Vorstellung

Renntech-Mercedes E60: Diesen Power-Kombi gibts nur einmal

Tausende Liter Lade- und sechs Liter Hubraum gehen bei diesem Renntech-Mercedes Kombi eine einzigartige Verbindung ein.

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Renntech-Mercedes E60 Kombi, fotografiert von schräg vorne.
Der Renntech-Mercedes E60 liegt etwas tiefer als in der Serienausführung. Schmiederäder und sanftes Bodykit lassen nur erahnen, welche Urgewalt der Sechsliter-V8 zu entfachen vermag. Foto: Renntech
Renntech-Mercedes E60 Kombi, fotografiert von hinten.
Mit Dachreling, Gepäcknetz und sogar der kleinen Klapprückbank im Kofferraum ist der Renntech-Mercedes E60 gewappnet für eilige Transportaufgaben. Foto: Renntech
Cockpit des Renntech-Mercedes E60 Kombi, fotografiert von hinten.
Ins Cockpit dürfen nur edel verarbeitetes Leder und ein wenig Holz. Foto: Renntech
Alurad des Renntech-Mercedes E60 Kombi, fotografiert von der Seite.
Hinter den Schmiederädern verbergen sich verstärkte Bremsen. Die Reifen messen vorne 255 mm in der Breite, hinten sogar 285. Foto: Renntech
Renntech-Mercedes E60 Kombi, fotografiert von
Nach der umfangreichen Überarbeitung bringt der saugende V8 420 PS (309 kW) auf die Kurbelwelle. Foto: Renntech
Renntech-Mercedes E60 Kombi, fotografiert von
Diese Logo klebt nur an einem Mercedes Kombi. Die anderen von Renntech aufgerüsteten E-Klassen der Generation W210 waren ausschließlich Limousinen. Foto: Renntech

Der von Renntech gepimpte Mercedes-Kombi soll über 300 km/h rennen

Bei „vernünftigen“ Autos verhalten sich Lade- und Hubraum häufig antiproportional: Je größer der Kofferraum, desto kleiner der Motor. Der Renntech-Mercedes E60 hat beides im Überfluss. Im Gepäckabteil ist sogar Platz für die kleine Klapprückbank, die den Mercedes-Kombi bei Bedarf in einen Siebensitzer verwandelt.

Wenn man dort sitzt, sollte man allerdings einen solide verankerten Magen mitbringen. Denn dieser Mercedes-Klassiker mit Mumm hat nichts von einem Klempner-Kombi: Der Edel-Veredler Renntech aus Florida hat dem V8 satte sechs Liter Hubraum eingeschenkt. Mit den 420 daraus resultierenden PS (309 kW) bleibt die lange E-Klasse problemlos im Windschatten eines BMW M5 der Generation E39, der damals aber nicht als Kombi erhältlich war. Somit lässt sich Ladegut in 4,7 s von Null auf 96 km/h beschleunigen. Die in den USA eher irrelevante Höchstgeschwindigkeit soll bei über 300 km/h liegen.

Bis es so weit kam, waren allerdings umfangreiche Arbeiten notwendig. Als Basis dient dem Lust-Laster ein M113 genannter V8 mit fünf Litern Hubraum. Auf runde zehn Zentimeter Bohrung aufgeweitet und mit längerem Hub versehen, dazu aufgefüllt mit leichten Schmiedekolben und -pleueln, hat Renntech einen zusätzlichen Liter Verdichtungsvolumen geschaffen. Im Zylinderkopf des Dreiventilers rotieren zudem schärfere Nockenwellen.

Auch das Ansaugsystem und die Einspritzung sind auf höheren Durchsatz getrimmt. Am Ende fallen 629 Nm über die Fünfstufen-Automatik her. Damit diese Power auch auf die Straße kommt, wird sie über das Mercedes-eigene Allradsystem 4Matic auf alle vier 18-Zöller verteilt. Sanft tiefergelegt und mit verstärkten Bremsen gerüstet, soll der Mercedes mit dem M-Faktor auch bei beschleunigtem Rhythmus cool in der Spur bleiben.

Das Mercedes E-Klasse T-Modell im Video

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Video: AUTO ZEITUNG

Jerry Seinfeld hatte sich in eine Renntech E60-Limousine verguckt

Optisch bleibt das Sechsliter-Monster geradezu kreuzbrav. Außer leicht ausgestellten Radhäusern, dem Logo E60 und einem Doppelauspuff deutet wenig auf die vitaminhaltige Kraftkur hin. Dieses Understatement gefiel in den 2000erjahren nicht nur dem Komiker Jerry Seinfeld, der in Renntechs Kundenkartei steckte. Allerdings hatte sich der autoverliebte Schauspieler in eine der rund 60 gefertigten E-Klasse-Limousinen verguckt. Dieser S210 blieb der einzige Renntech-E60 mit Kombi-Aufbau und Allradantrieb.

Was man überhaupt nicht sehen, sondern nur erfahren kann, steckt in den Bits und Bytes des naturbelassenen ESP. Den Einschätzungen unserer Kolleg:innen von Car and Driver zufolge, die das Biest fahren durften, ist das Stabilitätsprogramm zu restriktiv ausgelegt, das Auto insgesamt dem Untersteuern zugeneigt. Auch der Gründer von Renntech, Hartmut Feyhl, teilt diese Meinung: „Aber um das zu ändern, bräuchte man eine Armee von Ingenieuren und Anwälten und sehr viele Tests.“ Selbst mit seiner betuchten Klientel wäre damit kein Geld mehr zu verdienen.

So oder so hat der E60 aus Florida Kultstatus verdient. Für die leistungshungrige amerikanische Klientel, der der in Europa erhältliche, kompressorgeladene E 55 AMG vorenthalten blieb, war er die Einstiegsdroge ins Segment der Power-Kombis mit Nutzwert und Luxus-Touch. Für die Behandlung durch den Veredler aus Florida wurden in den 2000er-Jahren vergleichsweile wohlfeile 152.000 Dollar aufgerufen, rund 130.000 Euro. Renntech-typisch werden die Modelle auch gebraucht sehr hoch gehandelt und von ihren Besitzer:innen meist pfleglichst behandelt.