Vergleich

Ford Capri Turbo & Starion: Schluss mit lustig für den Porsche 944?

1982 war Schluss mit lustig: Der Porsche 944 hatte Konkurrenz 
bekommen. Ford Capri Turbo und Mitsubishi Starion 2000 EX rückten ihm in unserem historischen Vergleichstest auf die Pelle.

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Porsche 944/Mitsubishi Starion 2000 EX/Ford Capri Turbo fahrend von vorne fotografiert.
Anno 1982 die jüngsten Sportcoupés aus den Produktionshallen von Porsche, Mitsubishi und Ford: 944, Starion 2000 EX, Capri Turbo. Foto: Willy Bister
Porsche 944 fahrend von der Seite fotografiert.
Porsche 944: Ein Porsche, der endlich wieder Spaß macht. Foto: Willy Bister
Das Cockpit des Porsche 944.
Deutliche Instrumentierung mit großen Ziffern, wobei der Drehzahlmesser so gestellt wurde, dass der günstige Fahrbereich nicht durch die Hand verdeckt wird. Foto: Willy Bister
Der Innenraum des Porsche 944.
Die Sitze geben guten Halt, allerdings stört das zu große Lenkrad beim sportlichen Kurbeln. Foto: Willy Bister
Der Motor des Porsche 944.
Vierzylinder-Saugmotor mit 2,5 l Hubraum und 163 PS (120 kW). Foto: Willy Bister
Mitsubishi Starion 2000 EX fahrend von der Seite fotografiert.
Mitsubishi Starion 2000 EX: Klassisches 2+2-Coupé mit reizvoller Technik. Foto: Willy Bister
Das Cockpit des Mitsubishi Starion 2000 EX.
Tachometer und Drehzahlmesser liegen gut im Blickfeld und sind nahezu spiegelfrei. Der kleine Ladedruckanzeiger dazwischen verbreitet zuviel unnötige Hektik, gering ist sein Informationswert. Foto: Willy Bister
Der Innenraum des Mitsubishi Starion 2000 EX.
Die mehrfach einstellbaren Ledersitze genügen auch europäischen Ansprüchen. Foto: Willy Bister
Der Motor des Mitsubishi Starion 2000 EX.
Vierzylinder-Turbomotor mit 2,0 l Hubraum und 170 PS (125 kW). Foto: Willy Bister
Ford Capri Turbo fahrend von der Seite fotografiert.
Ford Capri Turbo: Der stärkste Ford-Straßen-Capri, den es gibt. Foto: Willy Bister
Das Cockpit des Ford Capri Turbo.
Zwei spiegelnde Instrumente im Sichtfeld, die Ziffern zu klein und der Drehzahlmesser ohne Warnbereich, die Zusatzinstrumente schwer ablesbar: Die Zeit ist über das Capri-Cockpit hinweggeeilt. Foto: Willy Bister
Der Innenraum des Ford Capri Turbo.
Die Sportsitze sind gut, zeigen aber einige kleinere Mängel in der Handhabung. Foto: Willy Bister
Der Motor des Ford Capri Turbo.
Sechszylinder-Turbomotor
mit 2,8 l Hubraum und 188 PS (138 kW). Foto: Willy Bister
Porsche 944/Mitsubishi Starion 2000 EX/Ford Capri Turbo statisch von vorne fotografiert.
Ein Urteil über die drei so verschiedenen „Muskeltiere“ fällt doch recht leicht. Porsches 944 dürfte nach wie vor der Sportwagen sein, für den es sich lohnt, zu sparen. Der Mitsubishi Starion wirkt als hochveredeltes Limousinen-Coupé gut gelungen, ungeachtet mancher Ungereimtheiten. Wie ein Dinosaurier aus einer vergangenen Epoche erscheint in diesem Test-Trio der Ford-Capri Turbo. Das Ende seines recht kurzen Lebens ist allerdings heute schon absehbar. Dennoch dürfte der Abschied diesem oder jenem sicherlich schwerfallen. Foto: Willy Bister

Drei Sportcoupés, drei völlig verschiedene Wege

Sie bieten ausreichend Leistung, eine aerodynamisch optimierte Karosserie, im Innenraum kaum mehr Platz als für zwei Erwachsene plus Gepäck, und sie kosten zwischen 30.000 bis 40.000 Mark: Die jüngsten Sportcoupés aus den Produktionshallen von Porsche, Mitsubishi und Ford. AUTO ZEITUNG verglich die zwei brandneuen Modelle Mitsubishi Starion 2000 EX und Ford Capri Turbo mit dem einige Monate älteren Porsche 944, in dieser Fahrzeugklasse sozusagen der Maßstab aller Dinge.

Schon beim ersten, noch theoretischen Kennenlernen der Kandidaten überraschte, wie differenziert die Hersteller ihre Vorstellung von einem attraktiven Sportwagen in der gehobenen Kategorie technisch verwirklicht haben. Porsche versorgt die Kundschaft mit einem elastischen, verbrauchsgünstigen Vierzylinder, der aus 2,5 l Hubraum ohne Abgasaufladung 163 PS (120 kW) schöpft. Dazu propagieren die Stuttgarter:innen die Vorteile der Transaxle-Bauweise (Motor vorn, Getriebe und Differential hinten), die für eine ziemlich ausgeglichene Achslastverteilung und ein entsprechend gutmütiges Fahrverhalten bürgt.

Der Cayenne Electric (2026) im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Porsches Sauger gegen den späten Turbo-Wumms

Mitsubishi gibt seinem Starion ebenfalls einen Vierzylindermotor mit auf den Weg, der aber bei nur zwei Liter Hubraum mittels Turbolader auf 170 PS (125 kW) hochgejubelt wird. Konventionell die Lage des Motors (vorn) und des Antriebs (hinten). Halten es die Ford-Techniker:innen bezüglich der Lage von Motor und Antrieb noch wie die Japaner:innen, so machen sie zumindest in puncto Triebwerk eine nicht unerfreuliche Ausnahme. Der bekannte V6-Motor mit 2,8 l Hubraum schüttelt wie beiläufig – dank eines mächtigen Turboladers – 188 PS (138 kW) aus dem dumpf brummelnden Auspuff.

So unterschiedlich die Wege sind, dem Interessenten ein attraktives Leistungsangebot zu offerieren, so einig war man sich – wohl mehr zufällig – im Punkt Höchstgeschwindigkeit: Alle drei Sportler laufen laut AUTO ZEITUNG-Messung zwischen 210 und 218 km/h Spitze. Doch enden mit diesem einen Beispiel auch gleich die Gemeinsamkeiten.

Porsche 944 fahrend von der Seite fotografiert.
Foto: Willy Bister

Denn schon bei den ermittelten Verbrauchswerten ergaben sich im Mittel Unterschiede von knapp drei Liter Superbenzin auf 100 Kilometern: Porsche 11,5 l, Mitsubishi 14,3 l, Ford 13,8 l. Und auch die Art, wie die drei Testobjekte ihre Leistung mobilisierten, brachte weitere Unterschiede zutage. Im Porsche 944 verrichtet der Vierzylinder seine Arbeit nach Art eines Sechszylinders, er strengt sich scheinbar nie an und sorgt über den gesamten nutzbaren Drehzahlbereich für zügigen Vortrieb und eine kaum wahrnehmbare Geräuschkulisse.

Der Starion knöpft dem Porsche Zeit ab

Die Überraschung: Der Starion ist sowohl in der Beschleunigung als auch bis in den Bereich der Maximalgeschwindigkeit immer einige Zehntelsekunden schneller als der Porsche. Auch hier eine zügige, ruhige Leistungsabgabe, was in den Porsche- und Starion-Motoren jeweils auch die beiden Ausgleichswellen bewirken, die Vibrationen vermeiden helfen. Dieses System beruht auf einem Patent von Mitsubishi. Bei der Beschleunigung des Japan-Coupés macht sich die Motoraufladung erst jenseits von 3000/min deutlich bemerkbar.

Der spürbare Turboschub wird – zumindest auf feuchter und weniger griffiger Fahrbahn – unerfahrenen Lenkenden unter Umständen Probleme bereiten. So kommen die Zusatz-PS häufig erst dann zum Einsatz, wenn sie nicht mehr erwünscht sind. Der folgende Drift über die Vorderräder bedarf zwecks Korrektur einer ruhigen Hand. Tipp: Soll der Starion sportlich bewegt werden, ist es ratsam, die Drehzahl nicht unter 4000/min fallen zu lassen. Das garantiert permanenten Leistungsdruck.

Der Capri Turbo: Deutschlands sportivster Lastwagen

Solche Feinheiten sind im Fall des Ford Capri Turbo kein Thema. Reichlich Hubraum plus Aufladung verleihen dem bewährten Triebwerk eine Dampfhammer-Charakteristik. Der Ladereinsatz ist praktisch nicht spürbar. Weitere Capri-Kennzeichen: der sonore Sound und eine Sitzposition, aus der man nur mit Mühe den „Potenzknubbel“ auf der Haube ausmachen kann. Die kleinen Fensterflächen vermitteln zudem das Gefühl, eine überstarke Stock-Car-Limousine zu bewegen. Es ist auch gar nicht so falsch, von „Deutschlands sportivstem Lastwagen“ zu sprechen.

„Der schnellste Serien-Capri, den es je gab, verlangt also nach Fahrerhänden, die gut zupacken können. “
Lothar Boschen, AZ 13/1982

Ähnlich wie die Motor-Charakteristik lässt sich auch das Handling des Turbo-Capri beurteilen: Bei langen Autobahnbodenwellen wird er schaukelig, auf kurzen Unebenheiten poltern die Räder. Und sollte die Fahrbahndecke einmal topfeben sein, laufen die 235/60er-Reifen jeder Rille nach. Der schnellste Serien-Capri, den es je gab, verlangt also nach Fahrerhänden, die gut zupacken können. Die Kombination von innenbelüfteten Scheibenbremsen vorn und nur Trommelbremsen hinten reicht zwar, um die rund 1300 kg Fahrgewicht zum Stehen zu bringen, doch die Betätigung des entsprechenden Pedals löst wenig Freude aus: Nach einem unangemessen langen Pedalweg hat der Stopper das Gefühl, in einen halbgaren Teig zu treten.

Ford Capri Turbo fahrend von der Seite fotografiert.
Foto: Willy Bister

Modernste Technik im Starion trumpft auf

Mitsubishi trumpft dagegen mit geballter, moderner Technik auf. Vier innenbelüftete Scheibenbremsen in Verbindung mit einem selbstentwickelten Anti-Schleuder-Brems-System an der Hinterhand (ASBS) vermitteln unter allen Verkehrsbedingungen ein Gefühl der Sicherheit. Beim japanischen ASBS überwacht ein Mini-Computer den idealen Verzögerungswert und verhindert durch Verringerung der Bremskraft an den Hinterrädern ein Blockieren.

In Verbindung mit den 205/55 VR 16-Reifen – wie im Test gefahren – erweist sich der Porsche 944 als kurvenneutral, angenehm im Handling und untadelig in den Bremseigenschaften – wenn auch mit dem kleinen Manko, daß beim harten Bremsvorgang und einem leicht entlasteten Hinterrad dieses überbremst, es also leicht blockieren kann.

Mitsubishi Starion 2000 EX fahrend von der Seite fotografiert.
Foto: Willy Bister

Die letzten großen Unterschiede zwischen den drei Mobilen ergaben sich aus dem Endpreis und der dafür gebotenen Serienausstattung: Der Mitsubishi Starion weckt angesichts einer nahezu kompletten Ausstattung kaum noch Extra-Wünsche. Der Capri Turbo, in der Basisversion nur 900 Mark billiger als der Porsche, kommt inklusive einiger Extras auf über 40.000 Mark. Der Porsche 944, der sich in der Summe aller Eigenschaften als bestes der drei Autos entpuppte, erreicht bei einer nur wenig verbesserten Ausstattung schnell die 45.000-Mark-Grenze.

So fällt ein Urteil über die drei so verschiedenen „Muskeltiere“ doch recht leicht. Porsches 944 dürfte nach wie vor der Sportwagen sein, für den es sich lohnt, zu sparen. Der Mitsubishi Starion wirkt als hochveredeltes Limousinen-Coupé gut gelungen, ungeachtet mancher Ungereimtheiten (siehe Plus- und Minuspunkte). Wie ein Dinosaurier aus einer vergangenen Epoche erscheint in diesem Test-Trio der Ford Capri Turbo. Das Ende seines recht kurzen Lebens ist allerdings heute schon absehbar. Dennoch dürfte der Abschied diesem oder jenem sicherlich schwerfallen. Von Lothar Boschen

Technische Daten von Porsche 944, Mitsubishi Starion 2000 EX und Ford Capri Turbo

AUTO ZEITUNG 13/1982

Porsche 944

Mitsubishi Starion 2000 EX

Ford Capri Turbo

Zylinder / Ventile pro Zylin.

4 / 2

4 / 2

6 / 2

Hubraum

2479 cm³

1997 cm³

2792 cm³

Leistung

120 kW/163 PS bei 5800 U/min

125 kW/170 PS bei 5500 U/min

138 kW/188 PS bei 5500 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

205 Nm bei 3000 U/min

245 Nm bei 3500 U/min

268 Nm bei 4500 U/min

Getriebe / Antrieb

5-Gang-Getriebe / Hinterrad

5-Gang-Getriebe / Hinterrad

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

L / B / H

4200 / 1735 / 1275 mm

4425 / 1705 / 1315 mm

4439 / 1780 / 1323 mm

Leergewicht

1180 kg

1220 kg

1225 kg

Bauzeit

1981 – 1991

1982 – 1990

1981 – 1982

Stückzahl

163.303 (944 ges.)

k.A.

ca. 200

Beschleunigung null auf 100 km/h

7,9 s (AZ 13/1982)

7,7 s (AZ 13/1982)

8,7 s (AZ 13/1982)

Höchstgeschwindigkeit

218 km/h (AZ 13/1982)

218 km/h (AZ 13/1982)

210 km/h (AZ 13/1982)

Verbrauch auf 100 km

11,5 l S (AZ 13/1982)

14,3 l S (AZ 13/1982)

13,8 l S (AZ 13/1982)

Grundpreis (Jahr)

38.900 Mark (1982)

31.500 Mark (1982)

38.000 Mark (1982)