Opel Eco-Speedster: Walter Tresers radikale Diesel-Vision
Opel bastelte anno 2002 an einem Roadster, der schnell sein und mit einem Verbrauch von nur 2,5 l Diesel auf 100 km auskommen sollte: der Opel Eco-Speedster.
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Zur Profession von Walter Treser gehört es, genau zu wissen, was Opel-Interessent:innen in vier bis acht Jahren kaufen wollen – er ist der Direktor der Opel-Vorausentwicklung. In dieser Funktion hat er eine klare Vorstellung: "Künftig ist sparen angesagt, und das müssen wir mit Spaß verbinden." Seine Begründung: "Durch Verzicht wollen die Leute nicht sparen." Als Ergebnis dieser anspruchsvollen Aufgabe präsentiert Treser den Opel Eco-Speedster, eine Studie, die zeigen soll, was machbar ist.
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Opel Eco-Speedster: Walter Tresers Spar-Spaßmobil
Was wir zu sehen bekommen, ist eine technisch perfektionierte Variante jener Studie, die Opel auf dem Pariser Salon 2002 präsentierte. Doch diese hier kann fahren, sogar ziemlich schnell. Und sie bleibt dabei sparsam. "Für unser Motto ‚Sparen mit Spaß' hatten wir recht unterschiedliche Denkansätze zusammengetragen", plaudert Treser aus dem Nähkästchen. Zu den 15 favorisierten Ideen, die sich physikalisch und technisch realisieren lassen, gehörte auch das Projekt "300 + 3,0". Das Kürzel steht für ein Auto, das 300 km/h Spitze erreicht und dennoch im EU-Verbrauch mit 3,0 l/100 km auskommt. "Aber wir wollten es nicht abgehoben, sondern realistisch", meint Treser.
Vor allem wegen der Selbstbeschränkung der deutschen Automobilindustrie auf ein Spitzentempo von 250 km/h für Straßenautos entschied sich der Opel-Manager für „250+ 2,5“, also für ein Auto, das Tempo 250 km/h und einen Verbrauch von 2,5 l/100 km schafft. Das ist sogar eine noch größere Herausforderung, weil jedes gesparte Zehntel Sprit enormer Tüftelei bedarf. Und die bewältigte das Team um Treser in einer Zeit von nur zwölf Monaten. Als Basis wählten die Techniker:innen den Opel Speedster und begannen mit der Entwicklung am Rechner. Das komplette Projekt entstand zunächst virtuell mit so genannten CAD-Programmen und Simulationen auf dem Bildschirm. Erst als alles stimmte, erhielten die Prototypenbauer:innen grünes Licht und stellten den Sportwagen auf die Räder.

Flügeltüren aus Carbon
Der Zweisitzer hat ein Chassis aus Aluminium. Die darübergestülpte Flügeltür-Karosserie besteht aus "gebackenen" Kohlefaserschalen. "Das ist zwar derzeit noch die teuerste, aber gleichzeitig auch die stabilste und leichteste Bauweise", verrät Treser. Und Gewicht sparen ist hier das A und O – sowohl für den Verbrauch als auch für die Beschleunigung auf das anvisierte Spitzentempo. Mit intelligentem Leichtbau und Tricks aus dem Motorsport, wie das Lochen nicht tragender Bleche, speckten die Techniker:innen den Speedster ab. So bringt der Prototyp nur 660 kg auf die Waage. Damit der Eco auch bei hohen Tempi sparsam bleibt, reduzierten die Rüsselsheimer:innen den Luftwiderstand.
Es gelang eine Verbesserung gegenüber dem Serienmodell von immerhin 47 Prozent. Der Leiter der Aerodynamik-Entwicklung, Michael Kaufmann, verrät: "Der Unterboden ist ebenso glatt gestaltet wie die sichtbare Außenhaut der Karosserie." Durch extremes Tieferlegen können sich zudem nicht viele Wirbel unter dem Auto bilden. An gerundeten Dachsäulen gleitet der Luftstrom fast widerstandsfrei vorbei, und das Heck mit scharfer Abrisskante verhindert Turbolenzen. Kaufmann weiter: "Staudruck entsteht nur dort, wo er auch gebraucht wird." Zum Beispiel am Kühlluft-Eintritt. Unter der Fronthaube leitet eine ausgeklügelte Kunststoff-Luftführung den Fahrtwind durch Wasser-, Öl- und Ladeluftkühler. Auch das hilft, Wirbel zu vermeiden.
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Kleiner Power-Diesel als Kraftwerk
Den wichtigsten Anteil an Spitzentempo und Sparsamkeit hat das Antriebsaggregat selbst: Es handelt sich um einen kompakten Vierzylinder-Diesel mit nicht mehr als 1248 cm³ Hubraum. Das Triebwerk entstand in Zusammenarbeit mit Fiat. Der Vierventiler verfügt über die Common-Rail-Einspritzung der zweiten Generation. Diese powert mit einem Druck von 1600 bar und kann für einen Arbeitstakt bis zu fünf kleine Portionen einspritzen.
Das senkt das Verbrennungsgeräusch und verhilft zu sauberem Abgas. Der Motor verfügt über die sogenannte VTG-Turbo-Technik mit verstellbaren Ladeschaufeln und Ladeluftkühlung. Motoren-Projektleiter Christian Hock erklärt: "Nur durch eine perfekte Abstimmung des Gesamtsystems erreichen wir den besten Wirkungsgrad bei gleichzeitig hoher Leistungsdichte." Auch das hilft beim Sparen: Ein Start-Stopp-System lässt den Motor nur dann arbeiten, wenn Vortrieb nötig ist. Die Gangwahl übernimmt ein auf hohes Tempo ausgelegtes Easytronic-Getriebe.

Technische Daten des Opel Eco-Speedster
| AUTO ZEITUNG 26/2002 | Opel Eco-Speedster |
| Zylinder/Ventile pro Zylin. | R4/4; Turbo |
| Hubraum | 1248 cm³ |
| Leistung | 82 kW/112 PS 4000–4500/min |
| Max. Gesamtdrehmoment bei | 200 Nm 3000–4500/min |
| Getriebe/Antrieb | Easytronic/Hinterrad |
| L/B/H | 3970/1508/950 mm |
| Leergewicht | 660 kg |
| Bauzeit | 2002 |
| Stückzahl | 1 |
| Beschleunigung null auf 100 km/h | 8,0 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h |
| Verbrauch auf 100 km | 2,5 l D |
| Grundpreis (Jahr) | k.A. |
Fazit
Fazit anno 2002: Opel wagt einen neuen Schritt in die richtige Richtung. Das Konzept, einen Sportler auf Sparsamkeit zu trimmen, könnte aufgehen. Allerdings sind die hier verwirklichten Eckwerte nur durch teure Materialien realisierbar. Doch Opel verwendet auch Technik, die für die Serie taugt. Beispiel: Der Diesel hält mit 70 PS in Kürze auch in Agila, Corsa, Meriva und Astra Einzug.











