Vorstellung

VW Käfer 1303 Breitbau: 255-Porsche-PS im Slantnose-Monster

Auf der Suche nach dem wohl wildesten VW Käfer muss man nicht weit reisen: Im Stiftung AutoMuseum Volkswagen in Wolfsburg hat sich dieses Exemplar mit 2,20 m dickem Slantnose-Breitbau, 345er-Hinterreifen und 255 PS starkem Porsche-Boxer eingenistet.

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Der VW Käfer 1303 Breitbau stehend von vorne.
Steht mit seiner gesamten GfK-Pracht von 2,20 m Breite im AutoMuseum Stiftung Volkswagen: VW Käfer 1303 Breitbau. Foto: Stiftung AutoMuseum Volkswagen
Der VW Käfer 1303 Breitbau stehend von hinten.
Im Heck werkelt ein frisierter Porsche-Boxer mit sechs Töpfen und 255 PS (188 kW). Foto: Stiftung AutoMuseum Volkswagen
Die Front des VW Käfer 1303 Breitbau.
Die lädierte Flachbau-Front erinnert an einen degenerierten Porsche 935. Foto: Stiftung AutoMuseum Volkswagen
Der Kotflügel des VW Käfer 1303 Breitbau.
Mehr Show geht nicht: Die grauen Kiemen führen die Luft nur auf den Kotflügel, aber nicht zum Motor. Foto: Stiftung AutoMuseum Volkswagen
Die Räder des VW Käfer 1303 Breitbau.
Schwarz-weißes Loch: Die rekordverdächtigen Tiefbettfelgen sitzen auf 345er-Schlappen. Foto: Stiftung AutoMuseum Volkswagen

Die Bezeichnung "VW Käfer 1303 Breitbau" ist grob untertrieben

Auch wir bemühen uns um Antworten auf die existenziellen Fragen dieses VW Käfer 1303 von 1973. Und so führt uns die Recherche zuerst zum Aufbewahrungsort des Corpus Delicti, dem Stiftung AutoMuseum Volkswagen in Wolfsburg. Erste Indizien können wir von dessen Steckbrief ablesen.

„Käfer 1303 Breitbau“ steht da, was mit Hinblick auf das 2,20 m dicke Heck grob untertrieben ist. An Bord: ein luftgekühlter Porsche-Boxer mit 2,2 l Hubraum. Aha. Das würde dann auch die Porsche-Wappen auf der Fronthaube und den Felgen erklären. Letztere stecken übrigens vorne in 225er und hinten sogar in 345er-Pneus. Kurz verfallen wir der Vorstellung, wie beim Felgenreinigen der gesamte Unterarm im Tiefbett verschwindet und beim Herausziehen mehr schwarzes Zeug zutage fördert als einst die Bergwerke des Ruhrgebiets.

Gedanklich schütteln wir uns den Bremsstaub von den Klamotten und staunen über die Leistungsangabe von 255 PS (188 kW). Im Serientrimm kommt der 2,2er als 911 S nie über 180 PS (132 kW) hinaus. Hier muss also antriebsseitig einiges passiert sein, ein paar Weber-Doppelvergaser reichen dafür längst nicht aus. Doch über Tuning-Details mag der Steckbrief keine Auskunft geben. Stattdessen gehts direkt mit der Höchstgeschwindigkeit weiter – ganz wie im Auto-Quartett.

Und mit 210 Sachen rangiert dieser 1303 durchaus auf Trumpf-Niveau. Ein Elfer ist Anfang der 70er auch nicht viel schneller und muss dabei gefühlt nur die Hälfte der Fahrzeugbreite durch den Fahrtwind schieben. Die lädierte Flachbau-Front unseres weißen Rätsels vermittelt derweil den Eindruck, dass sie es in der Vergangenheit mit widerstandsfähigeren Hindernissen zu tun hatte als nur mit Luftströmungen auf der Autobahn.

Der VW T-Roc im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Oettinger steht drauf, doch Porsche steckt drin

Man kann es der Ausstellung kaum verübeln. Denn Ersatzteile für das Einzelstück, das an einen degenerierten Porsche 935 erinnert, dürften rar gesät sein. Bleibt zu hoffen, dass niemand aus Versehen in die grauen GfK-Zacken stolpert, welche die hinteren Kotflügel des Käfers unverwechselbar machen.

Apropos: Wer steckt jetzt eigentlich hinter dem porschigen Umbau? Die Oettinger-Schriftzüge in den Kennzeichenmulden sind ja eigentlich eindeutig. Auch der Steckbrief schreibt ihn der Frankfurter Frisier-Fabrik zu, die bereits kurz nach dem Krieg den deutschen Millionenseller schneller machte.

Da Oettinger glücklicherweise 80 Jahre später immer noch im Geschäft ist, fragen wir einfach mal nach. Die Antwort ist kurz, klar und zugleich kurios: „Der hat sicher nichts mit Oettinger zu tun, warum da Oettinger drauf steht, keine Ahnung...“ Und jetzt? Möchte noch jemand die Verantwortung für dieses seltsame Tuning-Geschöpf übernehmen, oder verliert sich hier die Spur im Dunst der D&W-Ära?

Einen roten Faden haben wir aber noch – den zieht VW-Historiker Eckberth von Witzleben zu einem gewissen Herrmann Walter aus Verl. Der Mann war passionierter VW-Sammler und hatte sich in der Szene vor allem damit einen Ruf gemacht, aus jedem der 66 Baujahre jeweils einen VW Käfer zu besitzen.

Kein so dickes Ende

Er soll den VW Käfer 1303 in Eigenregie aufgebaut haben, unter anderem eben auch mit Komponenten von Porsche und Oettinger. Dann verkaufte er ihn offenbar an VW – die 2,20 m breite Lücke konnte er in seinen Hallen sicherlich auch anderweitig gut gebrauchen. Fragen können wir ihn leider nicht mehr, er verstarb 2021. Walters Sohn, der zum Zeitpunkt des Umbaus im Jugendalter war, erinnert sich nur vage an das kuriose Projekt seines alten Herrn.

Damit ist unsere Recherche-Route nun so schmal, dass der dicke Tuning-Käfer nicht mehr hindurchpasst. Wir stecken in einer Sackgasse. Ihnen, die das hier lesen, bleibt immerhin ein kleiner Trost: Sollten Sie jemals das AutoMuseum Stiftung Volkswagen besuchen, können Sie mit einer Portion Angeber-Wissen punkten. Denn dieser VW ist vieles, aber sicherlich kein Oettinger.