jahrzehnte zurückliegt, schrauben ein paar Dutzend Mechaniker die wohl drolligsten Automobile der an kauzigen Modellen überreichen Geschichte Großbritanniens zusammen. Sie heißen 405, 412, Blenheim oder Beaufighter und bleiben selbst den meisten Briten rätselhaft.

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Die Geschichte der Automanufaktur, deren kleiner Verkaufsraum auf der Kensington High Street in London jahrzehntelang die einzige Schnittstelle zur Außenwelt darstellte, begann kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs.

Europa lag in Schutt und Asche. Die damalige Bristol Aircraft Company war daran nicht ganz unbeteiligt, denn sie lieferte der Royal Air Force ihre Kampfflugzeuge vom Typ Blenheim und Beaufighter. Wie ihren deutschen Gegenspielern Heinkel oder Messerschmitt war den Briten mit dem Ende des Krieges ihre Geschäftsgrundlage abhanden gekommen – man verlegte sich auf den Automobilbau. Anders als die Deutschen aber, die sich mit Kabinenrollern über Wasser halten wollten, setzten die Engländer auf sportlichen Luxus und Exklusivität. Ihr erstes Serienmodell, der von einem 85 PS starken Zweiliter-Sechszylinder angetriebene 400 Sports Saloon, war allerdings ein Nachbau des BMW 327 und deshalb ein der Öffentlichkeit schwer zu vermittelndes Thema. Schon zwei Jahre später folgte der überarbeitete Typ 401. Auf derselben Basis entstanden zahlreiche modifizierte Versionen sowie Coupé- und Cabrio-Derivate. Bristol lieferte Motoren an die Sportwagen-Schmieden AC und Frazer-Nash. Als sich 1959 die Autosparte endgültig vom Flugzeugbauer abspaltete, schlug die Stunde des Anthony Crook, der einen Anteil übernahm und später alleiniger Chef werden sollte.

DER SPEZIELLE MR. CROOK
Tony Crook, ein früherer Jagdflieger, Rennfahrer und Bristol-Händler, drückte der Marke seinen Stempel auf. Zu Beginn der Crook-Ära entstanden zahlreiche eigenwillige Modelle, die wegen ihrer kurzen, oft nur zwei Jahre währenden Bauzeit selbst für Experten schwer auseinanderzuhalten sind. Crook ersetzte den alten, immer weiter verfeinerten BMW-Sechszylinder durch 5,2 bis 6,6 Liter große V8-Aggregate aus dem Hause Der neue Chrysler 300 auf der Detroit Auto Show 2011.

Der spezielle Tony trieb die Skurrilität der Marke auf die Spitze und schottete sie nahezu hermetisch von der Außenwelt ab. Öffentlichkeit jeder Art war ihm ein Greuel. Journalisten galten als Verräter, und Kaufinteressenten fanden im einzigen Showroom der Marke wohl fruchtbaren Boden, um Wurzeln zu schlagen, aber oft niemanden, der bereit gewesen wäre, ihnen ein Auto zu verkaufen.

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Dabei haben die Bristol-Modelle durchaus ihren Reiz, denn sie konservieren einen winzigen Teil des insularen Automobilbaus, der mit Ausgestorbene Automarken wie Riley, Triumph, Wolseley, Austin oder Princess unter dem Dach von British Leyland zu Grabe getragen wurde. „Inspector Lynley“ alias Nathaniel Parker fährt einen Type 410. Auch „Oasis“-Leadsänger Liam Gallagher und Virgin-Boss Richard Branson schätzen Bristol. Das Design wirkt stets ein wenig so, als hätten sich Kreative unterschiedlichster Stilrichtungen zu einem Kompromiss durchringen müssen. Aktuelle Modelle wie das Sportcoupé Blenheim 3 oder der Flügeltürer Fighter T kosten zwischen 205.000 und 423.000 Euro. Die Zahl der seit 1946 entstandenen Autos wird auf knapp 3000 geschätzt. Die meisten davon stammen noch aus den 50er- und 60er-Jahren.

Im Jahr 2001 erwarb Bristol-Fan Toby Silverton die Firma. Silverton ließ Crook bis Mitte 2007 als Verkaufsleiter gewähren. Danach feuerte er den damals 87-jährigen Haudegen. Es war wohl die einzige Chance, um den Mythos Bristol am Leben zu erhalten.
Stefan Miete

AUTO ZEITUNG