Skoda Octavia vRS Bonneville: Testfahrt im Rekordhalter
Der Skoda Octavia vRS Bonneville hält seit 2011 den Landgeschwindigkeitsrekord für Fahrzeuge mit 2,0-l-Motor. Wir konnten eine Runde im Rekordhalter auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke des Millbrook Proving Ground fahren. Unsere Eindrücke!
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- Testfahrt im Skoda Octavia vRS Bonneville auf der Rennstrecke
- Geschichte hinter dem Bonneville: Darum ist dieser Octavia vRS etwas Besonderes
- Riesen-Turbo, Zehn-Liter-Kühler, keine Bremsen: So wird ein Serien-Skoda zum Rekordhalter
- Testfahrt im Octavia vRS Bonneville: Kein normaler Skoda
- Glauben ist gut, mitfahren ist besser
- Fazit
Testfahrt im Skoda Octavia vRS Bonneville auf der Rennstrecke
Am 19. August 2011 stellte Skoda einen Landgeschwindigkeitsrekord auf. Der vergleichsweise bescheidene Octavia vRS erreichte auf den Salzseen von Bonneville im US-Bundesstaat Utah unglaubliche 365,28 km/h (227,080 mph) und ist damit das schnellste Serienfahrzeug mit 2,0-l-Turbomotor – ein Rekord, der bis heute Bestand hat.
Doch hinter der Lackierung verbirgt sich alles andere als ein serienmäßiger Octavia vRS. Deshalb geht es mit Skodas Rekordversuch-Octavia, der zehn Jahre nach seinem Erfolgslauf wieder voll funktionsfähig ist, im August 2021 für unsere Testfahrt auf die riesige Hochgeschwindigkeitsstrecke des Millbrook Proving Ground im englischen Bedford.
Skoda Octavia Facelift (2024) im Video

Geschichte hinter dem Bonneville: Darum ist dieser Octavia vRS etwas Besonderes
Die Geschichte des Octavia vRS Bonneville begann mit einer verrückten Idee des Kommunikationsteams von Skodas britischem Importeur: Ziel war es, mit einem Auto mit 2,0-l-Motor die 320-km/h-Marke zu knacken. Der Corrida-rote Octavia vRS sollte eigentlich Teil der Presseflotte der Marke werden, wurde aber kurzerhand für den Rekordversuch umgebaut. Skoda UK arbeitete dabei mit dem Tuning-Unternehmen Revo zusammen.
Es gab von Anfang an Komplikationen. Das Auto war zum Zeitpunkt des Umbaus so neu, dass nur wenige Zubehöranbieter Hochleistungsteile dafür anboten. Die Southern California Timing Association erlaubte nur eine begrenzte Anzahl an Modifikationen für Serienfahrzeuge. Der Zeitplan war extrem knapp, um den Wagen für die Bonneville Speed Week 2011 vorzubereiten.
Riesen-Turbo, Zehn-Liter-Kühler, keine Bremsen: So wird ein Serien-Skoda zum Rekordhalter
Der für Bonneville spezifizierte Skoda Octavia vRS wurde komplett entkernt, ein riesiger Turbolader eingebaut, das Einspritzsystem optimiert und ein Zehn-Liter-Kühler in das verbesserte Kühlsystem integriert. Laut Skoda liegt die Gesamtleistung mit den Modifikationen bei rund 608 PS (447 kW).
Skoda tauschte zudem das vRS-Getriebe gegen das länger übersetzte Getriebe der Spritspar-Modelle der „Greenline“ aus, montierte schmale Reifen mit aerodynamischem Profil und ersetzte die Bremsanlage durch einen Bremsfallschirm. Und tatsächlich: der Octavia darf bei der Speed Week antreten. Bei den Rekordversuchen saß der britische Motorjournalist Richard Meaden am Steuer des Octavia.

Bereits am ersten Tag der Speed Week 2011 in Bonneville erreichte der modifizierte Skoda 314,8 km/h (195,69 mph). Bis zum sechsten Tag konnte der Spitzenwert bis 325,1 km/h (202,15 mph) angehoben werden. Gegen Ende der Veranstaltung pulverisierte er den bis dahin gültigen Rekord von 348 km/h: Am 18. August 2011 wurden 362,8 km/h (225,513 mph) gemessen, und am Freitag, dem 19. August 2011, wurde mit 368,2 km/h (228,647 mph) der Spitzenwert ermittelt. Der Durchschnitt aus beiden Läufen ergibt 365,28 km/h (227,080 mph) – und damit ein neuer Rekord!
Testfahrt im Octavia vRS Bonneville: Kein normaler Skoda
Diesen Rekord hält Skoda bis heute. Um einen Eindruck davon zu haben, wozu der Rekordhalter fähig ist, erlaubt uns Skoda sogar eine Mitfahrt. Schon das Einsteigen könnte unterschiedlicher nicht sein als bei einem normalen Octavia. Der riesige Überrollkäfig erfordert wahre Akrobatik und Geschicklichkeit, um sich in den Rekordhalter hineinzuzwängen, ohne sich zu verletzen oder einen Muskel zu zerren.
Bevor es losgeht, erklärt uns der Instruktor von Skoda UK die Bedienelemente. Überraschenderweise gibt es hier immer noch einige Teile aus dem Standard-Octavia, darunter das Gaspedal und den Schaltknauf, der an einem urkomisch langen Schalthebel befestigt ist. Der restaurierte Rekordhalter steht für die Testfahrt zudem auch wieder auf den serienmäßigen vRS-Rädern und -Reifen, und glücklicherweise waren die Bremsscheiben auch wieder eingebaut worden – den Fallschirm brauchten wir nicht.
Was beim Motorstart sofort auffällt, ist der ohrenbetäubende Lärm. Sobald der Octavia in Bewegung ist, spürt man immer noch die typischen Skoda-Eigenschaften im Fahrverhalten – die Lenkung ist leichtgängig und direkt, und die Federung ist nicht so straff wie bei einem Rennwagen gewohnt.

Glauben ist gut, mitfahren ist besser
Sobald man aber auf der Rennstrecke ist, erwacht der Octavia zum Leben. Der brüllende Auspuffsound ist unerbittlich, gehört aber einfach zum Erlebnis dazu, und langsam ist er definitiv nicht. Durch die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Rennstrecke lässt sich auf der Testfahrt nicht die volle Leistung des modifizierten Vierzylinders ausschöpfen. Aber schon eine leichte Bewegung des großen Zehs genügt, und der Octavia beschleunigt – selbst im mittleren Gang des lang übersetzten Getriebes – kraftvoll und mit dem dazugehörigen, ohrenbetäubenden Sound. Es ist absolut berauschend.
Nach ein paar Runden war die Zeit für die Testfahrt um, das Pace Car vor uns fuhr die Steilkurve wieder herunter, wir folgten, um die Rennstrecke zu verlassen. Wir sind immer noch voller Adrenalin und strahlen über beide Ohren, als wir zurück zum Treffpunkt fahren. Ein absolut surreales Erlebnis, das man nie vergessen wird.
Fazit
Was für eine Maschine! Was auch immer man von Landgeschwindigkeitsrekorden hält, die Ingenieursleistung und die Hingabe des Skoda-Teams verdienen höchstes Lob. Das Auto selbst ist puristisch und aufregend. Aber noch bemerkenswerter ist, dass der Rekord seitdem ungebrochen ist. Wir hoffen, das bleibt noch viele Jahre so.



















