Erste Testfahrt: Härteprüfung fürs Hyundai Ioniq 6 Facelift
Im Winter laufen Elektroautos ungern? Mal sehen: Wir stromern bei unserer ersten Testfahrt im neuen Hyundai Ioniq 6 Facelift von Krakau bis Zagreb – sieben Länder an einem Tag, 850 km weit über Gebirgspässe und Autobahnen.
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- Große Testfahrt: Wir bewegen das Hyundai Ioniq 6 Facelift von Krakau nach Zagreb
- Kalte Temperaturen machen auch dem Ioniq 6 Facelift zu schaffen
- Sonderprüfung in den Karpaten, dann in Richtung Donau
- Eiseskälte verhindert Glanzleistungen – aber nicht das Ankommen
- Technische Daten des Hyundai Ioniq 6 N-Line AWD
Große Testfahrt: Wir bewegen das Hyundai Ioniq 6 Facelift von Krakau nach Zagreb
Ende November stellt man ein neues Elektroauto eigentlich lieber unter schmeichelhafte Wintersonne im milden Süden – Hyundai scheint es bei der Neuauflage des Ioniq 6 aber wissen zu wollen. Eine bemerkenswert mutige Einladung trudelt ein: Fahrzeugübernahme an einem Novembermorgen im polnischen Krakau, abends sollte das Auto bitteschön ein paar hundert Kilometer weiter südlich abgegeben werden – in der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Was das konkret bedeutet, ist beim Start bereits klar: mindestens 760 km Strecke, etwas über neun Stunden reine Fahrzeit. Diese Testfahrt der etwas anderen Art lassen wir uns mit dem seit Januar 2026 bestellbaren Hyundai Ioniq 6 Facelift natürlich nicht entgehen.
Der Hyundai Ioniq 9 (2025) im Video

Kalte Temperaturen machen auch dem Ioniq 6 Facelift zu schaffen
Die ersten Kilometer bei klirrender Kälte im tief verschneiten Polen stellen aber klar: Das ist reine Theorie. In der Praxis sprechen wir über knapp acht Stunden Tageslicht, unberechenbares Wetter samt problematischem Verkehr und obendrein die Zicken des Elektroantriebs bei kalten Außentemperaturen: In den Zellpacks einer Lithium-Ionen-Batterie verlangsamen sich jetzt die chemischen Reaktionen, als Resultat kann die Batterie dadurch nicht nur weniger Energie speichern, sondern sie lässt sich obendrein auch noch langsamer laden. Um diese Effekte zu verringern, nutzt die Elektronik gespeicherten Strom als Batterieheizung – eher kontraproduktiv.
„Ja, ja“ ereifert sich der Elektro-Fan am Steuer, „aber ein Verbrennungsmotor verheizt sommers wie winters bis zu 70 Prozent der im Sprit gespeicherten Energie und stellt damit nicht einmal etwas Vernünftiges an ...“ – „... Blöd nur, dass man sich jetzt nichts davon abschneiden kann, wenn aus theoretischen 570 km Reichweite des Ioniq 6 deutlich unter 400 km werden“, ätzt der pragmatisch denkende Beifahrer.
Schweigend geht es weiter im neuen Hyundai Ioniq 6 Facelift, schließlich ist der Ausgang der Reise zu diesem Zeitpunkt eindeutig offen: Ein erster Mega-Stau zwischen Krakau und Katowice hat uns bereits auf die Landstraßen-Route nach Süden gezwungen, statt moderner Ökostrom-Ladesäulen gibt es hier dicke Luft, der beißende Qualm von Kohleheizungen liegt über den im Sommer bestimmt malerischen Hügeln Oberschlesiens.
Die Zwangsabkürzung ins Land abseits der Autobahn-Schnelllader hat uns nervös gemacht, das erste Nachladen bei Ostrava in Tschechien müsste rein rechnerisch eigentlich überhaupt nicht sein. Unser Navigationssystem plant für unsere erste Testfahrt allerdings bereits die nächste Überraschung: Es zielt entschlossen von der Autobahnroute weg über den wilden Javornik-Ausläufer der Westkarpaten – und vor diesem Ritt ins Gebirgsidyll hinüber in die Slowakei legt man doch sicherheitshalber ein paar Prozentpunkte Ladekapazität nach.
Sonderprüfung in den Karpaten, dann in Richtung Donau
Eine gute Stunde später hat sich die Anspannung aber in ihr Gegenteil verkehrt. Wir fahren unsere ganz persönliche Sonderprüfung auf geschlossener Schneedecke, freuen uns über die Allradtraktion und das deftig zupackende Drehmoment der E-Maschinen. So geht Fahrspaß, das Hyundai Ioniq 6 Facelift beginnt uns tatsächlich ans Herz zu wachsen. Eine dicke Salzkruste bedeckt den bucklig geschnittenen Koreaner inzwischen – bei seiner ersten Generation hätten wir das noch als gnädiges Verhüllen einer arg polarisierenden Gestalt gewertet. Die Ioniq 6-Neuauflage mit ihrer Haifisch-Schnauze und dem dunkel abgesetzten Heck finden wir aber zunehmend gut, und die Rallye-Patina unterstreicht den neuen Biss perfekt.
Bei Bytča hat uns die Autobahn wieder, traurig sehen wir im Rückspiegel das Gebirge mit seinen kurzweiligen Kurvenstrecken verschwinden und klinken uns in den Karawanentrott nach Süden ein. Den Ionity-Schnelllader bei Trenčín haben wir als Navigationspunkt gesetzt und schalten rechtzeitig die Vortemperierung der Batterie ein. Rein rechnerisch müsste das den Stromverbrauch des Heizens durch eine deutlich höhere Ladegeschwindigkeit wieder hereinholen …
Mit einem Ladestand von knapp 20 Prozent rollen wir an die Säule, verkabeln den Hyundai und warten gespannt – passt! Nach wenigen Augenblicken zieht der Ioniq 6 mit konstant über 100 kW Ladeleistung. Das ist zwar weit entfernt von der theoretisch machbaren Ladeleistung unter optimalen Bedingungen, aber immer noch so gut, um nicht aus dem Reiseflow der ersten Testfahrt zu fallen. WC-Besuch, Sandwich und Kaffee in der Nachbarschaft. Weiter geht’s.

Eiseskälte verhindert Glanzleistungen – aber nicht das Ankommen
170 km später rollt der Ioniq 6 hinter Bratislava über die Grenze nach Österreich, wir haben nördlich des Neusiedler Sees eine Verabredung mit anderen Hyundai-Tester:innen. Die Stimmung ist gut, das Auto läuft effizienter, als wir es unter diesen Bedingungen befürchtet hatten – die ersten Wetten werden abgeschlossen: Noch knapp 370 km bis Zagreb, wer schafft das ohne einen weiteren Ladestopp?
Aufgekratzt machen sich die Teams im Zwielicht der hereinbrechenden Winternacht auf den Weg, versuchen ihr Glück entweder über Graz im Westen oder wählen die Route durch Ungarn. Rein landschaftlich schenken sich die unterschiedlichen Strecken nichts, und nach wenigen Kilometern herrscht sowieso absolute Dunkelheit. Der Hyundai zieht stetig durch die kleinen Dörfer am Rand der ungarischen Puszta, huscht bei Rédics über die Grenze nach Slowenien und kaum einen Wimpernschlag später über die Mur-Brücke nach Kroatien.
Bis zum Finale in Zagreb sind es jetzt noch 108 km, die Reichweitenanzeige des Hyundai hält 110 km für machbar. Zu eng für unsere Nerven. Mit einem letzten – unnötig langen – Zehn-Minuten-Stopp bei Varaždin wählen wir die Sicherheits-Variante und den Spott der Kollegen. Die ziehen durch und stehen mit entspannten 30 km Restreichweite am Check-in, als wir in die Hoteleinfahrt rollen. Wie eine Niederlage fühlt sich unsere erste Testfahrt im Hyundai Ioniq 6 Facelift aber ganz bestimmt nicht an.
Technische Daten des Hyundai Ioniq 6 N-Line AWD
AUTO ZEITUNG 04/2026 | Hyundai Ioniq 6 N Line AWD |
|---|---|
Technische Daten | |
Motor | zwei permanenterregte Synchronmaschinen |
Antrieb | Konstantübersetzung; Allrad |
Leistung | 239 kW / 325 PS |
Max. Drehmoment | 605 Nm |
Kapazität / Spannung | 84 kWh / 800 V |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 4935 / 1880 / 1495 mm |
Leergewicht / Zuladung | 2134 / 386 kg |
Kofferraumvolumen | 401 l |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 5,1 s |
Höchstgeschwindigkeit | 185 km/h |
Verbrauch auf 100 km (WLTP) | 15,9 kWh |
Reichweite (WLTP) | 570 km |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 61.550 € |
Bestellstart | Januar 2026 |
Alle Daten Werksangaben | |





















