Ratgeber

Steuern, Abgaben & Co.: So setzt sich der Spritpreis zusammen

Der hohe Benzin- und Dieselpreis ist derzeit Aufregerthema Nummer eins für viele Autofahrer:innen. Doch der Iran-Krieg und die unvorhersehbare Politik von US-Präsident Trump ist nur die eine Seite der Medaille. Wir erklären, wie sich der Spritpreis zusammensetzt und zeigen eine Beispielrechnung.

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Benzinpreis an einer Tankstelle (stilisiert)
Foto: Imago

Preisschock: Was sind die Gründe für die Spritpreis-Explosion?

Angesichts der hohen Spritpreise reiben sich viele Autofahrer:innen derzeit verwundert die Augen: Sowohl der Super Benzin- als auch der Dieselkraftstoff sind dieser Tage deutlich über die Marke von zwei Euro geklettert. Liter-Preise für Premiumsorten wie Diesel Excellium, V-Power Ultimate & Co. gehen sogar stark auf die Drei-Euro-Marke zu. Zumindest ist die „Drei vom Komma“ vereinzelt schon kurzzeitig an manchen Preistafeln von Autobahn-Tankstellen gesichtet worden.

Warum und wieso diese Preisexplosion? Oft werden Produktionsausfälle, Lieferschwierigkeiten und Logistikprobleme infolge des Iran-Kriegs als Gründe ins Feld geführt. Doch die fast absurd hohen Spritpreise allein darauf zurückführen zu wollen, greift zu kurz. Wir haben genauer hingesehen und erklären, wie sich der Benzin- und Dieselpreis zusammensetzt.

So setzt sich der Spritpreis zusammen (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Zusammensetzung des Spritpreises

Der Benzin- und Dieselpreis in Deutschland setzt sich hauptsächlich aus Produktpreis, Steuern und Abgabe (Energiesteuer, CO₂-Abgabe, Mehrwertsteuer) sowie Vertriebskosten zusammen. Dabei entfallen mehr als die Hälfte dieses Preises auf staatliche Abgaben: Ende März 2026 betrug der Steuer- und Abgabenanteil bei den Spritpreisen nach ADAC-Angaben im Schnitt rund 51 Prozent bei Benzin (E10) und rund 44 Prozent bei Diesel. Fixe Steuern – derzeit ca. 65,4 Cent Energiesteuer/Liter sowie der CO₂-Preis, der laufend steigt (2026: 15-18 Cent/Liter) – und 19 Prozent Mehrwertsteuer machen den Großteil des Endpreises an der Tankstelle aus. Der Rohölpreis als solcher und Dollarkurs haben ausschließlich Einfluss auf die Beschaffungskosten, die meist den kleineren Teil des Gesamtpreises ausmachen.

Das bestätigt auch der ADAC: „Die Mehrwertsteuer ist der einzige variable Steueranteil, wodurch der Staat bei höheren Benzinpreisen mehr verdient“, erklärt der Club auf seiner Webseite. Der Rest des Benzin- und Dieselpreises entfalle auf Produktkosten, zu denen neben dem Einkauf des Rohöls auch dessen Transport nach Deutschland und die Weiterverarbeitung bis zur Zapfsäule gehöre. „Und natürlich wollen die Mineralölkonzerne einen möglichst hohen Gewinn erzielen“, heißt es beim ADAC.

Mineralölkonzerne weisen Abzocke-Vorwürfe zurück

Diese allerdings sehen die Schuld für den hohen Spritpreis nicht bei sich. Die Mineralölkonzerne weisen Abzocke-Vorwürfe entschieden von sich. Konzernsprecher von Aral, BP & Co. betonen unisono, dass sich die Preise transparent am Markt orientieren.

Eine mögliche weitere Verschärfung des Kartellrechts über die Anfang April 2026 in Kraft getretenen Spritpreisbremse hinaus, sehen sie kritisch, da sie ihnen zufolge zu Wettbewerbsverzerrungen führen könnten. Stattdessen führen sie ihrerseits den hohen Benzin- und Dieselpreis in erster Linie auf gestiegene Rohölpreise, „internationale Marktentwicklungen“ sowie hohe staatliche Abgaben zurück.

Zugespitzt formuliert, könnte man sagen: Während sich Politik und Wirtschaft gegenseitig die Verantwortung für den hohen Benzin- und Dieselpreis zuschieben, wird die Zeche von Verbraucherinnen, sprich: den Autofahrer:innen, an der Tankstelle gezahlt. In dieser naturgemäß emotional aufgeladenen Situation kann der Blick auf eine Beispielrechnung helfen, die Diskussion zu versachlichen.

Beispielrechnung: So setzt sich der Spritpreis konkret zusammen

Legt man einen Dieselpreis von 2,234 Euro (Durchschnittspreis der letzten Märzwoche 2026) zugrunde, zeigt sich derzeit folgendes Bild (Summen gerundet):

223,4 Cent: Gesamtpreis pro Liter

Davon entfallen:

  • 45,6 Cent: Energiesteuer (fix)

  • 16,8 Cent: CO₂-Abgabe (fix)

  • 35,7 Cent (variabel, Mehrwertsteuer, derzeit 19 % auf den gesamten Warenwert inklusive Energiesteuer und CO₂-Abgabe)

< 1 Cent: Erdölbevorratungsbeitrag für die staatlichen strategischen Ölreserve.

Macht unterm Strich:

98 Cent: Steuern & Abgaben

125,4 Cent: Kosten, etwa Einkauf, Transport, Lagerung, Vertrieb, und Gewinn der Mineralölkonzerne

Quellen

  • ADAC

  • Mineralöl-Wirtschaftsverband en2x

  • Eigene Recherchen