Vergleich

VW ID. Polo gegen VW Golf: kaufen oder warten?

Der VW ID. Polo gibt sich so volkstümlich, wie es der Golf einst war. Auch bei Innenraummaßen und Preis ist der Stromer ein Konkurrent für den Golf, der eigentlich eine Wagenklasse höher angesiedelt ist. Wie schlagen sich die beiden im direkten Vergleich?

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Collage mit VW ID. Polo (links) und VW Golf (rechts).
In der Kürze liegt die Würze: Der VW ID. Polo (links) bietet auf 4,05 m Außenlänge kaum weniger Platz als der Golf, der ihn um 23 cm überragt. Foto: VW / Collage: AUTO ZEITUNG
VW ID. Polo, fahrend fotografiert von schräg hinten.
Hinter der großen Klappe des ID. Polo verbirgt sich ein großzügiger Kofferraum. Foto: VW
VW Golf, fotografiert von schräg vorne.
Das Gesicht des Golf in achter Generation erweckt Vertrauen. Ganz ohne Verbrenner kommt der Golf allerdings nicht aus. Foto: VW
VW Golf, fotografiert von schräg hinten.
Der VW Golf ist um vier Zentimeter niedriger als der VW ID. Polo und sieht damit dynamischer aus. Foto: VW
Schema des VW ID. Polo, gezeigt von der Seite.
Trotz geringerer Außenabmessungen fällt der Innenraum des ID. Polo kaum kleiner aus als der des Golfs. Foto: VW
Antriebsversionen des VW ID. Polo in einer Tabelle.
Allein die Versionen des ID. Polo mit der 52-kWh-Batterie dürfen als langstreckentauglich gelten. Auf den sportlichen GTI müssen wir noch bis Ende 2026 warten. Foto: VW
Schema des VW Golf, von der Seite.
Bis auf die Innenbreite bietet der Golf nicht mehr Innenraum als der deutlich kompaktere ID. Polo. Foto: VW
Lenkrad des VW ID. Polo.
Im ID. Polo darf man sogar auf die nostalgisch anmutenden, doch extrem gut ablesbaren Instrumente des Golf 1 blicken, wenn man möchte. Das Lenkrad ist allerdings mit Knöpfen überfrachtet. Foto: VW
Mittelkonsole des VW ID. Polo, fotografiert von schräg rechts.
Im ID. Polo findet VW zu alten Tugenden zurück: Die haptischen Tasten für die Klimaanlage sind einfacher zu bedienen als die Slider im Golf. Foto: VW
Cockpit des VW Golf.
Das Cockpit des Golfs wirkt vertraut, die Bedienung ist allerdings nicht so praktisch wie beim ID. Polo. Foto: VW
Vordersitze des VW ID. Polo, fotografiert von links.
Das Gestühl im ID. Polo ist langstreckentauglich. Foto: VW
Vordersitze des VW Golf, fotografiert von links.
Auch im Golf ist man vorne sehr gut untergebracht. Foto: VW
Rückbank des VW ID. Polo, fotografiert von links.
Die Beinauflage auf der Rückbank des ID. Polo ist nicht sehr lang, aber die Platzverhältnisse sind insgesamt erstaunlich. Foto: VW
Kofferraum des VW ID. Polo, fotografiert von schräg hinten.
Unter den herausnehmbaren und klappbaren Ladeboden des ID. Polo passen selbst Wasserkästen. Foto: VW
Kofferraum des VW Golf, fotografiert von hinten.
Der Kofferraum des Golfs ist überraschenderweise ein bisschen kleiner als der des ID. Polo, aber immer noch reisetauglich. Foto: VW
VW ID. Polo, fotografiert von
Der überhöhte Ladeboden der Plug-in-Versionen reduziert das Gepäckabteil aber von 381 auf 273 l. Foto: VW

VW ID. Polo und VW Golf im Vergleich

In den VW Showrooms stehen sie demnächst Seite an Seite und buhlen um ähnliche Käuferschichten: VW ID. Polo und Golf wollen klassenlos sein und erschwinglich, dabei vielseitig und praktisch. Als Stromer bietet sich der ID. Polo natürlich besonders für kürzere Strecken an. Manche Versionen können aber auch über 400 km am Stück fahren ohne nachzuladen. Das darf als langstreckentauglich gelten.

Am Steuer des Golfs kennt man keine Reichweiten- oder Ladesäulenangst. Außerdem ist der Kompaktklassiker auch als geräumiger Kombi und sogar als Allradler zu haben. Dafür muss man sich als Golf-Fahrer:in auf hohe Spritrechnungen einstellen. Wir vergleichen die beiden im Detail und sagen, für wen der ID. Polo und für wen der Golf die bessere Wahl ist.

VW ID. Polo im Video: Das Wolfsburger Zukunftsmodell im Check

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Video: AUTO ZEITUNG

Maße: Der ID. Polo bietet dem Golf die Stirn

Außen klein, aber innen groß: Diesem Ideal kommt in diesem Match der VW ID. Polo am nächsten. Der Stromer ist zwar satte 23 cm kürzer als sein großer Bruder, dafür aber vier Zentimeter höher. Daher ist die Innenhöhe vorne wie hinten praktisch identisch. Auch der für das Wohlbefinden der Passagier:innen maßgebliche Radstand fällt beim ID. Polo nur zwei Zentimeter kürzer aus. Von der Innenbreite abgesehen bietet der ID. Polo also dem Golf die Stirn.

Wenn es ums Gepäck geht, liegt der Kleine sogar vorn. Mit 435 bis 1143 l Volumen schluckt der ID. Polo mehr Wasserkästen oder Reisetaschen als der Golf. Der begnügt sich mit 381 bis 1237 l. Als Plug-in-Hybrid ist das Volumen des Golfs sogar auf 273 l reduziert und damit eher kleinwagenwürdig als reisetauglich. Wer besonders viel Gepäck verstauen will, kann beim Golf allerdings auf den 4,64 m langen Variant zurückgreifen. Der steckt bis zu 1642 l weg. Auch als Zugwagen gibt der Golf mehr her. Er kann je nach Version bis zu 1900 kg gebremste Lasten an den Haken nehmen. Beim ID. Polo ist bei maximal 1200 kg Schluss.

Antrieb und Kosten: Der Golf fährt lange, der ID. Polo unerreicht sparsam

Der ID. Polo fährt allein elektrisch. Den Golf gibt es als Benziner, Hybriden, Plug-in-Hybriden und auch mit Dieselmotor. Beide decken eine große Leistungs-Bandbreite ab. Den ID. Polo kann man ab Juli 2026 auch als Trend mit 116 PS (85 kW) bestellen. Der sportliche ID. Polo GTI mit 226 PS (166 kW) lässt noch etwas länger aus sich warten.

Unter der Haube des Golfs entfesseln die Vierzylinder zwischen 116 und 333 PS (85 bis 245 kW). Da ist für so ziemlich alle Bedürfnisse etwas dabei. Mit Unterschieden bei den Beschleunigungswerten wollen wir uns hier nicht aufhalten. V-Max-Fetischist:innen dürften allerdings mit dem ID. Polo nicht glücklich werden. Selbst beim GTI wird nämlich spätestens bei 175 km/h abgeregelt. Wichtiger sind die Unterschiede bei Reichweite und Verbrauch. Der ID. Polo bietet einen kleinen Akku mit 37 kWh, der lediglich 315 km WLTP-Reichweite bietet und auch nur mit maximal 90 kW Ladestrom gefüttert werden kann. Mit der größeren, 52 kWh fassenden Batterie, die mit 105 kW Strom zapft und bis zu 454 km Aktionsradius bietet, eignet sich der ID. Polo deutlich besser für Fernreisen.

Antriebsvarianten des VW ID. Polo in einer Tabelle.
Der VW ID. Polo ist mit zwei verschiedenen Akkugrößen in drei Leistungsvarianten verfügbar. Ende 2026 folgt der sportliche GTI. Foto: VW

Für den Golf ist Reichweite naturgemäß kein Problem. Allerdings muss man bei ihm mit deutlich höheren Kraftstoffkosten rechnen. Wenn man von den Plug-in-Hybriden mit 204 und 272 PS (150 und 200 kW) absieht, die auch preislich in einer anderen Liga fahren, fließen im sparsamsten Golf, dem Diesel, im Schnitt mindestens 4,2 l je 100 km aus dem Tank. Bei einem Literpreis von zwei Euro bedeutet dies einen Kilometerpreis von 8,4 Cent. Der ID. Polo ist erheblich günstiger unterwegs. Wer im Schnitt 50 Cent für jede Kilowattstunde bezahlt, kommt hier mit 6,7 Cent über die gleiche Strecke. Das läppert sich. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 10.000 km sparen ID. Polo-Fahrer:innen somit 170 Euro. 

Ganz zu schweigen von den höheren Wartungs- und Anschaffungskosten des Golfs. So ist der günstigste ID. Polo schon ab 24.995 Euro zu haben, während die Anschaffung des Golf mindestens 29.395 Euro erfordert (alle Preise: Stand Mai 2026). Bei den leistungsstärkeren Versionen relativiert sich der Preisunterschied. So ruft VW für einen komfortabel ausgestatteten ID. Polo Style mit großem Akku und 211 PS (155 kW) satte 36.995 Euro auf. In dieser Preislage gibt es im Golf-Regal trotzdem nur einen erheblich schwächeren Golf 1.5 TSI mit 150 PS (110 kW) und vergleichbarer Ausstattung, für genau 36.575 Euro. Und dabei sind eventuelle Kaufprämien für Elektroautos noch gar nicht eingerechnet.

So oder so gilt: Sollte im Nahen Osten nicht bald Friede einkehren, fährt man auf lange Sicht mit dem ID. Polo günstiger und nachhaltiger.

Infotainment und Assistenzsysteme

Trotz seines Alters ist der Golf in diesem Kapitel noch nicht abgemeldet. So hat das Facelift im Jahr 2024 verhindert, dass der Klassiker hier völlig untergeht. Trotzdem fühlt sich der ID. Polo ergonomischer an. Mit haptischen Tasten für die Klimaregelung und einem Rändelrad für die Lautstärke knüpft der ID. Polo an alte VW-Tugenden an, die der Golf 8 ein Stück weit vergessen hat. Wer möchte, kann sich im ID. Polo sogar die Instrumente des Golf 1 digital anzeigen lassen, was ihn zum legitimen Nachfolger adelt. Das Multifunktionslenkrad kann in beiden VW als überladen gelten. Allerdings sind die zahlreichen Knöpfe im ID. Polo-Volant zumindest ein bisschen größer.

Kompakte Entscheidungshilfe & Fazit

Auf den VW ID. Polo sollte man warten,

wenn man ...

Den VW Golf sollte man kaufen,

wenn man ...

... gerne laut- und abgaslos durch die Gegend stromert.

... oft Langstrecke fährt.

... die Betriebskosten niedrig halten will.

... einen Kombi braucht.

... oft in kurzen Parklücken parkt.

... weder zuhause noch an der Arbeitsstelle laden kann.

Ist der VW ID. Polo der bessere Golf? So weit ist es noch nicht gekommen. Wer einen Kombi mit gigantischem Kofferraum braucht oder fast ausschließlich Langstrecken fährt, kommt kaum am Golf vorbei. Für all die anderen ist der neue VW ID. Polo eine interessante Alternative, die sich je nach dem künftigen Spritpreisniveau auch finanziell auszahlen kann. Damit würde bei VW nach der Generation Golf die Generation ID. Polo das Zepter übernehmen.

Quellen

  • Volkswagen