Porsche C88 (1994): Der Dacia von Porsche

Die Untiefen der Automobilhistorie fördern immer wieder Überraschungen zutage: So hätte sich in den 90ern beinahe die Geschichte des VW Käfer wiederholt – mit dem Porsche C88, einem Volksmobil für China.

(1/7)
Der Porsche C88 (1994) stehend von schräg vorne.
Porsche C88 (1994) Foto: Porsche

Kein Scherz: Der C88 erinnert zwar eher an den späteren Dacia Logan, stammt aber tatsächlich aus dem Porsche-Konstruktionsbüro und sollte in China Karriere machen.

Der Porsche C88 (1994) stehend von hinten.
Porsche C88 (1994) Foto: Imago

Die Studie steht heute im Porsche-Museum, trägt aber witzigerweise kein einziges Porsche-Wappen.

Der Porsche C88 (1994) stehend von vorne.
Porsche C88 (1994) Foto: Porsche

Die Kompaktlimousine geizt mit optischen Reizen.

Der Porsche C88 (1994) stehend seitlich.
Porsche C88 (1994) Foto: Porsche

In lediglich dreieinhalb Monaten hatte die Entwicklungsabteilung in Weissach gemeinsam mit chinesischen Design- und Ingenieurskräften den Viertürer auf die Räder gestellt.

Das Cockpit des Porsche C88 (1994).
Porsche C88 (1994) Foto: Porsche

Das asymmetrische und recht verspielte Armaturenbrett könnte als Vorläufer der New-Edge-Bewegung bei Ford durchgehen.

Die Sitze des Porsche C88 (1994).
Porsche C88 (1994) Foto: Porsche

Der Innenraum sollte perfekt auf die von China propagierte Ein-Kind-Familie zugeschnitten sein. Man erkennt sogar den eigens dafür gestalteten Kindersitz auf der Rücksitzbank.

Blick in den Motorraum des Porsche C88 (1994).
Porsche C88 (1994) Foto: Porsche

Der 1,1-l-Reihenvierzylinder sollte bis zu 67 PS (50 kW) generieren.

Blitzt da vielleicht doch ein Hauch von Spiegelei-996er aus den organisch geformten Frontleuchten heraus? Eher nicht. Auch auf den tausendsten Blick wäre der Porsche C88 wohl kaum als Produkt aus Zuffenhausen erkennbar und doch steht er im hauseigenen Museum zwischen Ikonen wie 356, 911 und 917, als stummer Zeuge der Macht Chinas. Der mittlerweile weltgrößte Automarkt steckte in den 1990er-Jahren noch in den Kinderschuhen und die dortige Regierung war auf der Suche nach einem günstig zu produzierenden Auto, um die mehr als eine Milliarde Menschen in der Volksrepublik mobil zu machen.

Passendes Zubehör für den Klassiker:

Eigens dafür hatte China eine Art Wettkampf zwischen 20 westlichen Autoherstellern ausgerufen, darunter Fiat, Ford, Mercedes, Opel und eben auch Porsche. Auf den ersten Blick mag die Sportwagenmarke nicht gerade wie eine ernstzunehmende Adresse in Sachen Budget-Engineering wirken. Oft wird dabei vergessen, dass das bereits 1931 von Ferdinand Porsche gegründete Konstruktionsbüro (diese Autos wurden von Porsche entwickelt) mit externen Entwicklungsaufträgen das finanzielle Rückgrat des Unternehmens bildete.

Dort hatte man in der NS-Zeit auch den propagierten Volkswagen erdacht, der später unter dem Namen VW Käfer zur Legende werden sollte. Die Aussicht auf den Volkswagen für China stieß 1994 jedenfalls auf großes Interesse vonseiten Porsches: Die Marke war knapp am Bankrott vorbeigeschlittert und benötigte dringend neue Perspektiven – wie den C88.
Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

Der Porsche 911 GT3 (2025) im Fahrbericht (Video):

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Der beinahe-Volkswagen für China: Porsche C88 (1994)

Dabei war schon die Bezeichnung Porsche C88 gerade mit Hinblick auf Porsches Rolle im Nationalsozialismus eher unglücklich gewählt. C sollte in diesem Falle für China stehen, die acht wiederum ist eine Glückszahl im Reich der Mitte. In lediglich dreieinhalb Monaten hatte die Entwicklungsabteilung in Weissach gemeinsam mit chinesischen Design- und Ingenieurskräften eine viertürige Limousine auf die Räder gestellt, die aus heutiger Sicht optisch stark an den zehn Jahre später eingeführten Dacia Logan erinnert. Einziger Blickfänger an der ziemlich reizarmen Karosserie: Statt des Porsche-Wappens hatte sich die Marke an einer Neuschöpfung bestehend aus drei Kreisen versucht, die ein Dreieck bilden. Es sollte das aus der Ein-Kind-Politik hervorgehende chinesische Familienideal aus Vater, Mutter und Kind symbolisieren.

Die Sitze des Porsche C88 (1994).
Foto: Porsche

Dazu war Porsche eigens die Extrameile gegangen und hatte einen Kindersitz entworfen, der sich dank des übereinstimmenden Stoffbezugs perfekt in die Rücksitzbank einfügte. Nicht weniger interessant mutet das Armaturenbrett des C88 an, das mit seiner asymmetrischen Gestaltung wie ein Vorbote der New-Edge-Bewegung von Ford daherkommt. Jedenfalls mag die verspielte Darstellung von Tankuhr und Kühlwassertemperatur nicht ganz zum nüchternen Äußeren passen. Auch der Schaltknauf für das Fünfgang-Getriebe mutet wie ein Joystick aus einem Science-Fiction-Streifen der 90er an.

Dubioses Ende nach großen Hoffnungen

Unter die Motorhaube pflanzte Porsche einen 1,1 l großen Reihenvierzylinder, dessen Leistungsausbeute 47 PS (35 kW) bis 67 PS (50 kW) betragen sollte. Damit waren zwar keine Porsche-Fahrleistungen, aber immerhin Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 165 km/h möglich. 16 s hätte der Sprint von null auf 100 km/h mindestens gedauert. Am Ende gelangten diese Werte jedoch nie in einen Verkaufsprospekt, sondern lediglich auf den Museumssteckbrief.

Auch interessant:

Obwohl die Marke voll hinter dem Projekt stand und der Firmenchef sowie spätere Porsche-Retter Wendelin Wiedeking (So lief die gescheiterte VW-Übernahme ab) bei der Präsentation auf dem internationalen Familienauto-Kongress in Peking (China) sogar eine Rede auf Mandarin hielt, setzte sich der Porsche C88 nicht durch. Tatsächlich galt das aber auch für alle anderen Wettbewerber-Autos: Noch bevor ein Sieger gekürt werden konnte, kippte die Regierung die Ausschreibung. Man munkelt, China habe sich in den Folgejahren beim Aufbau der eigenen Automobilindustrie nicht nur einmal von den Studien aus Westeuropa inspirieren lassen. Porsche wiederum bemühte sich derweil, dem indischen Automarkt den C88 schmackhaft zu machen, jedoch ohne Erfolg. Das besiegelte das Schicksal des Porsche-Volkswagens der 90er.