Turbo-Allradler mit finsterer Seele: Nissan Sunny GTI-R

Ursprünglich eine Kompaktklasse mit freundlichem Namen, wurde der Nissan Sunny als GTI zur 16V-Rakete. Noch viel feuriger ging es im Nissan Sunny GTI-R zu, der mit Allrad und Turbo Sportwagen das Fürchten lehrte.

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Der Nissan Sunny GTI-R stehend von schräg vorne.
Nissan Sunny GTI-R Foto: Peter Singhof/Artcurial

Kein sonniges Gemüt mehr: Als GTI-R reißt der Nissan Sunny mit Turbo und Allradantrieb förmlich Bäume aus.

Der Nissan Sunny GTI-R stehend von schräg hinten.
Nissan Sunny GTI-R Foto: Peter Singhof/Artcurial

Das Homologationsmodell sollte in der Gruppe A mächtig Staub aufwirbeln.

Der Nissan Sunny GTI-R stehend von vorne.
Nissan Sunny GTI-R Foto: Peter Singhof/Artcurial

Der GTI-R hebt sich wortwörtlich durch seine Motorhaube mit charakteristischem Powerdome ab.

Der Nissan Sunny GTI-R stehend seitlich.
Nissan Sunny GTI-R Foto: Peter Singhof/Artcurial

Kotflügelverbreiterungen sucht man dagegen vergeblich.

Der Nissan Sunny GTI-R stehend von hinten.
Nissan Sunny GTI-R Foto: Peter Singhof/Artcurial

Nur 6,4 s benötigt der GTI-R für den Landstraßenspurt. Noch heute ein respektabler Wert.

Das Cockpit des Nissan Sunny GTI-R.
Nissan Sunny GTI-R Foto: Peter Singhof/Artcurial

Nicht schön, aber zweckmäßig: das Sportcockpit im stärksten Sunny.

Der Motor des Nissan Sunny GTI-R.
Nissan Sunny GTI-R Foto: Peter Singhof/Artcurial

Hingucker und Achillesferse: Im Rallye-Dress setzte sich der Toilettensitz-große Ladeluftkühler ständig zu.

Nissans Kompaktklasse Sunny hatte hierzulande nie einen besonders guten Stand, da halfen weder der sonnige Name, noch die unzähligen Karosserieformen bestehend aus Steilheck, Stufenheck, Schrägheck, Kombi, Coupé und Kleintransporter. Die letzte, von 1990 bis 1995 in Deutschland angebotene Generation macht da keine Ausnahme. Was aber nicht bedeutet, dass in dieser Zeit nicht auch ein paar echte Highlights in den Showrooms der Nissan-Partner bereitstanden.

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Sunny GTI hieß Nissans wortwörtliche Kampfansage an die GTI-Fraktion – und sie war mit Zweiliter-Vierventiler und 143 PS (105 kW) durchaus ernst zu nehmen. Im Test der AUTO ZEITUNG 21/1992 schlug der kleine Japaner die Konkurrenz in Form von Citroën ZX 16V, Mitsubishi Colt GTi 16V und Opel Astra GSi 16V. Dabei war er nicht nur tierisch schnell, sondern lag toll, war sauber verarbeitet und hing – Zitat der Testkollegen – "geil am Gas."
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Video: AUTO ZEITUNG

Der Nissan Sunny GTI-R war fast mächtig genug, um eine Sonnenfinsternis heraufzubeschwören

Noch geiler wurde es folglich, als sich Nissan dazu entschied, den Sunny GTI für Rallye-Einsätze in der Gruppe A vorzubereiten. Der Kompaktsportler erhielt nicht nur ein zusätzliches "R" im Namen, sondern auch eine Turboaufladung (So funktioniert ein Turbolader) und Allradantrieb. Mit übermächtigen 220 PS (162 kW) ließ sich mit dem Nissan Sunny GTI-R anno 1992 fast schon eine Sonnenfinsternis heraufbeschwören.

Und auch das äußere Erscheinungsbild hatte sich auffallend gewandelt: Auf der Motorhaube erhob sich nun eine ausladende Beule, deren Lüftungsgitter den Ladeluftkühler mit Frischluft versorgte. Auf dem Kofferraum sorgte ein ellenlanger Heckspoiler dafür, dass der GTI-R zwar nicht auf der Autobahn, aber sich eindeutig von seinen schwächeren Brüdern abhob. Auf saftige Kotflügelverbreiterungen verzichtete die Entwicklungsabteilung interessanterweise. 

Brutale Fahrleistungen, zweckmäßiges Interieur

Man mag sich kaum vorstellen, was sich Porsche-Fahrende 1992 denken mussten, wenn sich der Nissan Sunny GTI-R auf der Landstraße an ihrem Stoßfänger festgebissen hatte. 267 Nm zerrten an den Rädern, wenn der Turbo mit 0,73 bar Luft in die Brennräume pustete. In 6,4 s raste der Allradler durch die ersten drei Gänge seines Fünfgang-Getriebes auf 100 km/h. Wegen des Heckflügels beließ man es jedoch bei "nur" 223 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Das Cockpit des Nissan Sunny GTI-R.
Foto: Peter Singhof/Artcurial

Das alles erlebte man von einem – nun ja – zeitgeistigem Interieur aus. Als Wohlfühloase konnte man das schwarze Hartplastik-Innenleben gepaart mit stoffbezogenen Sportsitzen nicht gerade bezeichnen. Doch als übersichtliches Sportcockpit samt Zusatzanzeigen für Öltemperatur, -druck und Ladedruck erfüllte es seinen Zweck vorbildlich. Für die Rallye-Asse vom Schlage eines Stig Blomqvist spielte der Komfort sowieso keine Rolle.

600 Exemplare gingen nach Deutschland

Dunkle Wolken zogen für die Rallye-Konkurrenz in Form von Lancia Delta und Toyota Celica indes nicht auf: Trotz vielversprechender Leistungsdaten fuhr der Nissan Sunny GTI-R nur hinterher, weil er sich seinen auf dem Motor platzierten Ladeluftkühler ständig mit Matsch und Wasser bespritzte. Nach den Saisons 1991 und 1992 stieg man bereits wieder aus. Bis dahin waren etwa 15.000 Stück produziert worden, wovon aber etwa 14.000 auf die rechtsgelenkte Version mit dem Namen Pulsar GTi-R fielen.

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Für den deutschen Markt waren 600 Exemplare bestimmt, die mit 60.000 D-Mark rund dreimal so viel kosteten wie ein normaler Sunny und doppelt so viel wie der Sunny GTI. Den Seltenheitswert des GTI-R bekam man zuletzt 2022 bei einer Artcurial-Auktion zu spüren: Mit einem Verkaufspreis von gut 40.000 Euro lag das neuwertige Fahrzeug deutlich über den geschätzten 20.000 bis 30.000 Euro.