Vorstellung

Rusty Slammington: Rostiger, rüstiger 5er für die Ewigkeit

Sein Name klingt wie aus einem Bahnhofsroman. In Wahrheit ist Rusty Slammington längst Kunst und Kulturgut. Der rostige 5er-BMW hat schon als Familienkutsche, Anfängerauto und Rennsportikone gedient, ist einmal komplett abgebrannt, nur um sich immer wieder neu zu erfinden.

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BMW E28 Rusty Slammington, fotografiert von schräg vorne.
Sehr tief und sehr breit: Rusty Slammingtons Proportionen orientieren sich an den Gruppe 5-Rennwagen der 1970er- und 1980erjahre. Foto: Mike Burroughs/Stanceworks
BMW E28 Rusty Slammington, fotografiert von schräg hinten.
Sein Schöpfer Mike Burroughs zitiert vor allem den Einfluss des Ford Zakspeed Turbo Capri und des BMW E21, auch als Jägermeister-BMW bekannt. Foto: Mike Burroughs/Stanceworks
Graffiti auf BMW E28 Rusty Slammington, fotografiert von der Seite.
Der rostige Haifisch auf der Flanke kontrastiert mit den BMW Art Cars, die staubfrei und hochglänzend um Aufmerksamkeit heischen. Foto: Mike Burroughs/Stanceworks
Hinterrad von BMW E28 Rusty Slammington, fotografiert von der Seite.
Die BBS-Felgen mit Zentralverschluss stammen von einem veritablen Porsche 962. Foto: Mike Burroughs/Stanceworks
Heck des BMW E28 Rusty Slammington, fotografiert von hinten.
Die Position der Heckleuchte zeigt, wie stark der 5er in die Breite gegangen ist. Foto: Mike Burroughs/Stanceworks

Familienkutsche, Hot Rod, verhinderter Gruppe 5-Renner: Rusty Slammington ist all das zugleich

Der 5er scheint unsterblich. Seit 1972 hat BMW über zehn Millionen Einheiten abgesetzt, und die Metamorphose zum elektrischen i5 deutet auf eine Verlängerung der Erfolgssaga des 5er hin. Doch der unsterblichste aller 5er heißt Rusty Slammington. Gebrauchtwagenexpert:innen mögen in ihm nur einen Haufen Altmetall sehen, dessen Haltbarkeitsdatum lange abgelaufen ist. Doch hinter der rostbraunen Fassade steckt eine rollende, röhrende Skulptur, eine Ode an die Freiheit von Winkelschleifer, Schweißgerät und Schraubenschlüssel, mitsamt einer bewegten und bewegenden Geschichte.

Selbst in den Staaten ist dieses Vehikel nicht im Ansatz zulassungsfähig. Ohne Blinker, Scheibenwischer oder messbare Federwege gehört der frühere E28 am ehesten auf die Rennstrecke. Doch auch da passt er in kein existierendes Reglements-Korsett. So recht geplant war das nicht. Rustys Schöpfer, der Kalifornier Mike Burroughs, fuhr ursprünglich mit seinem gut abgehangenen 535i zur High School, um dort seine Klassenkameraden zu beeindrucken.

Einer von Mikes Buddys baute mit der Sportlimousine prompt einen Unfall und setzte damit eine verhängnisvolle Spirale von Umbauten in Gang, durch die Rusty geboren und zur Legende wurde. Statt den 5er wieder in den Ursprungszustand zu versetzen, entfernte Burroughs den gesamten Lack und ließ ihn fortan rosten.

Rusty Slammington im Video: Die rostige Legende

Der getunte BMW 5er hat nun gut 500 PS

Doch dabei blieb es nicht. Nach Tausenden von Arbeitsstunden stand der Münchner schließlich als tiefer, breiter Hot Rod mit der Anmutung eines Gruppe 5-Renners da, der einen Feuersturm, die braune Pest und Covid überlebt hat. Zeitweise machte sich sogar ein getunter Turbomotor aus dem Toyota-Regal unter der Haube breit. Bis ein wahrhaftiger Feuersturm in Mikes Garage den rostigen Rentner in ein Metallskelett und ein paar Kilos Asche verwandelte.

Für den Neuaufbau gingen mehr als zwei Jahre drauf und viel vom Fünfer hat Burroughs dabei nicht gerade sein lassen. Das Dach: um mehrere Handbreit gechopped. Die hinteren Türen: entfernt. Auch der Radstand hat 30 cm an Länge eingebüßt. Die Karosserieteile, die man noch vage als BMW erkennt, stützen sich jetzt auf einen hausgemachten Gitterrohrrahmen. Die Felgen, vorne 16 und hinten 19 Zoll groß, stammen von einem leibhaftigen Porsche 962.

Nach dem Toyota-Intermezzo ist unter der Haube allerdings wieder gute bayrische Motorenbaukunst eingezogen. Der Reihensechser stammt aus einem M5 der Generation E34 und ist technisch eng verwandt mit dem legendären M88 des M1. Allerdings ist dieses Exemplar von 3,5 auf 3,7 l Hubraum aufgebohrt und mit höherer Verdichtung, leichten Kolben und größeren Ventilen gut für rund 500 PS (368 kW). Und damit so trommelfellzerreißend schnell und laut, dass man ihn guten Gewissens nur noch selten auf ausgewählten, abgesperrten Wegen von der Leine lassen darf.

Das aber ging Mike Burroughs zuwider. Als Staubfänger in seiner Werkstatt sollte das gute Stück nicht herhalten. Deshalb hat er ihn letztlich verkauft. Nicht an einen Käufer, sondern einen „Caretaker“, der zu allem Überfluss auch ein ausgewiesener BMW-Kenner und Sammler ist. Der führt den unsterblichsten aller 5er regelmäßig auf Meetings oder Messen aus – selbst auf der Essen Motor Show war er schon damit – und hält die Flamme, die diesen Eyecatcher befeuert, am Leben. Für immer und ewig.