Vergleich

Opel Kadett C City und D im Vergleich: Von hinten nach vorne

1979 läutet der Kadett D bei Opel die Wende ein: Jetzt setzt man auch in Rüsselsheim auf den Vorderradantrieb. Reicht das aus, um in dieser Klasse wieder konkurrenzfähig zu sein? Ein Vergleich mit seinem Vorgänger, dem Kadett C City.

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Opel Kadett C City und D Berlina stehend von oben
Der Kadett C City nahm als Platzspar-Praktiker den Kadett D in gewisser Weise vorweg. Den Frontantrieb erhielt aber erst sein Nachfolger. Foto: Frank Ratering
Der Opel Kadett C City fahrend von vorne
Der praktische City gehört als Klassiker zu den eher ungeliebten Varianten. Foto: Frank Ratering
Der Opel Kadett C City fahrend von hinten
„Er schluckt nicht nur leicht die größten Tüten aus dem Supermarkt, sondern auch komplette Bergsteiger- oder Taucherausrüstungen“, ist damals in der Werbung zu lesen. Foto: Frank Ratering
Das Cockpit des Opel Kadett C City
Cool: Im City geht es rot-plüschig zu, das gefällige Armaturenbrett bietet keine Überraschungen oder Schwierigkeiten. Foto: Frank Ratering
Die Sitze des Opel Kadett C City
Die großen Fensterflächen lassen viel Licht rein – und eine gute Sicht raus. Foto: Frank Ratering
Der Motor des Opel Kadett C City
Längs eingebaut benötigt selbst der kleine 1,2-l-Motor viel Platz im Vorderwagen. Foto: Frank Ratering
Opel Kadett D Berlina und C City stehend von hinten
Der technische Sprung vom Kadett C zum D ist gewaltig – nicht nur wegen des Antriebs. Foto: Frank Ratering
Der Opel Kadett D Berlina fahrend von vorne
Sondermodelle wie der höhergelegte Pirsch oder der peppige Kadett J bringen Farbtupfer in die vierte Generation. Für unseren Vergleich muss eine prüdere Variante in Weiß herhalten. Foto: Frank Ratering
Der Opel Kadett D Berlina fahrend von hinten
Mit dem Kadett D ist das Stufen heck erst einmal passé. Mit dem Nachfolger kommt es wieder. Foto: Frank Ratering
Das Cockpit des Opel Kadett D Berlina
Sachlich: Der Kadett D bietet spürbar mehr Platz, verströmt durch sein nüchternes Ambiente aber auch mehr Langeweile. Foto: Frank Ratering
Die Sitze des Opel Kadett D Berlina
Die Sitzposition im D ist über jeden Zweifel erhaben. Foto: Frank Ratering
Der Motor des Opel Kadett D Berlina
Aufgrund des Vorderradantriebs wird der bekannte 12N-Motor nun quer montiert. Foto: Frank Ratering
Opel Kadett D Berlina und C City stehend von vorne
Mit dem Wechsel vom Kadett C zum D hält bei Opel 1979 der modernere Vorderradantrieb Einzug. Foto: Frank Ratering

Opel Kadett C City trifft Kadett D Berlina: So gelang der Wechsel vom Hinterrad- auf Frontantrieb

Nein, der Golf ist nicht der Vorreiter: Mini, Simca & Co. demonstrieren schon vor 1974 die Vorteile des Frontantriebs. Werden Motor und Antrieb zusammengefasst, spart das viel Platz – im Kofferraum wie in der Fahrgastzelle. Doch natürlich wird der Volkswagen wieder mal zum Maß der Dinge. Der Erfolg des Dauer-Rivalen ist auch für Opels Entwicklungschef Friedrich W. Lohr nicht von der Hand zu weisen. Bei Ford wird ebenfalls bereits an einem ganz neuen Escort gearbeitet. Und der Kadett? War zwar eine Zeitlang erfolgreich ist mittlerweile aber veraltet.

1973 stellt General Motors die in Rüsselsheim entwickelte dritte Generation des Kadett als „Weltauto“ vor: Rund um den Globus wird das Auto unter mehr als 40 verschiedenen Marken- und Modellbezeichnungen verkauft – zum Beispiel als Isuzu Gemini (Japan), Chevrolet Chevette (USA) oder Vauxhall Chevette (UK). Opel will den Erfolg des technisch verwandten Vorgängers nun noch einmal übertrumpfen: Schon zur Einführung stehen daher eine Stufenheck-Limousine, ein Caravan und das Coupé zur Verfügung.

Der Opel Astra im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Der Kadett C City nimmt die Stärken des Nachfolgers vorweg

Als sich abzeichnet, dass kompakte Fahrzeuge mit großer Heckklappe in dieser Klasse in einigen Märkten gefragter sind als klassische Limousinen, schiebt Opel 1975 den City nach. Als letzte Variante folgt im Jahr darauf der bei Baur gebaute Aero. Zurück zum City: Der Name deutet an, dass es sich um ein kompaktes Stadtauto handelt. Das Kadett-C-Fahrwerk wird – inklusive Radstand – beibehalten, die Karosserie ist 23 cm kürzer.

Die größte Stärke des neuen Modells ist die Heckklappe – und damit die Variabilität: „Er schluckt nicht nur leicht die größten Tüten aus dem Supermarkt, sondern auch komplette Bergsteiger- oder Taucherausrüstungen“, ist damals in der Werbung zu lesen. Eine umklappbare Rücksitzlehne sorgt für maximale Flexibilität. Damit empfiehlt sich der City als Alternative zum Caravan – zumindest für allein oder maximal zu zweit reisende Aktivurlaubende. In Sachen Varianten-Reichtum ist der Opel dem Golf damit überlegen.

Der Opel Kadett C City fahrend von vorne
Foto: Frank Ratering

Hinzu kommt das sportlichere Marken-Image: Als Chevette setzen die Brit:innen den City sogar im Rallyesport ein. Im Fall unseres Foto-Autos aus der Sammlung von Opel Classic begnügen wir uns mit weniger Temperament. Unter der Haube arbeitet der 12N-Motor mit 52 PS (38 kW), der auf ein Leergewicht von rund 800 kg trifft. Das rote Interieur begeistert passend zum flamencoroten Lack mit seinem 70er-Charme, die großen Fensterflächen lassen viel Licht rein – und eine gute Sicht raus.

Leistung und Gewicht stehen in einem guten Verhältnis zueinander. Wer mehr will, greift damals zum 16S-Motor mit 73 PS (54 kW). Ja, so macht jede City-Tour Spaß!

Im Kadett D gibts mehr Raum für ein sachliches Cockpitdesign

Verlassen wir den plüschigen Stadtflitzer und nehmen Platz im Nachfolger, der uns mit seiner Berlina-Ausstattung bezirzen will. Das bedeutet Luxus, zumindest etwas mehr Komfort, etwa durch die bequemen Velours-Sitze. Meist wird die Zusatzausstattung mit einem stärkeren Motor kombiniert – in diesem Fall nicht: Unser Foto-Kadett trägt wie der City den 12N-Motor unter der Haube, dessen Leistung nun mit 53 PS (39 kW) angegeben wird: Opel verwendet einen anderen Vergaser.

Kommen wir zum Kern: Der Motor ist das Einzige, was vom C geblieben ist. Und der wird jetzt quer statt längs eingebaut. Mit dem Wechsel vom herkömmlichen Hinterrad- zum kompakten Vorderradantrieb gehen völlig neue Raumverhältnisse einher: Der Kadett D ist rund 13 cm kürzer als die bisherige Stufenheck-Limousine. Damit rückt er in den Abmessungen an den City heran.

Dass er standardmäßig als Schrägheck-Modell ausgeliefert wird, ist eine weitere Parallele – allerdings ist die große Heckklappe zunächst nur gegen Aufpreis erhältlich, ansonsten muss der kleine Deckel unterhalb der Heckscheibe reichen. Sowohl Schrägheck-Modell als auch Caravan gibt es mit zwei oder vier Türen. Auffällig ist der um elf Zentimeter gewachsene Radstand, der zusammen mit der neuen Hinterachskonstruktion maßgeblich zum neuen Raumgefühl beiträgt.

Der Opel Kadett D Berlina fahrend von vorne
Foto: Frank Ratering

Zur Markteinführung bietet der Kadett D sogar den größten Innenraum seiner Klasse. Der ist allerdings recht sachlich geraten: Klar, die Bedienung des aufgeräumten Cockpits gelingt quasi blind. Auch die Sitzposition ist über jeden Zweifel erhaben, im City wird man gefühlt aber eher „eins mit dem Auto“. Da sich das Leergewicht nur minimal erhöht hat, sind die Fahrleitungen vergleichbar: Sportler sind sie beide nicht, für den Alltag reichen die 52 respektive 53 PS allemal.

Davon abgesehen gibt es auch vom Kadett D wieder stärkere Versionen bis hin zum sportlichen GTE. Letztendlich erweist sich die Entscheidung zum Vorderradantrieb als goldrichtig: Der Kadett D wird mit rund 2,1 Mio. verkauften Autos zum Erfolgsmodell – und doch schon nach fünf Jahren abgelöst. Aber das ist eine andere Geschichte.

Technische Daten von Opel Kadett C City und D Berlina

Classic Cars 05/2026

Opel Kadett C City

Opel Kadett D Berlina

Zylinder / Ventile pro Zylin.

4 / 2

4 / 2

Hubraum

1196 cm³

1196 cm³

Leistung

38 kW/52 PS bei 5600 U/min

39 kW/53 PS bei 5400 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

80 Nm bei 3400 U/min

82 Nm bei 3600 U/min

Getriebe / Antrieb

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

4-Gang-Getriebe / Vorderrad

L / B / H

3893 / 1570 / 1380 mm

3998 / 1636 / 1380 mm

Leergewicht

795 kg

835 kg

Bauzeit

1975 – 1979

1979 – 1984

Stückzahl

263.090

2.056.771 (Kadett D gesamt)

Beschleunigung null auf 100 km/h

20,0 s

18,5 s

Höchstgeschwindigkeit

135 km/h

140 km/h

Verbrauch auf 100 km

8,5 l S

8,5 l S

Grundpreis (Jahr)

8795 Mark (1975)

10.745 Mark (1979)