VW verlagert Golf-Produktion: Das bringt der Umzug nach Mexiko
VW schockt die Autonation und verlagert die Produktion des VW Golf nach Mexiko. Was bedeutet das Exil für den Bestseller und das Werk in Wolfsburg? Eine Analyse.
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Vom Käfer zum ID.3: Wachablösung in Wolfsburg
Geschichte wiederholt sich: Im Januar 1978 wurde der letzte VW Käfer in Deutschland gebaut, der Urmeter aller Volkswagen zog endgültig nach Mexiko um. In Wolfsburg musste er schon vier Jahre zuvor dem Golf weichen. Rund 50 Jahre später steht im VW-Stammwerk die nächste Wachablösung bevor: Nun ist es der Golf, der nach Mexiko auswandert. Seinen Platz nimmt der ID.3 ein.
Damit endet die Golf-Produktion in Wolfsburg nach über einem halben Jahrhundert. Wie einst beim Käfer ist auch der Absatz des Golf stark zurückgegangen. In der von ihm dominierten Kompaktklasse räubern immer mehr SUV. Ausgerechnet der VW T-Roc ist zu seinem schärfsten Konkurrenten geworden: 2025 lag der Golf in Deutschland nur noch 6759 Neuzulassungen vor seinem Markenbruder. Auch der ID.3 jagt dem Golf vermehrt Käufer:innen ab.
Weltweit spielt die Markenikone zudem nur noch in Europa eine Rolle. Global ist er nach Tiguan, Passat, Polo und Jetta lediglich noch das fünftmeistverkaufte VW-Modell. In Folge schrumpfte die Golf-Produktion in Wolfsburg dramatisch: Waren es 2015 noch über 750.000 Fahrzeuge, fiel die Anzahl in den letzten Jahren dauerhaft unter 300.000 Exemplare. Das Stammwerk ist nicht mehr ausgelastet. Zwar werden auch VW Touran, Tiguan und seit Kurzem der Tayron dort gebaut, doch die Fertigung bleibt weit unter den Kapazitäten: 2025 lag die Auslastung bei 72 Prozent.
Der VW Tayron im Fahrbericht (Video)

Produktionskürzungen und neue Perspektiven für das Stammwerk
Generell leidet VW an der mangelnden Belegung seiner Werke in Deutschland, daher will der Konzern seine Produktionskapazitäten bis 2030 um 734.000 Fahrzeuge senken. Das Stammwerk in Wolfsburg trägt dabei die Hauptlast: Die maximale Fertigung wird von 800.000 auf 400.000 Neuwagen halbiert. VW reduziert die Montagelinien von vier auf zwei. Neben den bereits am Mittellandkanal gebauten Tiguan und Tayron sollen dort ab 2027 die aus Zwickau kommenden Elektromodelle VW ID.3 und Cupra Born gefertigt werden.
Warum der Golf nach Mexiko geht
Der Golf wird dagegen künftig im mexikanischen VW-Werk in Puebla produziert. Dort laufen bereits seit 1967 Autos vom Band: Nach dem Käfer und dem Bulli vor allem der Jetta sowie der Beetle. Auch die Golf-Generationen I bis IV sowie VII wurden in Puebla für die Exportmärkte montiert. Die Kombi-Versionen der Baureihen Golf V und VI schafften es aus Mexiko sogar bis nach Deutschland.
In Mittelamerika locken vor allem niedrige Löhne und Sozialabgaben: Sind in Deutschland im Durchschnitt je produziertem Fahrzeug Arbeitskosten in Höhe von 3080 Euro fällig, sind es in Mexiko 284 Euro. Damit unterbietet das Land selbst Standorte wie China (556 Euro) oder die Türkei (386 Euro). Zwischen der EU und Mexiko besteht zudem ein Freihandelsabkommen, auf Importe fallen keine Zölle an.
Die Hoffnung: Durch die günstigeren Produktionsbedingungen könnte VW den in den letzten Jahren stark gestiegenen Preis des Golf senken. Und auch die Geschichte der Markenikone in Wolfsburg ist noch nicht zu Ende: So plant VW, den voraussichtlich 2030 startenden Nachfolger des ID.3 in seinem Stammwerk zu bauen. Sein Name: VW ID. Golf.
Fazit
Nostalgie ist keine Strategie: Das wussten die VW-Manager:innen schon in den 1970er-Jahren und ließen den Käfer auswandern – damit das Werk in Wolfsburg überleben konnte. Das gilt auch für die aktuelle Produktionsverlagerung: SUV und E-Autos lassen sich im Hochlohnland Deutschland wirtschaftlicher fertigen als kompakte Verbrenner. Der Golf selbst muss ein Auto für jedermann bleiben. Das war in letzter Zeit bei Preisen jenseits von 30.000 Euro immer weniger der Fall. Es bleibt zu hoffen, dass Mexiko hier die Wende bringt ...



















