Renault Sport Spider: So fährt sich der radikale Roadster

Einer der extremsten und leichtesten Roadster der 1990er war der Renault Sport Spider: Nach 30 Jahren geht es auf Jubiläums-Tour. So fährt sich die Leichtbau-Rennsemmel!

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Der Renault Sport Spider fahrend von schräg vorne fotografiert.
Renault Sport Spider Foto: Angelika Emmerling

Er sieht aus wie ein zu klein geratener offener LeMans-Prototyp, doch der Renault Sport Spider ist alles andere als ein Blender.

Der Renault Sport Spider fahrend von der Seite fotografiert.
Renault Sport Spider Foto: Angelika Emmerling

Der Sport Spider setzt dich an die frische Luft – immer und ohne Ausnahme. Auch bei 215 km/h.

Der Renault Sport Spider fahrend von hinten fotografiert.
Renault Sport Spider Foto: Angelika Emmerling

Starke Aussicht: massiver Überrollbügel, zweiflutige Sebring-Abgasanlage, Be-/Entlüftungschlitze, 225/50 R 16 auf der Hinterachse.

Das Cockpit des Renault Sport Spider.
Renault Sport Spider Foto: Angelika Emmerling

Nackte Alu-Profile, mittiger Digital-Tacho wie seinerzeit im Twingo, schöne Uhrensammlung, klobiges Airbag-Lenkrad.

Die Sitze des Renault Sport Spider.
Renault Sport Spider Foto: Angelika Emmerling

Die Schalensitze und die Pedalerie lassen sich individuell justieren. Der vom Alu-Knauf gekrönte Schalthebel des Fünfgang-Getriebes ist etwas lasch geführt.

Der Motor des Renault Sport Spider.
Renault Sport Spider Foto: Angelika Emmerling

Ensemble aus quer montiertem 2,0-l-Vierzylinder mit kunstvollem Krümmer-Geflecht und stark nach vorn geneigten Federbeinen.

Der Renault Sport Spider statisch von der Seite mit offenen Türen und offener Haube fotografiert.
Renault Sport Spider Foto: Angelika Emmerling

Unter der im Ganzen nach vorn klappbaren Kunststoff-Front verbirgt sich sogar ein Stauraum fürs leichte Gepäck.

Der Renault Sport Spider ohne Karosserieaufbau statisch von oben fotografiert.
Renault Sport Spider Foto: Renault

Mit dem schicken Kunststoffkleid zieht der Spider auch heute noch die Blicke auf sich, sein Rückgrat bekommt er aber durch die leichte, ultrasteife Rahmenstruktur aus verschweißten Alu-Profilen. Zusätzlich noch verstärkend wirken der massive Überrollbügel, der ebenfalls gut sichtbare Alu-Armaturenträger sowie die Polypropylen-Wabenstruktur des Fahrzeugbodens.

Früher war alles besser. Diese Aussage stimmt zwar meistens nicht und ist für eine Publikation, die sich mit etwas betagteren Fahrzeugen befasst, auch ein wenig abgedroschen. Doch zumindest was die Vielfalt in der Autowelt betrifft, waren das damals Mitte/Ende der 1990er-Jahre einfach bessere Zeiten. Da ahnte noch keiner, dass sich die noch junge Gattung der SUV zu einer gigantischen Welle aufbauen würde, die bis heute ganze Fahrzeugsegmente wie etwa praktische Kompaktvans oder Cabriolets nahezu verdrängt. In den 90ern hingegen war nur Generalist, wer auch mindestens ein Auto ohne festes Dach im Sortiment führte. Besonders die mit nur zwei Sitzen reduzierte Spielart der Cabrios schickte sich seinerzeit an, aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen.

Produkte für den Klassiker: 

Inspiriert vom Erfolg des 1989 präsentierten und bis heute stark gefragten Roadsters Mazda MX-5 schickten fast alle namhaften Hersteller ihre schnell zusammenmodellierten Concept-Cars der Gattung Roadster zu den Autoshows dieser Welt. Nicht wenige erlangten später die Serienreife wie BMW Z3, Porsche Boxster, Mercedes SLK, Fiat Barchetta, MG F, Audi TT Roadster oder der kultige Honda S2000.
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Der Renault 5 (2024) im Fahrbericht (Video):

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Video: AUTO ZEITUNG

Purismus auf Rädern: Der Renault Sport Spider

Was der französische Generalist Renault 1995 da präsentierte, konnte offenkundig ebenfalls nur eine Studie sein. Doch weit gefehlt. Der Renault Sport Spider war serienfertig, mutete aber an wie ein etwas zu heiß gewaschener offener LeMans-Prototyp und war damit so ziemlich das Radikalste, was man als Roadster auf öffentlichen Straßen bewegen konnte/durfte. Das mit dem LeMans-Prototyp ist gar nicht so weit hergeholt, denn der Sport Spider war ein hundertprozentiges Produkt von Renault Sport, wo man sich ausschließlich mit Rennsport-Technik befasste – bis hin zu den seinerzeit absolut titeltauglichen Formel-1-Antrieben.

Auch dem Sport Spider, gefertigt im Alpine-Werk im nordfranzösischen Dieppe, war ursprünglich nur eine Rennsport-Karriere in der Cup-Serie Renault Sport Spider Trophy in die Wiege gelegt. Die Straßenversion unterscheidet sich kaum vom Cup-Auto und verkörpert die Kunst des Weglassens, also die beste Methode zur Gewichtsreduzierung. Wer braucht schon Radio, Heizung, Klima, Türöffner oder ein einstellbares Lenkrad? Immerhin lassen sich der Fahrersitz sowie die Pedalerie einstellen.

Das Cockpit des Renault Sport Spider.
Foto: Angelika Emmerling

Fahren unter freiem Himmel – kompromisslos umgesetzt

Das erste Testexemplar des Sport Spider erregte 1997 bei der Ankunft im Testfuhrpark der AUTO ZEITUNG viel Aufsehen. Denn es handelte sich hier um die spektakuläre Ausgabe ohne Windschutzscheibe. Stattdessen sollte sich ein Windabweiser um Ruhe kümmern, was aber nur mäßig funktionierte. Die Nutzung der mitgelieferten Vollvisierhelme war daher unbedingt angeraten, um sich vor schmerzhaften Begegnungen mit Hummeln oder aufgewirbeltem Rollsplit zu schützen.

Zur Jubiläumsausfahrt dient uns allerdings die Version mit Windschutzscheibe, und die ist sogar beheizt, denn es gibt ja keine Lüftung, die bei beschlagener Scheibe für Durchblick sorgen könnte. Konzeptionell ist der Renault Sport Spider ein echtes Mittelmotor-Rennauto mit extrem verwindungssteifem Rahmen aus Alu-Profilen, einem Fahrzeugboden aus Polypropylen in Wabenstruktur, einer nur dreiteiligen Kunststoffkarosserie und den beiden nach oben schwenkenden Türen – gut für die Show.

Rennsport trifft im Spider auf Funktionalität

Die Schalensitze und die Pedalerie lassen sich individuell justieren. Unter der im Ganzen nach vorn klappbaren Kunststoff-Front verbirgt sich sogar ein Stauraum fürs leichte Gepäck. Der vom Alu-Knauf gekrönte Schalthebel des Fünfgang-Getriebes ist etwas lasch geführt.  Vorn spendiert Renault Sport dem Spider eine rennsportbewährte Radführung mit Doppelquerlenkern und quer zur Fahrtrichtung liegenden Federbeinen, angelenkt per Umlenkhebel.

Die Antriebs-/Fahrwerkskonstruktion hinter den beiden Sitzen besteht aus einem quer montierten 2,0-l-Vierzylinder mit 147 PS (108 kW) (aus dem Mégane Coach/Cabriolet und Nachfahre des Clio Williams-Aggregats) und etwas abenteuerlicher Längs-/Querlenker-Radführung sowie – mangels Bauhöhe – stark nach vorn geneigten Federbeinen. Das alles präsentiert sich sehr offenherzig nach Öffnen der Kunststoffhaube, die sich – wie die komplett nach vorn klappbare Front – recht wackelig und fragil anfühlt.

Der Motor des Renault Sport Spider.
Foto: Angelika Emmerling

Nicht zu unterschätzen: das Fahrverhalten

Ganz im Gegensatz dazu zeichnet sich der 890 kg leichte Roadster durch seine unerschütterliche Kurvenstabilität aus und liefert jenes direkte Fahrgefühl, das man aufgrund seiner kompromisslosen Machart auch erwartet – einschließlich der besonders bissigen, aber ABS-freien Bremse aus der Alpine A610 Turbo. Die – selbstverständlich servofreie – Lenkung arbeitet fast ein wenig zu direkt, da die 16-Zoll-Mischbereifung (Michelin Primacy HP) unverzüglich hohe Seitenführungskräfte aufbaut und Lenkbewegungen sehr zackig umsetzt. Typisch für ein Mittelmotorsportler scheint das Querbeschleunigungspotenzial unendlich. Ist es aber nicht. Denn am Ende des Grenzbereichs ist es plötzlich vorbei mit der Haftung und das Heck nur noch mit blitzartiger Reaktion am Lenkrad einzufangen.

Deshalb suchen wir bei einsetzendem Nieselregen erst einmal entspannt ein trockenes Plätzchen – ein schützendes Dach gibt es für den Renault Sport Spider nämlich nicht, bestenfalls eine Persenning, die den Innenraum ein wenig vor Nässe schützt. Doch schon bald wirds wieder trocken, und der Vierzylinder nimmt frei von künstlichen Soundeffekten wieder den Betrieb auf, dreht munter hoch und wirbelt das Leichtgewicht munter über die Strecke. Die sollte übrigens möglichst eben sein, denn auch mit seiner straffen Abstimmung unterstreicht der Renault seine Herkunft aus der Rennabteilung – anders als etwa eine ähnlich radikale Lotus Elise aus der gleichen Zeit, die mit softerer Abstimmung eher auf schlecht gepflegtem englischen Asphalt zu Hause ist. Den Renault hingegen zieht es mehr auf den Circuit, wo er auch heute noch präzise und schnell seine Runden zieht.

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Technische Daten des Renault Sport Spider

Classic Cars 03/2021Renault Sport Spider
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4
Hubraum1998 cm³
Leistung108 kW/147 PS
Max. Gesamtdrehmoment bei185 Nm bei 4500/min
Getriebe/AntriebFünfgang-Schaltgetriebe/Hinterrad
L/B/H3795/1830/1250 mm
Leergewicht890 kg
Bauzeit1995–1999
Stückzahl1493
Beschleunigung
null auf 100 km/h
7,5 s
Höchstgeschwindigkeit215 km/h
Verbrauch auf 100 km9,3 l S
Grundpreis (Jahr)56.800 Mark (1996)

Fazit

Renault Sport steht drauf, und das ist kein Etikettenschwindel. Der Sport Spider wurde für die Rennstrecke konstruiert, und daran lässt er auf seine kompromisslose Art auch nach 30 Jahren keine Zweifel. Er baut ein hohes Querbeschleunigungspotenzial auf, angefeuert von einem drehfreudigen Vierventiler. Zum lässig-entspannten Cruisen gibt es jedoch geeignetere Roadster, vielleicht sogar mit Radio, Komfort und ein wenig mehr Stauraum. Gepflegte Spider – etwa 1500 wurden bis 1999 gebaut – sind heute rar, und die meisten übersteigen den Neupreis von damals 56.800 Mark sehr deutlich.