Opel Manta B vs. Opel Ascona B: Die Irmscher-Versionen im Duell
Wir feiern 2025 zwei Opel-Jubiläen: 50 Jahre Ascona B und 50 Jahre Manta B: Zum Ausklang des Jubiläumsjahrs treffen im Vergleich zwei ganz besondere Vertreter der Baureihen aufeinander.
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Der neunte Buchstabe des Alphabets hat eine gewisse Tradition im Hause Opel: 1985 wies das „i“ erstmals bei Manta B und Kadett E GSi auf die injection (sprich: Einspritzung) hin und löste damit das bisherige GS/E respektive GT/E ab. Doch das "i" tauchte schon früher bei Opel auf – und zeugte dabei immer wieder von einer ganz besonders fruchtbaren Kooperation zwischen dem Rüsselsheimer Fahrzeughersteller und der Tuning-Schmiede aus dem schwäbischen Winnenden beziehungsweise Remshalden. 1977 sorgte Irmscher mit dem "Paradiesvogel", einem knallbunten Manta i2800, für Furore, im Jahr darauf präsentierte das Team um den Rallye-begeisterten Firmengründer Günther Irmscher die "weiße Flotte".
Mit diesen Projekten stellte Irmscher die Verbindung der sportlichen Einsatzfahrzeuge zu den zivilen Straßenautos her – mitunter aus banalem Grund: Offiziell angeboten wurden sie als Homologationsmodelle für die Motorsport-Einsätze gebraucht. So verschmolzen die Grenzen: Die 70er-Jahre waren die Hochzeit der Hobbyschrauber:innen, die ihr Alltagsauto mit den richtigen Zutaten und viel Enthusiasmus aufpeppten, um am Wochenende sporadisch auf dem Slalomkurs, am Berg oder bei einer Rallye zu starten.
Der Ascona erinnert an die 1000er-Serie des Kadett
Genau diesen Geist versprüht der gelb-weiße Ascona, in dem wir zunächst Platz nehmen. Auf den ersten Blick wirkt er wie der ambitionierte Versuch eines Familienvaters, der Alltagskutsche den Look der legendären 1000er Serie des Opel Kadett zu verpassen. Tatsächlich aber war er ein echtes Sondermodell, das es so beim freundlichen Opel-Händler zu kaufen gab: von Irmscher entwickelt, in Bochum und Winnenden gebaut. Der 1979 vorgestellte i2000 basierte auf dem zweitürigen Opel Ascona 2.0 SR und sollte vor allem "sportlich besonders engagierte Fahrer" ansprechen, die sich "über den normalen Fahrbetrieb hinaus die Möglichkeit offenhalten möchten, an Rallye-Wettbewerben teilzunehmen".
So stand es zumindest seinerzeit im Prospekt. Zu den von Irmscher beigesteuerten Komponenten gehörten die Solex-Doppelvergaseranlage, mit der die Leistung von 100 PS (74 kW) auf 120 PS (88 kW) anstieg, sowie ein sportlich abgestimmtes Fahrwerk mit innenbelüfteten Scheiben an der Vorderachse. Die Leichtmetallfelgen mit 185/70 R 13-Bereifung wurden im Fall unseres Fotoautos durch breitere 15-Zöller in gleicher Optik ersetzt. Am auffälligsten sind natürlich die Spoiler an Front und Heck sowie die bereits erwähnte zweifarbige Lackierung – diese Kombination greift Irmscher übrigens derzeit für ein i2000-Sondermodell des aktuellen Astra auf.

Die Recaro-Sitze des Ascona i2000 stammen aus dem SR, tragen aber in diesem Fall ebenso wie die Rückbank das vor allem bei den eingeschworenen Opel-Fans so beliebte Muster mit den großen Blitzen. Das kompakte Lenkrad mit den drei gelochten Speichen lässt ein bisschen „Nenn mich Walter“-Feeling aufkommen, doch vom Vorstart einer Wertungsprüfung ist nicht viel zu sehen. Muss ja auch nicht: Der i2000 war der Wegbereiter und kleine Bruder des legendären Opel Ascona 400 – das Auto, das man sich auch ohne finanzstarke Sponsoren leisten konnte.
Bis zu den 144 PS (106 kW) des – mehr als doppelt so teuren – Ascona 400 war es trotzdem kein weiter Weg: Die Tuner:innen der 70er- und 80er-Jahre boten da so ihre Möglichkeiten… Das gilt natürlich auch für die Optik. Es ist also nicht nachzuhalten, wie viele Opel Ascona i2000 im Serientrimm überlebt haben. So schätzte Günther Irmscher Senior seinerzeit, dass rund ein Fünftel aller i2000 tatsächlich auch im Wettbewerb eingesetzt würde. Der Rest seien "Pseudo-Sportler" für Individualisten, die das Auto als gute Basis für ihre persönlichen Zwecke sahen. Einer der erfolgreichsten i2000-Fahrer war übrigens Joachim "Jochi" Kleint, der 1979 zusammen mit Gunter Wanger in einem entsprechenden Auto des Opel-Euro-Händler-Teams die Rallye-Europameisterschaft gewann.
Aber ist der Basis-i2000 schon ein echter Sportler? Oder ist er doch nur das Fundament für den Aufbau zum echten Rallye-Auto? Schnell wird klar: Die 120 PS (88 kW) haben leichtes Spiel mit dem leer gerade einmal eine Tonne schweren Opel. Es lässt sich nicht leugnen: Hier ging es nicht um eine komfortable, aber leistungsstarke Familienlimousine – dann wäre der i2000 sicher auch als Viertürer angeboten worden. Der gelb-weiße Ascona ist ein echter Breitensportler: kernig, knackig, kurvengierig. Ein grundehrlicher Typ eben, mit dem es nach kurzer Eingewöhnungsphase erstaunlich flott ums Eck geht.
Der Vergasermotor giert nach Drehzahl, ohne überfordert zu wirken – man spürt aber auch, dass hier bei aller Lebenslust noch Luft nach oben ist. Den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h absolviert der Ascona in unter zehn Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h – das war 1979 durchaus beachtlich für ein Fahrzeug seiner Klasse. Damit lag der Opel auf dem Niveau eines BMW 320i respektive 320/6. Aber der war deutlich mehr auf Komfort getrimmt – und kostete zudem noch einmal rund 1000 Mark mehr. Während BMW damals noch am sportlichen Image seiner Serienautos feilte, galt Opel in dieser Disziplin längst als sichere Bank – nicht zuletzt dank der fruchtbaren Zusammenarbeit mit Irmscher.
Von der technischen Verwandtschaft profitieren beide Autos
Da der Ascona bei seiner Markteinführung 1975 eigentlich eher eine Familienlimousine war, stellte man ihm auch in dieser Generation wieder ein Coupé zur Seite: Wie schon in der Generation zuvor teilte sich der Manta die Technik mit dem Ascona, war optisch aber weit genug von diesem entfernt, um eine klare Differenzierung zu garantieren. Gut – der britische Vauxhall Cavalier, ein Ascona mit Manta-Front, führte diese Unterscheidung schon wieder ad absurdum, wurde in Opels Heimatland aber auch nicht offiziell angeboten. Stattdessen ging hier die Werbung für das neue Modell erst einmal gründlich in die Hose: "Ich träumte, ich wäre im neuen Opel Manta mit Caroline durch Monaco gefahren" – das war den potenziellen Kunden dann doch zu platt.
Opel bekam die Kurve mit einem breit gefächerten Modellprogramm: So gab es – analog zum Erzrivalen Ford Capri – verschiedene Einsteiger-Modelle mit 60 (44 kW) und 55 PS (40 kW) sowie leistungsstärkere Varianten bis hin zum beliebten 2.0 E mit 110 PS (81 kW). Natürlich bot Opel auch wieder einen optisch aufgepeppten GT/E an, aus dem 1984 der GSi wurde. 1981 erschien das sportliche Topmodell der Baureihe: Der Manta 400 war wie der Ascona 400 als reines Wettbewerbsfahrzeug konzipiert worden. Im gleichen Jahr wurde das Rallye-Feeling für die breite Masse greifbar: Der Manta i200 wurde als Homologationsmodell angeboten und unterschied sich in vielen Details vom Standard-GT/E beziehungsweise GSi, obwohl das Basismodell auf derselben Produktionslinie gefertigt wurde: Die Autos wurden vom Band direkt zu Irmscher geliefert und dort aufgerüstet.

Markant waren die an den Manta 400 erinnernden Doppelscheinwerfer (Halogen) sowie der dreiteilige Heckspoiler, vor allem aber die blau-rot-goldene Farbgebung auf dem polarweißen oder astrosilbernen Lack. Die Streifen erinnern an den damaligen Hauptsponsor Rothmans. Zum standardmäßigen i200-Paket gehörten innermotorische Maßnahmen wie ein geänderter Ventiltrieb sowie ein irmscher-Zündverteiler und der Sportauspuff. Die Leistung stieg auf 125 PS (92 kW) an. Wer wollte, konnte seinen i200 beispielsweise mit einem anderen Zylinderkopf (und noch mehr Leistung) oder einem Sperrdifferenzial ordern.
Die Lenkung war direkter, das Fahrwerk härter abgestimmt, als man es vom Basis-GT/E gewohnt war. Zusätzlich stand auch ein breites Portfolio an Alu-Felgen bereit. Im Innenraum hinter den grün getönten Scheiben begeistert der i200 wie der Ascona unseres Vergleichs bis heute mit den Opel-Blitz-Sitzen, optional gab es ein Vierspeichen-Lederlenkrad. Da der i200 bei Irmscher montiert wurde, hätte die Kundschaft ihn dort auch gleich nach Wunsch weiter individualisieren lassen können. Wer beispielsweise noch mehr Leistung wollte, erhielt für 1660 Mark Aufpreis das dazu passende verstärkte Getriebe des 400er.
Bodenständige Technik für einen unvergleichlichen Fahrspaß
Der zu unserem Vergleich angetretene Manta i200 von Oliver Scharf und Valentina Stieben präsentiert sich im besten Originalzustand – inklusive der standardmäßig montierten weißen Ronal-Felgen. Auch der Ascona i2000 aus dem Irmscher-Fuhrpark steht da, als wäre er gerade erst ausgeliefert worden. Das Coupé wirkt einen Tacken moderner, obwohl beide Autos aus der gleichen Ära stammen und die Ausgangbasis für die jeweiligen 400er-Modelle bildeten. Gelobt wurde der Manta seinerzeit für seine Alltagstauglichkeit: Er fährt sich nicht wie ein hochgezüchtetes Tuning-Fahrzeug, die Anschlüsse der einzelnen Gänge zueinander passen gut.
Nur die Leistungskurve hat sich insgesamt spürbar ein Stück weit nach oben verschoben. Der beim 400-Getriebe kurz übersetzte fünfte Gang lässt den roten Bereich (ab 6200/min) beim zügigen Beschleunigen schnell näher kommen, etwas entspannter geht es mit dem serienmäßigen Schongang-Getriebe zu. Die starre Hinterachse zeugt bei beiden Autos von der Rallye-Kompetenz Opels (beziehungsweise Irmschers): Sie lässt sich selbst von schlechten Straßen kaum aus der Ruhe bringen.
Wer es darauf anlegt, lässt das Heck vor allem auf Schotter oder nasser Strecke aber lustvoll ausschwenken. Das sieht spektakulärer aus, als es sich hinter dem Lenkrad anfühlt. Was vor allem begeistert, ist die Leichtigkeit, mit der sich diese Opel – i200 wie i2000 – bewegen lassen. Mit an Bord ist immer die Gewissheit, dass in beiden Autos noch viel mehr Potenzial steckt – wenn man sie denn tatsächlich im (mittlerweile historischen) Rallyesport bewegen wollte...
Technische Daten von Opel Manta B i 200 und Opel Ascona B i 2000
Classic Cars 12/2025 | Opel Manta B i 200 | Opel Ascona B i 2000 |
|---|---|---|
Zylinder / Ventile pro Zylin. | 4 / 2 | 4 / 2 |
Hubraum | 1979 cm³ | 1979 cm³ |
Leistung | 92 kW / 125 PS | 88 kW / 120 PS |
Max. Drehmoment | 163 Nm bei 4700 U/min | 167 Nm bei 4500 U/min |
Getriebe / Antrieb | Fünfgang-Getriebe / Hinterrad | Viergang-Getriebe / Hinterrrad |
L / B / H | 4445 / 1670 / 1300 mm | 4321 / 1670 / 1380 mm |
Leergewicht | 1020 kg | 980 kg |
Bauzeit | 1983 – 1986 | 1979 – 1981 |
Stückzahl | 3074 | 5000 |
Beschleunigung null auf 100 km/h | 9,3 s | 9,8 s |
Höchstgeschwindigkeit | 198 km/h | 180 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 9,8 l S | 12,0 l S |
Grundpreis (Jahr) | 22.290 Mark (1983) | 18.756 Mark (1979) |



















