Seat Ibiza Cupra 1.9 TDI: Diesel-Rakete im historischen Test
Spaniens Kleinwagen-Klassiker auf VW-Polo-Plattform lädt mit 160 Diesel-PS zum Kurventanz. Das südländische Temperament des Ibiza Cupra TDI macht den Weg zum Chip-Tuner überflüssig. So fiel das Test-Fazit der AUTO ZEITUNG 2004 aus!
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Was bei Seat bisher mit Cupra-Schriftzug am Heck die Werkshallen verließ, wurde von potenten Benzinmotoren aus dem VW-Konzern befeuert. Mit der jüngsten Auflage des Seat Ibiza Cupra bricht die Marke mit dieser Tradition und bietet wahlweise neben dem bewährten 1,8-l-Turbo-Benziner mit 180 PS (132 kW) erstmals auch einen Selbstzünder in Gestalt des bekannten 1,9-l-TDI mit Pumpe-Düse-Einspritzung an.
Das Aggregat erfuhr allerdings an Ladeluftkühlung, Ansaug- und Abgaswegen eine Überarbeitung, sodass der feurige Spanier mit 160 PS (118 kW) bei 3750/min nicht nur den stärksten Vierzylinder-Diesel im ganzen Kleinwagensegment, sondern auch im VW-Konzern bereithält. Entsprechend hoch sind die Erwartungen.
Der morgendliche Kaltstart wird vom TDI-typischen Nageln begleitet, das aber mit steigender Motortemperatur in den Hintergrund tritt. Dennoch gibt sich der Seat beim Ausdrehen der Gänge brummig wie eh und je. Der Mangel an Laufkultur dürfte jedoch angesichts der Fahrleistungen zu verschmerzen sein.
So sprintet der Cupra in nur 7,5 s von null auf 100 km/h, und erst bei Tempo 220 setzen Fahrtwind und Rollwiderstand dem Vortrieb ein Ende. Dabei lässt sich der Ibiza auf den letzten Kilometern bis zur Höchstgeschwindigkeit etwas Zeit. Hier wirkt der sechste Gang des ansonsten gut gestuften, aber nicht ganz exakt zu schaltenden Getriebes als etwas zu lang übersetzt.
Der Cupra Raval im Video

Stärkster Diesel-Vierzylinder des Konzerns im kleinen Seat Ibiza
Der Kraft-Diesel erreicht sein Drehmomentmaximum von 330 Nm bereits bei 1900 Umdrehungen. Erst deutlich jenseits der 4000/min-Marke fällt die Kurve unter 250 Nm ab. Was auf dem Papier als Drehmomentplateau daherkommt, beeindruckt auf der Straße als wahre Durchzugsorgie.
Ein Tritt aufs Gas, und ein imaginäres Gummiband zieht den Cupra mit einer Vehemenz nach vorn, die vor allem während kurzer Zwischensprints auf der Autobahn bei den Insass:innen für Verzückung und bei anderen Verkehrsteilnehmenden für Verblüffung sorgt. Der Griff zum Schalthebel kann dabei in der Mehrzahl der Fälle unterbleiben.
Wer den Diesel dennoch drehen lassen will, schaltet zurück und spürt, wie der Schub erst kurz vor der 5000/min-Marke zum Erliegen kommt. Damit stellt der Testwagen ein deutlich größeres nutzbares Drehzahlband zur Verfügung, als dies noch beim ersten Cupra TDI für den Fahrbericht (AZ 13/2004) der Fall war. Offenbar haben die Seat-Techniker hier nachgearbeitet.
Ein klares Manko bildet jedoch die Rußfahne, die der Cupra unter Volllast entwickelt, und auch die EU-3-Abgasnorm im Fahrzeugschein weist den Spanier als nicht gerade auf dem aktuellen Stand der Umwelttechnik aus, wenngleich der Test-Verbrauch mit 7,7 l auf 100 km angesichts der Leistung erfreulich niedrig ausfällt.
Der Test des Cupra offenbart ein lebendiges Fahrgefühl
Deutlich straffer als die schwächeren Versionen verursacht das Cupra-Fahrwerk erwartungsgemäß Einbußen beim Komfort zugunsten eines Gewinns an Agilität. So lässt sich der Cupra wie ein Carving-Ski um die Ecken zirkeln. Die geringe Seitenneigung unterstützt dabei das spielerische Handling. Beim Kurventanz dürfte die Lenkung allerdings mit etwas kleineren Lenkwinkeln operieren. Im Grenzbereich entpuppt sich der Cupra TDI als neutral bis leicht untersteuernd. Provozierte Lastwechselreaktionen zeigen sich im Eindrehen des Hecks, das je nach vorgegebenem Tempo und Lenkwinkel vom vergleichsweise weich einsetzenden ESP abgefangen wird.
Als tadellos erweist sich die Bremsanlage mit Vierkolbensätteln an der Vorderachse, die den Cupra sowohl in kaltem als auch in warmem Zustand aus 100 km/h nach 37,3 beziehungsweise 37,7 m zum Stehen bringt. Haben die 205/40er-Reifen im 17-Zoll-Format vom Typ Pirelli Zero Nero allerdings noch nicht ihre Betriebstemperatur erreicht, lässt das Pedalgefühl beim harten Anbremsen von Kurven einen klaren Druckpunkt vermissen.
Innen verkörpern Sportsitze mit guter Seitenführung, Lederlenkrad, weiße Zifferblätter im Armaturenbrett und eine Alu-Pedalerie den sportiven Cupra-Charakter. An den Bedienungselementen gibt es bis auf die Verwechslungsgefahr von Lautstärkeregler des Radios und Gebläseregler der Klimaanlage kaum etwas zu kritisieren.
In puncto Materialauswahl und Verarbeitungsqualität bietet der Cupra angesichts teils billig wirkenden Plastiks und teils mäßiger Passungen nur Durchschnitt. Dafür fällt die Ausstattung (Klimaautomatik und CD-Radio Serie) recht üppig aus. Unverständlich bleibt jedoch, warum die Marke gerade dem Topmodell der Baureihe Sicherheitselemente wie Kopf-Airbags und Xenonlicht nicht einmal gegen Aufpreis spendiert.
Fazit
Die 20.960 Euro für den Cupra TDI sind ein faires Angebot. Ausgesprochene Diesel-Fans mit sportlichen Ambitionen kommen hier voll auf ihre Kosten und sparen auch noch beim Verbrauch. Eine bessere Sicherheitsausstattung und ein zeitgemäßeres Abgasverhalten wären allerdings wünschenswert.
Technische Daten des Seat Ibiza Cupra 1.9 TDI
AUTO ZEITUNG 17/2004 | Seat Ibiza Cupra 1.9 TDI |
|---|---|
Zylinder / Ventile pro Zylin. | R4 / 2 |
Hubraum | 1896 cm³ |
Leistung | 118 kW/160 PS bei 3750 U/min |
Max. Gesamtdrehmoment bei | 330 Nm bei 1900 U/min |
Getriebe / Antrieb | 6-Gang-Getriebe / Vorderrad |
L / B / H | 3953 / 1698 / 1441 mm |
Leergewicht | 1215 kg |
Bauzeit | 2002 - 2008 |
Stückzahl | 1.220.641 (Ibiza 3 ges.) |
Beschleunigung null auf 100 km/h | 7,5 s |
Höchstgeschwindigkeit | 220 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 7,7 l D |
Grundpreis (Jahr) | 20.960 Euro (2004) |




















