Togg T10X im Test: Das kann das erste türkische E-Auto
Das stark digitalisierte, elektrische Kompakt-SUV Togg 10X aus der Türkei beweist: Neue E-Auto Marken müssen nicht unbedingt aus China kommen. Was es drauf hat, klärt der Test!
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Positiv | Gute Verarbeitung, sprintstark, komfortabel, relativ günstig |
|---|---|
Negativ | Hoher Verbrauch, überschaubare Reichweite, komplexe Bedienung |
Im Test: Neues Elektro-SUV Togg T10X kommt nach Deutschland
Bereits 2018 wurde die Türkiye’nin Otomobili Girisim Grubu (zu Deutsch: Automobil-Entwicklungsgruppe der Türkei) gegründet, deren Akronym seitdem für den jungen türkischen E-Auto-Hersteller steht. Am Südufer des Marmara-Meers, genauer gesagt in der Stadt Gemlik, laufen derzeit die Limousine T10F und das SUV T10X vom Band und treffen zumindest bei der türkischen Kundschaft ins Schwarze. 70.000 Fahrzeuge sind bislang verkauft worden. Nun soll Togg auch auf Exportmärkten erfolgreich sein, allen voran auf dem anspruchsvollen deutschen Markt. Angesichts der starken Konkurrenz ist das eine sehr ambitionierten Aufgabe, die neugierig auf das SUV vom Bosporus und unseren ersten Test macht.
Viel Platz für Personen, weniger fürs Gepäck
Mit seinen 4,60 m Länge zählt der Togg T10X V2 4More zum populären Segment der Kompakt-SUV. Für den Innenraum des allradgetriebenen Elektro-SUV bedeutet das recht großzügige Platzverhältnisse, was sich zum Beispiel am unerwartet üppigen Fond-Knieraum ablesen lässt. Das Ladevolumen bleibt allerdings mit 441 bis 1515 l überschaubar. Zum Vergleich: Ein Skoda Enyaq bietet 570 bis 1710 l.
Erfreulich dagegen: Der Materialmix im Innenraum spricht uns im Test an und die Verarbeitung wirkt routiniert. Der Clou des Stromers findet sich allerdings im Armaturenbrett: Hier empfangen die Person am Steuer ohne Aufpreis ein 12,3 Zoll messendes, digitales Kombiinstrument, ein 29-Zoll-Infotainment-Display und ein darunter angebrachter Bedienbildschirm im Acht-Zoll-Format.
Und zu steuern gibt es hier eine Menge. Das Infotainment-Display lässt sich individuell belegen, beispielsweise mit Fahrzeuginformationen, der Navi-Karte oder digitalen Kunstdarstellungen.
Großzügige Bildschirmlandschaft mit Bedien-Schwierigkeiten
Den Fundus für die Digitalfunktionen bietet beim Togg T10 X die Plattform „Trumore“ mit diversen Apps, darunter eine, die auch KI-generierte Musik abspielt. Diese lässt sich entsprechend einer gewünschten Stimmung am Bildschirm auswählen. In den Pausen erzählt „KI-Horst“, eine virtuelle Stimme, unter anderem etwas über die Geschichte der Musik. Angesichts des umfangreichen digitalen Angebots spricht man bei Togg von einem „Mobilen Device“.
Der Umgang damit will gelernt sein, zumal die Anordnung der Menü-Icons anfangs unübersichtlich ist und sich einem auch nicht alle Funktionen auf Anhieb erschließen. Diese kennenzulernen, verlief im Test eher holprig. So ließ sich der Freigabe-Code für die Nutzung des Infotainment-Systems oft erst im dritten Versuch vollständig eingeben. Das Hochfahren des Systems dauerte vergleichsweise lang, und bei der Sprachbedienung kamen die Eingabebefehle mehrfach nur unvollständig an.
Apropos Sprache: Wer Deutsch wählte, wunderte sich, dass das Navigationsbedienfeld dennoch im Englischen verharrte. Dass die rechte Lenkradtaste nur eingeschränkten Zugriff auf das Abspielen der KI-generierten Musik hatte, sei da nur am Rande erwähnt. Eine diesbezügliche Nachfrage bei Togg ergab, dass es sich dabei offenkundig um bekannte Software-Probleme handelt, deren Beseitigung durch Updates bereits erfolgt sei oder noch erfolgen wird.
Sportliche Sprintwerte, aber hoher Verbrauch
Zeit also, sich dem zu widmen, was der Togg T10X außer Infotainment sonst noch können soll: fahren. Beim Test entpuppt sich das SUV als kommoder Begleiter, denn akustisch fällt es dadurch auf, dass es dank äußerst gelungener Geräuschdämmung eben nicht auffällt. Den angenehmen Aufenthalt an Bord unterstützt darüber hinaus eine recht gelungene Feder-Dämpfer-Abstimmung mit ordentlichen Nehmerqualitäten. Empfindliche Naturen dürften sich vielleicht eine etwas weniger starke Zugstufendämpfung wünschen, was auf kurzen Bodenwellen ein etwas geschmeidigeres Ausfedern ermöglichen würde.
Die Lenkung erfordert auf kurvigem Terrain recht große Lenkeinschläge und könnte etwas mehr Rückmeldung vom Asphalt liefern. Beim Anlenken aus der Nulllage bauen sich die Gegenkräfte darüber hinaus mit etwas Verzögerung auf. Dass der Togg T10X eher auf der komfortablen als der dynamischen Seite angesiedelt ist, dokumentieren unabhängig davon die ausgeprägten Wankbewegungen seiner Karosserie in Wechselkurven sowie die deutliche Untersteuerneigung.

Längsdynamisch gibt sich der Togg T10X V2 4More hingegen keine Blöße. Die 320 kW (435 PS) Systemleistung der getesteten Allradversion – übrigens die Top-Variante der Baureihe – sorgen zusammen mit 700 Nm Drehmoment für einen überaus druckvollen Antritt und dafür, dass die 100-km/h-Marke schon nach sportiven 4,2 s fällt. Elektroauto-typisch wird die Höchstgeschwindigkeit elektronisch abgeregelt, hier bei 185 km/h. Der Testverbrauch fällt allerdings mit 27 kWh auf 100 km recht hoch aus. Da ist selbst ein nur etwas schwächerer, aber 200 kg schwererer Porsche Macan 4 mit 24,1 kWh im Test deutlich sparsamer.
Mit einer Nettokapazität des Lithium-Ionen-Akkus in Höhe von 86,3 kWh kommt der T10X V2 4More zudem auf nur überschaubare 319 km Reichweite. Der Minimalverbrauch beträgt im Test 24 kWh, woraus sich 359 km ohne Ladestopp ergeben. Die maximale Ladeleistung liegt laut Togg bei 180 kWh – wir erreichten allerdings maximal nur 147 kW.
Togg mit günstigem Preis & unkonventionellem Vertriebsmodell
Mit der reichhaltigen Serienausstattung – Meridian Soundsystem, vegane Lederpolster, Glasdach und rundum beheizbare Sitze sind zum Beispiel aufpreisfrei – werden für den Togg T10X laut Konfigurator 49.200 Euro fällig (Stand: Dezember 2025), was angesichts der Konkurrenz relativ günstig ist. Kaufen kann man das SUV derzeit nur online über die zuvor geladene „Trumore“-App.
Fürs Anschauen und Probefahren stehen mobile Experience Center zur Verfügung, während Wartung und Reparaturen bei Bosch Car Service-Stützpunkten ausgeführt werden sollen. Davon meldet die Togg-Homepage derzeit indes nur drei: in Berlin, Bottrop und Herzogenaurach. Aus dem Blickwinkel des klassischen Autointeressierten ist dies ein eher noch unkonventionelles Vertriebsmodell. Man darf also gespannt sein, inwieweit es den Segen der Kundschaft findet und sich in entsprechenden Verkaufszahlen niederschlägt.
Fazit
Beim Togg T10X V2 4More, dem Spitzenmodell der Baureihe, bekommt man dank reichhaltiger Ausstattung viel Auto fürs Geld. Die längsdynamischen Eigenschaften sind ohne Tadel, das querdynamische Talent ist allerdings begrenzt. Auch bei Effizienz und Bedienung bleibt viel Luft nach oben.
Technische Daten & Messwerte
AUTO ZEITUNG 26/2025 | Togg T10X V2 4More |
|---|---|
Technik | |
Motor | Zwei permanente Synchronmaschinen |
Systemleistung | 320 kW (435 PS) |
Max. Drehmoment | 700 Nm |
Antrieb | Konstantübersetzung, Allrad |
Akku | Lithium-Ionen |
Spannung | 400 V |
Kapazität brutto / netto | 88,5 / 86,3 kWh |
Ladeleistung AC / DC (Werk) | 22 / 180 kW |
Gewicht | |
Leergewicht (Werk / Test) | 2133 – 2165 / 2248 kg |
Zulässiges Gesamtgewicht | 2743 kg |
Effektive Zuladung | 495 kg |
Abmessungen | |
Gesamtmaße (L / B / H) | 4599 / 1886 (2100) / 1676 mm |
Radstand | 2890 mm |
Kofferraumvolumen | 441 – 1515 l |
Fahrleistung | |
0 – 100 km/h | 4,2 s |
Höchstgeschwindigkeit | 185 km/h |
Bremsweg | |
100 – 0 km/h (kalt / warm) | 37,7 / 36,9 m |
50 / 150 – 0 km/h (kalt) | 9,2 / 98,4 m |
Verbrauch & Reichweite | |
WLTP-Reichweite | 468 km |
WLTP-Verbrauch auf 100 km | 21,9 kWh/100 km |
Test-Reichweite | 319 km |
Test-Verbrauch auf 100 km | 27,0 kWh/100 km |
Ladevorgang 10 – 80 % SoC | |
Ladedauer | 34 min |
Ladeleistung Ø | 116,5 kW |
Nachgeladene Energie | 77,1 kWh |
Nachgeladene Reichweite | 213 km |
Preis | |
Grundpreis | 49.200 € |
Testwagenpreis | 49.200 € |
Steuer & Versicherung | |
Kfz-Steuer pro Jahr | 0 € |
KH / VK / TK Typklassen | 19 / 20 / 21 |





















