984 Junior: Darum scheiterte Porsches offenes Geheimnis
Mitte der 80er-Jahre hatte Porsche eigentlich alle Trümpfe in der Hand, um Mazdas MX-5 zuvorzukommen und den Roadster-Hit schlechthin zu landen. Doch dann intervenierte VW, die Finanzen kippten und der Porsche 984 Junior verschwand für die nächsten 30 Jahre.
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Die Entstehung des Porsche 984 Junior fußte auf dem Seat Ibiza
Wem das mit dem Porsche 984 Junior etwas spanisch vorkommt, liegt nicht ganz falsch. Das ambitionierte Projekt für einen günstigen Einstiegs-Porsche geht nämlich zurück auf eine Zusammenarbeit mit Seat.
Eine Zusammenarbeit zwischen VW-Konzerngeschwistern leuchtet aus heutiger Sicht ein. Nur gabs diese Konstellation vor gut 40 Jahren noch nicht: Seat hatte sich nach Jahrzehnten als Fiat-Lizenzbauer 1982 von Turin abgenabelt und in die Eigenständigkeit gewagt, während Porsche zwar durchaus Geschäftsbeziehungen nach Wolfsburg pflegte, aber als Sportwagenschmiede und Konstruktionsbüro auf eigenen – wenn auch nicht immer standfesten – Beinen stand.
Genau dieser Umstand führte die beiden Unternehmen schließlich zusammen. Seat suchte einen kompetenten Partner für die Motorenentwicklung und Porsche die finanziellen Mittel, um die eigene Modellpalette auszubauen. So kam es, dass sich unter der Haube der ersten Seat Ibiza-Generation 1984 „System Porsche“-Schriftzüge fanden.
Nach der Pflicht folgt die Kür: Jetzt, wo im Ibiza der neue Vierzylinder aus Weissach werkelte, stand der Einbau in einen kleinen Mittelmotor-Roadster auf dem Plan. Seat und Porsche wollten das Projekt mit dem Codenamen 984 Junior gemeinsam entwickeln – so wie einst VW und Porsche den 914.
Auf halbem Wege grätschte 1986 ausgerechnet Wolfsburg dazwischen. Der kleine Seat-Porsche passte nicht in die großen Volumenpläne der neuen Seat-Konzernmutter. So stand man in Zuffenhausen plötzlich ohne Entwicklungspartner da. Doch anstatt den 984er zu beerdigen, boxte sich die Entwicklungsabteilung in Eigenregie durch.
Der Porsche 911 GT3 S/C im Video

Trotz teils wilder Ideen steckte nur ein frisierter 914/6-Boxer unter der Haube
Positiv betrachtet, brachte die unfreiwillige Unabhängigkeit Porsche deutlich größeren Handlungsspielraum ein. Bislang hatte sich so ziemlich jeder Versuch eines Einstiegsmodells wie ein Kompromiss auf Rädern angefühlt: Der 912 ging als untermotorisierter Elfer mit blassem Charakter in die Sportwagen-Annalen ein, 914 und 924 gerieten zum konzernpolitischen Fiasko mit VW und Audi.
Die Überlegungen zum verwendeten Triebwerk reichten von einem auf vier Zylinder eingedampften 911- oder 928-Motor über den VW Golf GTI-Vierzylinder bis hin zum Wasserboxer aus dem T3. Schlussendlich sollte es doch eine Neuentwicklung werden: vier Ventile, vier Zylinder, zwei Liter Hubraum, luftgekühlter Boxer und 120 bis 150 PS (88 bis 110 kW), optional auch mit Turboaufladung und sogar als Flugmotor verwendbar. Jep, um die Geldscheine des Vorstands zu lockern, ließ man wirklich nichts unversucht.
Der fahrfertige Prototyp musste für die Testfahrten mit den obersten Chefs anno 1987 aber erstmal mit einem auf 135 PS (99 kW) frisierten 914/6-Boxer vorliebnehmen. Auch abgesehen vom antiken Triebwerk wirkte der Porsche 984 Junior zu diesem Zeitpunkt arg zusammengeschustert, was er ja auch war. Der glattgebügelte Vorderwagen mit Glubschaugen-Scheinwerfern transaxlete ganz gewaltig und auch das Cockpit wirkte wie eine Miniatur des 944.
Aber im Prototyp steckte noch mehr als die leidliche Vermischung von Porsche-Komponenten der letzten 15 Jahre. So hatte sich das Ingenieursteam ein versenkbares Hardtop ausgedacht, das eine Dekade später dem Mercedes SLK eine Bestellflut einbrachte, die zu mehrjährigen Wartezeiten führte. Überhaupt hätte der 984 die Roadster-Lawine lostreten können, die nur zwei Jahre später der Mazda MX-5 ins Rollen brachte.
2018 holte Porsche den 984 wieder ans Tageslicht
Visionäre Stimmung und Weitsicht waren aber nicht das Brot, das Porsche Ende der 80er am Leben hielt. Wegen eines schwachen Dollarkurses war der Sportwagenbauer tief in die roten Zahlen abgerutscht. Das Schicksal des Junior-Projekts, das ohnehin als komplette Eigenentwicklung zu teuer geworden wäre, war damit besigelt.
Der Porsche 984 wurde eingelagert, während Anfang der 90er draußen die Roadster wie Pilze fröhlich aus dem Boden sprossen. Als die Marke dann schlussendlich doch noch auf den Zug aufsprang, entstand wieder ein kleiner Mittelmotor-Boxer. Der hieß dann nur nicht mehr 984, sondern Boxster. Den 984er holte Porsche schließlich 2018 im Rahmen einer größeren Asservatenkammer-Öffnung wieder ans Tageslicht.


















